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03 August 2025

Anruf von unbekannt

Donnerstag, 11.15 Uhr.
Es klingelt auf meinem Handy.

Okay, gleich ein Fehler in der ersten Zeile?
Das ist neu, sogar für mich.

Genauer: Bei allen Anrufen, bei denen der Kontakt nicht
im Handy gespeichert ist, klingelt mein Handy NICHT.

Sondern es wird einfach stumm die anrufende
Nummer im Display angezeigt.

Sehe ich sie rechtzeitig, ist gut.
Wenn nicht, dann auch.
(Mit dem Alter wird man selektiver.)
Ich gehe ran, die Verbindung ist schlecht.
Gleich der Name, den der Mann mir nennt, wird verschluckt
von den Unzulänglichkeiten der deutschen Mobilnetzabdeckung.

Aber ich kenne diese Stimme.

Ich kenne diesen Akzent. Diesen Singsang im Sprechen.

Wer ist das nur!?

Der Mann fragt mich, ob ich noch in Fellbach wohnen
würde. Ich verneine und werde neugierig.

Ob es sein könne, dass ich mich von meiner Frau habe
scheiden lassen. Ich bejahe und werde noch neugieriger.

Und dann weiß ich, woher ich diese Stimme kenne!

"Ach! Jetzt weiß ich, wer Sie sind! 
Sie sind der IT-Mann, der in den letzten zehn Jahren
zwei Mal bei uns zuhause war, um unsere Notebooks
auszutauschen, stimmt's!?"


"Äh...jaaaa, Sie erinnern sich noch an mich?!"

"Na und ob! Sie waren der Einzige, dem ich mal einen
Handyklingelton besorgt und zugemailt hatte, weil Sie
den damals so geil fanden!"


"Einen Handyklingelton? Welchen denn??"


"Die "INTERNATIONALE"!"

"Tatsächlich. Sie sind es wirklich. Sie wohnen aber nicht
mehr hier im Süden, denn hier steht eine merkwürdige Adresse..."


"Die merkwürdige Adresse ist bei Köln. Ich glaube, Sie werden
einen Kollegen mit dem Gerätetausch beauftragen müssen.
Deshalb hatten Sie doch angerufen, oder?"


"Ja genau. Ach schade. Bei manchen Kunden bedauert man es ja,
wenn man sie nicht mehr betreut. Sie sind so einer von ihnen."


"Machen Sie es gut. Und geben Sie Bescheid, wenn Sie
was brauchen, ich sammle immer noch Klingeltöne!"


"Mache ich, bleiben Sie gesund."


09 Juni 2025

6G [ Juni 2025 ]

[  ...der noch im Mai begonnene post hatte
 ursprünglich MAISAMMELEI heißen sollen,
aber als dann 6 Abschnitte fertig waren...nun ja. ]

    geschüttelt  |

Den Kopf.

Auf der Arbeit sind die Umfrageergebnisse der
letzten Mitarbeiterbefragung da.
Ergebnis:
Alle Werte (alle!) haben sich verbessert
um 1-6 Prozentpunkte.
Egal, ob die Fragen lauteten "Purpose", "Stolz",
"Empowerment", "Bindung", "Weiterempfehlung",
"aktuelles Wohlbefinden", "Vertrauen in die Geschäfts-
leitung" - Allen geht es überall besser.
Na hab ICH da vielleicht gestaunt.
Das ist doch schön.
Und mein persönliches Umfrageergebnis lautet:
Nie wieder nimmst Du teil an dieser jährlichen Umfrage.


    geschraubt  |

Die Duschköpfe in den beiden Bädern ab.

Diese waren noch keine 2 Monate drauf und schon
ließ der Wasserfluss merklich nach.
1x alles aufgeschraubt und dann fassungslos in die
umfangreiche Kalk-Ernte übergegangen:
Der Kalk lief raus wie feiner grüner Sand.
Weia.

    gelesen  |

Während meiner Abwesenheit in DK trifft die Email
eines Kollegen ein:
Er ist dann mal 3 Monate in der "co-parental-off time".
Den Mut mancher Menschen kann ich nur bewundern:
Im gleichen Alter wie ich - und dann binnen 3 Jahren
noch 2x Vater werden? 
Allerhand.
Obgleich ich ihn nicht sonderlich gut kenne, scheint er
mir aber genau jene Grundeinstellung zu haben, die
man dafür braucht:
Sonniges Gemüt. Alles easy.
Und man muss es ja auch mal so sehen:
Schon ab der Grundeinschulung kann er dann ja
als Vorruheständler den neuen Nachwuchs hinfahren und abholen.
Und das jeden Tag. Bis zu dessen Abitur.


    genossen  |

Obgleich es im Kurzurlaub in Dänemark jeden Tag
Eis, Kuchen und meistens auch Alkohol gab und es
die Tage danach in Berlin nicht minder munter weiter
ging, zeigt die Waage aktuell minus siebzehn Kilo.
Ich bin sehr zufrieden und lächle fast jeden Tag.
Immer mehr Menschen sprechen mich drauf an.



    gesichtet  |

Nun noch die Durchsicht der "Jobempfehlungen",
auf die laut linked-in in dessen unanfechtbarer
Weisheit  ich mich doch jetzt wirklich langsam mal
endlich bewerben könnte:

  • SalesManager für Gabelstapler und Lagertechnik

  • Sales Representative für italienisches Tierfutter
    ("50 years of experience specializing in animal nutrition")

  • Verkäufer (m/w/d) Teilzeit bei Rossmann
    ("Das bewirken Sie bei uns:
    Die sorgfältige Verräumung neuer Ware und die Pflege der Regale.
    Das Abschließen des Einkaufserlebnisses unserer Kunden an der Kasse.
    Eine freundliche und kompetente Beratung unserer Kunden.")
  • Clinical Sales Specialist (m/w/d) Urology North Germany
    ("wir gestalten das Mögliche!")

  • Außendienstmitarbeiter Vertrieb KFZ (m/w/d) in der
    Bau- und Kfz-Branche und dem Agrarsektor


  • Außendienstmitarbeiter (m/w/d) Hair & Beauty
    ("Gemeinsam gestalten wir die Zukunft des Beauty-Marktes.")

  • Warenverräumer (m/w/d) in 40549 Düsseldorf

  • Außendienstmitarbeiter (m/w/d) Tiernahrung bei Royal Canin 

  • Sales Representative (m/w/d) Rheumatology - Dresden/Erfurt/Magdeburg/Leipzig

  • Außendienst Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) Brandmeldeanlagen

  • Verkäufer (m/w/d) in Teilzeit (15 - 20 Stunden pro Woche) im LEGO Store Bonn

  • Sales Representative Extremities (m/w/d) - Nordrhein-Westfalen
    ("Wir verbessern seit fast 100 Jahren alle 8 Sekunden die Mobilität eines Patienten!")

==> Nun sind Sie gefragt: Auch welche dieser Stellen sollte ich mich bewerben und weshalb? Denn genau DAS werde ich dann tun. Mit IHRER Begründung im Anschreiben.

03 Juni 2025

von Hausduchsuchungen

Per Zufall war ich an eine Einladung zu einem
Onlineseminar gekommen, welches von Steuer-
und Strafverteidigern gehalten wurde.

Es gab sehr interessante Einsichten an dem Tag.

Ein paar davon bringe ich Ihnen heute mit.








 

28 Mai 2025

vom unerwarteten Paket

Es klingelt Samstag morgen an der Haustür
und Oma H. kann es nicht sein, die ist zum
Einkaufen weggefahren.
Ich erwarte aber auch niemanden.

Ein Blick aus dem Fenster erspäht den gelben
DHL-Paketwagen, der vor unserem Hoftor
angehalten hat.

Sicher wieder ein Päckchen für die Liebste,
es kamen ja schon seit mindestens 8 Wochen
keine neuen Schuhe hier mehr an!

So bleibe ich sitzen im Morgenmantel und Kaffee
in der Hand und lese auf dem iPad weiter Nachrichten
aus der Welt, die längst keine mehr sind oder es 
zumindest besser nicht mehr sein sollten.

Die Haustür fällt ins Schloss und die Frau
trägt ein für Schuhe deutlich zu großes gelbes Paket
vor sich her, um es neben mir abzustellen.

"Für Dich."

"Für mich?! Ich habe aber gar nichts bestellt?!"

"Es ist von Johann."

"Von WEM!?"

"Von Johann. Meine Güte, wie oft hast Du mir von
Johann erzählt? Deine Lieblingsagentur aus dem Süden!!"

Mit ungläubigem Staunen öffne ich das Paket.
Im Inneren liegt eine Karte, darunter Sekt, Pralinen,
Mozartkugeln, Champagner, Marzipanleckereien.

Gerührt drapiere ich alles auf dem Sideboard im Esszimmer.
Schön, wenn Menschen aus meiner alten Heimat auf SO eine
Art an mich denken.
Es sind so wenige.








26 Mai 2025

2,04 [the number of the beasts]


Dortmund, 10.17 Uhr.
Irgendein Businesstower abseits der City.

Fast wäre ich heute nach Düsseldorf gefahren.
Hatte das auch Allen so erzählt:
Dass ich nach Düsseldorf muss.

Geschnallt hab ich es dann, als das Navi im Auto mich
auf einmal abbiegen lässt.
Auf die A1.
Welche nicht nach Düsseldorf will.
Kurz gewundert.
Dann sich gefügt in die neue Sachlage.

Es ist mir grundsätzlich auch egal:
Dortmund oder Düsseldorf, Hauptsache NRW.

Philosophische Grundlagen konnte man schon immer
aus TV-Interviews mit Fußballprofis ziehen, das ist klar.
Der Tagungsraum ist für uns gebucht ab 09.00 Uhr.
Es soll um 10.30 Uhr losgehen.

Gegen 10.10 Uhr sind aber bereits alle eingetroffen.
Egal. Wir sitzen einfach noch 20 min gemeinsam herum.

Denn auf der Agenda steht: Beginn 10.30 Uhr.
Und wir sind ja jetzt alle zuständig für den ÖD.
Da herrschen Recht und Ordnung.
Kotze jetzt schon.

Es ist das letzte Event unter Leitung meines Ex-Kollegen
aus dem Süden, bevor er für lange Zeit das Unternehmen
verlässt.

Von eintretender Ruhe oder auslaufenden Engagement ist 
jedenfalls nichts zu spüren:
Atemlos und unstrukturiert wie eh und je hastet er durch
seinen letzten Vormittag und pausiert seinen Redefluss nur
(und NUR) zum Luftholen.

Ich grinse.
Alles noch genau so wie früher im Süden.

Er legt seine Erfolgszahlen mit diesem Projekt auf.
Darin geht es darum, auf Lehramt Studierende frühzeit
an uns zu binden und ihnen gratis Services zur Verfügung
zu stellen.

Und weil er noch 6x auf diese Folie zurückkommen wird,
schaue ich sie mir irgendwann auch genauer an.

Nach 20 min steht für mich ein Zwischenfazit fest:

Das hier ist der größte Scam, der jemals in unserem Laden
an den Start ging. Und das Projekt läuft schon seit Jahren.


Beispiel:
Die Projektbegleiter erzählen unseren Konzernentscheidern,
wie die Nutzerzahlen dieses ihren Programms Jahr für Jahr
ansteigen.

Das ist korrekt.
Aber: Sie kumulieren alle Nutzer, die jemals beitraten.
Sie addieren die neu hinzugekommenen Studierenden auf den
Vorjahreswert aller bisherigen Studierthabenden! Und das seit 6 Jahren!

So kommt man natürlich leicht auf "wachsende Anzahl an Nutzern".
Aber wahrscheinlich sind neue Vorstände (und "neu" sind sie ja
dauernd) einfach zu doof für diesen Trick.

Auf der nächsten Folie stehen die "Vertriebserfolge".
Die schaue ich mir genauer an.

Ob die womöglich auch kumuliert sind?
In der Zeile "IST - Stand 31.12.2024" steht ein Wert
"2,04 Mio. BWS", also Bewertungssumme.
BWS ist eine Zahl, die für die Berechnung
der Vertriebsprovision relevant ist, und sonst
nirgendwo mehr in einer Konzernbilanz:
Es gibt diesen Wert außerhalb des Vertriebes nicht.

Nochmal Grinsen in meinem Gesicht.
Krass, wie die people den Laden hier verarschen,
aber -chapeau!- das mit Anlauf und Erfolg.

Zur Einordnung für Sie zwei Vergleichszahlen:

In der gleichen Zeit (also das Jahr 2024) hatte ich
allein (ohne meine Kollegen) in nur einem TEILbereich
meiner Gesamtaufgaben ein Ergebnis von 3,143 Mio BWS.
Und ich war keinesfalls der Beste letztes Jahr!

Oder, eine andere Rechengröße:
Die 2,04 Mio BWS entsprechen einer Verkaufsprovision
von (je nach Vertrag) etwa EUR 63.000.

Das schafftein Verkäufer, der nur halbwegs zugehört hat
in meinen Schulungen, in einem Jahr ALLEIN
und hat dann diese 2,04 Mio BWS in seinen Büchern.

Also:
Es sitzen hier in diesem Raum: 19 Leute mit mir.
Davon 3 Referenten.
Bleiben 16.

Davon 2, die nur social media und Google Ads bespielen
oder sonst null vertrieblich-verkäuferisch unterwegs sind.
Bleiben 14.

Davon sind 4 Spezialisten inklusive mir, die aber allesamt
2024 noch nichts hatten beitragen können, weil es unseren
Job ja erst seit 2025 überhaupt gibt.
Bleiben 10.

Ok:
10 Menschen.
Die in ganz NRW an Universitäten rumspringen und dort
irgendwelche Verlosungen unter Studenten veranstalten und
dabei Kalender, Werbemittel, und ISIC-Studierenden-Karten
dutzendweise rausblasen.

Und dafür bekommen wir als vertriebliches Ergebnis zurück:
2,04 Mio EUR BWS.

Ein Wert, den ich alleine (nicht zehn Leute)
in 8 Monaten (nicht in einem ganzen Jahr)
in einer einzigen Stadt (nicht einem ganzen Bundesland) 
in EINEM meiner Aufgabengebiete erreichte,

Und das ganz ohne Gratiskarten, Kalender, Give-aways, bullshit.

Da stehen sie nun.
Vorne am Referententisch.
Und erzählen uns.
Von den tollen, steilen Wachstumsmöglichkeiten in ihrem Bereich,
von den zweistelligen Wachstumsraten, jedes Jahr.
Hoch lebe die Kumulation.

Sie beantworten Bullshitfragen aus dem Plenum.

Zu Unikum-Tragetaschen.
Zu Ersti-Tüten.
Zu Kalender-Bestellungen.
Zu den bald schon optimierten Gewinnspiel-Teilnahmekarten!
Zu Erste-Hilfe-Gratiskursen für Lehramtsstudierende andwhatnot.

Bei, in ganz NRW: 280 aktiven studierenden Nutzern.

Sie zeigen uns ihre tollen, neuen Ideen auf Powerpointfolien,
die von sehr viel Zeit zum Basteln und Verschönern zeugen
und die Vorstände ganz sicher zu beeindrucken wissen.

Und sie zeigen uns diese auf Notebooks, die aussehen,
als würden sie selbst noch studieren:

Zugepflastert mit albernen, flächigen Aufklebern wie
"DEMOKRATIE FTW !"
und einer Europaflagge, mit "ALPAKAS GEGEN NAZIS"
und "AM ENDE IST ALLES TECHNO !".

Und ich schaue zum Fenster raus und denke mir:

Es ist lange, sehr lange her, alter Junge,
dass Du Dich so sehr im falschen Film gefühlt hast
wie hier und heute in dieser Comedyveranstaltung.




17 Mai 2025

tales from the sales [ part II ]

 [  The Kerviel incident ] 

Für einen Mann in unserer Branche ist er
erstaunlich aufgeschlossen, empathisch und
spart auch nicht mit Komplimenten, wenn
ihm etwas gefällt, auch nicht anderen Männern
gegenüber.

Schon im Erstgespräch, wo ich mich dem Team als
deren neuer Betreuer vorgestellt hatte, war er mir
erstaunlich sachkundig vorgekommen.

Seine Fragen hatten eine unerwartete Tiefe der
Beratung ausgewiesen und auf Finanzmarkt-Skills
auch fernab der Versicherungsbranche.

Bis zu unserem ersten gemeinsamen Kundenbetreuungs-
termin sollte es danach aber noch etliche Monate dauern.

Als es dann soweit war, hatte er den Termin auf die
für mich liebste und bestmöglichste Art und Weise gestaltet:
Er hatte sich zurückgenommen und MIR das Feld und
das komplette Gespräch überlassen.

So, wie ich es mag.
So, wie Dinge auch i.d.R. zum Erfolg führen:

   Still halten Und mich machen lassen.

Nachdem wir die Kunden verabschiedet hatten,
war noch etwas Zeit für genau jenen Smalltalk, der
das Miteinander intensiver werden lässt und für den 
in größeren Teamworkshops eben nie die Zeit bzw.
die Unterhaltungsruhe bleibt.

Auf einmal kommen Gedanken zu den World Indices aufs
Brett, zu Derivaten, Absicherungsgeschäften, Optionen,
Credit Default Swaps, Futures und irgendwann ziehe ich
wohl ein wenig zu unverhohlen die Augenbraue hoch.

Er lächelt, lehnt sich zurück und meint "Wahrscheinlich
merkst Du, dass ich früher mal was ganz Anderes gemacht
habe?"
- "Das kann man so sagen, ja."


Und dann erzählt er von seinen Nullerjahren.

Ein day trader sei er gewesen, und erfolgreich.
Täglich habe er sechsstellige Summen im Eigengeschäft
bewegt.

Erst als Arbitrageur (jemand, der Preisunterschiede zwischen
verschiedenen Märkten/Zinsmärkten ausnutzt und von der
Differenz lebt), später auch im Future- und Optionshandel
in Aktien.

Blühend und blendend sei es für ihn gelaufen.

Die hohen monatlichen Gebühren für die
Hochgeschwindigkeitszugänge zu der U.S. Stock Exchange,
dem DAX, dem Hang Seng und -vor Allem- den
Südamerikanern hätten sich mehr als bezahlt gemacht
und hohe Gewinne eingefahren.

Bis zu dieser einen, einzigen Woche.
Eigentlich seien es nur Tage gewesen.

Und genau genommen nur 15 Minuten,
um alles zu vernichten.

"Sagt dir Jérôme Kerviel noch was?"

"Der Trader, der beinahe Société Générale
   in den Abgrund gerissen hat?"


"Genau der!"


Sie finden Fragmente dieser Geschichte noch im web,
und die verstümmeltste davon auf Wikipedia, aber
in ganz kurz:

Jérôme Kerviel war Börsenhändler bei Société Générale
und schaffte es trickreich, das Handelslimit seines Teams
technisch auszuhebeln und im Alleingang offene, ungedeckte
Positionen in Höhe von 50 Mrd. Euro aufzubauen.

U.a. (und das lesen Sie nirgendwo mehr) nutzte er dafür
ein eigens von ihm bei der Bank angelegtes Konto, dessen
Kontonummer er so wählte, dass es außerhalb des von den
automatischen Bilanzierungsprogrammen der Bank erfassten
Nummernkreises lag und also komplett "unter dem Radar" flog.

Als das rauskam, stelle Société Générale fest, dass sie für diese
Positionen gar nicht so viel Eigenkapital hätten und liquidierten
alle Positionen, mit dem Ergebnis, dass sie nun auf 4,9 Mrd Euro
Schulden saßen.

Als das publik wurde, gerieten weltweit alle Banken
und trading Plattformen kurz in Panik.

Aus Angst vor weiteren Kerviels passierte nun etwas,
das meinen Vertriebspartner an den Rand des Ruins trieb:

Die Handelsplattformen verlangten schlagartig für alle
solche Leerkäufe/-verkäufe ein underlying - für das,
was an Handelspositionen noch offen war, musste das Geld
BAR HINTERLEGT WERDEN in voller Höhe.

Im Fall meines Vertriebspartners sah das so aus, das auf seinen
high speed trading Systemen auf einmal ein Fenster auf dem
Bildschirm mit einem time counter aufploppte.

Dort stand zu lesen, dass er für ALLE seine offenen Positionen
die für die Transaktion nötige Summe als Sicherheit in Geld
zu hinterlegen hätte.

Eine sechsstellige Summe.

Und dann zählte ein time counter in Sekunden die Zeit herunter,
bis zu der die Sicherheit bei der Bank eingegangen sein müsse.

Die Zeit:  15:00 Minuten.

Niemand hatte in so kurzer Zeit die Möglichkeit dazu.
Jedenfalls keiner von den privaten, nichtinstitutionellen
Händlern. Auch er natürlich nicht.

Und so waren seine sämtliche trades und assets
nach Ablauf der 15 Minuten: Weg. Für immer.

Bereits wenige Tage später hatten sich alle Märkte beruhigt
und normalisiert, die Standard-Gepflogenheiten für diese
Geschäfte war zurückgekehrt.

Nur war sein komplettes Vermögen eben weg,
von ein paar Notfallreserven abgesehen.
Und daheim saßen Frau und ein kleines Kind,
die gerne weiter ernährt werden wollten.

Mittels dieser Notfallreserven war er auf Jobsuche gegangen
und in der Versicherungsbranche gelandet.

Das Team dort hatte Bedarf an Menschen mit Kenntnissen
der Finanzbranche und gab ihm die Chance, sich als
Berater zu bewähren.
Und er nutze die Chance.


 [ ...die Aussage ist übrigens nicht (mehr) zutreffend:

Erstens wurde im wieder aufgerollten Verfahren 2016
die rückzuzahlende Summe auf nur 1 Mio Euro reduziert.

Zweitens hat J.K. im Arbeitsgerichtsprozess GEWONNEN
gegen den alten Arbeitgeber 
Société Générale und bekam
dort EUR 450.000 Schadenersatz zugesprochen. ] 

18 April 2025

Wasserstandsmeldung (Brief an die Vorstände - update 2 )

Sie erinnern sich bestimmt noch:

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich meinem
Unverständnis über die Vertriebsführung hier in
unserer Firma einen gewissen Ausdruck verliehen.

_______________________________________________
 
 SPOILER:


Ich habe bei 3 Einschätzungen leicht falsch gelegen:

a) Es hat nicht bis ENDE APRIL gedauert bis die Vorstände
    nervös werden, sondern bis ENDE MÄRZ.

b) die Vertriebsmaßnahmen kommen nicht IM JUNI,
    sondern SOFORT. 

c) das Vertriebs-Incentive kommt nicht IM SEPTEMBER,
    sondern bereits MITTE APRIL.

_______________________________________________

Da das erste Vertriebsquartal gelaufen ist,
wäre es an der Zeit für einen ersten Rückblick
und neuen Ausblick:



Die gesamte Entwicklung schreitet schneller voran,
als ich das vermutet hatte. Viel schneller.

Aus Sicht der Führung. waren die Vertriebszahlen
Ende März offenbar besorgniserregend genug, 

Jedenfalls alle außer meinen.
 
Aber alle meine Kollegen sind in ihren Gebieten
jeweils im Minus, und zwar fett zweistellig:


( ich bin der blau unterlegte ganz unten
am Rand. Der ohne ein minus davor. )

Nicht, dass ich irgendwas dazu beigetragen hätte.
Nicht, dass ich irgendwas dafür könnte.

Ich hab von diesem neuen Job genau genommen
immer noch keine Ahnung und bin genau so doof
wie noch vor sechs Monaten.

In Teams-Meetings nicke ich an den strategisch richtigen
Stellen (=z.B. eine Führungskraft spricht gerade) demonstrativ
konzentriert in die Kamera und hoffe, dass keiner schnallt,
dass ich von der Hälfte der auf den Powerpointfolien verwendeten
Abkürzungen nicht einmal deren Bedeutung kenne,
geschweige denn deren Inhalt.

Wenn mal reihum eine Einschätzung und Wortmeldung
von jedem von uns eingefordert wird, dann referiere ich
jovial und langatmig so lange gestenreich über die
Gesamtbedeutung des Themas für das zu erwartende
Betriebsergebnis und den unmittelbar bevorstehenden und
absehbaren Erfolg der durch unsere kluge Führung ergriffenen
Vertriebsmaßnahmen, bis jedes Gesicht im Teilnehmerchat
peinlich berührte Erleichterung ausstrahlt, wenn ich bloß nur
endlich wieder die Klappe halte.

Ich achte auf Großveranstaltungen im Vertrieb genau
auf das aktuelle wording des Vorstandes. 

Dieses Vokabular setzt den neuen Trend. Immer!

Dieses Vokabular wird alsbald komplett runterfärben
auf die niedrigeren Führungsgebenen.

Dort wird es so lange wiedergekäut werden, bis es durch
eine neue Mode und ein neues wording ersetzt wurde.

Vor ein paar Jahren gab es hier einen sehr rustikal-robusten
Vertriebsvorstand mit dunkelrotem Führungsstil und streng
zurückge-Gel-ten Nasslook-Haaren, ein echter Lude und niveau-
moralisch etwa auf dem trumpschen Breitengrad angesiedelt.

Der brachte gerne auch dutzendfach die Phrase "WIR MÜSSEN
JETZT ENDLICH DIE P.S. AUF DIE STRASSE BRINGEN!"


Kurz danach plapperten meine Ex-Chefin und ALLE ihre Kollegen
haar.genau.diesen.Müll in JEDER ihrer Teamrunden nach:

   "Wir müssen nun unsere Möglichkeiten konsequent nutzen
     und die P.S. auf die Straße kriegen."


Wie das die Hohepriester des vorherigen Pharaos halt so machen,
um ihre Köpfe nicht zu verlieren, wenn der alte frisch tot ist und der
neue Pharao grimmig die neue Religion mit Feuer und Schwert verkündet.

Das aktuell präferierte Wording des frischen Vertriebsvorstandes ist:

   FREUDE.

  Es müsse wieder FREUDE machen, raus zu gehen!

  Wir alle brauchen mehr FREUDE, in die Beratungen einzusteigen!

Unser aller Erfolg stehe und falle mit DER FREUDE am Vertrieb!

  Und jeder von uns muss jeden Tag um die Wichtigkeit seines Tuns
  für die Gesellschaft wissen und MIT FREUDE Vertrieb machen!


Wenn mich mein Chef oder mein Bezirksdirektor oder der
Bereichsleiter oder sonst wer fragt, was ich eigentlich gerade
aktuell so den ganzen Tag tue, dann erzähle ich von den vielen,
spannenden TeamsCalls, die ich unermüdlich jeden Tag führte.

Und den vielen, tollen Außenterminen, in denen ich
mein stetes Bestreben in den Vordergrund stelle,
unseren Vertriebspartnern wieder FREUDE am Geschäft,
die FREUDE an gemeinsamen Beratungen zu vermitteln,
um sie so zu mehr Aktivitäten und Umsatz heranzuführen,
dabei aber nie aus den Augen lassend, dass am Ende des Tages *
stets die FREUDE und somit UNSER ALLER ERFOLG
in den von mir betreuten Bereichen stehen müsse.

*auch so eine bullshit-Formulierung,
die aber einfach nicht totzukriegen ist
und daher bisher Alles überlebt hat.
Aber zurück zu den April-Zahlen:

Der neue Vertriebsvorstand ist ein Schnellblicker und
hat sofort gesehen, dass wir alle talwärts fahren.

Er hat auch sofort die Gründe dafür identifiziert.

Prompt hat er 4 neue Stellen/Funktionen bei uns geschaffen,
die exakt das Hauptproblem adressieren und beheben sollen.

Was übrigens DANN gelingen wird, wenn man sie mit den
RICHTIGEN Personen besetzt. Aber auch NUR dann.

Das wird der Vertriebsleiterin unter ihm nicht gefallen haben,
die vor 4 Jahren genau das Gegenteil veranlasst hatte, als sie
diese 4 Stellen ABSCHAFFTE und deren Tage bei uns
meiner Einschätzung nach absehbar gezählt sind.

Ich habe mir diese neue Stellenbeschreibung angesehen.

Sie ist ein Traum.
Sie ist wie auf mich zugeschnitten.


Alle haben mich darauf angesprochen, alle.
Alle Kollegen.
Meine ehemaligen Kollegen aus dem Süden.
Mein Chef, der Angst hat, dass ich weg gehe.

Ich bin bundesweit für diese Position der geeignetste Mann.
Punkt, Ende, aus.

Und ich werde mich trotzdem auf keinen Fall bewerben,
denn hier ist nicht eine ideelle oder gar emotionale,
sondern eine rationale und strategische Entscheidung gefragt.

Diese Stelle hat nämlich 3 wesentliche Probleme.
  1. Sie ist in unserem Firmen-Organigramm an der
    zweitfalschestmöglichen Stelle untergehängt.

  2. Sie ist unabhängig davon auch noch bei den beiden
    falschestmöglichen Disziplinarvorgesetzten angesiedelt.

  3. Ich hatte diesen Job schon dreimal hier in diesem Laden
    - jedes Mal ist er nach 1 bis 4 Jahren wieder abgeschafft
    worden und ich musste mich intern umgucken, wo ich bleibe.
Warum sollte es diesmal anders sein?

Zudem wird in Kürze ein neues Produkt von uns gestartet,
welches die Verkaufszahlen für 2025 aus dem Keller holen soll
und welches es auch dem einfacher gestrickten Simbel
im Verkauf einfacher macht als die bisherigen Produkte.

Das wird -glaube ich- auch eine kurze Zeit lang gut klappen.

In der Zwischenzeit habe ich endlich meine Vertriebsziele
für das laufende Jahr bekommen.

Ich habe sie einmal gelesen, zweimal, dreimal.

Dann habe ich meinen Direktionsbevöllmächtigten
angerufen und ihn gefragt, ob das der Ernst dieses Ladens
sein könnte.

Er bejahte das.

Ob er sicher sei.
Ja, sei er.

Ok, schön.
Dann hab ich ab Mai halt frei für den Rest des Jahres.

'Scheint ein guter Ebike-Sommer zu werden für Herrn Rain.





[ https://islieb.de/ ]


01 April 2025

vom Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse

Ich bin auf dem Sprung in mein vorgezogenes Wochenende, welches heute bereits am späten Vormittag beginnt und welches aus purem Hedonismus, also Essen, Alkohol und Sex bestehen wird. 

Deshalb nur kurz ein DANKE an Sie alle hier, der abgelaufene Monat war der bestbesuchteste bislang. Und sehe ich das richtig, dass die beliebtesten Themen hier Zwischenmenschliches, Sex und Wünsche sind? 


Ach und übrigens hab ich einen Fehler gemacht und mich probeweise wieder auf Twitter/X angemeldet und ich hasse es jetzt schon nach wenigen Tagen. Verzeihen Sie mir meine Dummheit. Ich glaub ich bleib einfach hier und sterbe mit Ihnen gemeinsam aus, so wie es sich für Saurier auch gehört. 

12 März 2025

Wasserstandsmeldung (Brief an die Vorstände - update 1 )

Sie erinnern sich vielleicht noch an meine
im Zustand unaufgeräumter Grundstimmung
verfassten (aber nicht abgesendeten) Zeilen an
unsere Vorstände
in der Firma.

2 kleine updates / Anmerkungen dazu.

1.)
mein direkter Funktionskollege, der den Großraum
nördlich von mir betreut, erlebt das Gleiche wie ich:

Die Anfragen pro Woche per Email, Telefon, Chat
sind mit dem Wegfall unserer alten Funktion
um 95% eingebrochen.

Im Prinzip wäre die Arbeitswoche dienstags 14.30 Uhr
zu Ende, würden wir nicht initiativ Termine ausmachen.

In MS Teams meldet der Kollege sich schon gar nicht
mehr regelmäßig an.


( Kurz zur Erinnerung:
Wir haben eine Gehaltsgarantie
und eine Jobgarantie.)

Das, was der Konzern gerne hätte,
wollen unsere Vertriebspartner offenbar nicht.

Das, was unsere Vertriebspartner gerne hätten,
stellt der Konzern nicht mehr zur Verfügung.

Das, was WIR wollen und für sinnvoll halten,
ist ohnehin irrelevant.


2.)


Ich hab mich ein bisschen vertan im zeitlichen Ablauf:



Das war wohl ein bisschen zu pessimistisch,
es hat nicht ganz so lange gedauert:



( Kurz erläutert:
Die oberen 3 Werte sind eine
gewichtete Mischung 
aus den 4 unteren Werten.
Der Wert ganz unten ist übrigens meiner.)


Dies sind die Zahlenveränderungen aller 4 Direktionen
Stand Ende Februar 2025 im direkten Vergleich zum
Stand Ende Februar 2024 in Prozent.

Ich mach den Job hier in dem Laden jetzt
im vierundzwanzigsten Jahr.

Ich guck mir also zum 24. Mal eingangs eines Jahres
solcherlei Zahlen an und weiß, damit umzugehen.

Einen solch' desaströsen Jahresstart hab ich noch nie gesehen.

Ausblick:

Holen Sie sich Popcorn.
Das hier wird bald spaßig.




06 März 2025

vom kleinen Unterschied

Kleiner Nachtrag zu gestern:

All in, also sämtliche preislichen Vor- und Nachteile im Vergleich Plug-in-Hybrid- zu Verbrenner-Dienstwagen einschließend, wäre mich der Hybrid über die gesamte Laufzeit von 48 Monaten um EUR 10.011 günstiger gekommen.

Davon ziehen Sie jetzt noch den Kauf und die Installation der Ladeinfrastruktur ab und ein paar Kröten für den etwas teureren 100% obligatorischen Ökostromtarif, aber mache ich mir nichts vor:

Die Kiste wäre trotzdem achteinhalbtausend Ocken günstiger gewesen als meine jetzige Bestellung. 

Aber erstens wollte ich einfach nicht mehr nach dem ganzen Hickhack. Und zweitens ist der neu bestellte reinrassige Verbrenner keine zwanzig Euro teurer im Monat als der die letzten 4 Jahre gefahrene es war.

Zwar musste ich dafür in der Herstellerauswahl downgraden (Mercedes zu Skoda), habe dafür aber künftig ein vollausgestattetes Auto.

Im September gibt‘s dann Fotos :-).

05 März 2025

vom bestellten Bären

geordert  |


Den nächsten Dienstwagen. und surprise, surprise:

Es wurde ein reinrassiger Verbrenner.
Ein Diesel wieder, um genau zu sein.

Gerne hätte ich einen Hybriden gehabt. Sehr gerne.

Gerne hätte ich den Aufwand der allein durch MICH zu
tragenden Kosten der Wallbox, der Montagearbeiten,
der Umstellung auf einen reinen Ökostromtarif und des
obligatorisch digitalzählergeeichten Ladekabels zum
Maximalpreis (da nur 1 Anbieter erlaubt) betrieben.




Jedoch, unser Fuhrparkmanagement verlangte allen Ernstes,
dass ich den Wallbox-Kauf, den Ladekabelkauf,
die Montagebeauftragung, den Ökostrom-Tarif,
die schriftliche Vermietergenehmigung und noch ein paar
Sachen nachweise, BEVOR sie mir überhaupt den Rechner
für dieses Fahrzeug FREISCHALTEN.

Im Ergebnis hätte ich ERST vierstellig in Vorleistung gehen
müssen und DANACH hätte man mir erlaubt, das Fahrzeug
überhaupt zu konfigurieren bzw. die Kosten zu berechnen.

Das hätte ich Trottel sogar noch alles mit mir machen lassen!

Doch dann entdeckte ich bei einem Kollegen (der auch neu 
bestellen muss, weil wir am gleichen Tag unsere jetzigen
Dienstwägen zurückgeben müssen), dass es in der für mich
bezahlbaren Kategorie NUR Mild-Hybride gibt.

Und diese hätten dann als Verbrennermaschine so
Lächerlichkeiten an Bord wie:

    Einen 1,5 l TSI-Motor.
    Bei einem Gesamtgewicht inkl. Fahrer von:  2 Tonnen.

Und da hab ich dann grinsend abgelehnt, zumal der jetzt
bestellte Neuwagen monatlich gerade mal 18,84 EUR
teurer ist als sein Vorgänger.

Lektion gelernt. 

P.S. Im Nachhein hab ich noch rausbekommen,
um wieviel der Hybrid in den 4 Jahren Fahrzeit
letztlich doch günstiger gewesen wäre, all in.

      Sie können ja mal schätzen.

03 März 2025

Bali statt Neckartal

   ge-off-t  |


Ein ehemaliger Teamkollege aus dem Süden,
der seit einigen Jahren ebenfalls in Köln arbeitet,
hat sich per Email von allen verabschiedet,
um jetzt (mit M40) sein Sabbatjahr anzutreten.

Er soll kurz vorm Burnout gestanden sein.



Das hat mich etwas überrascht, denn ich habe so ein
Bild vor Augen von Menschen, die bevorzugt anfällig
sind für Burnout-Diagnosen, und in diese Rahmen
passte er genau nicht rein.
Lektion daraus:
Sich keine "Bilder von Menschen" mehr machen,
die eh nur unvollständig sein werden.

Allerdings kannte ich auch die genaue Belastungsdichte
seiner letzten Tätigkeit nicht.

Offenbar hatte er sich aber damit verschätzt, als ich ihn
vor 10+ Jahren fragte, weshalb er nicht die Versicherungs-
agentur seines Vaters (eine wahre Goldgrube) übernehmen wolle.

Seine Antwort (damals als angestellter Regionalleiter im Vertrieb)
weiß ich noch ganz genau:

"Nee, ich kenne den Vertrieb ja seit Jahren, und im Vertrieb
musst Du richtig arbeiten. Deshalb bin ich rechtzeitig
in die Hauptverwaltung gewechselt.
Und mir war deshalb auch ganz wichtig, dass auf meiner
Visitenkarte "Stab" draufsteht und keinesfalls "Vertrieb"
oder "key account" oder so ein Quatsch!"
Eine zeitlang hatten wir ganz passabel zusammen gearbeitet
in Stuttgart.

Aber das ging aus irgendeinem Grund zu Ende, als er auf
merkwürdige neue Vertriebsideen für seine Vertriebsmannschaft
kam, die nicht durch Erfahrung oder Erfolgsaussichten fundiert
gewesen wären, da gerieten wir aneinander:

Ich kann es nicht leiden, wenn jemand klüger sein möchte
als Andere, aber die Arbeitsstrecke für seinen erhofften neuen
Erfolg in Team-meetings auf den Spezialisten abwälzt.

Man muss fairerweise auch sagen:
Das von ihm betreute Vertriebsteam war absolut nasses Brennholz.

Immer viel Rauch und Geknister bei sehr wenig Hitze.
Selten so eine Mannschaft gesehen. Zum Glück.
Ganz schlimme Leute, aus vertrieblicher Sicht.

Freundlich, ja.
Höflich, ja.
Viele zumindest, keinesfalls alle.

Aber absolute Beamtenmentalität und "Früher war Alles besser!"-
Geheul, und das 24 Stunden am Tag.
Jeder Termin mit denen eine Qual.

2 Ereignisse in seinem Leben waren glaube ich einschneidend
und einen Nachdenkprozess in Gang setzend.

Der eine war, dass sein Vater irgendwann zur Abgabe seiner
Agentur genötigt wurde, weil er altershalber und gesundheitlich
weder in der Lage war, Kunden bedarfsgerecht zu beraten,
noch sein Team aus mehreren Personen wirklich zu führen
und sodann in den Ruhestand geschickt wurde.

Daraufhin schnappte sein Vater sich seine sehr viel jüngere Frau
und wanderte ohne jegliche Sprachkenntnis und Vorbereitung in ein
kleines südamerikanisches Land aus

Wo er nicht ganz unerwartet mit seinen etlichen erheblichen
Vorerkrankungen im Gepäck recht kurz danach in
Ermangelung einer adäquaten medizinischen und pflegerischen
Versorgung irgendwo im Dschungel verstarb.



Der zweite war, dass auf einem Männerwochenende in Prag
sein bester Freund nachts um zwei mit drinks für alle in den Händen
johlend zurück auf die Disco-Tanzfläche kehrte und dort vor den Augen
seiner Freunde stehend zusammenbrach und noch auf der Tanzfläche verstarb.

Erlebnisse, die in meinen Augen gut geeignet sind,
eine neue Perspektive auf Leben und seine Fragilität zu bekommen.



Aus eigenem Erleben weiß ich, wie das ist,
wenn man "eigentlich jetzt sofort" einfach nur RAUS
müsste, aber noch lange, sehr lange eingebunden ist in
Sachzwänge und Verpflichtungen.

Stark zwei Jahre ging das bei mir so, bis mal Alles
wieder neu sortiert und geregelt war, uns deshalb:

Man kommt nicht immer gleich raus, wenn man raus will.

Und dahin muss man ja auch erst mal kommen, selbst ein
"Rauswoller" zu werden.



27 Februar 2025

gegrinst |

   [ Ist Ihnen aufgefallen, wie FRÜH
es inzwischen schon morgens hell wird?!

Wenn ich mal alt bin, melde ich mich
als Dogwalker in der Nachbarschaft an. 

Erstens will ich morgens mal den Sonnenaufgang sehen.

Und zweitens ist jetzt schon absehbar, dass mich im
Alter meine Blase ab 05.45 Uhr final ausm Bett treibt. ] 


gegrinst |

Vor ein paar Jahren hatte mir mein Ex-Kollege ja
noch etwas leid getan:

Wieder einmal waren unsere Jobs abgebaut worden,
und diesmal hatte es IHN (als zugegebenermaßen
Schwächsten von uns) erwischt:

Sein damaliger (und danach mein) Chef hatte ihn
rabiat loswerden wollen / müssen.

Dabei hatte er sich zu einem oft praktizierten Standardfehler
von Führungskraft-Idioten im Vertrieb verstiegen:

      "Wenn ich 1 Angestellten ZUVIEL, aber 5 Verkäufer
      ZU WENIG habe, könnte man dann nicht einfach...?!?"


Den Rest können Sie sich denken.

Der Ex-Kollege war mit himmelblauen Versprechungen in die
Selbständigkeit weggelobt worden.
Und ICH hatte ihn im Rahmen meiner Betreuung an der Backe
und sollte ihm "zum Erfolg verhelfen".

Leider hatte er sich dort sehr bald schon eine für unsere
Zusammenarbeit unangenehme Einstellung zugelegt a la

     "ich hab Deinen Job jahrelang selber gemacht,
       Du brauchst mir hier nix beibringen!"


und

       "Ich zieh' das hier ganz groß auf, die werden sich
        alle noch wundern!"


Dabei wurde immer klarer, dass er zu Recht auf der Abschussliste
gelandet war, da er weder sich noch Anderen zu vertrieblichem
Erfolg zu verhelfen imstande war, bei einer davon unberührt
sehr großen Klappe und cringen Freizeitposts auf seinem
(leider auch geschäftlichen) FB-Kanal.

Vorgestern studiere ich die 2024er Ergebnislisten des Vertriebs.
Bundesweit haben wir im Ranking 1.365 Mitspieler.

Seine Platzierung: Platz 1.346.

22 Februar 2025

Dienstfahrt 37 (Tiefe)

Aus dem alten "was man immer mal posten wollte"-
Ordner sprang noch diese Dienstfahrt aus den
Schwabenlandzeiten raus.



Wie man sieht, kann das nicht im Rheinbecken sein:
Steil, kurvig mäandernd, kaum Sichtweite dank Bergen.

Tatsächlich habe ich diese spezielle Strecke sehr gemocht,
auch wenn ich genau dort, wo das Video her ist, beinahe
mal liegen geblieben bin - die Steige war in Winterzeiten
berüchtigt als LKW-Killer.

Ich mochte die Strecke deshalb, weil wenig los war und
weil man schnell und kurvig fahren konnte.

Denke ich aber an all das, was mit dieser Strecke sonst noch
so verbunden war, will ich da nie wieder her fahren müssen:

Ich möchte weder privat noch beruflich zu den Menschen,
mit denen mich dieser Weg und diese Strecke verbunden haben, nochmal hin.

Aber den Song finde ich bis heute gut! (Index ID - Tiefe)

05 Februar 2025

Dienstwagenscheiß

Und manchmal dauert es nur 30 Sekunden:

Nach dieser Zeit in diesem Auto wusste ich,
dass das Modell nichts mehr für mich ist.



[ die albernen prätentiösen Trittbretter
für um die 1.000 Euro müssen Sie sich weg denken,
das hier ist der Rhein und nicht Montana. ]

Wie es dazu kam:
Ende letzten Jahres beantragte ich die Freischaltung
für den nächsten Dienstwagenkonfigurator.

Aus technischen Gründen (unser Bestellportal) und
Zickigkeitsgründen (unsere Personalabteilung) war aber
erst Ende Januar diese Möglichkeit für mich gegeben.

Allerdings gab es schon im Dezember die Möglichkeit, ein
ursprünglich top-favorisiertes Auto zu fahren, weil das an
diesem Tag mein Ersatzwagen für die Inspektion meines
identischen Vorgängermodells war.

Somit hatte ich ungeplant die Möglichkeit, den potenziellen
Nachfolger meines jetzigen Mercedes probezufahren.

Das Ergebnis steht ganz oben über dem Foto.

Denn Alles, was mir an einem Auto wichtig ist,
bringt der aktuelle GLC genau NICHT mehr mit:

  • haptische Schalter und Knöpfe sind elementar für eine
    sichere, blind ertastete Bedienbarkeit bei Nacht und 
    und vor allem auch  bei hohen Geschwindigkeiten.

  • aus diesem Grund kann ich die herstellerübergreifende
    Tendenz Seuche zu touch- und swipe-Bedienelementen,
    die zudem binnen Tagen verschmieren und verdrecken,
    nicht nachvollziehen.

  • der GLC hat im gesamten Auto noch exakt 2 Knöpfe,
    und diese auch nur wegen gesetzlicher Vorgaben:

    1) den Start/Stop-Knopf
    2) die Warnblinkanlage

    Alles Andere sind touch-Flächen, die nicht erspürt werden können.




  • das führt dazu, dass sich auch jemand wie ich, der sich
    seit Jahren fast blind auskennt in der Bedienung dieses
    Fahrzeugs, bevormundet und verloren vorkommt:

    Selbst einfaches Einstellen der Klimatisierungs-Luftströme
    erfordert nun einen Abstieg in Touch-Untermenüs.

    Ja, dann bedienen Sie halt über die SPRACHEINGABE alles,
    was Sie einstellen wollen!


    1) Ich bin der Meinung, dass ich das nicht tun sollen müsste.

    2) Die Spracheingabe klappt in ca. 60% der Fälle.
         In den anderen 40% höre ich dauernd
         
          "Diese Einstellung kann nicht über die Spracheingabe
          geändert werden!"


  • auch die Einstellung der elektrischen Sitze (die ich mehrmals
    am Tag neu justiere) ist von dort, wo sie hingehört (nämlich
    direkt am Sitz) auf die Fahrertür seitlich abgewandert.

    Dort findet man nun ein Mini-"Sitzmodell" = einen 1a-Dreck-
    und Staubfänger, an dem man in alle Ecken und Richtungen
    ziehen und drücken kann und so genau JENE Einstellungen
    verbaselt, welche man NICHT geändert haben wollte.

    Bei der Gelegenheit wurde auch die Sitzheizung
    -nicht mehr ertastbar- hinter ein Touchfeld verpackt, und zwar
    DIREKT über die Sitz-memorys, damit man die auch ja
    täglich versehentlich verstellt.


  • das Fahrerdisplay wird jetzt besser und effektiver genutzt als
    im Vorgänger, das war aber auch keine große Leistung.
    Dafür leuchten jetzt alle möglichen Kontrollsymbole und Infos
    ins Sichtfeld, ohne dass diese wirksam auf eine schlanke Übersicht
    reduziert werden könnten: es wirkt immer "zuviel".

    Zudem haben vollelektronische Display-Anzeigen den Nachteil,
    dass sie permanent in die Augen leuchten (wovon Fachleute abraten).

    Und sie liegen NÄHER am Fahrer positioniert als klassische analoge
    Instrumente - mit dem Ergebnis, dass weitsichtige Fahrer wie ich
    nun NOCH verschwommener sehen als zuvor.

    Lösung: Gleitsichtbrille beim Fahren.



  • das Redesign der Fahrertür hat die Funktion vollständig
    der Form geopfert.

    Suchspiel:
    Finden Sie auf diesem Foto den Entriegelungsgriff für die Tür.
    Nehmen Sie sich Zeit.
    Viel Spaß dabei.



  • im aktuellen GLC-Modell gibt es nicht mehr die Möglichkeit,
    Musik auf dedizierter Hardware wie USB-Sticks, SD-Karten o.ä.
    wiederzugeben - Sie benötigen zwingend ein Smartphone
    (nicht: Handy).

  • Das bedeutet, Sie müssen im Prinzip einen kostenpflichtigen
    Streaming-Dienst abonniert haben - alternativ müssten Sie
    daheim Ihre gesamte Auto-Musik aufs Smartphone
    (nicht: Handy) kopieren. Was an sich kein Problem wäre.

  • Das wiederum aber hieße, dass Sie Ihr Smartphone im Auto
    nur noch als reines Musik-Abspielgerät nutzen können
    - oder aber Sie verzichten auf eine dieser Nutzungen:

    Smartphone-Navigation mit Displayanzeige,
    Blitzerwarner mit Tempo- Anzeige,
    Musik mit Titelanzeige und Künstlername.

    Also: Auf welche 2 von den 3 würden Sie am Liebsten verzichten?

    Mal abgesehen davon, dass Apple CarPlay der allerletzte Rotz
    und für mich unbrauchbar ist?

  • die ohnehin schon lachhaft breite und prätentiöse Mittelkonsole
    ist im neuen Modell noch breiter und prätentiöser geworden und
    bietet noch weniger Nutzen.

    Beispielsweise braucht ein in morgendlicher Kälte gestartetes
    Auto mehr als eine halbe Stunde, bis Sie da in der Mitte Ihren
    Arm drauf ablegen zu können, ohne dass es Ihnen unangenehm
    kalt in alle Sehnen und Knochen reinkriecht.
    (Abhilfe: Standheizung für 1.220 Euro)

  • den finalen Vogel aber schießt Mercedes mit dem Lenkrad ab.

    linke Seite:




    rechte Seite:


  • Das gesamte Lenkrad ist ein TOUCH-Lenkrad.

  • aus dem klassischen 3-Speichen-Sportlenkrad wurde wegen
    des umfangreichen Bedarfes an Touch-Flächen allen Ernstes
    ein 5-Speichen-Lenkrad - zwei Streben links, zwei rechts,
    beide mit Touchflächen zugekleistert.

  • der Effekt ist dieser:
    Selbst jemand, der bereits 2x dieses Modell gefahren ist,
    findet NICHTS mehr, weil nichts mehr ertastbar ist.

    Selbst obwohl ich blind WEISS, wo die Lautstärke liegt,
    erfordert es feinfingeriges Herumfühlen, um die minimale
    Erhebung unter der Oberfläche zu ertasten.

  • Da für Laustärke + oder - nun nicht mehr getippt, sondern
    nach oben oder nach unten GEWISCHT wird, hängt die
    Lautstärkeregulierung künftig also an der Fingerkuppen-
    beschaffenheit des Fahrers:

    Zu trockene Finger? Keine Reaktion.
    Frisch eingecremte Hände? Keine oder falsche Reaktion.
    Für Sie mehrmals ausprobiert und verflucht.
    Im Zweifel vor Fahrtantritt immer ein bisschen Mineralwasser
    über die Hände laufen lassen.

  • Gegenargument:
    Man kann ja im Zweifel mal schnell hingucken, wo was liegt!

    Ach so, und das trägt dann bei 175 km/h zur Sicherheit bei, ja?
    Und was mache ich nachts?!

  • Ja, nachts sind doch die Tastflächen alle beleuchtet!

    Ach so, und jemand wie ich, der kaum den TACHO scharf sieht,
    der soll dann im Stockdunklen bei Autobahnfahrt verschwommen
    die noch näher liegenden 0,7 cm-Leuchtflächen zuordnen, wie?
    Zum Glück ja ab jetzt auf ZWEI Streben pro Seite verteilt, also 4.

  • die Motorhaube war bisher so gut wie nicht zu sehen, sie
    verschwand quasi aus dem Sichtfeld vorne raus.

    Die Motorhaube im aktuellen Modell ragt bullig wie ein
    billiger US-Redneck-Bollide aufmerksamkeitsheischend und
    störend von unten ins Sichtfeld, die Außenmaße des Wagens 
    noch besser verbergend und daher für Einparkvorgänge die teure
    aufpreispflichtige Einparkhilfe noch insistenter empfehlend.

  • lediglich 2 Punkte wurden am aktuellen Modell zum Vorgänger
    erlebbar verbessert:

    1) das sprachgesteuerte Info-Entertainment MBUX ist immer noch
    zum Heulen strohdoof, bestätigt Eingaben und Anforderungen nun
    aber immerhin nicht mehr mit dem in den Ohren unangenehm lauten
    Quittungston.

    2) die Lenkung ist auch bei sehr querschnittsbreiten Reifen nun
    sensationell und Einparken wird erheblich leichter als im bereits
    sehr guten Vorgängermodell.

TL;DR:

Der aktuelle GLC war eigentlich als nächster Dienstwagen
fester Favourit, hat sich aber binnen Sekunden Fahrerleben
entzaubert und das in mehreren Fahrten eindrucksvoll bestätigt,
eher noch verschlimmert.

Dass ein nahezu identisch ausgestatteter Wagen nun einen Neupreis
von schlanken EUR 84.500 aufruft (Vorgänger: EUR 66.895),
rundet das harmonische Bild vollends ab.

Also muss ich weitersuchen.
Aber ganz sicher nicht mehr bei Mercedes.

28 November 2024

job oddities

Es gab neulich mal wieder irgendein Datenschutzgedöns
vom Kunden gegenzeichnen zu lassen.

Und ich war tatsächlich baff, dass die Unterschrift
der Person mit der von mir VERMUTETEN Unterschrift
(basierend auf Phänotyp, Alter, Auftreten, Geschlecht,
Dialogführung) wirklich absolut nichts gemein hatte.

Abgesehen davon, dass es sich um eine der
reduziertesten Unterschriften handelte, die ich je sah.

Menschen.
Fasziniered.



14 September 2024

vom Ende der silbernen Jahre

Freilich hatte es auch mal goldene Jahre im Job gegeben.

In denen uns Spezialisten auf gut schwäbisch gesagt
der Rotz die Wange hoch gelaufen war.

In denen die Ziele eines globalen Konzerns noch auf
Wachstum und nicht auf Kosten fokussiert gewesen waren.

Diese "goldene Ära" war so etwa mit den Jahren der
Finanzmarktkrise Mitte der Nullerjahre zu Ende gegangen.

Zudem hatte grandiose risk management -Fehlkalkulation in
unserem Leitprodukt uns zu Beginn der Zehnerjahre einen
sehr hohen zweistelligen Millionenbetrag an Abschreibungen
einhandelt.

Und allerspätestens danach kamen nur noch Vorstände,
die das Kostenthema zur Prio 1 machten und deren
Investitionen ausnahmslos in IT-Systeme flossen, deren Ziel
die Reduzierung von teuren Humanressourcen hatte.

Hinzu kamen Mehrheitseigentümer im Ausland,
die zunehmend schulterzuckend fragten:

     "Was macht ihr da in D eigentlich?
      Wir sind in einem Markt, dessen Kuchen nur noch
       umverteilt wird.
       Und Euer Geschäftsbereich wirft 2% Eigenkapital-
       rendite nach Steuern ab?
       Erklärt uns bitte nochmal ganz genau,
       WESHALB ihr das macht!"


Und eines der Problem war, dass die dort Verantwortlichen
alle 6-9 Monate wechselten, weil sie danach bereits weiter
in der Zentrale der Konzernmutter aufgestiegen und durch
neue aufstrebende Controller von der Uni ersetzt worden waren.

Mit dem Ergebnis, dass wir den immer nächsten Eigentümer-
Entsandten jedes verdammte einzelne Jahr aufs Neue erklären
konnten, wie der Markt hier nun mal tickt.

Ich erinnere mich noch genau, wie der damalige bundesweite
Vertriebschef Deutschlands damals vorne auf der Bühne sagte:

     "Ja, die goldenen Jahre sind vielleicht vorbei - so what,
       freuen wir uns also auf die silbernen!"


Die Personalchefin, die zu diesem Zeitpunkt bei uns wütete,
wurde kolportiert mit der Aussage "wir können diese Umsätze
auch problemlos mit 60% weniger Personal im angestellten
Außendienst machen."


Und letzte Woche fand dann ein bundesweiter VideoCall statt,
mit welchem dann auch die silbernen Jahre zu Ende gingen
und wir alle unsere Jobs zum Jahresende verlieren.

Zwar gibt es -noch- eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung
mit dem Betriebsrat.
Aber die zwei Alternativen, die man uns bietet, sind Kacke.

Sie wirken bewusst so gewählt, dass möglichst viele von uns
sie uninteressant finden werden. Und...nun ja, nach Alternativen
suchen werden.

Und welche Erfahrungen man damit macht, mit Ü50 aktiv
auf den Arbeitsmarkt zuzugehen, habe ich die letzten zwei Jahre
ja schon ausgiebig erleben dürfen.

Kurz gesagt: Ich bin am Arsch.

Die einzig wirklich interessante Option außerhalb der zugesagten
Beschäftigungssicherung bei uns intern finden bundesweit
noch min. 10 weitere Kollegen in meiner Lage ebenfalls interessant.

Bei 1 offener Stelle. Bundesweit.
Darauf brauche ich also gar nicht erst hoffen.

Immerhin:
Ich bin es gewohnt, mich in vorgegebene Sachzwänge hineinzumorphen.

Diese Kindheit, wer hätte gedacht, dass sie noch einmal
so sehr nützlich werden sollte.

19 Juli 2024

beherrschender (GGF)

 Ich glaube, darauf ist niemand gekommen:



Wenn man dem ersten Buchstaben zubilligt,
ein verhunztes "b" zu sein,

und nach dem zweiten "e" das dort stehende "u"
als "r" betrachtet, gefolgt von einem weiteren "r",

dann noch akzeptiert, dass die Lücke nach dem "s"
von einem nach Diktat hastig abgereistem (und daher
fehlenden) "c" hätte gefüllt werden sollen,

dann erhält man das Wort BEHERRSCHENDER,
und gemeint war damit ein Gesellschafter-
Geschäftsführer.

Und ICH muss mir wieder dringend ein Mehr an Sorgfalt in
der Niederschrift meiner Notizen aneignen.

30 Juni 2024

von Ace of Base und [alt-fett-hässlich]-Sein

Sitze mit zwei schwierigen Vertriebspartnern zum Mittagessen.
Ich habe eingeladen.
Ok, sie haben sich eingeladen.

Die Zusammenarbeit hat sechs Monate lang nicht recht gezündet.
Das sollte sich aus meiner Sicht ändern.

Ich bin nicht optimistisch. 
Der eine hat mir im Erstgespräch durch die Blume gesagt,
ich sei zu alt für den Job, oder zumindest für die Betreuung seines
jungen, dynamischen Teams.

Im Zweittermin jetzt sagt er, wegen Ernährungsberatung käme er
beispielsweise eher nicht auf die Idee, mich anzusprechen.
Ah, ok, erst zu alt, jetzt auch noch zu fett, alles klar.

"Bist Du auf TikTok?" - "Nein."

Nun kommt er auf die Idee, ich könnte TikTok-Kurzvideos erstellen
über meine Arbeit - aber vielleicht doch besser mit jemand
ANDEREM als mir VOR der Kamera.

Es wird immer besser, ich bin amüsiert.

Wären es nicht meine mit Abstand größten und umsatzstärksten
Vertriebspartner, könnte ich aus einem reichen Fundus scharf-
züngiger und den Gegenüber niederwalzender Repliken schöpfen.
So aber muss ich bisschen auf defensiv spielen.

Da klingelt mein Handy.  Beide schauen verwirrt.

„Was ist das denn?!“

„Das ist ein individueller Klingelton. Selbst gebastelt.“

„Du bastelst noch individuelle Klingeltöne? Selber?!“

„Ja.“

„Was war das denn?“

„Ace of Base.“

„Was ist Ace of Base??“


"..."



Ok.
Bin eventuell doch schon zu alt für den Job und die
Menschen um mich herum. Und zu fett. Und zu hässlich.