28 Januar 2023

Billy



Seit etwa einem Jahr habe ich keine Gitarre mehr in den
Händen gehalten.

Und jetzt mal ganz davon abgesehen, 
dass ich kaum die Zeit dafür gehabt hätte, verspüre ich
aktuell auch überhaupt keine Lust mehr darauf.

Das letzte Projekt, wo ich so richtig mit Herzblut ran bin,
war Ende 2021/Anfang 2022 gewesen - damals noch in
der Band, wollte ich diese überzeugen, ein Coverstück
mit ins Programm aufzunehmen, das ich mochte.

Allerdings durfte ich dem Bandchef -so wie ich das sah-
keinesfalls verraten, um welches Stück und vor allem
von welcher Künstlerin es sich handelte.

Er hätte binnen einer Sekunde gefragt, ob ich noch
alle Tassen im Schrank hätte und - abgelent.

Mein Plan war, die -von mir neu instrumentierte- Version
erst ein paar Mal gemeinsam einzuüben, um später dann
irgendwann die Katze aus dem Sack zu lassen.

Also:
Suchte ich mir eine vorhandene Rockversion des
Songs auf YouTube.
Schnitt dort alle Spuren heraus bis auf Drums und Bass.
Setzte mich im Wohnzimmer vor meinen kleinen tragbaren
Verstärker und spielte damit 3 neue Gitarrenspuren auf 
einem iPhone aufgenommen ein.

Ohne Metronom, click-track oder so was, entsprechend
finden sich auf diesem Demo-track noch so einige cringe-
Tempofehler und auch Spielfehler, trotz des anschließenden
Glattziehens mit der Audacity Software.

Dann gab ich der Datei als Tarnnamen den Songtitel BILLY.

Mit diesem Song auf der Dropbox fuhr ich dann rüber zur
Band und spielte das über die große Gesangsanlage im
Proberaum ab.
 
Ok, sagen wir so: Begeisterung hätte wohl anders ausgesehen
bei den Anderen. Aber das spielte ohnehin keine Rolle mehr,
weil ich kurze Zeit danach raus aus der Band war.

Geblieben ist das Demo.
Das immer noch auf jemanden wartet, der es neu einsingt.
Wobei dann natürlich spätestens raus käme, wie der Song
denn in Wirklichkeit heißt.

Sie können ja mal raten?

Einen kleinen Tipp geb ich Ihnen:
BILLY ist der Vorname des VATERS der Künstlerin,
die den zugrundeliegenden Song in Wirklichkeit singt.^^

Und wenn Sie in 1 min Ihr Büro mal endlich wieder 
allein für sich haben wollen, befreit von allen nervigen
Kollegen, dann drücken Sie JETZT auf PLAY.


26 Januar 2023

Linksammlung



Wie oft ich schon interessante Seiten im web gefunden
und dann irgendwann wieder die links dorthin verloren hatte.

Seither habe ich wenn's reicht 25 tabs permanent oben im
Browser geöffnet, damit auch JA NIX mehr verloren geht.

Und wenn die Tabs nicht mehr reichen, öffne ich halt den
nächsten Browser. Und da geht's dann von vorne los.

Ein Digital Messie, das bin ich.

Aber ein paar der Seiten, vor allem jene, hinter denen
eine AI sitzt, lohnen sich wirklich.

Ein paar Favoriten von mir liste ich Ihnen mal auf.
Enjoy.

Cleanup pictures
- das tool retuschiert in Sekunden Elemente aus Ihren Fotos.

Splitter.ai  (erfordert gratis Anmeldung)
- das tool splittet Ihre Musikdateien in 2 oder 5 separate Kanäle
  auf, z.B. nur vocals, nur drums, nur Keyboard, nur Gitarre.
  Perfekt, wenn man bspw. nur drums und bass eines Songs braucht.

Vocal Remover
- entfernt die Vocals aus Ihrer Musik, ohne Anmeldung,
  aber dafür nur ca. 1 song pro Stunde gratis (IP-Adresse switchen)

PlayPhraseMe
- Sie geben der AI eine beliebige Zeile / ein Zitat / einen Namen
   aus einem Film, das tool ruft sofort genau diese Stelle in dem
   Film auf - bei mehreren Filmen alle diese Stellen nacheinander

MusicMap
- Sie geben dem toll Ihre Lieblingsmusik vor, das tool schlägt 
   Ihnen in einer animierten Wolkengrafik ähnliche Musik vor,
   je näher der Treffer um "Ihre" Musik schwebt, desto treffsicherer.

A soft murmur
- auf dieser Seite können Sie sich Ihren eigenen Hintergrundsound
  für die Büroarbeit o.ä. zusammenmixen - 10 Schieberegler für
  Ihren eigenen Mix aus Feuerprasseln, Wind und Regen, Vögel
  und Zirpen, Meeresrauschen und mehr.

Ventusky
- eine animierte 3D-Weltkarte mit detaillierten Wetterdaten und
   Windströmungen, auch tief herab zoombar. Meine Favoriten:
   Anzeigen für Wellen, Schneedecke und Luftverschmutzung



24 Januar 2023

If today were your last day


Kennengelernt hatte ich ihn im September letzten Jahres:

Da hatten meine Freundin und ich ihre kleine Schwester besucht
und auch ihn -ihren Freund- kennengelernt.

Ein skuriler Abend war das gewesen.

Wir hatten im Wohnzimmer bei den beiden gesessen, das zugleich
deren Schlafcouch darstellte, obgleich es ein separates Schlafzimmer
gab, in diesem großen Haus weit oben in Norddeutschland.

Mit durch den Garten und durch die Wohnung hoppelnden großen
Kaninchen, mit eigenem Gemüseanbau dun Komposthaufen,
und mit viel grün, viel Landschaft, viel Platz zwischen den Häusern,
aber auch viel grau und viel Nebel.

Gegenüber den Fotos von ihr in der Wohnung meiner Freundin
hatte sie inzwischen wieder eine attraktive Figur zurückgewonnen,
aber die starke Graufärbung ihrer Haare hatte mich etwas erschrocken,
für jemanden der deutlich über fünfzehn Jahre jünger ist als ich.

Ihn hingegen hätte wohl niemand mehr wiedererkannt, der nur sein Foto
vorher gekannt hätte (ein einziges Foto hatte ich mal gesehen).

Er hatte sich geschätzt verdoppelt im Gewicht, seine Haare waren sehr
lang und strähnig geworden, und ein rotblonder Backenbart der ganz
offenkunding dem freien Wildwuchs überlassen worden war zierte sein
Antlitz.
Im Prinzip stand mir da jemand gegenüber, bei dem mir sofort
das Attribut "Wikinger" eingefallen wäre.

Unser Aufenthalt dort war anlassbezogen gewesen, meine Freundin 
hatte noch einige Kartons eines ihrer letzten Umzüge bei den beiden
zurückgelassen, diese wollten abgeholt werden. Und Wiedersehen
hatte man sich auch einmal wieder wollen, wenngleich das Interesse
an diesem Widersehen in seiner Ausprägung -sagen wir- ein wenig
asymmetrisch verteilt war.

Nach den ersten ein oder zwei Stunden in der Phase 1 des Abends war
der Abendverlauf so ein bisschen in Richtung Talfahrt unterwegs:

Die ersten Gespräche und Austausche waren gelaufen,
gemeinsame Erinnerungen der Schwestern waren mal mehr und mal
weniger wieder aufgelebt, es begannen -leider- die aktuellen Themen
Raum zu fassen in der Unterhaltung.

Phase 2 des Abends drehte sich dann maßgeblich mit uns in der
Zuhörerrolle um Verschwörungstheorien - nahezu nichts wurde ausgelassen,
im Gegenteil wurde mein Repertoire an Namen, Orten und (angeblichen) 
Ereignissen um Etliches erweitert, was ich sicherlich nie wieder anfassen
oder googlen werde.

Mudflood-Theorie, über Jahrhunderte gefälschte Weltkarten bzw. in
ihrer Existenz verschwiegene Reiche, verheimlichte Corona-Impfschäden,
das neue Königreich Deutschland ohne Steuern, geführt von König Peter,
Reichsbürgertum und Anderes - nur wenig wurde ausgelassen.

Viel davon wurde hingegen auf YouTube gesucht und uns vorgestellt,
die Antragsstellung auf Ausbürgerung aus der (illegalen) BRD wurde
angekündigt...usw.

Bei all dem hatte ich seine Aufmerksamkeit auf meine Person
gezogen, damit meine Freundin noch ein paar private Gespräche mit
ihrer seit Jahren nicht mehr gesehenen Schwester hatte führen können.

Nach all dem waren wir schon etwas froh über Phase 3 des Abends gewesen.

Die bestand daraus, unbedingt mal kurz in den ersten JOHN WICK -Film
reinzugucken, den wir beide noch nicht kannten.

Daraus wurde dann ein (gesprächsarmer) Home-Kinoabend mit zwei
vollständig angeschauten JOHN WICK-Teilen und von mir bestellter Pizza
für alle.

Auf der Heimfahrt waren wir uns einig gewesen, dass die beiden vielleicht
kein Pärchen werden würden, wo wir alle 2 Monate zu Besuch sein würden,
dafür lägen unsere Weltbilde und Interessen nicht nahe genug beieinander.

Aber so 1x im Jahr wäre das sicherlich machbar, schon weil es am Ende
des Tages eben doch das Eine ist: Familie.

Und auf der sanftmütigen, warmherzigen Seite der Betrachtung war da:
Ganz einfach ein Paar, das sich gesucht und gefunden hatte.
Ein vollständig symbiontisches Paar war uns da gegenübergesessen.

Die seit mehr als vierzehn Jahren zusammen waren,
die keinerlei aushäusigen Aktivitäten oder Hobbies nachgingen (außer THC)
und auch nie verreisten, die keinen großen, weiten Freundeskreis pflegten,
die entweder in Teilzeit oder gar nicht erwerbstätig waren,
im Prinzip so wie "junge Rentner" lebten
- und nur sich gegenseitig hatten und auch brauchten.

Die Alles, was sie benötigten und was sie glücklich machte,
am Anderen gefunden hatten, verbunden in einem gemeinsamen Weltbild
und in ihrer Liebe zu Tieren, zu Selbstversorgertum und einem ruhigen,
friedlichen gemeinsamen Leben.

Und wenn wir all jene Dinge einmal beiseite lassen, an denen wir uns
reiben und die unsere Ratio, unsere Bildung und unsere Weltbilder in
ihre Schützengräben rennen lassen:

  • Ist es nicht das, worauf es eigentlich ankommt im Leben?
    Mit jemandem zusammen so zu leben, dass man nichts Anderes mehr
    möchte als nur die Zeit zusammen, in Frieden und Zufriedenheit?

Erst vor Kurzem hatten wir unsere Terminkalender gewälzt und schon
einmal abgesteckt, wenn unser nächster Besuch bei den Beiden gut
reinpassen würde, als gestern morgen der Anruf kam, der alles beendete.

Sie hatte im Schlafzimmer genächtigt, er auf der Wohnzimmercouch,
und als sie morgens zu ihm hinüberlief, war er tot.
Plötzlich und unvermittelt.
Mit Anfang vierzig.

Noch körperwarm, doch alle Wiederbelebungsversuche nutzlos,
der parallel gerufene Rettungswagen hatte gefühlt ewig gebraucht,
so ist das eben im Deutschland von 2023, aber auch die Notretter
hatten nur noch den Tod feststellen können.

Am Telefon hatte sie ihrer Schwester dann gesagt:
"Ich habe von einem Tag auf den Anderen die Liebe meines Lebens verloren."

  • ... und nun?
    Was machen wir, die Zuschauer, nun mit so einer Geschichte?

    Sind wir selbst vorbereitet? Auf so was? Geht das überhaupt?

    Und falls ja (oder auch nein), können wir wenigstens etwas
    daraus ziehen, solange wir weiterhin jeden Tag Glück haben?

    Das Schicksal hachdünn neben uns, an der Nachbartür einschlägt?
    Wenn heute unser allerletzter Tag in diesem Glück wäre, wenn uns ein
    gefälliger Engel eine entsprechende Info zustecken würde?

     - wie würden wir ihn verbringen,
    diesen letzten Tag unseres alten Lebens?


Vielleicht ist es das, was wir aus so einer Geschichte für uns
machen können. Genau diesen Gedanken zu fassen.



"Wenn heute dein letzter Tag und es morgen zu spät wäre?
Könntest du Dich vom Gestern verabschieden?
Würdest du jeden Moment wie Deinen Letzten leben?
Alte Bilder in der Vergangenheit lassen?
Spendetest Du dann jeden Cent, den Du hast?
Und würdest du alte Freunde anrufen, die Du nie siehst?
Alte Erinnerungen wachrufen?
Würdest Du deinen Feinden vergeben?
Und würdest Du das finden, von dem Du träumst?"