Die Liebste arbeitet in meiner Nummer 2-Feindgilde:
HR.
ist seit Jahrzehnten besetzt mit:
Marketing.
Ich hörte, das sei aber in jeder Firma so.
[ SO könnten Sie aussehen ! ]
Die einen machen Recruiting.
Und wer sagt, Vertriebler würden lügen und das
Blaue vom Himmel herunter versprechen, der hatte
noch nie einen recruiting call mit HR.
Die Anderen machen so was wie Unternehmens-
kommunikation (= anderswo die Newsletter klauen).
Oder Payroll ("schauen wir mal, was diesen Monat an
Gehältern so rausgeht - wir sind da selber schon gespannt,
ob alle Buchungen rechtzeitig reingekommen sind!")
Oder Weiterbildung (= Bildungsanbieter-Webseiten
1:1 ins eigene Intranet verlinken, dann Mittagspause).
Oder sie bearbeiten Mitarbeiteranfragen, in dem sie
Standard-Textbaustein-Antworten zurückmailen,
denen 34-seitige Anleitungen angehängt sind, wie
man in nur 3 Stunden das Problem bitteschön
SELBER im Intranet löst.
nicht gerne vögeln tue. Zumindest eine von denen.
Und doch muss man bisweilen Mitleid haben mit ihnen,
den Hah-Err-lern, denn Sie haben vor Allem mit der
im Umgang schwierigsten Spezies überhaupt zu tun:
Führungskräften.
Dann kriegen sie von Standortleitern so
vielversprechende Recruiting-Aufgaben wie
"Wir brauchen noch 6 Köche am Standort X,
aber pro Stelle keinesfalls mehr als 38.000 € brutto im Jahr,
aber bitte spätester Beginn bei uns am 01.06.2025!"
"Sir? Sie akquirieren für Dänemark.
Da gibt es erstens keinen Euro.
Zweitens liegt das Mindestgehalt dort schon höher als das,
und zwar in sämtlichen Tarifverträgen. Wie soll das gehen?"
"Was weiß denn ich, SIE sind doch HR!!"
6 Wochen später.
"Ok Sir, wir haben hier jemand, der doof genug ist, für das
Geld bei Ihnen zu arbeiten - können Sie am Freitag abend
so ab 17 Uhr das Zweitinterview mit uns führen?
Das Erstgespräch erschien uns sehr vielversprechend."
"Freitag abend?? Da bin ich schon im....da habe ich
schon einen anderen Geschäftstermin!!
"Der Bewerber kann aber nur abends nach seiner Arbeit,
denn er ist.... .... ...KOCH !?!"
"Wenn's denn sein muss (grummelgrummel)..."
"Ach ja, der Bewerber kommt aus UK, zieht aber bald um
nach DK. Das Interview ist also auf englisch."
"WIE JETZT, AUF EINGLISCH??! Ich will das nicht,
habt ihr denn Keinen der DEUTSCH SPRICHT!?!?!?"
"Nein?"
"Ja gut, dann macht das keinen Sinn, dann könnt ihr
dem direkt wieder absagen!"
"SIR? Die Anzahl der Bewerbern die bereit sind,
zu IHREM Budget bei uns anzufangen UND
die deutsch sprechen, beträgt null.
Am Standort in Dänemark spricht NIEMAND deutsch.
Im Arbeitsalltag sprechen ALLE dort englisch.
Das EINZIGE Mal, wo diese Person jemals deutsch
sprechen müsste, wäre in diesem einen Vorstellungsgespräch.
Und die Vorlage für Ihre jährliche Personalbeurteilung
wird ja fix und fertig vom Standort geliefert... ... ..?"
"Wenn's denn sein muss (grummelgrummel)..."
Wenn Sie wüssten, wie oft nicht der Bewerber,
sondern die mit dem recruiting budget hantierende
Führungskraft das Problem ist, und wie oft dieses
Problem die mangelhaften Englischkenntnisse dieses
Personenkreises sind, wäre Ihnen sofort klar, was Sie
auch sonst schon das eine oder andere Mal haben
lesen dürfen:
Große Teile des sogenannten Fachkräftmangels
sind begründet in Problemen, die weder quantitativ
noch qualitativ auf der Bewerberseite lokalisiert sind.
Dazu ein andermal noch mehr.

