02 März 2023

Leseservice ( revitalised )

 
Ich suche immer noch nach einer Einstellung in 
Google News, die es mir ermöglicht, grundsätzlich
ALLE News-Angebote herauszufiltern, die auf eine
Paywall laufen.

Außerdem suche ich noch nach einem Browser-Add-On,
welches automatisch Cookie-Abfragen auf NEIN bzw.
auf ALLE ABLEHNEN setzt.

Kennen Sie einen Weg?

Bis dahin erspare ich Ihnen erst einmal wieder den
unnötigen Klickbait im heutigen Dschungel der News-
Aggregatoren.

Für Sie gelesen, für Sie inhaltlich kurz und knapp
zusammengefasst - los geht's:





Fehlformulierung.
Die PHANTASIE ist nicht überfordernd,
die UMSETZUNG ist es.





Ja klar. 



Ist heute noch ganz genau so,
siehe Dschungelcamp.




Null Euro.
(ok, der war leicht)



Weil sich das gegenseitig ausschließt:
Sie KÖNNEN nicht reich werden,
wenn Sie ein Herz für Ärmere haben.



OnlyFans.



Was in der sms drin stand:
"Oma ist jetzt beim lieben Gott...
was mache ich jetzt nur mit den 7 Millionen?!"



Habe nachgeschaut, lohnt sich nicht.
( habe alle 3 davon )




Zutreffend. Man kann nämlich
auch reich Erbende heiraten.




Die erfassen ja auch nur WIRKLICH relevante Daten,
beispielsweise die Anzahl Ihrer Geschwindigkeits-
übertretungen binnen 2,5 Jahren, oder aber die
Anzahl der Überstunden, die die Polizei
insgesamt letztes Jahr geleistet hat ( 22 Mio )



Ist heute aber auch noch so,
schauen Sie nur Donald Trump an.




Einmal im Monat.
Wenn Sie den Termin verpasst haben:
Einfach bis zum nächsten Monat warten.

28 Februar 2023

wenn "buy local" keinen Spaß mehr macht


Im Grunde nehme ich innerlich immer mehr Abstand
zu Onlineshopping bei den Am4z0nen und eigentlich
allen Arten von Distanzkauf.

Dagegen fände man mit wenig Nachdenken gleich mal
so viele Gründe, dass man danach kaum noch guten
Gewissens auf Distanz einkaufen könnte.

Zum Einen, will man einen Multimilliardär noch reicher
machen, der seinen Arbeitern nicht mal Mindestlöhne
zahlt und Gewerkschaftsgründungen zu unterdrücken weiß?

Dann noch, dass jeder außer Landes ausgegebene Euro
vor Allem die lokalen Anbieter vor Ort schwächt.

Nicht zu vergessen, die katastrophale Ökobilanz von
versendeten Waren - am geilsten finde ich ja immer jene
Leute, die sich ihr Bio-Veganfood mit dem Paket nach
Hause
liefern lassen.

Essen, das zubereitet werden muss, nach Hause liefern lassen.
Da komme ich ganz grundsätzlich nicht klar drauf.

Eigentlich nichts sooo sehr Anderes als das, was wir ein
paar hundert Meter weiter im Supermarkt auch holen, und
DAhin wird es ja AUCH geliefert.

Aber: Kapiere ich trotzdem nicht.

Ist aber wahrscheinlich sogar die Zukunft:
Offen gesagt wäre es sogar ganz erheblich besser,
die ganzen SUV-Moms würden Papis PS-Boliden schön
daheim in der Garage stehen lassen und sich von zentralen
Einkaufsfahrdiensten beliefern lassen, anstatt zwei Parkplätze
vorm EDK zu belegen und 5 Liter Diesel rauszublasen,
weil man dringend noch Mascarpone und Prosecco für
den Nachmittagsbesuch braucht.

Ein Lieferdienst fährt nie nur für eine Bestellung - also
bleiben dadurch mehr Autos von der Straße weg, als sie
durch den Kauf befahren.
Eigentlich müsste nicht die Lieferung einen Einkauf verteuern,
sondern die eigene Abholung, aus Umweltsicht.

Aber an diesem Morgen will ich noch mal einen Anlauf
unter der "buy local"-Flagge machen:

Beim Handwerksscheiß neulich ist meine home-office-Jeans
endgültig gerissen, und in einer meiner Lavalampen ist
die Halogenbirne durchgebrannt.

Das Gute ist, dass Baumarkt und Modemarkt in fast der 
gleichen Straße im Ort liegen. 

Also geht es erst in den Baumarkt, die defekte Leuchte in
der Jackentasche.

Im Baumarkt ist alles, wie man es erwartet:
Die wenigen Mitarbeiter im CD-eigenen Farb-Overall und
mit frottierten Arbeitsjacken werden von Rentern und
Haushandwerkern belagert, stehen also für Auskünfte
die nächsten 4 Stunden nicht zur Verfügung.

Macht nichts - ich weiß ja, was ich will.
Also straight rüber an die Leuchtmittelregale.
Zum Glück habe ich diesmal die Brille nicht vergessen.
Diese Beschriftungen sind sonst nicht mehr zu lesen.

Ich gehe locker 5 min das ewig lange Regal auf und ab
- es gibt offenbar keine nicht-LED-Leuchten mehr.
Das ist doof, denn eine Lavalampe braucht Leuchten mit
Hitzeentwicklung.

Also gehe ich irgendwann doch zur Rezeption und frage
nach dem Regal mit den Halogenleuchten.
Die Dame will mir jemanden an die Elektroinsel schicken.

Dort stelle ich mich hin und warte mit meiner kaputten
Leuchte.



Die Minuten vergehen. Ich seufze.
So ist das halt heutzutage.

Die junge Dame wurde auf ihrem Weg vom Lager zum
Elektro -natürlich- von Rentnern in Blaumännern auf der
Suche nach was-weß-ich-was abgefangen und kommt mit
entsprechender Verspätung bei mir an.

Als sie kommt, schildere ich mein Anliegen.
Sie geht mit mir zusammen an das Fach, wo noch Halogen-
Leuchten liegen müssten - und stutzt.

"Die waren hier letzte Woche noch da." sagt sie rätselnd.
"'Scheinen keine mehr da zu sein."

Eine Auskunft, die mich nur eingeschränkt befriedigt.

"Aber die Lavalampen, die diese Leuchten benötigen,
die verkaufen sie ja noch?!"

Tja, da weiß sie jetzt auch nicht weiter.
Ich könnte ja nochmal online im Shop des Bauhauses
gucken, ob da noch welche wären.

Ich danke und verabschiede mich.
Zwanzig Minuten verballert für: Nichts.

Weiter geht's zum Modehaus.
Dort kenne ich mich aus.
Daher wird es hier auch schnell gehen. Denke ich.

Ich gehe schnurstracks in die Herrenabteilung, denn wo
die von mir gesuchte Jeans hängt, weiß ich.
Modell, Farbe, Größe, alles bekannt.

So, wie ein Mann halt einkaufen geht:
Einkauf beginnt.
Eine gerade Linie vom Auto bis in den Laden.
Dann eine gerade Linie an die Kasse. 
Dann eine gerade Linie zurück zum Auto.
Einkauf beendet.

Am Jeansstand von TimeZone wühle ich mich durch
sämtliche Größen und Längen. Und staune.
Die mit Abstand häufigste Herrengröße in Jeans (34/34)
fehlt.

Denke noch, kann ja gar nicht sein, wühle mich durch die
darunter sortierten gefalteten Modelle - keine 34/34.
Lächerlich.

Nehme das Modell daneben, ähnlicher Schnitt, dünnerer
Stoff, aber egal, taugt auch. Suche die 34/34.
Nicht zu finden.



Gehe zu einer Verkäuferin, muss sie fast nötigen, mit
zu den Herrenjeans zu kommen.
Wo die 34/34 sei. Sie sucht lustlos, murmelt etwas von
"die ist meistens immer als Erstes weg" und ich so

"Ja genau, ist ja auch die gängigste Herrengröße, davon
sollte es dann auch mehr auf dem Lager geben, nein?"


Und sie so "Nee, nur noch das, was hier liegt!"
Ob ich mal eine andere Größe probieren wolle.
Nee will ich nicht, ich kenne in diesem speziellen Modell
genau meine Größe.

"Oder Sie gucken nochmal in unserem Onlineshop."

Ja, genau. Das hab ich doch heute schon mal gehört.
Uuuund exit Rain.

Na dann wenigstens noch Mineralwasser kaufen,
bevor die Fahrt völlig nutzlos war.
Der L1DL ist gleich nebenan.

Ich rein in den Discounter.
Slalomlaufen um die Rentner mit ihren kreuz und quer
geparkten Einkaufswägen.
Die Abkürzung mitten im Markt gleich links, rüber zu den
Getränken, vorbei an den Aktionstextilwaren in der Mitte.

Da sucht auch eine Frau vergeblich nach Schlafanzügen
für ihren Mann, eine Marktmitarbeitern in Thermoweste 
räumt gerade ihre Paletten ein und gibt ihr den Tipp, es
nochmal im Onlineshop von L1DL zu versuchen, manchmal
seien Aktionswaren dort länger erhältlich.

Ich muss im Vorbeihuschen ein wenig den Kopf schütteln,
schnappe im Vorbeigehen meine zwei Sechserpacks Wasser
und werde an der Kasse von einer freundlichen Dame mit
offenen Augen, die gleich einen rappelvollen Einkaufswagen
aufs Band laden wird, vorgelassen, wofür ich mich mehrmals
bedanke.

Fazit des Einkaufsmorgens:

Mit Hin- und Her- und Zurückfahrt und 3x Ein- und Ausparken
insgesamt gute 90 min verballert, und WAS erreicht?

Richtig. 2 Packs Mineralwasser.

Wieder daheim bin ich dermaßen angepisst, das es einfach
nicht mehr möglich zu sein scheint, sich lokal zu versorgen,
dass ich statt der Glühbirne gleich zwei komplett neue
Lavalampen (samt Ersatzbirnen) ordere und die vermisste
Jeans in insgesamt 7 Minuten online finde,
abschließend bestelle und bezahle.

Also exakt SO, wie ich es eigentlich NICHT wollte.

Egal jetzt.
Lampen sind da und aufgebaut. Jeans hängt nebenan
gewaschen und zum Trocknen aufgehängt.

Frieden.


26 Februar 2023

Charly


Unter allen Umständen hatte ich die Topfpflanzen
aus Ehezeiten in der neuen Wohnung retten wollen:

Die Geschiedene hatte bei ihren Auszug keinerlei
von unserem Grünzeug mitgenommen.

Und aus einer merkwürdigen Sentimentalität heraus,
durchaus getränkt mit etwas Schuldbewusstsein den
Pflanzen gegenüber, hatte ich mir fest vorgenommen,
diesen Gewächsen eine vernünftige Zukunft anzubieten.

Dabei hatte ich, wie ich zugebe, immer wieder diese eine
Szene im Kopf, wie ich vor einer der verdorrten (oder 
ersäuften) Pflanzen stehe und die Geschiedene mit
hochgezogenen Augenbrauen seitlich in die Szene eintritt
mit den Worten

"Ich habe es Dir gleich gesagt, bei Dir geht alles ein!"

Diese Szene hat es nie gegeben.
Sie findet nur in meinem Kopf statt.
Dort aber gründlich.
Und ich darf sagen, ich bin gescheitert.
Meistens durch Übergießen habe ich nach und nach
wirklich alle Ehepflanzen erfolgreich um die Ecke gebracht.

Fun fact:
Überlebt haben nur jene, die ich schon vor der Ehe hatte.
Die Palme im Wohnzimmer habe ich tatsächlich schon seit 1998.
Sie ist die einzige, die mir mein monsunisches Gießgebahren
verzeiht.

Als Letztes hatte die als anspruchslos und robust geltende 
Ufopflanze dran glauben müssen. Erst kurz davor hatte ich
sie umgetopft, mit frischer Erde und porösen Tonkugeln.

Aber selbst die habe ich hinüber bekommen.
Sie war die letzte, bereits Monate zuvor war eine Topfpflanze
mit ansehnlichen dunkelgrünen spitzen Blättern von mir
überwässert worden.

Davon erzählte ich der Frau in Norddeutschland (aus
dem letzten Blogpost).
Sie bot mir an, ein paar Ableger ihrer massigen, buschigen
Streifenlilie mitzunehmen und erklärte mir, wie ich
damit vorgehen müsse.

Auf sie höre ich gern - alle ihre Pflanzen sehen so voll
und gesund aus als kämen sie frisch aus dem Trias^^.
Die Ableger wurden in nasse Haushaltstücher gewickelt,
diese kamen für die Rückreise in Zip-locks.

Wieder daheim stellte ich die Ableger ein paar Tage ins
regelmäßig gewechselte Wasser, bis weiße Wurzeln kamen.


Danach wurde der ehemalige Ufopflanzen-Topf
nochmal von Resten gesäubert und die Erde ein 
bisschen vorbereitet.

Und dann war es Zeit, der Streifenlilie
ein neues Zuhause zu geben - diesmal mit
Feuchtigkeitsanzeiger und mit mehr Vorsicht.

Und das hier ist nun also: Charly, die Streifenlilie :-).