05 April 2024

an Ems und Moorwiesen | Osternachlese




Ostern war entspannt.
Weit weg von zuhause.

Nichts zu tun, außer Kaninchen füttern,
Schokoeier vertilgen und jeden Tag mehr Alkohol
als Wasser zu sich nehmen.

Einerseits:

Ich versteh' schon, weshalb Menschen da oben
im Norden wohnen - weites Land, irre viel Platz
für jeden, schöne riesige Häuser, billiges Bauland,
Natur, Schafe, Heide, Pferde, topfebene Gegend.

Und Keiner, der Dir auf den Sack geht.

Erstens alle wortkarg, zweitens genügend Entfernung
zwischen den Menschen. Und gefühlt 30% aller
Bewohner in der Straße heißen HANSEN,
klingt schon mal tiefenentspannt.

Andererseits:

Ich versteh' auch, weshalb bislang ausnahmslos
jeder da oben entweder kifft, schnupft, säuft,
oder aber gleich eine Kombination davon.

Da oben kannst Du nix Anderes machen.

Irgendwann sind alle Attraktionen besucht und
alle Wanderwege erwandert. Und wenn's da regnet,
dann aber mal so richtig. Arche Noah incoming.

Im Prinzip gibt's da ja ganze Tage am Stück,
in denen könnte man  (wenn man nicht pitschnass
oder gleich krank werden wollte) nur zuhause bleiben
und saufen und vögeln.

Nur: WEN denn?
Waren Sie da mal da draußen?
Auf den Straßen, innerorts?
Dann 'mal lieber Netflix. Oder Pornos.

'Bin mir fast sicher,
die P0rnhub-Premium-Dichte 
ist da
sogar noch höher als in den Emiraten.
Aber ich schweife ab - Ostern!

Ich belud das Auto, vergaß zu tanken und dann stellten
wir uns in einen Stau namens Ruhrgebiet.

Endlich auf der A31 angekommen fuhr ich meinen
hundertausendsten Kilometer in Patty, meinem treuen
MILF-Mercedes mit Ziegenaufkleber auf dem Heck.
eine kleine Reminiszenz
an bessere Blogzeiten.



Die Liebste hatte ihrer Schwester beutelweise Sachen
mitgebracht, von Badezusätzen über Hasennestern
bis hin zu technischem Gerät und Leuchtketten.

Es waren auch merkwürdige Dinge an der Grenze
zur Lebensmitteldefinition dabei.



Die Frauen hatten viel zu erzählen (das haben Frauen immer)
aber ich hatte mir vorgenommen, viel zu schweigen.

Zu meiner Erleichterung stellte ich auch keine weiteren
Reparaturbedürftigkeiten in der Wohnung fest,
anders als beim letzten Mal.

Alsbald kam die Frage nach dem Inhalt des Abendessens auf.

Die Frauen votierten einstimmig (Männer haben kein Stimmrecht,
in allen großen untergegangenen Kulturen nicht) für mein
Schweinefilet im Speckmantel in Currysahnesauce.
der erste Google-Suchtreffer
dazu ist auch der Richtige.

Also fuhren wir einkaufen.
Es eskalierte ein wenig, sowohl im Getränkemarkt
als auch im Deko-Laden.

Zu Ihrer Überraschung eskalierten DIE FRAUEN im
Getränkemarkt und ICH hingegen im Deko-Laden.



Jedenfalls, ich besitze jetzt Kranich-
und Seesternfiguren aus Metall.
Giraffen hab ich schon.

Ich kann daheim demnächst "MADAGASKAR" nachspielen.


(...Siegerländerinnen.
Sagen Sie nix.)


Zurück daheim stellte ich mich in die Küche.

Der Backofen sah zwar aus, als müsste man ihn mit einer
Kurbel anlassen (und zwar idealerweise NACH dem Abkärchern),
aber das Vorheizen funktionierte.

Ok, dachte ich.
Denn kaum schob ich das Filet in den Ofen, gingen die Lichter aus.
Und der Ofen natürlich auch, kein Wunder, als Verursacher.

Also dann: Sicherung wieder reingedreht und raus in die
Kaninchenküche gewechselt, da stand noch ein alter Mikro-
wellen-Minibackofen. Alles geriet gut. Lecker war's auch.

Anderntags gingen wir essen. Fahrtzeiten von 50 min bis zum
Restaurant sind da keine Seltenheit. Aber zumindest gabs kurz
vorm Ziel Deichschafe zu sehen.

Und direkt an der EMS eine TEXAS RIVER RANCH zu eröffnen,
zeugt auch irgendwie von norddeutschem Humor.




Das Essen war in jeder Hinsicht gut.
Aber das Publikum hat mich...verwirrt.

30% aller Männer im Restaurant trugen Breitschirm-
Basketballkappen (ja, auch die der Pubertät entwachsenen) 
sowie schwarze Kapuzen-Hoodies mit albernen prints.

60% der Frauen trugen BMI Blauwal mit sich herum,
entweder am eigenen Körper oder an dem ihres Partners.

Jaaadoch- man soll einerseits nicht vom
Äußeren auf den Menschen 
schließen.
Andererseits aber machen Kleider Leute!

Und die ganze ART, wie ich mich gebe, auftrete, anziehe,
wenn ich unter Leute gehe, die sagt SCHON etwas aus über
mich als Person, und so wirke ich dann eben auch auf Andere.

Und dann endlich anderntags - ein wunderbarer, sonniger Tag!
Der einzig wirklich schöne, den wir erwischen konnten.




Es ging in die Heide. Wir sahen historische Holzbauten,
Ziegen, Schafe Blumen - und Schmetterlinge.

ich muss -wenn im Norden- sowieso oft
an die Frau dort mit den riesigen Augen
und Brüsten denken, aber wenn auch noch
SCHMETTERLINGE vor mein Gesicht
kommen, dann IMMER.



Sonntags gibt es Graupensuppe mit Hackbällchen,
Eier werden gefärbt, Bier wird getrunken, die
Stimmung ist ausgelassen, der Tod, der vor einem Jahr
jemanden aus diesem Haus holte, ist weit weg, 
die traurigen Momente sind es auch.

Wir legen Blumen und bunte Eier in den Rasen,
locken die Kaninchenfrau herbei und so entsteht 
unser ganz persönliches Osterkaninchen-Gruß-Foto.



Die Rückfahrt montags ist ein Albtraum, stundenlang
Dauerregen und Tempo 85 auf den Autobahnen.

Aber das macht nichts. Autofahren muss man mögen,
unabhängig von den Umständen.

Und wenn Sie das hier lesen - dann bin ich auf
dem Weg nach Hamburg. Mit dem Auto.

Und fragen Sie nicht nach dem Aufenthaltsgrund,
schließlich wissen Sie nun doch,
was man im Norden machen kann.

03 April 2024

Nebenkostenabrechnung


In den 1,75 Jahren, die ich dort gewohnt hatte,
waren mir erst nach und nach die Gründe für
den vergleichsweise günstigen Wohnraum aufgefallen.

Beispielsweise hatte ich die Böden erst nach Unterzeichnung
des Mietvertrages zu sehen bekommen - zuvor war die
Wohnung komplett bis zu den Decken zugestellt gewesen mit
Zeugs und Kinderspielkram andwhatnot.

Allerdings war das dann auch wiederum egal - der clevere
und schwäbisch agierende Vermietermillionär hatte die
Wohnung stets "ohne Böden" vermietet, womit er fein raus war.

Auch der Zustand von Rolläden, Außenfassade und z.B.
Badinterieur ("nicht Gegenstand der Vermietung") war so, dass
es für den Mietpreis so gerade noch okay war und zudem 
unterhalb der magischen tausend-Euro-Schwelle blieb.








Die Fenster hingegen wurden "nach Bedarf" renoviert
- also nicht bevor die Einschläge russischer Granaten
das Bewohnen der Strafbarkeit seitens des Vermieters
in Aussicht gestellt hätten.

Das verdutze Gesicht meines Umzugshelfers vergesse ich nicht,
als er bei den Malerarbeiten mitten im Wohnzimmer stand und
auf einmal verstummte, weil ihm der Wind spürbar ins Gesicht
blies.

Dabei waren alle Fenster fest verschlossen.

Und dann hatte es ja auch nur 5 Monate gedauert, den nicht mehr
regulierbaren Thermostat im Bad reparieren zu lassen ("ich hab wen,
der macht mir das!"
- ja schon, aber eben inoffiziell und "sobald
der mal Zeit hat, den krieg ich nicht immer ans Telefon!"
).

Inzwischen bin ich schlauer. In vieler Hinsicht bin ich das.

Aber zum Beispiel auch, was damit gemeint ist, wenn der Vermieter
im ersten Kennenlerntermin sagt, dass er "es auf den Tod nicht
ausstehen kann, wenn wegen jedem tropfenden Wasserhahn gleich
der Mieter auf der Matte steht"!


Was die Fenster anging, war mir (in Kombination mit dem eiskalten
Marmorboden im Flur) schon klar, dass es etwas mehr Heizbedarf
geben würde in dieser Wohnung.

Aber die endgültige NK-Abrechnung von 2023 war dann doch ein
kleiner Schock. 





Ende vom Lied:
Wenn ich alles auf die laufenden Kosten geradeziehe,
dann habe ich in dieser Wohnung monatlich satte EUR 370
an Nebenkosten gelatzt (Strom, Wasser, Heizung addiert).

Und das als allein lebender Mieter, der 2 bis 3 Wochenenden
im Monat gar nicht anwesend war (abgestellte Heizungen,
null Wasserverbrauch, nur die 2 Kühlschränke liefen)
und der zudem 1 Monat gar nicht mehr dort gelebt hat (Dezember).

'Muss sagen, das relativiert den mtl. geringeren Mietpreis
durchaus mal ganz gehörig.

Und danach war erstmal ein Likörchen fällig.

01 April 2024

vom Weißwein am Dom

 
Ein paar Tage, bevor er in der großen Stadt war,
hatte er sich gemeldet. Ob ich Zeit hätte, etwa
ab 21 Uhr sei er fertig mit seiner Veranstaltung.

An der Halle Tor 2 holte ich ihn ab.
Den Weg kannte ich, dort war ich vor Jahren auch
schon mal mit meiner Firma gewesen.

Um kurz nach 24 Uhr würde sein ICE zurück nach
München zu Frau und Kind gehen.

Insofern man einen 1,85m- mit Schuhgröße 45-
Sohn 
noch als "Kind" bezeichnen will.
Dort sei er gegen halb fünf, was okay sei,
erst gegen halb neun hätte er auf der Arbeit
das nächste meeting.

Schon auch mal Schmerzensgeld,
was Führungskräfte mitmachen fürs Gehalt.
Die Liebste sucht mir von daheim aus eine
Parkmöglichkeit und ein Restaurant und sendet
mir beides ins fahrende Auto.

Mit zwei Klicks sind die Ziele übernommen.
Schön, wenn Technik mal funktioniert.

Das Restaurant ist unter der Woche schwach besucht,
und leider machen sie auch keine 30 min nach
unserem Eintreffen zu.
Für einen Riesling reicht es aber.

Danach laufen wir zum Bahnhof, es ist nach 22 Uhr.

Mein letzter HBF war der in Hamburg vor 3 Wochen.
Da gab es tolle Sitzmöglichkeiten für wartende
Reisende. Ähnliches erhoffen wir uns von Köln.

Statt dessen erwartet uns eine spärliche Kioskszene,
und vor unseren Augen schließt die letzte unter ihnen.

So laufen wir auf der anderen Seite des Bahnhof eben
schnurstracks wieder raus, stehen im Freien und erpähen
gegenüber einen Späti und eine Bahnhoskneipe.

Die Kneipe wir von einer rauchstimmigen Kim-Wilde-
blondgesträhnten Endfünzigerin betrieben, die beinahe
noch bauchfrei hinter der Theke steht und die in den
letzten zwanzig-plus-Jahren wohl schon alles im Sinne
von ALLES gesehen hat.

Sie hat genau zwei Weißweine und einen freien Tisch.
Diese Kombination muss für den Rest der Nacht reichen.

Der Tisch ist draußen im Freien und die Weißweine
kennt sie nicht, sie seien aber echt gut, und eines davon
ist gelogen, aber einen Azubifreund nach vielen Jahren
wiederzusehen erfordert keinen Gourmettisch, um
erfüllend zu sein, zumal nicht, wenn man auf den
Dom gucken kann.




Wir unterhalten uns gut.
Alle Themen werden gestreift.

Ein nächstes Azubitreffen wird es wohl
nicht mehr geben. Niemand nimmt es mehr in die Hand.

Sein Vater wurde kurz vor seinem Tod Opfer von Betrügern,
mitten in seiner beginnenden Demenz, und wenn auf der
Gegenseite Rechtsanwälte, Rechtspflegerin und Gemeinde
unter einer Decke stecken, dann helfen selbst gültige
notarielle Vorsorgevollmachten nicht mehr weiter und 
man wird ausgenommen um zehntausende Euro, ohne
dass die Familie sich wehren kann.

Hinzu kommen wegfallende Arbeitsplätze auf der Arbeit,
das Umverteilen der Arbeitslast auf die Verbliebenen,
wachsender Druck und Umstruktuierungen unter 
Inkaufnahme jedweder Verluste, allein der Kostensenkung
verpflichtet.

Unter Anderem auch deshalb ist Auswandern aus D
auch bei ihm und seiner Frau ein sehr aktuelles Thema.

Wie schon bei den anderen Freunden, denen Mentalität
und Sicherheitspolitik hierzulande nicht mehr zusagen.

Und auch dem Trainer, der in der Seminarpause letzte Woche
die Tage zählte bis zum Abschied aus diesem Land, der
begeistert von seinen unzähligen Auslandskontakten erzählte.

Seinen Töchtern hatte er bereits die Liebe für das Ausland
in deren Studienzeiten eingepflanzt. Erfolgreich.

Durchaus Einige sehen ihre Zukunft nicht mehr hier.
Ich höre mir ihre Gründe und Veranlassungen zunehmend genau an.

Die Viertelstunden vergehen, im Nu ist es kurz vor Mitternacht.

Ich begleite ihn noch zu Gleis 6.
Der Zug hat bereits seit 8 Stunden eine in der App
angekündigte Verspätung.

Für mich immer wieder phänomenal, dass man bereits
nachmittags weiß, dass der Zug sich mitternachts um 8 min
verspäten wird, dagegen aber 8 Stunden lang nichts tut.

Aber da tue ich der Deutschen Bahn wohl Unrecht - denn
wie sich herausstellt, wird dieser mitternächtliche Zug
es schaffen, eine halbe Stunde Verspätung einzufahren.

Ein wenig nachdenklich falle ich gegen viertel vor eins in mein Bett.

Screenshots 04.2024

[Da ist er, der April.
Biergärten und Flussfähren öffnen endlich wieder.

Und ich habe vor, im Job
massiv auf die Bremse zu gehen,
zugunsten outdoor-Aktivitäten

Wie zum Beispiel abends Spazieren, eBiken,
Laufen, Eis essen und Sex auf der Dachterrasse. 

Und wie ich mein Glück kenne,
regnet es an 23 Tagen im Monat.]