23 Juni 2023

Vom Verlust eines Pferdes


Unmittelbar nach Auszug der Ex hatte ich in einer 
weitestgehend geleerten Wohnung gestanden.

Im Nachhinein war der Gedanke, dort wohnen bleiben
zu wollen, alleinlebend in 4,5 Zimmern mit 125 qm,
in jeder möglichen Betrachtung ein Wahnsinn gewesen.

Aber erstens war die Miete relativ günstig, anderswo hätte
ich für das gleiche Geld mindestens ein, eher zwei Zimmer
weniger bekommen (was dann auch so eintrat).

Zweitens hatte ich allen Ernstes geglaubt, dort in Frieden 
und gut gelitten wohnen bleiben zu dürfen. Ich Trottel.

Drittens und keineswegs letztens: Ich scheute den Aufwand
eines Umzugs. Allein der Keller. Der kostete mich Wochen.
Von der Garage ganz zu schweigen.

Aber da noch nicht, da war ich noch enthusiastisch gewesen.
Hatte neue Leuchten gekauft.
Riesige Leuchten, Kunststücke, LED-warmweiß, 9.000 lm.

Hatte eine obszön überdimensionierte Couch fürs das
fast leere Wohnzimmer gekauft.
Schlafsofa, Federkernmatratzen, Riesenhocker davor.

Hatte ein 220 x 200 Boxspringbett in der Ultra-Ausführung
gekauft.
Alles Möbel, die mir schon kurze Zeit später etliche neu
angeschaute Mietwohnungen verderben sollten, weil sie
schlicht und einfach nicht reinpassten.

Und dann natürlich das Turngerät. Das Pauschenpferd.

Im Juli 2021 hatte ich es auf Eb4yKlein4nzeigen erstanden,
von einer ehemaligen Leistungsturnerin.
Ein lieber Freund hat mir das Ding dann im Alleingang
tatsächlich ein Bundesland weiter abgeholt und nach Hause
gebracht.

Und weil ich davon die Beine kürzen und daraus ein Sitz- und
Fetischmöbel hatte machen wollen, stand es zunächst einmal
in der Garage.


Und dieses Leben in einer Garage sollte auch zu seinem
dauerhaften Schicksal bei mir werden.

Erst fand sich niemand, der den Aufwand der Beinkürzung auch
nur kalkulieren wollte. Und ich selbst hatte ja 2 linke Hände.

Dann verlor ich Knall auf Fall die Wohnung.
Ab dieser Minute waren sämtliche Verschönerungsarbeiten
auf Eis gelegt:

Ich schlief knapp ein Jahr auf einer Ausziehcouch.

Die schönen neuen Lampen sollten 1,5 Jahre in ihrem
Originalkarton bleiben.

Und das Pferd zog von einer Garage einfach um in
eine neue, wo es mehr als ein weiteres Jahr
einsam vor sich hin stand.

Die neue Wohnung war dafür nicht mehr groß genug.
Und mit Blick auf den evtl. nächsten Umzug, verbunden
mit einer erneuten räumlichen Verkleinerung, standen
die Chancen für das Turnpferd denkbar schlecht, es bei mir
noch zu einem glanzvollen Möbelstück zu schaffen.

Ein bisschen traurig, aber entschlossen setzte ich das Gerät
nach Jahren der Abstinenz dort auf KleinAnzeigen ein.

Mein Eindruck nach 2 Wochen zurück auf KleinAnzeigen:
Himmel, haben sich die Menschen dort verändert nach Corona.
Und nicht zum Guten.

Es reichte auch nicht, um hundert Euro runterzugehen im
Vergleich zu dem von mir bezahlten Preis. Etwas mehr
war erforderlich, bevor sich jemand sehr Nettes meldete.

Gestern fuhr er vor.
Ich half ihm noch ein bisschen traurig beim Verladen.
Denn er möchte mit dem Gerät exakt das tun,
was auch ich vorhatte:
Beine kürzen und als Möbelstück einsetzen.
Und HÖCHSTwahrscheinlich auch
für den weiteren von mir angedachten Einsatz.

Und dann war da auf einmal Geld auf meinem P4yP4l-
Konto und er fuhr vom Hof.


Mach es gut, altes Pauschenpferd.
Ich hoffe, Du kommst in einen guten, gemütlichen Stall.


20 Juni 2023

von der Wiedergutmachung

 [ heute nix Privates,
heute nur Scheiß aus'm Job.

Hoffe, Sie hatten angesichts
des Titels sich nicht was
Traurigeres versprochen. ]


Wir hatten bei der Vertriebspartnerin echt was wiedergutzumachen.

Also, nicht ich.
Sondern wir, als Konzern.

Sie ist jemand, der wir in den letzten drei Monaten
mehr als einmal schlaflose Nächte bereitet hatten, weil
wir bisweilen ein ignoranter und operativ dysexzellenter
Saftladen sind, wenn Kunden was wollen, das eben nicht
auf Knopfdruck von jeder Amöbe erzeugt werden kann.

Mit dem Ergebnis, dass sich manchen unserer Vertriebler
dann nachts die Mägen umdrehen und sie mit dem Kopf
in der Schüssel übernachten. Kein Witz.

So war es auch hier gewesen.

Ich hatte zwar noch eingegriffen, geregelt, mich zwischen
die Fronten gestellt, mir eine fette Entschuldigung von dem
betreffenden Abteilungsleiter eingeholt.

Aber da war es schon zu spät, da war der emotionale Schaden
bei IHR schon angerichtet. Um es auch deutlich zu sagen:

Ich hätte es sehen müssen, was kommt.
Ich hätte früher da sein müssen.


Also stiefelte ich zu meinem Chef.
Zwecks Budget für eine ordentliche Essenseinladung.
Als Wiedergutmachung.

Ich beantragte:
Essen gehen, Champagner, Blumen, Schokolade und Haartönung.
Bei der Haartönung zuckte er.

"Da steht...Haartönung!"
"Das stimmt, Karl."

"Wofür ist die denn??"
"Zum Haare tönen, man macht sich das vor dem Wasc..."

"ICH WEISS WOFÜR EINE HAARTÖNUNG IST,
was ich wissen will, ist, wofür brauchst DU SIE?"


"Die ist für die grauen Haare, die wir der Dame bereitet haben.
Ich dachte, der Gag kommt gut. Movida Garnier Nr 23.
Hab mich bei ihren Büromädels schon erkundigt."

"Mach, was Du meinst, aber WEHE, das steht auf der Abrechnung!
Und reich das nicht bei mir ein! Nimm die Kostenstelle von Michi!"

"Geht klar, Karl."


Um Kosten zu reduzieren, schnorrte ich aus dem Alkoholbestand
von Michi (bei Versicherungen gibt es IMMER Alkohollager)
noch eine von den teuren Flaschen Champagner rosé, fuhr morgens
vor unserem Geschäftstermin noch packungenweise Pralinen und
Schokoladenkram kaufen, nahm auf dem Rückweg noch einen 
frischen Blumenstrauß mit und stand 10 min später tropfend
in der Agentur, wurde nachdem die versammelte Weibermannschaft
aber in die  Tragetasche geschaut und dort die Schokolade entdeckt
hatte mit mehr als offenen Armen empfangen.


Für das Abendessen mit der Chefin hatte Michi irgendwas
Merkwürdiges angemerkt, so was wie "ist mir scheißegal, ob ihr
da 50 oder 80 Euro ausgebt, hau raus."


Ok? Ich war drei Jahre Soldat, ich verstehe eine Anweisung,
wenn eine Anweisung ausgesprochen wurde.

Und die Dame hatte sich tatsächlich eine location für uns
rausgesucht die der Überschrift "Wiedergutmachung"
absolut gerecht werden würde.

Bisschen sehr ordentlich, für 2 Personen,
on top zu den fuffzich Ocken für Schokolade und Blumen,
und eigentlich stehe ich überhaupt nicht auf teures Essen.
Aber hier ging es um ein höheres Gut.
Und es war unfassbar lecker, tatsächlich.

Es wurde ein lauer, herrlicher Abend im Außenbereich des
Restaurants, mit vielen Informationen für mich, die ich sonst
vielleicht nie erfahren hätte.

Sie ist nun wieder "auf Kurs". Es geht weiter. im Guten.

Jetzt mal sehen, wie lange ich
noch für sie zuständig bin.

18 Juni 2023

Sonntags im Süden

[ Noch 3 Tage,
dann wird es abends schon wieder früher dunkel.

Ich weiß, das wollen Sie nicht hören.
Ich auch nicht.

Fahren wir lieber ein bisschen herum.
Und hören gute Musik.
Also Musik der frühen Achtziger. Klar. ]