16 Dezember 2022

von gelösten Leinen


Viele waren ja ohnehin nicht mehr übrig geblieben
aus meinem vorherigen Eheleben:

Die Mehrheit der früheren Bekannten und freundschaftlich
Verbundenen hatten sich eine Seite der Geschichte angehört
und danach entschieden, nicht mehr abzuwarten, bis ich
bereit gewesen sein würde, eine weitere (meine) Seite beizutragen.
Fairerweise gebe ich zu: Manche waren auch unrettbar
enttäuscht davon, dass ich über sie gebloggt hatte.

Geblieben waren die Zimtene, der Büffel und der Mensch mit den
Scherenhänden.

Der Menschen mit den Scherenhänden hatte seiner Enttäuschung
Ausdruck verliehen und danach nicht wieder nach einem Treffen
zu zweit oder einem Abendessen plus Bier oder so gefragt,
geblieben ist eine freundliche, bekanntschaftliche Dienstleistungs-
beziehung.

Die Zimtene hatte irgendwann auf eine Nachricht, verbunden mit
einer Einladung von mir und meiner Freundin, nicht mehr reagiert
und hatte sich danach nie wieder gemeldet.

Das war vor ein paar Monaten.
Letzte Woche war ich ihr zufällig in einer Zweigstelle von uns
begegnet und sie tat erfreut, wirkte aber unglaubwürdig darin und
fragte nur, ob ich nächste Woche auch auf die große Weihnachtsparty
unseres Betriebes kommen würde. Da sähe man sich ja sicher.
Ja, sicher, war meine Antwort gewesen.

Und dann war da das Treffen zum Burger mit dem Ex-Kollegen,
eigentlich schon Freund, der irgendwann wie die Katze um den
heißen Brei herumzuformulieren begann mit sanften Fragestellungen.

Ja, ich hatte diese Gerüchte schon mal gehört.
Nein, ich hatte bisher keine Quelle dazu erfahren können.

Und dann wollte er mir partout nicht sagen, wo ER das her
gehabt hatte.

"Ich will ja nur, dass DU es weißt!" hatte er gesagt.

Und ich hatte erwidert, dass ich von einem Freund es 
tatsächlich erwartet hätte, dass er mir auch Ross und Reiter
nennt, schon allein weil die Kenntnis allein mir gar nichts hilft,
helfen tut es mir nur, wenn ich weiß, wer was wann gesagt hat.

Und dass dies eben der Unterschied für mich sei zwischen
einem entfernten Kollegen und einem Freund:

Ein Kollege sagt so Sachen wie "ich kann es Dir nicht sagen,
aber das und das hab ich eventuell gehört", und ein Freund
hilft dabei, sich selbst zu helfen.

Sichtlich angeschossen rückte er dann widerwillig mit
den Namen heraus.

Um sogleich und sehr betonend nachzuschieben:
"Mach was Du willst damit, aber ich sag's Dir,
wenn Du damit zur Staatsanwaltschaft oder sonst wo
hin gehst, dann sag ich, ich hab Dich seit sechs  Jahren
nicht mehr gesehen und ich hab mit Dir nie geredet und
ich wüsste nicht, wo Du das her hast!"

Und so sind wir dann verblieben, wechselten das Thema,
tranken Quilmes und lachten auch irgendwann wieder.

Zuhause dann, nachts im Bett, hatte es zu denken begonnen.

Ist das Kennzeichen eines Freundes nicht, dass er Einen dabei
unterstützt, sich zu wehren? Hilft ein Freund nicht wenigstens
dabei, sich selbst zu helfen? 

Andersum:
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Freund so etwas sagt wie
"sobald Du etwas tust, was richtig ist, werde ich die Seiten wechseln?"

Das erscheint mir geradezu bizar unwahrscheinlich.
Also: War die zugrundeliegende Grundannahme verkehrt.

Und so haben sich nach so vielen Jahren auch die Leinen dieser
letzten alten Verbindung nun gelöst, die von viel Freude, viel gemeinsam
Erlebten und viel Musik, Lachen und interessiertem Austausch geprägt war.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als säße ich auf einem kleinen Boot,
das die letzten Jahre mit mehreren Leinen vertaut und gesichert war.

Dann kam ein Sturm, und nun, lange nach dem er sich gelegt hat,
lösen sich auch die letzten haltenden Leinen wie von Geisterhand auf
und geben das Boot frei.

Es kann nun langsam aus dem alten Hafen hinaustreiben.
Das Meer hilft ihm dabei.
Sanft und langsam.

Sieht so aus, als bekäme es gutes Wetter für die Fahrt.

14 Dezember 2022

von Sockenpuppen und norwegischer Putzmusik

[ 'ist im weitesten Sinne ein repost,
ich weiß.

Aber erstens sind alle meine posts aus den
letzten zehn+ Jahren gelöscht (von mir).

Zweitens war mir danach.

Drittens brauchen Sie alle dringend mehr Kultur,
ich spüre das immer wieder. ]


Ist Ihnen auch schon so weihnachtlich zumute?
Mir auch.

Und was könnte intensiver und stimmungsvoller auf
die Weihnachtstage vorbereiten als norwegischer Death Metal?

Richtig: Nichts.
( anders als ich haben die meisten von Ihnen
für Weihnachten noch Familientreffen bevorstehen
und besitzen so was wie Schwiegereltern
- da kann Einem schon mal leicht
schwarzmetallisch im herzen werden.) 

'Habe deshalb gestern in einem Anflug von kultureller
Aneignung* mein Gesicht weiß angemalt (war eigentlich
nur mal wieder fehldosierte Gesichtscreme) und anschließend
alle 3 verfügbaren Musikalben von IMMORTAL durchgehört.

Am Stück.
Beim Putzen der Wohnung.

* noch so eine Phrase, die es
vor 2022 gar nicht gab.

Erkenntnisse des Tages:
  • 95% der Musikstücke von IMMORTAL sind Kacke.
    Die verbleibenden 5% hätte sogar ich besser produziert.

  • die Wohnung ist mit um ca. 20% schneller fertig geputzt
    als ohne Immortal.
    Das liegt u.a. daran, dass man hochmotiviert ist, die Hände
    wenn möglich rasch aus dem Putzwasser und aus den
    Handschuhen raus zu bekommen, damit man endlich
    das Gebrüll ausmachen bzw. weiter skippen kann.

  • Nach 3 Alben IMMORTAL, einem Musikgenre, das sich nicht
    auf "leise" hören lässt und aus diesem Grund über die 3 Alben
    hinweg auch nicht leise gehört wurde in der Wohnung,
    verstummen im Haus sämtliche anderen Geräusche und man hört
    von seinen Nachbarn - keinen Mucks mehr. Rein gar nichts.
    Muss ich mir merken, den Trick.

Zu IMMORTAL kam ich übrigens über die erste (von inzwischen 5)
SOCK PUPPETS Parodien, in welcher der (für mich beste) Bandsong
ALL SHALL FALL samt der Band parodiert wurde.

Mit der bemerkenswerten Leistung, dass die Parodie musikalisch
besser war als das zugrunde liegende Original.

Und weil's so schön war und Gutes wiederholt werden muss:

Immortal Christmas.

12 Dezember 2022

von neuen Ufern in blau-weiß

 
Erstens kommt es anders.
Und zweitens als man denkt.

Ein weiteres (drittes) Gespräch mit meinem Chef
(und zum dritten Mal durch mich initiiert) brachte
eine erstaunliche Wende in meinen Planungen für
das kommende Jahr in beruflicher Hinsicht.

Nicht nur, dass die Entscheider mit mir jetzt was
Anderes machen als die letzten 5 Monate erzählt
wurde. 

Sondern ich werde zum ersten Mal in über zwanzig
Jahren in diesem Job nicht mehr für den Großraum
Stuttgart zuständig sein in meiner Betreuung.

Statt dessen betreue ich im Jahr 2023 ausschließlich
nur noch Vertriebspartner in Bayern.

Zwar ist das der groben Langzeitplanung nach nur
eine Veränderung explizit für das eine Jahr 2023.
Danach könnte ich wieder zurück nach BaWü.

Aber wenn nicht, dann könnte ich auch vielleicht
bei den Bayern bleiben - vorausgesetzt, ich würde
dann in mein Betreuungsgebiet umziehen, der Kosten
halber.

Denn jetzt werden für 2023 erst mal eine Menge an
zusätzlichen Hotelübernachtungen usw. anfallen.
Von einer auf ca. 60-65 tkm ansteigenden Jahres-
fahrleistung im Dienstwagen ganz zu schweigen.

Ich habe meinen Chef schon mal ganz behutsam auf
ca. achtzig Auswärtsübernachtungen im Jahr eingestellt,
was ca. achttausend Euro Reisekosten impliziert.

Plus Weiteres, was mit "auswärts bleiben" verbunden ist.
Hatte er keinerlei erkennbaren Schmerz mit.

Ok, 80 waren geplant übertrieben.
Ein Bisschen ins Blaue geballert.
Zwei Mal, an 2 getrennten Gelegenheiten brachte ich das an.
Beide Male hat er - nicht gezuckt.

Nachdem ich da jetzt ein paar Nächte drüber geschlafen habe
fange ich mehr und mehr, die Vorteile dieser neuen
Gebietsaufteilung für mich zu sehen:

  • ok, ca. 15.000 km mehr pro Jahr - aber Dienstreisen
    sind bezahlte Arbeitszeit. Und ich kann noch mehr
    und länger meine Musik hören im Auto.*

  • bezahlte Auswärtsübernachtungen im Allgäu,
    Garmisch-Partenkirchen und rund um Ammersee
    und Starnberger See?
    Da gibt's sicher schlimmere berufliche Schicksale.
    Und daheim wartet ja abends niemand auf mich.

  • mal raus kommen aus dem Kesselmief von Stuttgart,
    mal ein Jahr Abstand kriegen zu all den alten Vögeln,
    an die man sich schon etwas zu gut gewöhnt hatte,
    mal mit einer anderen Mentalität zusammenarbeiten
    als der schwäbischen?
    Klingt verlockend.

  • in Bayern einer jungen, spürbar entspannteren 
    Gebietsführungskraft zuarbeiten, welcher kein
    Excel-Fetischist ist und der Führung (zumindest
    noch) nicht als Controllingtätigkeit begreift?
    Kommt mir entgegen. 

Noch ist nichts davon offiziell raus gegeben worden.
Noch wissen die Vertriebspartner nichts davon, dass ich
in gut 2 Wochen hier nicht mehr zuständig bin.

Jetzt bin ich gespannt, was diese Nachricht für eine
Reaktion hier im Vertrieb auslösen wird. 
Wut, Empörung, Trauer, Verzweiflung, Panik, Unverständnis?

Meine Einschätzung: Gar nichts davon.
Es wird absolut nichts davon eintreten.

Die Arbeit der letzten zwanzigplus Jahre,
die eingebrachten Geschäftsabschlüsse,
die aberhunderte gelösten Probleme,
die mehr als tausend Beratungen, die sonst anders
oder ehr auch gar nicht gelaufen wären?

All das ist wertloser, gelber Schnee von gestern,
nichts davon bleibt, und nichts wird Einem gedankt werden.

Einem einzigen freundschaftlichen Kollegen hab ich
bisher davon erzählt.
Und davon, dass ich 2024 evtl. entscheiden muss ob ich
nach Bayern ziehe oder hier in BaWü bleibe.

Der wusste auch, dass ich erst vor 9 Monaten umgezogen bin.
Und fragte danach nur:

"Hast Du eigentlich die 5 noch fehlenden Deckenleuchten
bei Dir schon aufgehängt?"


"Nein, wieso?"

"Ich würd's bleiben lassen."


Interessant, das ausgerechnet von einem Schwaben zu hören.
Wir werden sehen.

* apropos "Musik im Auto:

Derzeit nehme ich mich als sanftmütigen
und ruhigen Geselle wahr, auch und gerade am Steuer.

Daher höre ich aktuell tatsächlich nur noch das hier.
Die ganze komplette Stunde am Stück.