Weil ich inzwischen ALLES vergesse und zu
nix mehr wirklich Zeit bleibt, versuche ich mich
in letzter Zeit mit kleinen Tricks zu überlisten, um
doch noch rechtzeitig an Dinge zu denken,
das Aufnehmen von Vorhaben zu erleichtern,
unliebsame wenngleich erforderliche to do's
extrinsisch zu veranreizen.
Bevor Sie jetzt auf die verwegene Idee kommen,
den vorherigen Abschnitt ERNEUT zu lesen in der
(wie sich herausstellen wird) wenig aussichtsreichen
Hoffnung, der dahinter von Ihnen vermutete Sinn
oder wenigstens die dem Sender zu entlockende Botschaft
würde sich Ihnen WOMÖGLICH DOCH NOCH erschließen,
hier ein Beispiel zur Erleichterung Ihres
intellektuellen Schluckvorgangs:
Neulich am Wochenende macht die Freundin meinen Kühlschrank auf.
Dabei vermeidet sie den Griff ins Untergeschoss
(dort liegen Salat, Tomaten und Mungosprossen).
Statt dessen scannt sie mit einer Frauen vor allem
zu bestimmten Zeiten des Monats zueigenen milli-
sekundenschnellen Zielsicherheit das Obergeschoss
(dort sind Sahnepudding, Marmeladen und -sofern
sie artig war- Schogetten gelagert).
In letzter Zeit also
seltener Schogetten.
Ihr Blick fällt auf einen dort gelagerten Gewürzstreuer.
Auf ihm steht
CAFE DE PARIS DIP.
Kurz siegt die weibliche Neugier über die Enttäuschung
der heute abwesenden Schogetten halber und sie ruft mir zu,
was das Gewürz im Kühlschrank verloren habe.
'Erkläre ihr ausufernd (was jetzt niemanden verwundern wird),
dass dies meiner gesünderen Ernährung dienen solle,
weil wann immer ich das Gewürz im Gewürzschrank sähe,
ich mir vornähme, damit mal wieder einen Quark-Dip abends
anzurühren.
Was meistens daran scheitere, dass ich nie Quark einkaufen würde,
unter Anderem, weil ich Quark nicht mag.
Wenn ich dann aber doch mal Quark einkaufe, ergeht es ihm
wie all seinen zahlreichen Quarkahnen zuvor:
Ich stelle ihn oben in den Kühlschrank (damit er mir beim
nächsten Türöffnen sogleich ins Auge spränge und ich
Lust auf gesundes Essen bekäme).
Natürlich fällt er mir auch jedes Mal ins Auge beim Türöffnen.
Allerdings frage ich mich dann JEDES MAL, was zum Teufel
ich bloß mit Quark vorgehabt haben könnte!
Das geht so lange, bis er das Verfallsdatum so deutlich
überschritten hat, dass sogar ein Quarkenthusiast
(und Gott weiß, ich bin keiner) die Lust daran verloren hätte.
Zwei Tage nach Entsorgen des ungeöffneten Quarkbechers
im Hausmüll ziehe ich dann die Gewürzschublade auf und...
BINGO.
Und erneut grüßt das Murmeltier.
Daher wäre ich nun auf die beinahe gravitationsauslösende
geniale Idee gekommen, im Kühlschrank einfach Quark und
Dip einfach AUFEINANDER zu stapeln.
Die Logik dahinter:
Was direkt beieinander liege und sofort greifbar sei,
das fände auch schneller und häufiger den Weg in meinen Mund.
Kurzes Schweigen in der Küche.Die Liebste zieht die Augenbrauen hoch, gibt zu Bedenken,
dass diese Logik bei mir bisher
ausschließlich bei Tittenfunktioniert habe und möchte im Übrigen wissen, wo eigentlich
ihre Schogetten abgeblieben seien.
Und seither steht der Dip-Streuer allein im Kühlschrank.
Und wartet darauf, dass mal wieder jemand dran denkt,
ihm eine Packung Quark zu kaufen.
So.
Und nächstes Mal erzähle ich Ihnen davon,
wie ich felsenfest glaubte, durch den Kauf
neuer Laufschuhe Lust aufs Laufen zu bekommen.