Anstrengend ist der Tag gewesen.
'Viel geredet im Außendienst-Workshop.
'Wenig getrunken, dafür aber zuviel Kaffee.
'Nichts gegessen mittags aus Zeitmangel.
Entsprechend paniert fahre ich auf meinen
Parkplatz zuhause vor. Hungrig, schlapp.
Schon beim rückwärts einparken sehe ich durch
das rechte Heckfenster meinen Vermieter und
seinen Bruder sowie den Nachbarn auf den
Gartenbänken sitzen vor ihrem roten Schuppen,
der lokalen privaten Gartenkneipe.
Ich steige aus, hole Aktentasche und Jacket vom
Rücksitz, bin noch nicht einen einzigen Schritt
von meinem Auto entfernt, da ruft er auch schon:
"'Nabend Rain, kaltes Bierchen für Dich?"
Ich lächle, schlurfe schwerfüßig zu den Jungs,
stelle meine Aktentasche ab, ziehe das Jackett an
und sehe neben den drei Herren in Blaumann,
T-Shirts, Poloshirts und Arbeitsschuhen ein wenig
deplaziert aus.
Aber erstens sehe ich von der Arbeit kommend
neben ihnen immer strange aus und zweitens
interessiert sich hier, am roten Schuppen, niemand
dafür, wie Du aussiehst und nach was Du aussiehst.
Das hier hat was von Peter Alexanders "Die kleine Kneipe"
aus den Achtzigern.
- Der Tag ist vorüber
Die Menschen sind müde
Doch viele geh'n nicht gleich nach Haus
Denn drüben klingt aus einer off'nen Türe
Musik auf den Gehsteig hinaus
Wir stoßen an, trinken, aber mit dem Zug der zwei
Jungs könnte nicht mal ein Dromedar auf Wüstenreise
nach 10 Tagen ohne Wasserloch mithalten.
Unfassbar, wie man 0,5 l in höchstens 3 Zügen leeren kann.
In diesem Moment wackelt die Gardine am Fenster, das zum
Schuppen hin raus zeigt.
Die Nachbarin-Omi hat meine Ankunft von der Arbeit
ebenfalls bemerkt.
Keine Minute später öffnet sich die Seitentür des Hauses
zum Schuppen hin, und mit kleinen Omi-Trippelschritten
nähert sich auf einem mir bereits mehrfach wohl bekannten
Teller ein großes Stück Cremekuchen samt Kuchengabel.
Ich lächle, bedanke mich vielmals und stehe nun,
keine 3 min nach Abstellen meines Autos, mit Kuchen
und Bier im Garten meiner Vermieter vorm roten Schuppen.
Und ich kann mich nicht erinnern, wann das zuletzt der
Fall gewesen wäre, dass ich mich in meiner eigenen Familie
so glücklich, akzeptiert und selbstverständlich gefühlt hätte.