15 Mai 2025

von Lebenslinien und Yoga-Brüsten

Am Wochenende war 35-jähriges AbiTreffen
gewesen.

Alles gaga irgendwie:
Kaum hast Du Schule und Ausbildung vorbei,
bist gefühlt gerade mal 3 Wochen wieder nüchtern:

ZACK!
Nächster Halt: Rente incoming.

Beim nächsten Treffen sind einige von uns
dann ja schon im Ruhestand. Und der eine
oder Andere könnte dann schon nicht mehr leben.

Und mal ganz abgesehen von der perfekten Organisation
waren auch erstaunlich Viele von uns anwesend.

Es waren auch einige unserer Lehrer von damals
da - sogar ein 91-jähriger Deutschlehrer, der gestützt
und am Stock gehend kam.

Meinen Lieblings-Englischlehrer hatte ich volle
20 min lang nicht erkannt, obgleich ich neben ihm
stand - er sah sehr mitgenommen und kränklich aus.

Wir hatten für dieses event zumindest den Gitarristen-part
unserer vor 36 Jahren aufgelösten Schüler-Band wieder
reaktiviert und Tom und ich spielten ein kurzes 12 min-set
aus 3 eigenen Songs vor einem backing track,
die freundlich mit Applaus goutiert wurden.



(Tom hat in den USA die letzten Wochen
zumindest nicht abgenommen, for sure)


Elke war auch da.

Wie ich zugebe, hatte mich damals an Elkes Art und ihren
Interessen, vor allem aber an ihrem Musikgeschmack
absolut nichts gereizt oder interessiert.

Mit Ausnahme ihrer fantastischen Riesenbrüste.

Das Aufkommen von Spiegelbrillen in den 80ern
hatte mich mehrmals vor Ohrfeigen gerettet,
würde ich sagen. Auch in ihrem Fall.

Einmal fragte sie mich im Freibad, ob ich sie
mit Sonnencreme einreiben könnte.
Raten Sie mal, an welchen Stellen Elke bis heute
UV-Schutz Faktor 6.000 hat.
Ich war früher schon gründlich.

Elke sah mich und sprach mich sofort an.

Weil sie aber inzwischen als Naturheilpraktikerin
unterwegs und schon am Äußeren erkennbar sichtlich
der Esoterik und Grenzwissenschaft zugeneigt war, 
sprach sie mich auf eine unserer Unterhatungen an,
an die ich mich null erinnere.

"Du hast mir damals die Handlinien gelesen und mir
eine unstete, verworrene Zukunft vorausgesagt!"


"Oh. Hab ich das?!" 
( Himmel.
Was man damals nicht alles erzählt hat,
um seine Hände irgendwie doch mal
auf pralle Brüste legen zu dürfen.)

"Ja, hast Du! Du hattest recht behalten,
woran genau hattest Du das gesehen?!?"

Sie streckt mir ihre Handflächen direkt entgegen.
Ich kann nicht fliehen.
Ich muss da durch.

Nicht nur kann ich mich absolut nicht daran erinnern.

Nicht nur habe ich inzwischen eine gesunde Distanz
zu Bullshit-Glauben und Esoterik (mal abgesehen davon,
dass ich immer noch Yoga-Jordans Brüste anbete).

Ich weiß auch in keinster Weise mehr, wie man
"Lebenslinien in der Hand "liest".

Das darf Elke, die sich so viel von meiner Auskunft
zu erhoffen scheint, nun aber keinesfalls merken!

Also wiederholt sich eine fast vierzig Jahre alte Prozedur:

Langsam fahre ich mit dem Nagel des Zeigefingers in ihrer
Handfläche entlang - von der Handwurzel seitlich über den
Ansatz des kleinen Fingers zurück in die Mitte ihrer Hand.

"Da!" sage ich plötzlich und verharre unterhalb Mittel- und
Ringfinger.

"Wo?!?!" starrt Elke aufgebracht in Ihre eigene Hand.

"Hier, wo die Schicksalslinie erst die Kopf- und dann
die Herzlinie kreuzt, siehst Du?

Und sich anschließend auseinanderfädelt, unstet wird
und sich wie ein Fluss-Delta weiter nach Norden durch
Deine Hand mäandert, mit unentschlossener Richtung?
Das ist der Lebensverlauf, und siehst Du:
Ab GENAU HIER wird es verästelt. So wie Dein Leben!"


"Krass! Das stimmt genau!" schaut sie mich mit großen Augen an.

Ich lächle.
Ich bin Seelenverkäufer, das lässt sich einfach nicht leugnen.
Ok, und Tittenfan.

Ich verkaufe was die Menschen hören wollen.
Ich mag lächelnde Menschen. Menschen, die sich freuen.

Und Menschen freuen sich und lächeln,
wenn sie hören, was sie hören wollten.

Aber auch heute wird mir das nicht dabei helfen,
meine Finger dahin zu bekommen,
wo sie eigentlich hin wollten.

Wie vor vierzig Jahren. History repeating.

Wir stoßen mit unseren Radlern an und ich lenke sehr bald
das Gespräch mit jemand Anderem auf etwas Anderes.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinterlassen Sie dem Feuervogel an dieser Stelle gerne Ihre Gedanken:
Er freut sich über Ihre achtsame Wortwahl, einen freundlichen Ton und Ihren von Miteinander beseelten Gedankengang.
Und in allen anderen Fällen löscht er kommentarlos.
Falls Sie Probleme haben Ihren Kommentar angemeldet abzugeben: Suchen Sie in Ihren Browsereinstellungen nach "Cookies von Drittanbietern blockieren" und deaktivieren Sie diese Option.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.