So ganz grundsätzlich ging mein Bild vom Verlauf des Erwachsen-
und Älterwerdens etwa so:
A)
Du bist irgendwann daheim weg und lebst selbständig,
ab dann viel Erleben, viele Partys, viele Frauen.
B)
Irgendwann später (viel später) lernt man dann jemand kennen,
der isses dann, und danach zieht man zusammen und
freut sich jeden Tag aneinander, den man gemeinsam hat.
C)
Das klappt bzw. hält aber nicht immer für ewig, und dann sollte
man zusehen, dass man (bevor mal alt ist) ((also maximal mit 40))
wieder jemanden hat, mit dem man zusammen bleibt forever,
denn bald schon fühlt man sich einsam und kommt im hohen Alter
(so Ende vierzig) nicht mehr so gut wie in jungen Jahren damit
zurecht, allein zu leben.
D)
Im ganz, ganz hohen Alter (Renten eintritt und Folgejahre) spielt
dann Sex eh keine Rolle mehr (zumindest keine, die man wollte)
und dann wird es lebensbedrohlich, allein zu sein, schon weil man
sich selbst nicht mehr so vollumfänglich helfen kann, wenn mal
was ist (Stürze, Brüche, Gummibären sind aus, usw.)
Abgesehen davon hatte ich stets diese unbestimmte Furcht, nicht
allein zurechtzukommen. Immer jemanden "da" haben zu wollen.
So.
Das war also mein frühes Weltbild in 4 Leveln.
3 Level davon hab ich schon durchgespielt,
einige Endbosse inklusive, und darf sagen:
Bis jetzt war schon mal
absolut alles davon grottenfalsch.
A) lief schon völlig aus dem Ruder, und dass lieben mal so gar
nichts hilft, wenn es um "Zusammenleben" geht, war eine der
schmerzhafteren Erfahrungen in Teil B).
Weil sich niemand selbst in seinem aktuellen Alter als "alt"
empfindet, mangelt es im aktuellen Zeitaler C) schon mal an
der Grundvoraussetzung.
Aber etwas zutiefst als wahr Empfundenes aus Teil B)
ist hängengeblieben und bestimmt maßgeblich Teil C):
Zusammenleben ist unerwartet oft stressig und reibt auf.
Zusammenleben erfordert Absprachen, Kompromisse, Rücksichtnahmen
und demnach Etliches an "was müssen wir tun, damit das klappt".
Ich habe gesehen, wie Gefühle dazwischen zerreiben.
Ich habe erlebt, was der eigene Habitus - das, was man als normal und
für sich selbst passend und richtig empfindet- mit jenem Menschen
macht, der Einen liebt. Oder der das zumindest selber dachte.
Die Erfahrung hat mir vermittelt, dass es hochwahrscheinlich ist,
dass man den Menschen an seiner Seite auf eine immer wieder
überraschende und mehrheitlich davon eben nicht angenehme
Seite erfährt, wenn man erst einmal dauerhaft zusammenlebt.
Ob es die Uhrzeit ist, wann man selber zu Bett möchte, der Partner
aber noch nicht, aber einer von beiden muss morgen früh raus und
muss daher jetzt ins (gemeinsame) Bett.
Ob es die Art ist wie der Geschirrspüler eingeräumt wird.
In welche Stapel die Maschinenwäsche zu sortieren ist.
Wo die Zahnpasta hingehört.
Ob der eine den Partner beim Einschlafen mit Schnarchen stört, der
andere ihn dafür morgens 90 min vor dem Weckerklingeln mit seinem
eigenen Schnarchen.
Was ich sagen will: Jeder von uns hat sein eigenes "setup", seine Art,
wie er Dinge haben möchte um sich herum und in seinem Leben.
Wann er was tut, und wie und wo, und wann er es lässt.
Und dies dauerhaft einem Kompromiss zu unterwerfen bin ich,
nachdem ich über weit mehr als zwanzig Jahre mit festen Partnerinnen
und zu 95% der Zeit in einer gemeinsamen Wohnung lebend verbracht
habe, nicht wieder bereit.
Es geht nicht darum, dass ich mich nicht einstellen möchte
auf den Partner. Das möchte ich.
Es geht nicht darum, dass ich nicht kompromissbereit wäre gegenüber
dem, was meine Partnerin für sich für gut und richtig hält.
Das bin ich.
Und vor allem geht es nicht darum, dass ich mein setup
für was Besseres hielte. Das ist nicht der Fall.
Was ich aber sage ist, dass ich das nicht mehr an 30 Tagen
im Monat haben will. Keine stationäre Dauereinrichtung.
Ich kann mir sogar gut vorstellen, an 10-14 Tagen
im Monat gemeinsam zu leben, zu lieben, zu lachen und alles.
Und mit Blick auf die Endlichkeit der gemeinsamen Zeit empfinde ich es
sogar als leichter, jene Kompromisse und Absprachen einzugehen,
die notwendig und wichtig sind im Alltag.
Aber danach - will ich wieder zurück in meine Wolfshöhle und
ruhen, kompromissbefreit ausgleiten lassen, andere, eigene Dinge tun.
Nur für mich.
Nur mit mir - oder mit Anderen, die mir auch wichtig sind.
Müsste ich mir einen der vielen Irrtümer aus A)-D) raussuchen als
den irrtümlichsten, es wäre die Furcht vor dem Alleinsein:
Es gab eine Zeit, in der ich so entsetzlich alleine war, dass der Begriff
"mutterseelenallein" nicht besser hätte auf irgendwen zutreffen mögen
als auf mich damals.
Aber irgendetwas hat sich danach geändert.
Nun liebe ich es. Nun brauche ich es.
Aus einem Furchtfeind wurde ein Freund.
Eine gute Freundin, die ebenfalls eine Zeit von Trennung und Scheidung
hinter sich hat, meinte im Gespräch ihre Zukunft betreffend:
"Männer nur noch ambulant!"Der Satz ist mir fest im Gedächtnis verblieben.
Nach Byron Katie liegt das daran, dass er für mich, mein Leben, wahr ist.
Und Leben, was
wahr ist, ist ein Leben, wie es
jeder leben sollte.
Finde ich.