12 Oktober 2024

Jeannie (part V )


( 'ist schon ein paar Tage her, 
dass ich das hier begann.

Es sollte auch mal weitererzählt werden.)

 [ Jeannie ( part I ) ]
[ Jeannie ( part II ) ]



Nach der erfolglosen Jagd auf einen offenkundig nicht
existenten Menschen in London und Umgebung gibt
Jeannie irgendwann auf und tröstet sich mit dem Zuspruch,
den sie nun von anderen wildfremden Männern erhält.

Was nur den verwundert, der glaubt, Männer würden es nicht
"einfach mal versuchen" bei dieser völlig durchgeknallten Deutschen,
die ihr Foto und ihre Telefonnummer quer an allen möglichen
Touristen-HotSpots in London verteilt hatte.

Was wie durch ein Wunder ohne weitere behördliche Folgen blieb.
Zum Glück floss an die Scammer auch nicht allzuviel Geld -
selbst Jeannie war irgendwann misstrauisch geworden, als es 
nur noch um Geld ging.

Und auch aus den "die texte ich jetzt einfach mal an!"-Kontakten
ergab sich nichts Konkreteres für sie.

In der Zwischenzeit zieht sie 30 min südlich an den kleineren Fluss,
der diesem Kreis seinen Namen gibt und ich ziehe tatsächlich in
ihre bisherige Wohnung.

Selbstverständlich alles von ihr "last minute" und am Rande
des völligen Schiefgehens organisiert, aber Menschen wie sie
schaffen das Wunder, immer einen Kreis von Gutwilligen und
Gutmütigen um sich zu scharen, die aushelfen und - retten.

Zu den Unorganisiertheiten gehört, dass sie in letzter Sekunde 
diese Wohnung streichen lässt. Am Abend vor meinem Einzug
(Zeitpuffer: 4 Wochen !) stehen noch alle wegzuräumenden
Leitern und Farbeimer quer in der Wohnung verteilt.

Natürlich -wer hätte es nicht vermutet?- ebenfalls ausgeführt
durch einen Ex-Freund (=mein Vorgänger UND Nachfolger).

Und das in einer Sorgfalt, über die ich heute noch wöchentlich fluche.

Im Zuge dessen fällt ihr auf, was sie alles NICHT am Zielort
bedacht hatte, und so kaufe ich ihr nach und nach den halben
Hausstand ab:

Spiegelschrank, Badunterschrank, nochmal Spiegelschrank und
Badunterschrank, Schuhkommode, Pax-Schubladenkommoden, 
Fensterrollos, Doppeltürenkühlschrank andwhatnot.

Und die Küche miete ich ebenfalls von ihr.

Da mault sie erst ein bisschen, denn sie hätte lieber 12.000 €
in bar gehabt. Aber da spiele ich nicht mit, und mir kommt
entgegen, dass ich weiß, dass bereits die große schicke neue 
Einbau-Luxusküche in ihrer neuen Wohnung fertig steht.

Ebenfalls streike ich bei der Terrassen-Outdoorsitzgruppe.
Die ist toll, passt mir aber erstens fabrlich nicht ganz und
zweitens preislich ganz und gar nicht.

Sie lässt sie übergangsweise bei mir stehen, aber sobald der
erste Sonnenstrahl im Frühjahr draußen ist (also Mai 2024),
lässt sie die Möbel über eine Außenrutsche abholen.

Was über Monate hinweg NICHT organisiert wird,
illustriert das Foto oben:

Weil sie sich die Kosten für den Nachsendeauftrag für ihr 
Gewerbe sparen will (denn dieser kostet unverschämte und
nicht leistbare EUR 46,90), kommt ihre Post für MONATE
weiterhin zu mir.

In der Folge stehen auch unsere beiden Nachnamen auf dem
Briefkasten. Ein Umstand, den der Liebsten beizubringen
ein wenig Fingerspitzengefühl angesichts ihrer hochgezogenen
Augenbrauen erforderte.

Da sie ihr Versprechen, regelmäßig auf einen Kaffee vorbeizukommen
und ihre Post dabei mitzunehmen, eher unregelmäßig bis
"genau einmalig" einhält, fahre ich erst die auflaufende Post
ZU IHR nach Hause, bevor es mir zu bunt wird.

In dem einen oder anderen Fall ist das sogar Jeannies Rettung,
die mir irgendwann sagt, ich soll einfach alles aufmachen und
ihr Bescheid sagen, wenn's was Wichtiges ist.

Einmal trudelt Versicherungspost ein, es geht um einen Schaden.
Im anderen Fall um die Krankenversicherung ihres Sohnes.

Aber als Post vom Finanzamt kommt, wird sie hektisch.
Ganz schnell solle ich öffnen, sie bleibe am Telefon solange!

Ich so:      "Das wird ernst, hier ist 'ne Zwangsgeldandrohung!"
Sie so:      "Puuh, dann geht's ja nochmal, ich dachte, die
                  vollstrecken schon!"

Und irgendwann kommt dann ihr Einkommensteuerbescheid
für vorletztes Jahr an, den ich ebenfalls öffne, lese, nochmal lese
und dann fein säuberlich wieder zurück ins Kuvert falte.

Etwa 8% Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit,
92% aus nichtselbständiger.
Und angestellt war sie: Bei ihrem Exfreund.

Der in die Insolvenz rutschte.
Der unter anderem deshalb Ärger mit -sagen wir- Geschäftsleuten
hat, mit denen man keinen Ärger anfangen sollte.

Und dieser Steuerbescheid sieht mir verdammt heiß
nach rechtzeitiger monatlicher Vermögensverschiebung aus.

An diesem Tag beschließe ich, die alten Namensschilder
abzukratzen und drucke neue nur für mich aus.


* Fortsetzung folgt*



10 Oktober 2024

6G (KW 40 | 2024)


gezählt |

Als die Liebste nach einem knapp einjährigen Intermezzo
wieder in ihre vorherige Firma, nun aber auf den Stuhl ihrer
vorherigen Chefin zurückkehrt, staunt sie am Tag 1 nicht schlecht:

Nicht nur ist alles fertig für den ersten Tag komplett vorbereitet,
samt Notebook, TFT, Eingabehardware und Schreibtisch.
Es funktioniert auch alles sofort.

Sie öffnet erstmals Outlook.
Die Synchronisation dauert unerwartet lang.

3 min später: Das System zählt - 647 ungelesene Emails
- am ersten Arbeitstag!

Die Lösung:
Die Firma hatte ihr zwar gekündigt, aber ihren account samt
Emailadresse nie deaktiviert. Es waren einfach monatelang
weiterhin dort Emails aufgelaufen, die niemand gelesen hatte.



geschüttelt |

Den Kopf.

Einer meiner jüngeren Vertriebspartner hat Frau.
Und ein kleines Kind.
Und notorisch wenig Geld.

Er fragt nach von mir erstellten Kundenangeboten auch
ausnahmslos immer sofort, wann denn die Provision wohl flösse,
wenn der Kunde -sagen wir- heute abend unterschriebe.

Bei einem der eher hoffnungsloseren Abendtermine, von dem
ich ihm mehrfach erfolglos abzubringen versucht hatte mangels
Erfolgsaussichten (58-jährigem Eisdielenbesitzer fällt ein, dass
er ja noch gar nix für die Rente gemacht hat...), treffen wir uns
in Köln vor dem Geschäft des Interessenten.

Bzw. genauer: Ich warte auf ihn. Denn ich bin ja pünktlich. 

Da wird es laut auf der Straße und um die Ecke gefahren kommt:
Er.
Auf einer Rennmaschine von Ducati.

Steigt ab, begrüßt mich, bewundere zum Schein die Rennkiste
die mich null begeistert und null interessiert, aber die wirklich
entscheidende Frage kann ich nur auf diese Art stellen:

"Was muss ich denn für so was ausgeben?"
Und er so: "Vierzehntausend."

Ok. Soll jeder sein Geld ausgeben, für was er will.
Trotzdem: Idiot, echt.


gekauft |

In einem leicht alkoholinduziert überschwänglichen Anfall von

           "ich mag dann bestimmt unter Leute gehen !"
und
           "ich steh' ja total auf LIVE-Events !" 

wurde mal wieder das Girokonto zugunsten Ev3ntim geleert.

Und so freue ich mich besser lieber mal die nächsten 5 Monate
auf

  • Schuss mit lustig!
  • Steve 'n' Seagulls
  • Moving Shadows
  • Mr. Boombasti
  • Hans Zimmer
  • Mike Massé
  • Schlagermetall

geärgert |

Kein Witz:
5 Monate lang hatte ich nach einem Reifenhändler/-lager
gesucht und herumtelefoniert, der

a)  von meinem Dienstwagen-Leasing genehmigt wird
b)  freie Lagerkapazitäten für meine Reifen hat
c)  nicht in 30+ Fahrminuten Entfernung liegt

Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit "Na, dann lagert man
die eben selber daheim, das bisschen Reifen montieren 2x im Jahr
kann doch nicht so schwer sein!"


Erstens hab ich keine Garage.
Zweitens hab ich Rücken.

Drittens mag ich meine Nachbarn.
Und ich fluche und stöhne doch immer so vernehmlich,
wenn ich mich irgendwie körperlich schwer betätigen muss.

Würden Sie mich beim Sex kennen,
käme Ihnen 
diese Idee mit
der Eigenmontage erst gar nicht!

Dem bisherigen Dealer hatte ich beim letzten Mal bereits 
lautstark in dessen Verkaufsräumen angekündigt, mein
nächster Termin in dem Saftladen sei der, wenn ich meine
Reifen letztmalig abhole und das würde so wahr mir Gott helfe
das LETZTE Mal sein, dass sie meine Reifen und mein Auto anfassten.

Ich erspare Ihnen den dafür vorausgegangenen Hergang.

Jedenfalls dauerte es 40 (!) Minuten, bis der scheue, körperlich
schwerst gehandicapte kein Wort deutsch sprechende
Aushilfsmonteur meine Reifen

     a) im Lager gefunden
     b) die Schutzhüllen für den Transport drübergezogen
     c) alles in meinen Kofferraum verladen

hatte.



 geschrien |

ganz laut SCHEIßE.

Man glaubt es kaum, wir haben hier jetzt Internet.
Eigenes, auf unseren Namen laufendes Internet.
Sogar Glasfaser-Internet!

Was ICH "mangels Bonität" nicht angeboten bekommen konnte,
hat die Frau im Haus (seit gerade mal 2 Jahren vollzeitbschäftigt,
dafür immer noch Studienkredite und Weiteres zurückzahlend)
binnen ZWEI WOCHEN beantragt/bestätigt/Montagetermin gekriegt.
Einfach so.

Dann kommen die Monteure.
2 sanfte, freundliche Araber (natürlich Araber. Ich sagte schon bei
meinen zwei Umzügen, dass diese Gesellschaft nur noch von diesen
hart arbeitenden, freundlichen Menschen im Betrieb gehalten wird).

Die Monteure haben 2 Stunden eingeplant für Alles, zumal Glasfaser
ja bereits im Keller angeschlossen lag.

5 Stunden und 3 erfolglose Böhrlöcher quer durch die ganze Wohnung
später steht fest: Die kommen nicht bis rauf zu mir.

Jetzt steht dieser Scheißrouter unten neben dem Hauseingang
(bis DAHIN kamen sie) und sendet ein WLAN-Signal, was noch
beschissener ist als das der Nachbarn!

Geschwindigkeitsverlust, trotz zweier Mesh-Repeater:
Zwischen 90 und 95%.

==> Siehe Zeile 1.


 
gebacken |

ein Brot.

Neben den Hühnern draußen aufm Feld ist ein bis 22 Uhr
geöffneter Self-Service-Hofladen.

Da hole ich immer Eier und Kartoffeln, sowie an Tagen der
Fehleinschätzung eigenen Wohlstandes auch mal deren Biofleisch.

Ein Mischbrot-Mischung  aus Roggen- und Weizenmehl weckte
meine Neugier.

Heraus kam ein schmackhaftes, aber den festen Sitz
aller Natur- und Kunstzähne auf die Probe stellendes Brot,
welches auch für die guten unter meinen Brotmessern eine
Herausforderung darstellte.