17 Mai 2025

tales from the sales [ part II ]

 [  The Kerviel incident ] 

Für einen Mann in unserer Branche ist er
erstaunlich aufgeschlossen, empathisch und
spart auch nicht mit Komplimenten, wenn
ihm etwas gefällt, auch nicht anderen Männern
gegenüber.

Schon im Erstgespräch, wo ich mich dem Team als
deren neuer Betreuer vorgestellt hatte, war er mir
erstaunlich sachkundig vorgekommen.

Seine Fragen hatten eine unerwartete Tiefe der
Beratung ausgewiesen und auf Finanzmarkt-Skills
auch fernab der Versicherungsbranche.

Bis zu unserem ersten gemeinsamen Kundenbetreuungs-
termin sollte es danach aber noch etliche Monate dauern.

Als es dann soweit war, hatte er den Termin auf die
für mich liebste und bestmöglichste Art und Weise gestaltet:
Er hatte sich zurückgenommen und MIR das Feld und
das komplette Gespräch überlassen.

So, wie ich es mag.
So, wie Dinge auch i.d.R. zum Erfolg führen:

   Still halten Und mich machen lassen.

Nachdem wir die Kunden verabschiedet hatten,
war noch etwas Zeit für genau jenen Smalltalk, der
das Miteinander intensiver werden lässt und für den 
in größeren Teamworkshops eben nie die Zeit bzw.
die Unterhaltungsruhe bleibt.

Auf einmal kommen Gedanken zu den World Indices aufs
Brett, zu Derivaten, Absicherungsgeschäften, Optionen,
Credit Default Swaps, Futures und irgendwann ziehe ich
wohl ein wenig zu unverhohlen die Augenbraue hoch.

Er lächelt, lehnt sich zurück und meint "Wahrscheinlich
merkst Du, dass ich früher mal was ganz Anderes gemacht
habe?"
- "Das kann man so sagen, ja."


Und dann erzählt er von seinen Nullerjahren.

Ein day trader sei er gewesen, und erfolgreich.
Täglich habe er sechsstellige Summen im Eigengeschäft
bewegt.

Erst als Arbitrageur (jemand, der Preisunterschiede zwischen
verschiedenen Märkten/Zinsmärkten ausnutzt und von der
Differenz lebt), später auch im Future- und Optionshandel
in Aktien.

Blühend und blendend sei es für ihn gelaufen.

Die hohen monatlichen Gebühren für die
Hochgeschwindigkeitszugänge zu der U.S. Stock Exchange,
dem DAX, dem Hang Seng und -vor Allem- den
Südamerikanern hätten sich mehr als bezahlt gemacht
und hohe Gewinne eingefahren.

Bis zu dieser einen, einzigen Woche.
Eigentlich seien es nur Tage gewesen.

Und genau genommen nur 15 Minuten,
um alles zu vernichten.

"Sagt dir Jérôme Kerviel noch was?"

"Der Trader, der beinahe Société Générale
   in den Abgrund gerissen hat?"


"Genau der!"


Sie finden Fragmente dieser Geschichte noch im web,
und die verstümmeltste davon auf Wikipedia, aber
in ganz kurz:

Jérôme Kerviel war Börsenhändler bei Société Générale
und schaffte es trickreich, das Handelslimit seines Teams
technisch auszuhebeln und im Alleingang offene, ungedeckte
Positionen in Höhe von 50 Mrd. Euro aufzubauen.

U.a. (und das lesen Sie nirgendwo mehr) nutzte er dafür
ein eigens von ihm bei der Bank angelegtes Konto, dessen
Kontonummer er so wählte, dass es außerhalb des von den
automatischen Bilanzierungsprogrammen der Bank erfassten
Nummernkreises lag und also komplett "unter dem Radar" flog.

Als das rauskam, stelle Société Générale fest, dass sie für diese
Positionen gar nicht so viel Eigenkapital hätten und liquidierten
alle Positionen, mit dem Ergebnis, dass sie nun auf 4,9 Mrd Euro
Schulden saßen.

Als das publik wurde, gerieten weltweit alle Banken
und trading Plattformen kurz in Panik.

Aus Angst vor weiteren Kerviels passierte nun etwas,
das meinen Vertriebspartner an den Rand des Ruins trieb:

Die Handelsplattformen verlangten schlagartig für alle
solche Leerkäufe/-verkäufe ein underlying - für das,
was an Handelspositionen noch offen war, musste das Geld
BAR HINTERLEGT WERDEN in voller Höhe.

Im Fall meines Vertriebspartners sah das so aus, das auf seinen
high speed trading Systemen auf einmal ein Fenster auf dem
Bildschirm mit einem time counter aufploppte.

Dort stand zu lesen, dass er für ALLE seine offenen Positionen
die für die Transaktion nötige Summe als Sicherheit in Geld
zu hinterlegen hätte.

Eine sechsstellige Summe.

Und dann zählte ein time counter in Sekunden die Zeit herunter,
bis zu der die Sicherheit bei der Bank eingegangen sein müsse.

Die Zeit:  15:00 Minuten.

Niemand hatte in so kurzer Zeit die Möglichkeit dazu.
Jedenfalls keiner von den privaten, nichtinstitutionellen
Händlern. Auch er natürlich nicht.

Und so waren seine sämtliche trades und assets
nach Ablauf der 15 Minuten: Weg. Für immer.

Bereits wenige Tage später hatten sich alle Märkte beruhigt
und normalisiert, die Standard-Gepflogenheiten für diese
Geschäfte war zurückgekehrt.

Nur war sein komplettes Vermögen eben weg,
von ein paar Notfallreserven abgesehen.
Und daheim saßen Frau und ein kleines Kind,
die gerne weiter ernährt werden wollten.

Mittels dieser Notfallreserven war er auf Jobsuche gegangen
und in der Versicherungsbranche gelandet.

Das Team dort hatte Bedarf an Menschen mit Kenntnissen
der Finanzbranche und gab ihm die Chance, sich als
Berater zu bewähren.
Und er nutze die Chance.


 [ ...die Aussage ist übrigens nicht (mehr) zutreffend:

Erstens wurde im wieder aufgerollten Verfahren 2016
die rückzuzahlende Summe auf nur 1 Mio Euro reduziert.

Zweitens hat J.K. im Arbeitsgerichtsprozess GEWONNEN
gegen den alten Arbeitgeber 
Société Générale und bekam
dort EUR 450.000 Schadenersatz zugesprochen. ] 

15 Mai 2025

von Lebenslinien und Yoga-Brüsten

Am Wochenende war 35-jähriges AbiTreffen
gewesen.

Alles gaga irgendwie:
Kaum hast Du Schule und Ausbildung vorbei,
bist gefühlt gerade mal 3 Wochen wieder nüchtern:

ZACK!
Nächster Halt: Rente incoming.

Beim nächsten Treffen sind einige von uns
dann ja schon im Ruhestand. Und der eine
oder Andere könnte dann schon nicht mehr leben.

Und mal ganz abgesehen von der perfekten Organisation
waren auch erstaunlich Viele von uns anwesend.

Es waren auch einige unserer Lehrer von damals
da - sogar ein 91-jähriger Deutschlehrer, der gestützt
und am Stock gehend kam.

Meinen Lieblings-Englischlehrer hatte ich volle
20 min lang nicht erkannt, obgleich ich neben ihm
stand - er sah sehr mitgenommen und kränklich aus.

Wir hatten für dieses event zumindest den Gitarristen-part
unserer vor 36 Jahren aufgelösten Schüler-Band wieder
reaktiviert und Tom und ich spielten ein kurzes 12 min-set
aus 3 eigenen Songs vor einem backing track,
die freundlich mit Applaus goutiert wurden.



(Tom hat in den USA die letzten Wochen
zumindest nicht abgenommen, for sure)


Elke war auch da.

Wie ich zugebe, hatte mich damals an Elkes Art und ihren
Interessen, vor allem aber an ihrem Musikgeschmack
absolut nichts gereizt oder interessiert.

Mit Ausnahme ihrer fantastischen Riesenbrüste.

Das Aufkommen von Spiegelbrillen in den 80ern
hatte mich mehrmals vor Ohrfeigen gerettet,
würde ich sagen. Auch in ihrem Fall.

Einmal fragte sie mich im Freibad, ob ich sie
mit Sonnencreme einreiben könnte.
Raten Sie mal, an welchen Stellen Elke bis heute
UV-Schutz Faktor 6.000 hat.
Ich war früher schon gründlich.

Elke sah mich und sprach mich sofort an.

Weil sie aber inzwischen als Naturheilpraktikerin
unterwegs und schon am Äußeren erkennbar sichtlich
der Esoterik und Grenzwissenschaft zugeneigt war, 
sprach sie mich auf eine unserer Unterhatungen an,
an die ich mich null erinnere.

"Du hast mir damals die Handlinien gelesen und mir
eine unstete, verworrene Zukunft vorausgesagt!"


"Oh. Hab ich das?!" 
( Himmel.
Was man damals nicht alles erzählt hat,
um seine Hände irgendwie doch mal
auf pralle Brüste legen zu dürfen.)

"Ja, hast Du! Du hattest recht behalten,
woran genau hattest Du das gesehen?!?"

Sie streckt mir ihre Handflächen direkt entgegen.
Ich kann nicht fliehen.
Ich muss da durch.

Nicht nur kann ich mich absolut nicht daran erinnern.

Nicht nur habe ich inzwischen eine gesunde Distanz
zu Bullshit-Glauben und Esoterik (mal abgesehen davon,
dass ich immer noch Yoga-Jordans Brüste anbete).

Ich weiß auch in keinster Weise mehr, wie man
"Lebenslinien in der Hand "liest".

Das darf Elke, die sich so viel von meiner Auskunft
zu erhoffen scheint, nun aber keinesfalls merken!

Also wiederholt sich eine fast vierzig Jahre alte Prozedur:

Langsam fahre ich mit dem Nagel des Zeigefingers in ihrer
Handfläche entlang - von der Handwurzel seitlich über den
Ansatz des kleinen Fingers zurück in die Mitte ihrer Hand.

"Da!" sage ich plötzlich und verharre unterhalb Mittel- und
Ringfinger.

"Wo?!?!" starrt Elke aufgebracht in Ihre eigene Hand.

"Hier, wo die Schicksalslinie erst die Kopf- und dann
die Herzlinie kreuzt, siehst Du?

Und sich anschließend auseinanderfädelt, unstet wird
und sich wie ein Fluss-Delta weiter nach Norden durch
Deine Hand mäandert, mit unentschlossener Richtung?
Das ist der Lebensverlauf, und siehst Du:
Ab GENAU HIER wird es verästelt. So wie Dein Leben!"


"Krass! Das stimmt genau!" schaut sie mich mit großen Augen an.

Ich lächle.
Ich bin Seelenverkäufer, das lässt sich einfach nicht leugnen.
Ok, und Tittenfan.

Ich verkaufe was die Menschen hören wollen.
Ich mag lächelnde Menschen. Menschen, die sich freuen.

Und Menschen freuen sich und lächeln,
wenn sie hören, was sie hören wollten.

Aber auch heute wird mir das nicht dabei helfen,
meine Finger dahin zu bekommen,
wo sie eigentlich hin wollten.

Wie vor vierzig Jahren. History repeating.

Wir stoßen mit unseren Radlern an und ich lenke sehr bald
das Gespräch mit jemand Anderem auf etwas Anderes.

13 Mai 2025

quasitaube Dunkelputzer

Die Liebste hat -wie fast alle Frauen- die eine
oder andere...sagen wir...Merkwürdigkeit, welche
auch nach Dialog und Erläuterung rätselhaft bleibt. 

Erstens ist sie während sämtlicher Hausarbeit nicht ansprechbar.

Was daran liegt, dass sie ihre Ohren mit ANC-In-Ears zudübelt
und während der Arbeitverrichtung podcasts hört.

Zweitens drehen sich diese Podcsts ausschließlich um
-im klassischen Geschlechterbild- frauennnahe Haushalts-
themen und Bedürfnisse wie Mord, Giftverbrechen,
Zerstückelung, Totschlag, Leichenbeschau und alles,
was mit ungeklärten oder historisch aufgeklärten
True Crimes zu tun hat. 

Als wir neulich eine TrueCrimeDoku ansahen (es ging
 um den „Long Island Killer“) meinte sie nach 5 min

    „das ist der, den sie mit der weggeworfenen
      Pizzaschachtel dran gekriegt haben!“ 

Und natürlich war es - genau so.

Als am nächsten Tag in den Magazinen stand,
dass nach über 40 Jahren der „YOGTZE-Fall“ gelöst sei,
widersprach sie sogleich:

Das könne überhaupt nicht wirklich der Fall sein,
es gäbe viel zu wenige Puzzlestücke in dem Fall,
und in der Tat wirkte die hiernach durchgelesene „Lösung“
der Polizei sehr herbeigewünscht und passend in die
Tatortbefunde zurechtgedrückt. 

Mit am Rätselhaftesten wirkt -drittens- auf mich,
dass sie beim Putzen nie das Licht anmacht.

Auch in Räumen mit sehr (!) wenig Beleuchtung komme
ich manchmal rein und stolpere fast über sie und ihr Putzzeug.

Sie meint, sie sähe alles.

Das kann jetzt natürlich sein, dass die Gattung Frau noch
aus den Zeiten der alten Ägypter die Anubis-night-vision
für besonders dunkle Tempelnächte mit vererbt bekommen hat
aber mir erscheint das immer noch merkwürdig. 

Sie zählt zur Fraktion der quasitauben Dunkelputzer,
und ich habe mich damit abgefunden.

Wirklich nervös werde ich nur noch, wenn sie die
Spülmaschine einräumt, aber das ist ein anderes Thema.



11 Mai 2025

Hit me Andy-style

[ 'frage mich, wieso ich erst so spät
auf den Kerl gestoßen bin.
Geiler Scheiß, daher Pflichtlektüre.

'Hat stilistisch was vom frühen Capt'n. 
Der immer noch schmerzlich vermisst wird.

( 'Ist mir auch immer noch peinlich,
dass ich dem nachts besoffen in der Disco
auf der Tanzfläche volle Möhre zwischen die Beine
gegriffen habe. Hach. Schöne Zeiten waren das.)

Heute also nochmal was im Bonetti-style.
Habe mir dafür extra Bademantel und Adiletten angezogen.
Mit nix darunter.
Und mit dieser für Sie wichtigen Zusatzinfo
entlasse ich Sie in ihren Sonntag. ]


 

In meinem Leben habe ich noch nicht eine einzige Minute
Sendungen mit Jan Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf
oder Joko Winterscheidt gesehen und darf nach bloßem
Überfliegen der Headlines in den so betitelten "News"
mit deren Namen drin zu dem Ergebnis kommen:
Ich bin ein kleines Bisschen stolz auf mich.



Der Fahrer letzte Woche vor mir auf der A559 wusste es
schon vorher: Noch kein neuer Papst am Tag 1.
Daher dicker schwarzer Rauch hinten aus seinem  
fehlfarbenen Ford Sierra 4x4. Ein Auto mit gleichem
Baujahr wie die meisten der Kardinäle.



Der neue Job ist so langweilig, dass ich mir einen
mouse jiggler gekauft habe, weil 15x täglich
Bildschirm entsperren einfach genervt hat.
Dafür sind jetzt ALLE meine WoW-Charaktere
auf einem Ausrüstungslevel >635 !
Nebenher halte ich die Augen offen nach
unausgelasteten Hausfrauen in der Umgebung.
Es sind wilde Zeiten.



Bin neulich aufgewacht und musste an das eine T-Shirt
meiner Ex-Gegenschwägerin denken:
Da war vorne ein großer Pfeil nach oben drauf und
der Satz  MY EYES ARE UP HERE  !
quer über ihre Möpse.
Dachte mir dann:
A-Cups und dann solch' eine Kühnheit.
Hätte ich auch gerne.
Habe nämlich auch A-Cups.



Auf Kleinanzeigen verkaufe ich gerade einen
Sack voll Edelstahltöpfe und schnell wird mir klar:
3 Zeilen gehören heutzutage in JEDE Annonce rein.
    - "was letste Preiss" wird nicht beantwortet.
      - ja, die Ware ist verfügbar, wenn die Annonce noch online ist
             - nein, ich gebe hier nicht meine IBAN raus.
Meine Fresse ey.
Nur noch Deppen in der Welt.



Morgens sehe ich das Brötchen unscharf.
Überlege nach dem Grund dafür.
Denn beim Bäcker war es noch scharf.
Jetzt ist es lecker, aber unscharf.
Finde den Grund nicht.
Stelle den Teller in die Spülmaschine
Und die Butter zurück in den Kühlschrank.
Dort liegt die Brille.
Anstelle der Butter.
Tausche Butter gegen Brille aus.
Alles wieder scharf.
Lektion des Tages: Brötchen sind wie Frauen.
Du kriegst sie entweder in scharf ODER in lecker.
* Weia.
Für DEN werd' ich mal
RICHTIG Fön kriegen hier,
ich seh' schon.

Ich überlege, hier im Blog wieder die frühere
"KÖNIG VON DEUTSCHLAND"-Reihe einzuführen.
Sie werden sich erinnern.
Natürlich tun sie das.
Gottfroh waren sie, als der Scheiß damals endlich rum war.
ABER!
Schlimmes kommt bekanntlich wieder.
Denken Sie an Trump.
Denken Sie an die CDU als Regierungskraft.


Wussten Sie, dass Honigbienen individuelle
Charaktere haben und dass die unfreundlichen unter
ihnen öfter und härter zustechen?
Neurobiologin Morgane Nouvian dazu:
"Die netten Bienen haben nicht gestochen,
egal wie oft wir sie getestet haben."

Das lasse ich jetzt mal so stehen.
Und die womöglich naheliegende Analogie zu Männern
kriegen Sie bestimmt noch vollends allein hin.


[ das hier kommt dabei raus,
wenn man den ersten Absatz aus dem
heutigen Blogpost
von ihm
einer 
Bild-KI zum Fraß vorwirft.

Es wird schlimmer mit jeder weiteren Sekunde
des Betrachtens. ]