Es gibt Menschen, die meiden Friedhöfe.
Und aus dem gleichen Grund auch Kirchen.
Argumentation: Da wollte ich erstens nie freiwillig sein,
und zweitens MUSSTE ich immer dahin, wenn einer gestorben war.
Mir geht es so mit Blumenläden.
Irgendwann bin ich nicht mehr freiwillig in sie hinein gegangen.
Tue ich es heute doch einmal, dann nie, weil ich es will,
sondern weil man anderswo eben keine (vernünftigen) Blumen
her bekommt und zu gewissen Zeitpunkten Blumen eben
einfach sein müssen.
An den letzten Blumenladen, in denen ich von Herzen gerne
gegangen bin, kann ich mich noch gut erinnern:
Ich kaufte dort jeden Freitag rote Rosen.
Für DM 50,--.
Ein phänomenaler Strauß war das immer gewesen.
Wundervoll einfach.
Die nette Inhaberin packte ihn mir stets gut befeuchtet ein,
für die stundenlange Fahrt nach Bonn im Auto.
Monatelang war das so gegangen.
Doch irgendwann waren meine Rosen dort, wo ich sie hin
gefahren hatte, nicht mehr gewollt und auch ich nicht.
Zwei Wochen später gab es keine Freitagsfahrten mehr über
die Autobahnen quer durch Deutschland.
Und auch keine Blumensträuße.
Aber einen Geschenkgutschein musste ich für das Büro dort
besorgen. An einem Freitag, schnell noch eben für den Chef.
Also stand ich wieder am Tresen, wieder freitags mittags.
Und wieder kommt die nette Inhaberin und ich rede mit ihr
und ihr Gesicht wird klein und gesenkt und dann sagt sie
diesen Satz, ich höre ihn wie gestern, er hört nicht mehr auf
in meinem Kopf hin und her zu hallen:
"Für SIE...keine Rosen mehr...??"
Und dann kann ich auf einmal nicht mehr reden, keinen Ton.
Es schnürt mir die Kehle zu, ich kann ihr nicht mehr
in die Augen sehen, ich könnte es mir ja nicht mal
selber beantworten und ich will eigentlich nur noch hier raus,
weglaufen, und ich will nie nie nie wiederkommen.
Aber ich darf nicht ohne diesen Gutschein ins Büro zurück.
Also muss ich durch das Schlimmste durch, ich muss hier
bleiben, ich muss dem Chef diesen Gutschein mitbringen,
ich kann nicht weg, ich muss das aushalten.
Zum zahlen und bedanken reicht es noch,
es reicht auch noch zum Verlassen durch die Glastür,
ich kann ihren Blick auf meinem Rücken förmlich spüren,
es reicht auch noch bis zum Auto, aber dann nicht länger,
sobald die Fahrertür zugeschlagen ist, schreie und heule ich
nur noch, bis mir meine eigenen Ohren klingeln und die
Heiserkeit mich irgendwann rettet.
Da war ich das letzte Mal in diesem Laden.
Davor das Mal war ich das letzte Mal in meinem Leben
gerne in einem Blumengeschäft gewesen.
Lange hab ich das durchgezogen, etliche Jahre.
Neuen Partnerinnen sagte ich immer was von Hemingway.
Der meinte, er möge Blumen und Kinder, aus diesem Grund
reiße er beiden nicht die Köpfe ab.
Schnittblumen gab's bei mir nicht.
Den Hemingway hab ich dutzendfach zitiert.
Irgendwann fing ich dann aber doch an, der Exfrau
ab und an Blumen mitzubringen.
Vielleicht hatte es mit ihren minimal traurigen Augen
an ihren Geburtstagen und anderen events zu tun gehabt.
Vielleicht hatte es etwas mit den bedauernden Blicken
ihrer Familie zu tun, wenn von mir nie Blumen gab.
Ich mochte das Betreten von Blumenläden nicht wirklich,
aber irgendwann tat ich es doch, ich sah wie sie sich freute,
und das -fand ich- zählte mehr.
Und: Ich wählte die Blumenkäufe immer anlasslos.
Nie zu bestimmten Daten.
Einfach unerwartet, einfach so.
Anlässlich der Trennung Jahre später fragte ich sie, wann sie
angefangen hätte, mich zu bespitzeln und mir nachzustellen.
Und ihre Antwort war verzögerungsfrei.
"Ich wusste, dass Du jemand anderes hast,
als Du anfingst, mir Blumen mitzubringen!"
Das war hart, stimmte nicht, das war nicht die Wahrheit,
aber das war dann auch egal. Tätern glaubt man nicht.
In Blumenläden muss ich hin und wieder zwar immer noch.
Aber ich bin mit ihnen durch.
Das Schlimme an ihnen ist, dass sie alle gleich riechen,
unverändert, seit Jahrzehnten. Sie sind duftende Zeitkapseln.
Sie riechen heute noch genau wie früher.
Sie riechen nach 1997 und guter alter Zeit mit Jugend,
nach Liebe, nach Begeisterungsfähigkeit.
Sie riechen nach alter Lebensfreude ebenso so wie nach neuem Tod.
Ihr Geruch hat schon alte, sorgfältig begrabene Erlebnisse
binnen Sekundenbruchteilen wieder exhumiert,
da ist man noch keine 3 Schritte im Laden drin.
Andere meiden Friedhöfe. Ich meide Blumenläden.
22 November 2024
von Blumenläden
14 November 2024
zurück in der Vogelsanger Straße
Lächerlich, wie viele Jahre ich diese Straße gemieden habe
wie der Teufel das Weihwasser.
Und das nur, weil ich hier irgendwann in den Neunzigern
die schlimmsten Stunden meines Lebens verbracht hatte.
Das war richtig schlimm gewesen, damals.
Ich hatte zwar schon irgendwie Zeichen am Horizont
in den Wochen zuvor gesehen.
Dass die Frau, die ich damals über alles liebte, wohl
nicht so ganz das Gleiche für mich empfand, trotz
innigster Schwüre und Beteuerungen.
Da war ihr Umzug von Bonn nach Köln gewesen.
Zu dem ich meine Hilfe selbstverständlich fix eingeplant hatte.
Und der dann doch ganz plötzlich auf genau das eine Wochenende
vorgezogen worden war, an dem ich genau nicht kommen konnte.
Da war die J.S. Bach -CD, die ich ihr geschenkt hatte mit einem
handgeschriebenen Liebesschwur in wasserfestem Edding drauf.
Welcher 2 Wochen später von der CD-Hülle nahezu vollständig
entfernt worden war.
Da war die Studenten-Abschlussparty gewesen. Auf der mit
einem Mal mein Vorgänger (Hanno) bei ihr da stand
und kurze Zeit später flennend mit ihr auf einer abseits
gelegenen Treppe saß.
Wie ihre Kommilitonin Andrea leicht schwankend die Chance nutzte
und zu mir, der ich allein da stand, zukam und mich beiseite nahm.
Um mir zu sagen, dass ich schnell weit weg laufen solle.
Ich würde hier nur ausgenutzt.
Und ich sei zu lieb für sie.
Und weitaus zu gut für sie.
Aber ich hatte nicht gehört, und nun saß ich da,
an Weihnachten 1998, allein in ihrer Wohnung.
In der Vogelsanger Straße.
Nach 4-stündiger fordernder Fahrt war ich angekommen zu ihr,
damit wir gemeinsam Weihnachten feiern konnten.
Nur wir zwei.
Wie sehr ich mich darauf gefreut hatte.
Wie sichtlich nervös und in Aufbruchstimmung sie gewesen war.
Unerwartet seien Verwandte aus Rumänien bei ihrer Familie
in Ahrweiler eingetroffen.
Da müsse sie sich nur mal sehen lassen, das ginge nicht anders.
In ein paar Stunden sei sie zurück, dann wäre sie ganz da für mich.
Und dann war ich keine 20 min nach meiner Ankunft
wieder allein in ihrer Wohnung gewesen.
Die Stunden vergingen. Nachrichten blieben ebenso aus wie ihr Handy.
Manches Mal stand ich an den bodentiefen Fenstern und schaute
nach unten auf den Platz gegenüber dem Parkhaus, wo mit
Eintreten der Dämmerung immer seltener Paare händchenhaltend
und mit Einkaufstüten beladen aus dem Einkaufszentrum
heraus traten, um nach Hause zu gehen und Kerzen anzuzünden,
Musik anzumachen, Essen zuzubereiten und ihre Zweisamkeit
zu genießen.
Irgendwann waren da nur noch die Beleuchtungen der Straße
zu sehen und niemand kam mehr entlang.
Und da saß ich nun allein, an Heiligabend 1998.
Und wartete.
In der Vogelsanger Straße.
Sie kam an diesem Tag nicht mehr.
Sie kam auch am nächsten Tag nicht zurück.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag schließlich rief sie mittags an,
ganz kurz nur, sie müsse zurück zu den Verwandten,
ich solle wieder heimfahren, nach BaWü.
Es täte ihr so leid, das sei alles ganz anders geplant gewesen,
nun müsse sie aber mitspielen, ganz sicher mache sie alles
wieder gut, sie käme dafür zu mir, an Silvester, für einige Tage,
dann hätten wir Zeit, nur wir zwei, nur für uns.
Ein bisschen traurig über dieses Weihnachten hatte ich meine
Sporttasche wieder gepackt und mich in mein Auto gesetzt,
über eine fast leere A3 war ich an diesem Feiertag zurück
gefahren in das einsame, stets distanzierte Umland nördlich
von Stuttgart.
Aber ich wusste ja, bald würde sie kommen!
Es muss so etwa gegen 22 Uhr am 31.12.1998 gewesen sein,
als mir etwas klar zu werden begann.
Dass sie nicht mehr kommen würde.
Dass sie nie mehr kommen würde.
Ich kann mich an jede der Nächte der nächsten Wochen erinnern,
so als seien sie letzte Woche gewesen.
Nur noch 1x war ich danach in der Vogelsanger Straße gewesen.
Bei ihr.
Vor ihrer Haustür.
1x, das ich mir besser erspart hätte.
Denn hinein gelassen wurde ich nie wieder.
Nun laufe ich also wieder hier durch,
ein gutes Vierteljahrhundert später.
Neue Vertriebspartner von mir sind hier um die Ecke,
das Team ist freundlich, harmonisch, eingespielt und
kommt von der Konkurrenz zu uns.
Sie sind neugierig, alles ist neu und spannend für sie.
Sie sind jung, sie sind hungrig, aufnahmebereit.
Sie nehmen jede Unterstützung, die sie kriegen können.
Sie haben eine hübsche Azubiene, die die atemraubendste
Figur hat, die ich jemals außerhalb des Internets zu sehen bekam.
Die Jungs haben unglaublich gute Manieren und mögen es,
wie ich mit ihnen umgehe.
Hier werde ich gerne hin kommen die nächsten Monate.
Und kann etwas tun, was man immer tun sollte,
wirklich immer, und was ich schon vor Jahrzehnten
hätte versuchen sollen:
Schlechte Erinnerungen mit neuen, guten zu überstreichen.
06 September 2024
von Fehleinschätzungen im Leben
Während eines Workshops, den ich neulich
mit einem Kollegen zusammen in unserer Zentrale
für Vertriebspartner gegeben habe, hörte ich mich
von vorne etwa folgenden Satz sagen:
- "Niemand macht Euch einen Vorwurf, wenn irgendwas
schiefgeht - auch ein Spezialist zu sein und jahrelange
Erfahrung zu haben in Kundengesprächen hilft Euch
auf keinen Fall dabei, vorauszusagen, wie etwas
wohl ausgehen wird.
Ich habe mich in der Hälfte aller der Fälle, in denen ich
mir nahezu sicher war zu wissen, ob etwas klappt oder
schiefgeht, im Nachhinein geirrt.
Meine Konsequenz daraus ist:
Es ist nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, wie
etwas ausgeht - denn ich liege zu oft falsch."
im Auto auf, dass diese Ratio "in der Hälfte aller Fälle"
für meine Person nur für den BERUFLICHEN Bereich zutraf.
Für den PRIVATEN Bereich war die ratio schlechter.
Ganz erheblich schlechter sogar:
Ich taxiere hier den Umfang meiner Fehleinschätzungen
auf mindestens 70%.
Für jemanden, der immer viel auf seine angeblich
ach so umfangreiche, tiefe Menschenkenntnis gegeben hat,
war diese Erkenntnis ein bisschen schmerzhaft.
Eigentlich aber auch nur des Egos halber - denn weshalb
sollte eine Einsicht, die nur einen selbst betrifft, weh tun?
Ein Satz, der mir in dieser oder leicht anderer Form ab und an
von ehemaligen Freunden oder Beziehungen oder Verhältnissen
ins Gesicht geschleudert wurde, war
- "Du kannst Dich nicht selbst belügen, vor Dir selbst
kannst Du Dich nicht verstecken."
irritierend - ich war nämlich immer mit mir im Reinen.
Ich habe nie einen Zweifel gehabt an dem, wer und was
ich bin, mir war das alles immer und vollumfänglich
bewusst und klar.
Nicht, dass mich das zu einem guten Menschen machen würde,
vor Allem nicht, dass mich das zu einem empfehlenswerten
Partner / Liebhaber / Freund gemacht hätte, nicht, dass ich all das
klar und unmissverständlich kommuniziert hätte.
Ich sage nur: Mir erschien das, wie ich bin, immer glasklar
und die Konsequenzen dessen, was daraus entstehen würde,
waren für mich stets etwas, das ein Problem meiner Umgebung,
nicht aber eines aus mir heraus war.
Kurz gesagt empfinde ich Menschen als "mehrheitlich problematisch"
im Sinne von "der Umgang mit ihnen wird wahrscheinlich in einer
unerfreulichen neuen Situation enden".
mutmaßlich wieder ein Gedankenfehler,
und das trotz besseren Wissens.
Offenbar ließ meine Außenwirkung aber Anderes vermuten?
Das könnte sein.
Das wird sogar bestimmt so sein, andernfalls wären die
freundlichen Hinweise nämlich: Nonsens.
Was in der Sache selbstverständlich auch eine Möglichkeit wäre,
nur suche ich bevorzugt erst bei mir selbst nach einer Begründung,
bevor ich den Gegenüber für einen minderbegabten Beobachter hielte.
Also muss es so sein.
Meine Außenwirkung wird wohl mit meiner
Gedanken- und Erlebenswelt mismatchen.
- "Wir haben alle Angst gelernt,
deshalb verhalten wir uns manchmal merkwürdig."
Ich gerate wirklich selten in die Situation, Aussagen von
Speakern/Coaches/Erfolgstrainern zuzustimmen,
hier mache ich eine Ausnahme.
Und jetzt packe ich Gerten, Panzerband, Fesseln, Plugs,
Masken und anderes Dungeonzeug in mein Auto und
fahre ins Beziehungs-Auszeit-Wochenende in den Westerwald.
Erholen auch Sie sich gut.
Sie haben es verdient.
02 Mai 2024
Thomas on: Africa
Leider gibt es so gut wie keine Liveauftritte
von Thomas Zwjisen, meinen besten jemals
im Suff investierten 115 Euro nach Genuss
diverser seiner YT-Videos.
Dem Mann folge ich seit seinen mittleren
Zwanzigern, bewundere seine Transkriptionen
von Musik, die ich ohnehin liebe, auf seine
akustische Gitarre.
An seinem 36. Geburtstag veröffentlichte er
eine wunderbare Akustikversion von Toto's
AFRICA.
27 Januar 2024
vom Chaos aus dem Inneren
Es gibt so Aussagen, an denen kaut man eine
ganze Zeit lang drauf herum, diese da oben war so eine.
Ich finde es herausfordernd, da für mich selbst
einen Griff dran zu machen, mich zu positionieren,
das einzuordnen.
Und doch wirkt das Thema wie etwas, mit dem
ich mich befassen wollen sollte.
2 Ideenwege bleiben bei mir hängen.
Der erste ist die Position der Ex-Frau zum letzten Satz:
Sie hätte die gleiche Meinung vertreten.
Allerdings für die genau entgegengesetzte Aussage:
Sie wäre viel eher davon überzeugt, dass Ordnung im Innen
auch eine Ordnung im Außen herzustellen versucht.
Außerdem entsprach das ihrer Auffassung davon, dass
im Innen wie auch im Außen gewissermaßen ganzheitlich
Ordnung sein solle:
Saubere Aufgeräumtheit ist somit
Ausdruck eines gesunden, ruhenden Inneren.
Und ihre Anwesenheit bringt Andere dazu, ebenfalls
diesen Ruhezustand anzunehmen.
Das klingt so schlüssig und gutmenschlich, dass man sich
fast schon wundert, dass sie einige sehr wenige Male
zu der gleichen Selbsteinschätzung wie oben getroffen kam:
Dass sie eigentlich gar nicht so sei und sich suspekt vorkäme.
Damit sind wir beim zweiten Ideeenweg,
nämlich meiner eigenen Position zum letzten Satz:
Denn ich denke, dass dieses Gefühl des "sich selbst dabei
suspekt seins" schon auf die ganz richtige Fährte führt:
Dass nämlich diese Aussage des "Spiegelns" -zumindest
für meine Person (aber gefühlt auch für weitaus mehr Dritte,
als man vermutet) eben mehrheitlich nicht zutrifft.
Spiegelndes, im Sinne von replizierendes Verhalten sehe ich
eher im Adaptieren des Neuen, also bei Kindern beispielsweise.
Denke ich aber an mich als Erwachsenen, und geht es nicht um
das Adaptieren/Erfahren von Neuem, sondern um Verarbeiten
von bereits Erlebtem, dann nehme ich mich (und eine Menge
Anderer) viel eher als kompensatorisch handelnd wahr.
Und dann ist das Schaffen von Ordnung eben nicht
das Replizieren des "Status Innen" auf den "Status Außen",
sondern dann versucht man, inneres Chaos zumindest durch
das Erleben auszugleichen, wenigstens im Außen zum
Schaffen von Ordnung in der Lage zu sein.
Ich selbst nehme mich bei einer irrwitzig häufigen
Anzahl von Gelegenheiten als "kompensierend" wahr.
Manchmal ist es zum Schmunzeln.
Absolut interessant fand ich dann aber den
oben beschriebenen Prozess:
Da wird erst im Außen ein Chaos angerichtet / zugelassen,
nur um es hinterher wieder in Ordnung bringen zu können.
Also etwa: Erst, wenn ich es SEHE, was ich durch das
Replizieren des Innen nach Außen angerichtet habe,
dann kann ich es dort auch reparieren.
Diese Technik finde ich absolut faszinierend.
So fremd sie mir auch erscheint, so absolut logisch
und nachvollziehbar erscheint sie mir.
Und manchmal finde ich es etwas nachdenklich stimmend,
dass mir etwas völlig verständlich und logisch erscheint,
während es zugleich das komplette Gegenteil von mir selbst ist.^^
14 Januar 2024
12 November 2023
sorry for the tears
die meisten von ihnen treiben einem die Tränen in
die Augen. Aber der hier ist besonders schlimm.
Kunst ohne Funktion ist bedeutungslos, und mäße
man diese Bedeutung an dem durch Kunst ausgelösten
inneren Bewegungsmoment, so müsste Jenny als eine
der relevantesten Comic-Künstlerinnen der Neuzeit gelten.
Was sie für mich auch ist. Ich finde sie einfach fantastisch.
Ich hoffe, ich denke früh genug dran, zu Weihnachten
ein bisschen was aus ihren Shops zu erwerben und
an liebe Menschen zu verschenken.
"Sorry for the tears" steht unter ihrem Shop-Avatar.
Recht hat sie.
Bereit für die "black cats" Geschichte?
Dann mal los, ruinieren Sie Ihren Vormittag.
07 November 2023
Wasted Years
Vielleicht bin ich überkritisch, wenn es darum geht,
zurückzublicken und an Orten und in Zeitgeschehnissen
Erfolge und Großartiges ausfindig zu machen:
Retrospektiven fordern mir stets Selbstbeherrschung ab:
Gerne fallen mir die negativen Dinge ein.
Das Auflisten des ganzen Positiven hingegen bereitet mir Arbeit.
Es kommt nicht von allein, fühlt sich nicht natürlich an.
Ich muss mich ein bisschen zusammenreißen dafür.
Keine Ahnung, wo ich das herhabe.
Doch anders war es nie.
Anders geht es mir mit Menschen.
Auch, wenn mir schon nachgesagt wurde, schlecht geredet
zu haben über Menschen, die ich einmal geliebt habe oder die
-noch relevanter- mich einmal geliebt haben, denke ich doch
ganz still in mir drin gut über sie.
Und das tue ich auch mit jenen, die mir durch ihr eigenes
Verhalten im Nachgang dazu nicht unbedingt weiteren Anlass
gegeben haben.
Meine bevorzugte Denke dazu geht etwa so:
Alles endet.
Du hast NIE in der Hand, wann das der Fall ist,
und SELTEN in der Hand, auf welche Weise das geschieht.
Aber enden tut es doch, alles.
Und danach hast Du es aber wieder in der Hand:
Nämlich wie Du darauf zurückblickst und es Dir
in Deinem Herzen behältst.
Zurück zu dem, wie man die eigene Vergangenheit betrachtet,
was man an ihr findet, Gutes wie Schlechtes:
Manchmal entpuppen sich Dinge, Erlebnisse, Worte
erst mit einer wahnwitzigen verzögerung als das,
was sie für uns schlussendlich darstellen und bleiben.
Die "Wasted years" von Iron Maiden kenne ich seit 37 Jahren.
Aber erst jetzt, in diesen Tagen verstehe ich, wie sehr das Stück
zu mir passt und was es mir eigentlich bedeutet.
Vielleicht, weil es das auch jetzt erst tut.
Vielleicht muss das so.
Vielleicht begreife ich das alles mal, wenn ich groß bin.
heute zum Iron Maiden Fan - es gibt zwar etliche tolle
Akustikversionen von WASTED YEARS auf YouTube:
Aber die von Opa Clifford ist mir die liebste.
Sein Gitarrenspiel ist das beste
und er benutzt anders als die Anderen
null Technikschnickschnack, das mag ich :-)
26 Oktober 2023
Jeannie (part II )
Eine Antwort nach 3 Minuten zu bekommen,
nachdem man 20 Jahre nichts von sich hat hören lassen,
kann nun zweierlei bedeuten.
Erstens - da freut sich jemand wirklich, Dich wiederzuhören.
Zweitens - da föhnt Dir jemand gleich sowasvon den Pony,
was der Scheiß jetzt nach zwanzig Jahren soll und dass
Du ja mal vielleicht Nerven hättest nach all der Zeit.
ich tatsächlich schonmal erlebt habe.
Und bis heute nicht kapiere, weshalb.
Wie sich herausstellt, trifft Ersteres zu. Sehr sogar.
Auf dem Sprung sei sie, würde sich aber später noch melden.
Abends ploppt dann die erste Nachricht von ihr bei mir auf,
seit es Smartphones gibt.
In der Zwischenzeit habe ich alte Fotosicherungen gewälzt
und Bilder von uns bzw. von ihr rausgesucht.
spiralkabelgebundenes Siemens-Telefon neben ihr
auf dem Büroschreibtisch.
Tatsächlich hatte sie sich mal die Haare schwarz gefärbt.
Ein Frevel, bei dieser Blondheit.^^
Aber zu Karneval durfte man mal bekloppt sein,
zumal wenn in Köln.
Tatsächlich guckt sie auf einem der Bilder richtig angepisst
in die analoge Rollfilmkamera - das war morgens kurz nach
neun bei uns im Büro gewesen, und sie war STOCKSAUER
auf MICH, weil sie mal ausnahmsweise PÜNKTLICH da war!
Das war, als mir eines Tages ihre stete Unpünktlichkeit
SO auf den Zeiger gegangen war, dass ich abends
ALLE Uhren in ihrer WG um 15 min VORgestellt hatte.
Inklusive der Wanduhr, ihrer Armbanduhr, die Uhr im Bad
und ihren Wecker.
Blöderweise hatte ich aber die Tacho-Uhr in ihrem Golf vergessen.
Alter.
HAT DIE mich geföhnt, als sie bemerkte, dass sie
15 min ZU FRÜH im Büro war.
Also: Pünktlich zur Öffnungszeit.^^
Ich lächle. Was für eine lustige, schöne Erinnerung.
Schön auch die Erinnerung das eine Kompliment,
was sie mir mal nach dem Sex gemacht hatte und was
mir nach Jahrzehnten immer noch im Kopf echot.
Sofort erinnere ich mich an das neulich erst
gesehene meme über Männer auf 9gag:
Da ging es darum, dass sich ein Mann für den gesamten
Rest seines Lebens erinnern wird an jedes einzelne
Kompliment, das eine Frau oder sonstwer ihm
Das ist wahr. Alles.
Sie sagt, sie sei nicht die "Generation Tippen" und wird
deshalb auch in den nächsten Wochen fast ausschließlich
Sprachnachrichten verwenden.
Sie erzählt mir von ihrem Teenie-Sohn,
von der Trennung von ihrem Freund,
von der Pleite ihres Arbeitgebers,
von ihrem Wunsch, ein paar Monate lang ihre
Selbständigkeit von unterwegs aus in Südeuropa aufzubauen.
Ich erzähle ihr, was bei mir los war, dass ich seit Monaten
auf der Suche nach einer neuen Wohnung bin,
wie sehr mich die Maklerkontakte frustriert haben und
ob sie auch Mietimmobilien in der Vermittlung hätte.
Sie verneint, nur eine Wohnung an der Grenze
zwischen NRW und RP sei in Kürze zu vermieten.
Aber die ist zu weit weg, zu groß und deutlich zu teuer.
Ich seufze.
Sie fragt, was genau ich denn suchen würde.
Ich sage, ich habe derzeit 4 Zimmer, 100 qm und fände
es großartig, irgendwo im Süden von Köln zu wohnen.
Und sie so:
"Sag mal? Ich habe 4 Zimmer und 100 qm.
Willst Du nicht MEINE Wohnung hier haben?
Ich ziehe demnächst aus!
Und das ist der Moment, wo ich kurz den Kopf
tief in den Nacken lege und mir mit geschlossenen Augen denke
"...das hier, das ist doch alles kein Zufall!?"
Und während ich das noch denke, höre ich aus dem Telefon
"Wann bist Du wieder hier? Jetzt am Wochenende!?
Ich reserviere uns einen Tisch in der L'Osteria!".
12 Oktober 2023
vom Herbstlächeln
Was für ein schöner Herbst das ist:
Es fühlt sich an, als wollte er uns entschädigen,
versöhnen mit einem Mäh-Sommer.
Als wollte er mich versöhnen mit dem, was war.
Als gäbe er mir ganz bewusst nochmal Gelegenheit,
reflektive Momente unterwegs zu erleben, sie zu nutzen.
Erinnerungen erneut durchzudenken - aber im milden Licht
der tieferstehenden Herbstsonne vielleicht mit der
Möglichkeit, zu einem etwas sanfteren Fazit zu gelangen.
So, wie es sein sollte, kurz vor Abschieden.
Sich noch einmal mit einem Lächeln auch zu erinnern.
Und an Lieben, die einmal waren.
Oder an Lieben, zu denen es nie kam.
Es ist meine starke Überzeugung, dass man Menschen damit
ehrt und seine Liebe zu ihnen zum Ausdruck bringt,
wenn man oft an sie denkt, wenn man dabei Gutes
von ihnen denkt.
Wenn man dabei allein ist und es auch niemandem sagt.
Wenn man diese Zeit allein mit ihnen im Geiste verbringt,
sie ihnen somit schenkt. Immer wieder.
Wenn man dabei lächelt, aufrichtig lächelt.
Wenn man sie dabei im Geiste in den Arm nimmt.
So geht es mir, wenn ich an Dich denke.
Auch wenn Du es nicht mögen würdest, dass mir das stets
dann so geht, sobald Type O'Negative im Auto läuft.
Denn zu TON hattest Du ein schwieriges Verhältnis:
Du konntest sie nur hören, wenn es Dir ganz schlecht ging.
Und sie dann ihre Fähigkeit wie keine zweite Band nutzen,
Einen noch weiter bis nach ganz unten zu ziehen.
Aber manchmal brauchtest Du das.
Manchmal brauche ich das heute auch noch.
Das ganz-nach-unten-runtertauchen.
Um dann wieder emporzuschwimmen.
Zurück ans Licht.
Raus aus den Schatten.
Und an den Herbst und Dich und Dinge zu denken. Lächelnd.
19 August 2023
Showtime!
Der Senf von heute, auch als Podcast verfügbar.
Schlimme Sache, ich weiß. ]
So wirklich überraschend konnte das
nicht mehr gewesen sein.
Aber den Ausschlag, den neuen Job in Köln anzunehmen
(obwohl keine Gehaltserhöhung jetzt, obwohl NULL
Umzugskostenzuschuss) war tatsächlich diese bis dato
vernachlässigte Überlegung:
Selbst, wenn Du den jetzt hier ablehnst
- umziehen musst Du sowieso.
Und dann siegte der kleine Trotzkopf in mir:
Wenn ich eh den ganzen Rotz hier abmontieren und
wieder einpacken muss, warum dann nicht gleich
Richtung Freundin?
Und auch -sprechen wir ruhig etwas aus meinem Mund
sehr merkwürdig Klingendes erstmals aus:
Warum nicht zurück Richtung Heimat?
Sofort musste ich selber stutzen - Hä? wieso, bitte, Heimat?
Seit dreißig Jahren bin ich jetzt hier im Süden.
Und ich könnte echt nicht sagen, dass die Erinnerungen
aus Tagen der Kindheit in NRW und als Teenager in RP
so was wahnsinnig heimatbegründendes in sich gehabt hätten.
Und doch war er da, dieser komische, schlecht begründbare Gedanke.
An diesem überlegte es in mir herum, es gesellte sich
ein weiterer Gedanke dazu, ganz typisch für mich,
sowohl im Geiste die Gegenposition provokativ einzunehmen
als auch nicht an einem "warum da hin?" herumzudenken,
sondern an einem "warum hier weg?".
Und auf einmal standen sie da, in Reih und Glied,
alte Geister, stumm und harmlos, jetzt sind sie das,
dennoch unvergessen.
Eigenes Gesagtes und Getanes. Schlimmes Zeug dabei, echt.
Bei dessen bloßer Erinnerung ich mich selbst nicht anders kann
als zusammenkrümmen und die Augen zusammenkneifen.
Auch erlebtes Unrecht, manches Mal mit einem zu viel
an Sanftmut von meiner Seite begegnet.
Manches Mal aber auch Dinge, die mich in die Raserei und
in den Zorn getrieben hatten, unnötig, unangemessen.
Vielleicht spricht es zu meiner Person, meinem Charakter Bände,
dass ich jetzt dreißig Jahre hier in einem Radius von max. 25 km
gewohnt, gelebt, geliebt, gearbeitet habe, und es zu keiner
einzigen dauerhaften, belastbaren Freundschaft gebracht habe,
und was meine ich damit?
1.
Die Anzahl der Menschen, die ein Wegziehen von hier wirklich
zu einem nägelkauenden nächtelangen Herumüberlegen
werden lassen könnten, beträgt null.
2.
Die Anzahl der Menschen, denen es bei der umgekehrten
Überlegung mit mir als Person anders erginge, beträgt:
Ebenfalls null.
Ok, aber was ist mit der Arbeit hier?
Mit manchen Kollegen und Vertriebspartnern habe ich jahrelang
zusammengearbeitet. Bisweilen enger, bisweilen vertrauter.
Und worin ist das zum Schluss gegipfelt die letzten Wochen?
In meiner Aussage an meinen Chef, dass ich überall hinzugehen
bereit wäre, aber nie wieder dorthin, wo ich wohne, wo ich
ewig tätig war, wo mich jeder kennt und wo mich die allermeisten
ab 2024 fest zurück im Team erwartet hatten.
Das Staunen am anderen Ende der Leitung.
Das hatte man fast sogar hören können.
Aber ich hatte die letzten Jahre hier noch in zu guter Erinnerung.
Den Verrat an meinem Vertrauen.
Die Verleumdungen meiner Person. Widerliches Zeug dabei.
Das um 180° gedrehte Wesensbild meiner ex-Chefin.
Dass sich der Job inhaltlich und was seine Umstände angeht
immer mehr zum Schlechteren gewandelt hat.
Oft habe ich mir die letzten Wochen überlegt, wie wohl eine
Abschiedsrede von mir (die es nie geben wird) klingen würde.
Bei meinem virtuellen Schlusssatz (obgleich ich ihn dutzende Male
durchgespielt habe) muss ich jedes Mal erneut lächeln,
denn allein der Gedanke an ihn erzeugt ein kurzes Strahlen,
etwa wie eine Streichholzflamme in der Dunkelheit:
"Ich gehe von hier weg mit zwei lachenden Augen."
Also:
Die Frage lautete in Wahrheit nie, ob ich den Job
annehmen und damit hier wegziehen sollte.
Die Frage, vielmehr der Gedanke,
hätte -richtig formuliert- eher lauten müssen:
Nenn mir einen Grund, hierzubleiben.
Und angenommen, da gäbe es so was wie einen guten,
vertrauten Freund, und sagen wir, wir selbst wären dieser
gute Freund, und sagen wir, da wäre jemand, der uns nahesteht,
der nun einen Rat in dieser Situation VON UNS bräuchte:
Was sonst, was anderes als "pack Dein Zeug und zieh weiter"
sollten, könnten, müssten wir ihm empfehlen?
20 Juli 2023
traumreiche Tropennächte
der Projektionsuhr an der Schlafzimmerdecke ausweisen.
Was bedeutet, dass mein grandioser Plan, das Abklingen
der großen Tageshitze abzuwarten, die Wohnung sodann auf
Durchzug zu lüften und möglichst spät zu Bett zu gehen
mit dem Ziel, ein kühles Bett und die nötige Bettschwere
nach einer frischen Dusche vorzufinden, ebenso grandios
gescheitert ist.
Statt dessen zeigen die tagelangen 30°C+-Temperaturen
und die tropenwarmen Nächte ihre Wirkung:
Ich liege glockenwach mit offenen Augen im Bett und
denke stundenlang nahezu ausschließlich an Sex,
was sich auch fortsetzt, nachdem mir dann doch
irgendwann mal endlich die Augen zufallen.
Zwischendurch denke ich durchaus auch an anderen
ziemlich bescheuerten Scheiß.
Beispielsweise an mein aus 8,0 Fischstäbchen
bestehendes Abendessen.
Und die Reaktion der Freundin am Telefon.
Als ich ihr das erzählte und auf ihre Nachfrage
"Ok, Fischstäbchen ...MIT WAS?" geantwortet hatte
"mit Messer und Gabel".
Weil Männer eben simple Wesen sind.
Und faul, wenn es darum geht, bei 27°C Innenraum-
temperatur sich was zum Essen zu machen.
Aber zurück zum Sex im Kopf.
Nackte großbrüstige Sukkubi tanzen an der Zimmerdecke
durch mein Schlafzimmer, auf Drehleiern und Lauten das
Lied der Lust vergangener Begegnungen spielend, dabei
lächelnd und lockend.
Sie zaubern reale Begegnungen und Beziehungen zurück,
sie erfinden alternative Enden (oder sagen wir "schönere
happy endings") in tatsächlich stattgefundene Ereignisse
und Geschichten hinein.
Vielleicht liegt es an der wenige Stunden zuvor in der
Serie THE WITCHER bewunderten (und besabberten)
Figur der TRISS MERIGOLD, dass mir ausgerechnet
JETZT die einzige tiefrothaarige Frau einfällt,
mit der ich jemals Sex hatte: Ines.
diesem Weg hatte ich sie auch kennen gelernt.
Sie war der Typ "Bücherwurm" gewesen und hatte
Interesse an mir gezeigt, woraufhin ich ihr ein Treffen
vorschlug, um ihr ein paar Sachen auf der Gitarre zu zeigen.
sondern auch die unrasierteste Frau, mit der ich es je zu tun hatte,
und nach einem kurzen, nervigen Ritt trafen wir uns auch
nur noch einmal wieder:
Dabei lieh sie mir ein Buch, was ich mangels Rückgabegelegenheit
heute noch besitze: Nigel Barley, "Traumatische Tropen".
Beim Thema "unrasiert" fällt mir auch wieder meine frühere
Friseurin ein. Eine fröhliche, leuchtend blauäugige Wuchtbrumme
mit curligen hellblonden Haaren, die mir ziemlich unverhohlen
ihre "Bereitschaft" signalisierte und die aber zu diesem Zeitpunkt
ebenso vergeben war wie ich.
Kurze Zeit später war ich getrennt, sie aber noch verlobt,
besuchte mich trotzdem in meiner Wohnung, bekam 2 Tage lang
fast nur die Zimmerdecke zu sehen und löst eine Stunde nach
ihrer Ankunft zurück daheim ihre Verlobung auf und schmiss ihn raus.
Unfreundliches über mich denken:
Dazu war ich lediglich ein Anlass.
Den Grund hatten die beiden
schon ganz allein hingekrigt.
in ihrer Souterrain-Wohnung musste ich sie zuallererst nackt auf
den Rücken werfen und ins Badezimmer zurück, um eine
Schüssel, Rasierschaum und meinen Nassrasierer zu holen.
Sie schaute duldend dem Ganzen zu und nachdem ich den
administrativen Teil beendet hatte, schaute sie auch dem Rest
des Treibens nicht minder interessiert zu.
Irgendwann trennte ich mich von ihr, sie rief an, ob wir
zumindest noch weiterhin vögeln könnten, und das war für
mich total ok.
Es tauchen noch weitere Gesichter und Körper vor meinen
an die Decke starrenden Augen auf.
Es erheben sich weitere Geschichten aus dem Morast des
Vergessens, was eigentlich witzig ist, bedenkt man, dass der
erdrückend größte Teil der sexuellen Erlebnisse nicht so gut war,
dass man ihn auf Dauer hatte wiederholen bzw. behalten wollen.
Doch irgendwann sind auch die tanzwütigsten Sukkubi an der
Zimmerdecke müde und verblassen, was mich viel zu spät in
dieser Nacht endlich in einen kurzen, unentspannten Schlaf fallen lässt.
Fotos und Kurzvideos von KI generieren,
das heute war so ein Beispiel dafür.
Wenigstens noch ein bisschen Spaß mit den Dingern haben,
bevor wir von ihnen versklavt und entmündigt werden. ]
30 Juni 2023
vom nie vergessen
Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Nie.
Erstaunlich viele Dinge wurden mir schon vorgeworfen,
vergessen zu haben. Was mich wirklich erstaunt hat.
Dass das nämlich stimmte.
Vielleicht waren sie mir nicht wichtig genug?
Das könnte sein.
Ich kann es nicht mehr sagen, ehrlicherweise.
Ich weiß einfach nicht, weshalb ich mich nicht
an Dinge erinnere.
Aber es gibt Dinge, die sind vor meinen Augen,
meinem Herzen, meinen Fingern, als seien sie
gestern gewesen.
Hin und wieder stolpere ich über sie.
Und ein Lächeln, nur für mich allein, ist meine Art,
sie zu ehren und im Gedenken zu halten.
21 Mai 2023
the return of the bird whisperer
Über kommerzielle Emails freue ich mich nie.
Wirklich nie.
Jetzt am Wochenende kam die eine, einzige Ausnahme:
Ewan Dobson mailte seine Fans an, dass es auf YT neue
Aufnahmen zu hören und sehen gäbe.
Das musste sofort in Augenschein genommen werden.
Und Junge, ich hab gezittert beim Anhören.
Glauben Sie daran, dass Musik (zumindest temporär)
einen besseren Menschen aus jemandem zu machen vermag?
Ich schon. Ich glaub' das.
Und hier sind sechseinhalb Minuten, die das Zeug dazu haben,
einen besseren Menschen aus Ihnen zu machen.
10 März 2023
Ich werde mit Dir fliegen
Ich glaub', das hier müssen die mal auf meiner
Beerdigung spielen. Darauf bestehe ich.
Version mit der Kirchenorgel.
Was für ein Hammerstück.
Was für ein Finale der zu Ende gehenden Neunziger.
Und was für ein Text.
Schwer, trocken zu bleiben dabei.
Finde ich.
L'amour toujours.
31 Dezember 2022
Erase & rewind
Das Band geht zu Ende.
Das Band, auf dem wir die Gedanken, Erinnerungen,
Empfindungen eines ganzen Jahres aufgezeichnet hatten,
geht zu Ende.
In wenigen Stunden spulen die letzten Zentimeter von
seiner Rolle ab, dann wandert die Rolle in eine kleine
Blechdose mit der Aufschrift "2022" und wandert ins Archiv.
Zu den anderen, vielen kleinen Blechdosen,
gefüllt mit den vielen anderen Rollen unseres Lebens.
Bald stoppt die Aufnahme für dieses Jahr, und wäre es nicht schön,
wir könnten zurückspulen und mit jener Unbeschwertheit, wie wir
sie als Kind hatten erleben dürfen, noch einmal neu aufnehmen,
das Band noch einmal neu in der Art und Weise bespielen, wie
wir sie am Meisten genossen hatten?
Erase and rewind?
Vielleicht.
erlangen, uns erarbeiten, uns zu eigen machen - mit dem,
was wir hatten. Frieden finden.
Mit dem was war, und zwar mit allem davon.
Und mit dem, was wir auch im neuen Jahr noch haben werden.
Vielleicht mit etwas mehr Bescheidenheit und Demut als bisher.
Und was das Bloggen betrifft:
Die goldenen Zeiten sind vorbei - freuen wir uns über die bronzenen.
In diesem Sinne: Kommen Sie gut rüber.
Und danke, dass Sie hier waren.
24 Dezember 2022
20 Dezember 2022
von innerer Einkehr
Noch ein paar Tage, dann versammeln wir uns alle
wieder, die wir Freunde und Familie haben, umeinander.
Noch besser haben es jene, die einen Liebsten oder eine
Liebste haben: Dort sein zu können, zu dürfen, wo man sein
möchte, ist ein Geschenk, keine Selbstverständlichkeit.
Eines, mit dem wir behutsam umgehen sollten.
Oft genug stellt dieses Geschenk sich als temporär heraus
- als ein Wanderpokal, der eines Tages weiterzieht,
hin zu jemandem, der schon auf ihn wartet, sehnsüchtig,
der ihn herbeigesehnt hat seit so Langem.
Der ihn nun mehr verdient hat als wir,
so sieht es zumindest das Schicksal.
Für meinen Teil empfinde ich derzeit große Dankbarkeit.
Dafür, dass ich eine Liebste habe, für die ich ein Liebster
sein darf:
Dafür, dass ich nirgends sein muss, wo ich nicht sein
möchte, dass ich dort sein darf, wo ich wohlgelitten bin
und wo ich sein mag.
Ich stehe morgens im Bademantel und mit einer
dampfenden Tasse Kaffee in der Hand oft am Fenster,
mit einem Gefühl innerer Einkehr, schaue auf die
vom Nachtfrost überzogenen Felder, sehe den vereinzelten
Schneeflocken bei ihrem märchenhaft langsamen und
flüsterleisen Fall zu und weiß einmal mehr nicht, wo
dieses Jahr nur so schnell hin vergangen sein mag.
Nach und nach sind die anstrengenden, die wütenden,
die traurigen Momente in ihm über die letzten Wochen
und Monate verblasst.
Mehr und heller treten die schönen, die zarten,
die großmütigen und gütigen Momente und Gedanken
in den Vordergrund, wie das Licht einer kleinen Kerze
ganz tief im Inneren, welche sich auf den Weg nach
draußen bis ganz hinauf zu meinem Gesicht einer
erloschenen Fackel nach der anderen angenommen
und sie wieder angezündet hat.
Nun freue ich mich auf die Weihnachtstage.
Und darauf, für Jemanden jenes Licht zu sein,
der es sich so sehr gewünscht und verdient hat.
So sehr verdient, wie ich mir nie hatte vorstellen können,
einmal so wichtig zu sein.
Ein so schönes Geschenk ist das.
Ich werde gut darauf achtgeben.
22 November 2022
vom allfaserigen Glücklichsein
[ von der Abwesenheit von Türen, Teil 5 ]
Antwort schon fertig noch bevor ich die Frage zu Ende
gelesen hatte.
"Wann hast Du Dich zum letzten Mal mit jeder Faser
Deines Körpers glücklich gefühlt und warum?"
Mir fallen zwei (und genau zwei) Situationen ein,
in denen das der Fall war.
Die eine spielt -ich glaube- Winter 1976 und sie spielt genau hier.
Mein Vater geht sonntags immer mit mir in den Wald,
zum Spazieren, es ist ein eiskalter, aber sonniger Wintertag,
und genau an dieser Stelle stellt er immer seinen orangebraunen
Mercedes ab.
Wir laufen ein paar Schritte vom Auto weg,
und dann ruft er "warte hier" und rennt in Richtung Wald,
in seinem braunmatten Wildledermantel mit den Lammfell-
braunen Winterfellmütze, und dann dreht er sich um zu mir,
er lacht und strahlt, er geht leicht in die Hocke und dann
sehe ich seine mir ausgestreckten Arme, ich höre seine Stimme
"Komm zu mir, Mickey!"
Und ich laufe.
Ich renne, mit ausgestreckten Armen, ich renne so schnell
ich nur kann, die eiskalte Luft brennt auf meinen Bronchien,
alles egal jetzt, die schneidende Kälte treibt mir die Tränen
beim Laufen aus den Augen, ich fühle, wie sie im Lauf
nach hinten zu meinen Ohren rinnen, doch alles egal,
nur noch wenige schnelle Schritte, dann bin ich in seinen
festen Armen, durch das Wasser in den Augen sehe ich
alles wie durch einen Strahlenkranz, aber das ist nicht wichtig,
gleich bin ich da.
Und dann springe ich mit aller Kraft, die der kleine Junge
aufbringen kann den letzten Meter ihm entgegen, in diese
großen, sicheren Arme, er fängt mich, presst mich fest an
seine Brust, wir drehen uns um seine Achse, meine Beine
fliegen unten weg, wir lachen laut auf und halten uns
so fest wie es Menschen nur können.
Das hier ist der perfekte Moment, das hier ist reines Glück.
Und hätte mir damals jemand gesagt, so wird es nie wieder
werden, bald schon nicht mehr mit ihm, und auch danach
nicht wieder mit sonst wem, ich hätte mir ohne zu Zögern,
voller Überzeugung und mit Recht das Leben genommen.
Die andere spielt im Herbst 1997, und sie spielt genau hier.
Wir haben uns kennengelernt auf der Geburtstagsparty
meiner langjährigsten, engsten Freundin, und obgleich
sie keine Schönheit ist, beeindruckt sie mich sofort,
mit ihren Tanzbewegungen und ihrem engen weißen Pulli
über den massiven Brüsten.
Als ich sie zwei Wochen später in ihrer Studentenwohnung
besuche, explodieren wir, aus den geplanten 3-4 Stunden
werden 5 Tage, die ich dort bleibe, danach sind wir zusammen,
es fühlt sich an nach "für immer".
Jedes Wochenende kaufe ich Rosen und fahre zu ihr,
die Zeit ist voller Glück, voller Nähe, voll blindem
Verständnis, das keine Worte benötigt, Magie herrscht.
Eines Tages nehmen wir einen kleinen Picknickkorb mit
Champagner, Frikadellen, Krabbensalat und Anderem mit
und setzen uns nur wenige Ecken von ihrer Wohnung weg
an den Rhein.
Wir essen, trinken, rauchen, küssen, und ich liebe, wie man
eben nur einen Menschen lieben kann.
Als der Himmel zuzieht, lehnen wir uns aneinander,
ich halte sie fest in meinen Armen, während sie einnickt,
mit dem Gesicht in meiner Halsbeuge.
Kurz darauf beginnt es leicht zu nieseln, aber ich halte
meine auseinander gestreckten Hände über ihr Gesicht,
damit sie nicht nass wir dund aufwacht.
Langsam fangen meine Haare an, im Nacken herunter
zu tropfen, aber das macht nichts, wichtig ist, dass
sie trocken bleibt und schlafen kann.
Ich passe auf sie auf und beschütze sie, und wertvoller
als hier und jetzt habe ich mich nie gefühlt.
Das hier ist sie, die Rolle, die ich nie wieder aufgeben
möchte in meinem Leben, das hier ist das Glück, nach
dem ich mich so lange gesehnt hatte, das hier ist die Art
von Liebe, nein, Magie, die ewig brennt und die ein
Leben lang wärmen wird, in dieser Welt der Kälte.
Und keine sechs Monate später wird von all dem
nichts mehr übrig geblieben sein.
Außer dieser Welt, die immer noch ist, wie sie ist.
12 November 2022
vom Rückblick in 25 Jahren
[ von der Abwesenheit von Türen, Teil 3 ]
Weiter gehts , Teil 3/5:"Was für ein Leben führst Du in 25 Jahren? Wie bist Du dann?
Auf was für ein Leben schaust Du zurück?"
Eine von den Fragen, die ich selbst mir tatsächlich
noch nie gestellt habe - umso interessanter empfinde ich es,
sie als "Wunschaufgabe" zu beantworten.
In 25 Jahren habe ich sehr viel präziser als heute und gleich
nochmal viel präziser als VOR 25 Jahren im Fokus, was relevant
ist und was nicht. Was bleibt, und was keine Chance hat, von
Dauer zu sein.
Von Allem, was nicht relevant und potenziell von Dauer ist,
habe ich mich dann getrennt.
In 25 Jahren höre ich kein Radio mehr und schaue kein Fernsehen.
Ich lese auch keine Nachrichten oder Tageszeitungen mehr.
Meine Nachrichten und den Austausch zu aktuellen Themen werde
ich statt dessen von dem jungen Mann beziehen, welcher den Rasen
mäht und den Pool sauberhält.
Er nennt mich scherzhaft einen DALEK (das ist in den Vierzigerjahren
des einundzwanzigsten Jahrhunderts ein Begriff, der heute in etwa dem
"Boomer" entspricht) und rollt immer mit den Augen, wenn ich ihm
vom Aufkommen der ersten Compact Discs erzähle.
Meine Partnerin und ich werden zurückgezogen auf dem Land leben,
das Wasser* in der Nähe, es wird viel Grün um uns sein, und es gibt
einen Hund und eine Katze im Haus, vielleicht auch zwei.
ob das ein Meer, einen Fluss oder einen See meint.
Aber: Hauptsache Wasser.
Jegliche Digitalität hat unser Leben verlassen, sofern sie nicht zum
Überleben notwendig geworden sein sollte.
Auf unserer überdachten Veranda findet man direkt am Garten eine
Grillstelle mit kleiner Kohleofen-Küche und ein Grammophon,
das keinen Strom zum Abspielen benötigt, gleich daneben klettern
die Climatis am Holzgatter auf das Dach.
Viele selbstgemalte Zeichnungen und Bilder finden sich um die
Korb-Sitzgruppe mit den sechs Sitzplätzen, aber 18 Kissen.
Meine früher bemalten und kunstvoll verzierten Hirsch-Geweihe sind
inzwischen schon sichtbar verwittert, aber sie hängen unverändert
ordentlich in Reih' und Glied gleich neben den vom Holzdach
herabhängenden Schneckenhaus-Treibholz-Ketten, bei denen ich
mich jedes Jahr wundere, wie sie auch dieses Mal die Herbststürme
haben überstehen können.
Ich selbst kann mich (nun mit 72) nach jahrelangem inneren Disput
inzwischen an den Genen meines Vaters erfreuen, denn zum Einen habe
ich keine Glatze und zum Zweiten bin ich zu >50% noch nicht ergraut.
Aus mir ist ein sehr sanfter, oft lächelnder Mensch geworden, dessen
Worte meist mit Güte und nach einiger Überlegung ausgesprochen werden
und dem der sarkastische, bisweilen gar zynische Unterton seiner eigenen
frühen Blogbeiträge inzwischen zuwider geworden ist.
Mein Wunschgewicht habe ich nicht halten können, dafür ist der in
Jahren zusammen gesammelte Weinkeller und sind die Ergebnisse
aus meiner Outdoor-Küche stammenden Eigenkreationen zu lecker
und (sicherlich) auch zu kalorisch.
Aber ich bin ja insgesamt auch nachsichtiger geworden - mit mir,
und auch den Menschen um mich herum. Es hat sich eine gewisse
Demut und Dankbarkeit für jeden neuen Tag eingestellt.
Schaue ich zurück auf die Jahre und Jahrzehnte, lehne ich es
nach wie vor ab, so einen Scheiß wie "My way" von Sinatra zu singen,
das gab ja damals auf meiner Verabschiedung aus der Firma bereits
einen Riesen-Eklat.
Gerade noch rechtzeitig war ich aus dem Gebäude entkommen:
Nur Momente später, und der Sicherheitsdienst hätte mich begleitet.
Aber auf diese warmen letzten Worte an Vorgesetzte und Vorstand
hatte ich mich monate-, nein jahrelang vorbereitet, die Rede war
zu gut, um nicht gehalten zu werden, mein Wort drauf.^^
Nein, ich werde ganz sicher nicht sagen können "ich würde alles
nochmal genau so tun." Dafür waren doch recht viele einige späte,
einige sehr späte Lerngeschenke dabei, dafür waren manche Preise
zu hoch, die man selbst oder die Nahestehenden um einen herum
hatten entrichten müssen.
Tatsächlich bedauere ich dann erheblich mehr, als die meisten anderen,
die ich kennen gelernt hatte.
Und ganz zum Ende hin möchte ich gerne noch einmal Frieden machen -
allen noch einmal danken, mich bei allen nochmal entschuldigen,
mit meinen noch ein letztes Mal auferstehenden gebrochenen Versprechen,
rufe die Liebenden meines Lebens noch einmal mit ihren Namen auf,
den verlorenen Herzen und den Worten, welche dem Wind übergeben
wurden, der vor dem Regen aufzieht.
Und der sie ein letztes Mal in alle Himmelsrichtungen zerstreut.
Das ist ein Gedanke, der mir gefällt.







