01 April 2023

7 days & 1 week [04.2023]

 

[ Das Wochenende steht bevor.
Ich hoffe, das Wetter wird schlecht.

Sie ahnen die Begründung.
Sie kennen mich.]

MONTAG

Der Scheiß mit dem Abnehmen läuft deutlich zäher
als vor ein paar Jahren.  Gerade mal 4 Kilo in 4 Wochen.
Na, das kann ja was werden diesmal.

Allerdings gibt es auch deutlich mehr Störfaktoren
als bei der letzten Aktion. 
Egal, jetzt keine Ausreden mehr. Es geht weiter.



P.S. Die Bitte nach meinen aktuellen Salatsaucen-
Varianten hab ich nicht vergessen. Die kommen!


DIENSTAG

Seit ewig war ich nicht mehr in dem Saunabad
an meinem alten Wohnort gewesen.

Erst war Corona.
Dann war Scheidung und neue Möbel.
Dann war Umzug.
Dann war neuer Arbeitsbereich im Job.

Und vor Allem war über lange Zeit
gar niemand mehr da, 
mit dem
man dort hätte hingehen können.

Aus diesem Grund hatte ich nach 3 Jahren auch schon
lange vergessen, wieviel Guthaben von meiner Zehnerkarte
noch auf dem elektronischen Eintrittsbändchen drauf waren.

Was ich wusste:
Inzwischen gibt es die von mir bezahlten Tarife gar nicht mehr.

An der Bad-Kasse musste man dann auch erst mal ein
älteres Lesegerät für mein antikes Armbändchen holen.

Und dann staunte ich nicht schlecht, als der Typ mir sagt:
"Da sind noch 12 Eintritte drauf, zu je 4 Stunden Aufenthalt!"

Ah, ok?
Dann hatte ich also zweimal Zehnerkarten geholt.
Sicher so eine "Kaufe 10, bezahle 8!"-Aktion damals.

Und auf dem Weg zum Auto werde ich schnell neugierig
und rechne das mal in heute gültige Eintrittspreise um.

Das Ergebnis hat mich zum Lächeln gebracht.



MITTWOCH

Mein erstes Bewerbungsgespräch seit 2001.
Die Stellenausschreibung passte zu mir, wie ich noch keine
zuvor gesehen hatte. Das da war genau ich.

Der Termin findet per MS Teams statt. die Führungskraft auf der
andere Seite der Kamera ist so, wie sie eben alle heute aussehen:

Jung, extrem dünn, smart as fuck.
Kein HR-ler mit dabei.
Dafür wird live aus dem Auto gecalled.
Per Handy und Frontkamera in der Mittelkonsole.
'Scheint normal zu sein heute, ich höre das öfter.

Nach weniger als 20 min Gespräch wird klar: Das wird nix.

Denn die zu besetzende Funktion ist eine ganz
erheblich abweichende von der, welche annonciert wurde.

'Ist mir schon klar: Jeder, der sich auf eine solche Stelle bewirbt,
wird Brancheninsider sein. Wer aber Brancheninsider ist, weiß sofort,
was auf ihn zukommt, wenn die Stelle ihren richtigen Namen in der
Stellenanzeige beinhaltet - und dann bewirbt sich aber keiner mehr.

Guter Trick. Das einfach 'mal mit "Umlabeln" zu probieren.

Schade nur, dass das in den ersten Minuten immer gleich rauskommt.
Tja.

Schade auch, dass deren Deppen in HR es sich für die eigene Compliance
ein bisschen zu einfach machen und einfach ein bisschen lügen:



DONNERSTAG

Beim ALDI freue ich mich über den Butterpreis, der Putins
baldiges Ende verheißt.


Danach eskaliere ich an den Oster-Deko-Inseln.
Hasendeko und so ein Scheiß macht mich widerstandslos.

Anders als Hirsch-Deko - mit der
war ich ja 
lang genug verheiratet.




Außerdem kicken die Frühlingshormone wieder ein
und mir kommen leicht sexuell gefärbte Bastelgedanken
am Heimwerker-Eck.

Wenigstens ETWAS, wofür ich
nicht zwei linke Hände habe.^^ 

FREITAG

Autofahren im Dienst.
So herrlich.



Immer noch ziehe ich die beste Entspannung aus Autofahrten.
Es ist nicht das Schlechteste, fürs Unterwegs sein und dabei
Musik hören zu können bezahlt zu werden.

SAMSTAG

Wenn einen die eigene Hausärztin anruft, um einen Termin
auszumachen, ist das ein starker Indikator für 2 Sachverhalte:

  • Sie sind Privatpatient
  • Sie waren wirklich zu lange nicht mehr bei den
    vereinbarten Regeluntersuchungen
Sie wundert sich erneut über meine Gewichtszunahme, schaut
streng hinter ihrer Brille hervor, weil die letzte Magen- und Darm-
Vorsorgenutersuchung nun auch schon 6 Jahre her sei, und überprüft,
ob ich auch den Termin beim Kardiologen bereits ausgemacht hätte.

Blutwerte sind inzwischen da - alles tacko, sieht man mal
von den üblichen Ferritinwerten ab:

Mit meinen Eisenwerten im Blut sollte ich mich bei der
Deutschen Bahn bewerben - deren Schienensanierung käme
um Milliarden billiger.

EKG, Lungenfunktionstest, Reflexe werden nebenan gecheckt, ich warte
und sehe mir so lange wieder den blauäugigen Löwen an der Wand an.






SONNTAG

Nachdem ich, wenn ich gerade mal so in mich hinein höre,
ohnehin nur an zwei Dingen interessiert* bin, trifft es sich
super, dass ich dieses Wochenende aushäusig und zutiefst
entspannend unterwegs bin.

*kleiner Tipp, fangen Beide mit "f" an.
Sie lagen eh richtig, ich weiß das.





All das, das hätte ich schon vor vielen, vielen Jahren
so machen sollen. Ganz.genau.so. :-)

In diesem Sinne:
Schönes Wochenende für Sie.


30 März 2023

Beleuchte einen Weg


Musik.
Aus besseren Zeiten.



Unten an einem See in Mississippi
wurde ein Junge arm und verlassen geboren.

Und während er lief, konnte man ihn sehnsüchtig 
nach einem Zuhause beten hören.

Und bei den Feldern sang er beim Aufstehen
all seinen Glauben und seine Auswendiggelerntes.

Alle Lieder, die seine Mutter
vom Herrn selbst gelernt hatte.

Himmel, erleuchte einen Weg für einen Gefallenen.
Lass mich den Schmerz meiner Mutter lindern.

Doch er spürt die Täuschung in seinem Kopf.


29 März 2023

Verkehrsregeln und die 3 Rain'schen Gesetze

 
Nicht, dass man besonders klug sein müsste,
um vernünftig und sozialverträglich Auto zu fahren.

Allerdings hilft es natürlich ungemein dabei.
Beziehungsweise: Es hülfe sehr oft.

Was auch immer hilft, sind einfache, weil auch für die
Gemeinschaft der Schwachbestromten, dennoch Starkbetankten
leicht verständliche Faustregeln.

Ein paar solcher Regeln betreffen den Rückspiegel,
bzw. den Blick in ebendiesen.

Die drei Rain'schen Gesetze des Wohlverhaltens
im Straßenverkehr unter Einsatz des Rückspiegels
gehen so:

  1. Fährt Dir auf der linken Spur einer dicht hinten drauf,
    ist ER das Problem.

  2. Fahren Dir auf der linken Spur drei dicht hinten drauf,
    bist DU das Problem.

  3. Stehen unabhängig von Gesetz 1. und 2. die
    Buchstaben "B", "M" und "W" auf Deinem Lenkrad,
    bist immer Du das Problem.
Abgesehen davon hat sich auch die Empirie der Fragestellung
angenommen, ob es einen Zusammenhang geben könnte zwischen
der Fähigkeit zu sozialverträglich akzeptiertem Verhalten im
Straßenverkehr und gefahrener Automarke - was womöglich
Rückschlüsse auf die Intelligenz des Fahrers zwar nicht zwingend
postuliert, aber dennoch nahelegt.

Das ist selbstverständlich Unsinn.
Also, der Konjunktiv da oben.

Wen die nun nachfolgenden Ergebnisse überraschen,
auf den trifft hochwahrscheinlich einer der nachfolgenden
Exkulpationsgründe zu:

  1. er/sie fährt gar nicht Auto.
  2. er/sie fährt BMW.

Enjoy.




27 März 2023

40 minus 37 = gut

 
"Wir haben uns da mal was für Euch überlegt..."

Himmel, war ich geladen gewesen!

Erst bucht unser Saftladen für ein Heidengeld konzernfremde
Dienstleister, die sich als weltklasse Vertriebsgötter verkaufen
(das aber gut und geschickt), und die es dann schaffen, den 
Geldtöpfebehockern ins Ohr zu singen, mit ihrem Konzept kämen
unsere Vertriebspartner (die sie noch nie gesehen haben) bei deren
Kunden (die sie noch nie gesehen haben) zu mehr Geschäft.

Dann kauft der Laden das denen auch noch ab, weil die Folien
sehen schon geil aus irgendwie, und ja, das klingt auch total
nach Konzept und Nachhaltigkeit und blablabla, was so Deppen
aus Elfenbeintürmen in Wolkenzentralen halt so hören wollen.

Und dann guck ich mir das an und erkenne mit offen stehendem Mund,
dass die zu 95% den exakt gleichen Kram erzählen wie meine Kollgen
und ich seit 20+ Jahren, dass DIE aber dafür dann irgendwas um die
zweieinhalbtausend Ocken pro Teilnehmer dafür nehmen dürfen, die sie
sich auch noch selbst raussuchen dürfen (!) weil:
Ist ja ein Seminar.
Ist ja ein Training.

Ja nee, is klar, aber wenn ICH mal DAS GLEICHE Thema mit
DEN GLEICHEN Vertriebspartnern intensivieren will, rein zum Beispiel
weil es EXAKT MEIN FUCKING JOB IST in dieser Pommesbude,
und dafür mal 250 Euro brauche, dann weinen alle von wegen Ohh, neee,
bloß keine extra Bewirtungskosten und Reisekosten.

Entsprechend unaufgeräumter Grundstimmung war ich schon,
als dann Anfang des Jahres die Kollegen aus dem Elfenbeinturm
ein schönes MS Teams-meeting aufzogen, uns die Neuerungen in
der Tarifewelt vorstellten und dann so kamen mit:

"Wir haben uns da mal was für Euch überlegt...(und damit fangen
 ALLE Katastrophen an), 
wir stellen Euch ein Budget zur Verfügung.

Und ihr schult das hier dann 
an einer location Eurer Wahl,
mit ausgewählten Vertriebspartnern,

sozusagen als Präsenz-Kick-Off in das neue Vertriebsjahr,
mit Euren 
Schwerpunkten! Und wir haben für Euch die Einladungen,
die save-the-dates und die Powerpoints schon fertig vorbereitet!
163 Folien!"


Eisiges Totenschweigen im Teamskanal.
'Wusste natürlich jeder, was auf ihn zukam.

Noch bevor wir was sagen konnten, sprang natürlich gleich der
ultra-servile Chef ans Mikrofon, um sich überschwänglich und
an der Grenze zum Menuetttanz verbeugend zu bedanken für die
so tolle Idee und Organisation und blablabla.

Denn die eigentliche Arbeit, ja klar, die sollte dann schon von uns
gemacht werden.
Das Nachhalten (wichtigstes Wort im Konzern) sowieso!
Immer ganz wichtig! Nachhaltiges Tun!

Erstens mal, die Terminfindung für so ein Event.
Gaga.
Ein Zeitlimit, dass nur derjenige von uns Kollegen einhalten konnte,
der sonst auch schon nie was vorhat. Der dann natürlich gleich da
ran konnte und fein raus war.

Und die Deppen wie zum Beispiel ich, die auf zwei Monate voraus
vereinbarte Beratungstermine. gebuchte events und volle Kalender haben
- na, die waren jetzt natürlich die Gearschten,

"Wieso brauchst Du dafür bis März, Rain? Also der Peter hat das 
innerhalb von 14 Tagen im Februar bei sich organisiert?"


"Ja, der liebe Peter hat auch kumuliert nicht mal 5 Außentermine
im Monat, der Mann fährt im Halbjahr soviele Kilometer wie ICH
in einem MONAT, der Mann hat eben ZEIT in seinem Kalender!
Und jetzt bleib mir von der Pelle, Chef!"

Was hab ich mir die Finger wundgemailt.

Dann weiter - finde eine location:

  • zu der möglichst viele anreisen wollen
  • zu der möglichst viele anreisen können
  • außerhalb der Faschingszeit
  • außerhalb der Skiferien
  • die an dem Tag einen Raum frei hat
  • die eine Tagungsausstattung hat
  • die mit Tagungspauschalen pro Kopf abrechnet
  • welche in das Budget von uns reinpassen.
Joah. Ganz großes Tennis. Eine Absage nach der anderen kassiert.
Der letzte Versuch glückte dann doch noch.

Und dann stell erst mal mit viel Bittebitte den Kontakt zu uns
in den Innendienst zu irgendeiner Sekretärin her, denn auf das
zwingend dafür zu benutzende Buchungssystem habe ich
- tadaaa!- gar keinen Zugriff !

Eine Riesenscheiße, echt. Und dann lade ich auf gut Glück
bisschen mehr als dreißig Leute ein, und an dem Tag kommen: Ganze 10.
Ich hätte einfach nur noch im Strahl speien können.
_________________________________

Ok, das hier war alles die Vorgeschichte.

Damit Sie ein gut gerütteltes Grundverständnis vor Augen haben
für MEINE LAUNE, in der ich mich -als alles gelaufen war- 
an die Tastatur gesetzt hatte, um mich bei den Kollegen im Elfenbeinturm
"zu bedanken" für diese Riesenscheiße, die gar nicht mal so selten DANN
entsteht, wenn die bei einem ihrer meetings anfangen mit

"wir haben uns da mal was für Euch überlegt..."

Wie das so läuft, wenn man was zu sagen hat, was nicht freundlich ist,
wurde die Email lang. So etwa 40 Zeilen.

Die ersten 3 Zeilen gingen noch nicht voll auf die Fresse.

Sondern ganz artig und lieb ein sich-bedanken für die tolle Orga,
für das Vorbereiten der  Nachrichten, für das Budget
und für die Powerpointvorlagen.
(würg)
Und dann eben ran an die Kettensäge und 37 weitere Zeilen.

Detailliert ausgeführt, welchen Stress diese super Idee bei mir
verursacht hätte, welche anders dringend benötigten Kapazitäten
mir das Ganze geraubt habe und und dass sie bittebitte
NIE.MEHR.WIEDER auf so eine SCHEISSIDEE kommen mögen,
ohne wenigstens im Vorfeld mit uns (oder am Besten gleich mit mir)
als diejenigen, die das durchführen und ausbaden müssen, wenigstens
mal ZU SPRECHEN.

Und dann lese ich mir das Ganze kurz vorm Senden nochmal durch.

Ein Meisterwerk der geschliffenen Rethorik.
Georg Schramm wäre stolz gewesen auf mich.
Klimatischer Aufbau.
Scharfzüngiges Vokabular.
7 Kommata in einem Satz.
Sprachintelligenz am Drehzahllimit.
Cato-esque Zuspitzung zum Schluss.

Und wirklich gaaaanz kurz vor dem Klick auf "SENDEN" denkt es 
tief in mir: Das genau hätte Dein Vater jetzt auch getan, genau so.

Und dann sacke ich förmlich nach hinten in meinen Bürostuhl zurück
und versuche mich an einer Antwort auf die schnell wachsende Frageranke

"Was machst Du da gerade eigentlich?"

Schnell rasen sie alle durch meinen Kopf,
alle, die ich irgendwann mal gehört und gelesen hatte.

"Was würde die Liebe jetzt tun?"
ruft der (damals noch nicht esoterisch durchgeknallte) Robert Betz.

"Ist absolut sicher, dass Deine Erzählung dieser Geschichte wirklich wahr ist?"
fragt sanftstimmig Byron Katie aus dem Off.

"In 50 Jahren ist alles vorbei!"
singt rauhstimmig Otto Reutter in seinem berühmten Couplet.

Und dann werde ich mir der Kraft der Umarmung bewusst und
lösche diese letzten 37 Zeilen aus meinem Vierzigzeiler wieder heraus,
es bleiben nur die 3 Dankeszeilen:

Noch bevor ich da lange weiter drüber nachdenke, klickt
mein Finger auch schon auf "Senden" und das war's.

Seufzend stehe ich auf und gehe in die Küche.
Kaffee mit Likör.
Jetzt sofort.

Ob es wirklich klug war?
Wieder mal das Maul nicht aufzumachen?


Der Kaffee und der Likör erzeugen Geländegewinne für die Sanftmut,
da pingt es aus plötzlich meinem Notebook.
Nicht mal 3 Minuten hat es gedauert, bis meine Email beantwortet wurde?

Und als ich sie lese, denke ich:

War gut so.
Und Du hast heute schon wieder nicht Recht behalten, Papa.