Viele waren ja ohnehin nicht mehr übrig geblieben
aus meinem vorherigen Eheleben:
Die Mehrheit der früheren Bekannten und freundschaftlich
Verbundenen hatten sich eine Seite der Geschichte angehört
und danach entschieden, nicht mehr abzuwarten, bis ich
bereit gewesen sein würde, eine weitere (meine) Seite beizutragen.
Fairerweise gebe ich zu: Manche waren auch unrettbar
enttäuscht davon, dass ich über sie gebloggt hatte.
Geblieben waren die Zimtene, der Büffel und der Mensch mit den
Scherenhänden.
Der Menschen mit den Scherenhänden hatte seiner Enttäuschung
Ausdruck verliehen und danach nicht wieder nach einem Treffen
zu zweit oder einem Abendessen plus Bier oder so gefragt,
geblieben ist eine freundliche, bekanntschaftliche Dienstleistungs-
beziehung.
Die Zimtene hatte irgendwann auf eine Nachricht, verbunden mit
einer Einladung von mir und meiner Freundin, nicht mehr reagiert
und hatte sich danach nie wieder gemeldet.
Das war vor ein paar Monaten.
Letzte Woche war ich ihr zufällig in einer Zweigstelle von uns
begegnet und sie tat erfreut, wirkte aber unglaubwürdig darin und
fragte nur, ob ich nächste Woche auch auf die große Weihnachtsparty
unseres Betriebes kommen würde. Da sähe man sich ja sicher.
Ja, sicher, war meine Antwort gewesen.
Und dann war da das Treffen zum Burger mit dem Ex-Kollegen,
eigentlich schon Freund, der irgendwann wie die Katze um den
heißen Brei herumzuformulieren begann mit sanften Fragestellungen.
Ja, ich hatte diese Gerüchte schon mal gehört.
Nein, ich hatte bisher keine Quelle dazu erfahren können.
Und dann wollte er mir partout nicht sagen, wo ER das her
gehabt hatte.
"Ich will ja nur, dass DU es weißt!" hatte er gesagt.
Und ich hatte erwidert, dass ich von einem Freund es
tatsächlich erwartet hätte, dass er mir auch Ross und Reiter
nennt, schon allein weil die Kenntnis allein mir gar nichts hilft,
helfen tut es mir nur, wenn ich weiß, wer was wann gesagt hat.
Und dass dies eben der Unterschied für mich sei zwischen
einem entfernten Kollegen und einem Freund:
Ein Kollege sagt so Sachen wie "ich kann es Dir nicht sagen,
aber das und das hab ich eventuell gehört", und ein Freund
hilft dabei, sich selbst zu helfen.
Sichtlich angeschossen rückte er dann widerwillig mit
den Namen heraus.
Um sogleich und sehr betonend nachzuschieben:
"Mach was Du willst damit, aber ich sag's Dir,
wenn Du damit zur Staatsanwaltschaft oder sonst wo
hin gehst, dann sag ich, ich hab Dich seit sechs Jahren
nicht mehr gesehen und ich hab mit Dir nie geredet und
ich wüsste nicht, wo Du das her hast!"
Und so sind wir dann verblieben, wechselten das Thema,
tranken Quilmes und lachten auch irgendwann wieder.
Zuhause dann, nachts im Bett, hatte es zu denken begonnen.
Ist das Kennzeichen eines Freundes nicht, dass er Einen dabei
unterstützt, sich zu wehren? Hilft ein Freund nicht wenigstens
dabei, sich selbst zu helfen?
Andersum:
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Freund so etwas sagt wie
"sobald Du etwas tust, was richtig ist, werde ich die Seiten wechseln?"
Das erscheint mir geradezu bizar unwahrscheinlich.
Also: War die zugrundeliegende Grundannahme verkehrt.
Und so haben sich nach so vielen Jahren auch die Leinen dieser
letzten alten Verbindung nun gelöst, die von viel Freude, viel gemeinsam
Erlebten und viel Musik, Lachen und interessiertem Austausch geprägt war.
Es fühlt sich ein bisschen so an, als säße ich auf einem kleinen Boot,
das die letzten Jahre mit mehreren Leinen vertaut und gesichert war.
Dann kam ein Sturm, und nun, lange nach dem er sich gelegt hat,
lösen sich auch die letzten haltenden Leinen wie von Geisterhand auf
und geben das Boot frei.
Es kann nun langsam aus dem alten Hafen hinaustreiben.
Das Meer hilft ihm dabei.
Sanft und langsam.
Sieht so aus, als bekäme es gutes Wetter für die Fahrt.
16 Dezember 2022
von gelösten Leinen
23 Kommentare:
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Es ist traurig, wenn man erkennen muss, dass Freundschaften / Beziehungen doch einseitiger sind, als erhofft; aber ich zitiere mal meine Oma: Umgib dich nicht mit Menschen, die dir nicht gut tun.
AntwortenLöschenDie Oma hat Recht, aber der Rat ist zweischneidig:
LöschenNahezu JEDER Mensch der uns nicht gut tut, tat uns irgendwann einmal gut. Und zu diesem Zeitpunkt war sein "nicht mehr gut tun" noch nicht abzusehen bzw. gab es noch anderweitige Hoffungen in uns.
Ich habe mich an eine gewisse Einseitigkeit gewöhnt, ich verdamme sie nun auch nicht mehr.
Auch, weil ich für mich erkannt habe, dass wirklich ausgeglichene Balance ziemlich aufwendig herzustellen und zu halten ist^^.
"Auch, weil ich für mich erkannt habe, dass wirklich ausgeglichene Balance ziemlich aufwendig herzustellen und zu halten ist^^."
Löschen.... Nope. Sie ist da, wenn sie da ist, und dann überhaupt nicht aufwendig.
Sie isit nur halt selten bzw schwer zu finden.
Balance ist nicht "einfach da", sondern stets etwas, das in Bewegung ist und dementsprechend Aktion in Form von kleinen Korrekturbewegungen einfordert. Und diese Feinkorrekturen erfordern beide Seiten, sonst wird das nichts mit dem Gleichgewicht.
LöschenHört sich ALLES sehr wahr an. Mein erster Gedanke dazu war: Zu so einer Feinkorrektur wärst Du derzeit gar nicht in der Lage, dazu fehlt Dir die Kraft für Feinmechanik."
LöschenPuh. PUH! Das Zimtmädchen? Der Büffel??? Auf der anderen Seite - gibt es wirklich noch (vermeintliche) Enthüllungen, die aus der Ecke von Who-shall-not-be-named - da kommen sie wahrscheinlich doch her, oder? - durch die Gegend wabern, um Dir zu schaden?
AntwortenLöschenAnyway - das mag am Ende Freiheit für die Fahrt zu neuen Ufern sein, aber es muss sich trotzdem sehr bitter anfühlen.
Leinen los. Gute Fahrt.
Wahrscheinlich kommen sie ursprünglich aus dieser Ecke, ja.
LöschenEs fühlt sich gar nicht mal so bitter an, ich wundere mich selbst ein wenig über mich. Wie ich im vergangenen Jahr überhaupt fast völlig die Fähigkeit verloren habe, wütend oder zornig auf Menschen zu sein.
Bitter fühlt sich etwas Anderes an:
Ich darf mich gegen diese Verdächtigungen nicht wehren.
Denn wenn es hart auf hart kommt und jemand verlangt, dass beide Seiten alles auf den Tisch legen, dann legt die andere Seiten Sachen auf den Tisch, die ihr anvertraut wurden und die mich dann meine Existenz kosten könnten.
(Zu schnell abgeschickt. Tin hier.)
AntwortenLöschenHarte Kost. Trotzdem musste ich direkt daran denken, dass es hier eine Menge Leser gibt, die Ihnen schon lange folgen. Und das nicht, obwohl Sie sind, wie Sie sind - sondern gerade deswegen. Die Ihre Gedanken und Erlebnisse teilweise schon seit Jahren begleiten und dies weiter tun. Weil sie Sie genauso mögen. Just my 2 cent
AntwortenLöschenEs fällt mir nicht mehr ganz so leicht wie in den Jahren zuvor, Gedanken aufzuschreiben.
LöschenMir ist ein bisschen die Art von Humor von früher verloren gegangen, ich bin inzwischen auch viel zu nachsichtig mit Menschen^^.
Vor Allem sind mir Wut und Schuldzuweisungen als Fähigkeiten komplett abhanden gekommen.
Man kann sicherlich manches nicht gutheißen. Freundschaft ist bedingungslos für mich und eine tiefgehende lebt von absoluter Ehrlichkeit, Loyalität und Toleranz. Das passt hier eventuell nicht so gut. Es waren doch erstmal Arbeitsbeziehungen, Frollegen. Also auch geprägt vom Nutzen Deiner Person. Wie wichtig war all das positiv Erlebte für diejenigen dann? Gehört es sich nicht so, dass man wenigstens Gründe nennt zu gehen? Es ist traurig, wenn man rückwirkend anders bewerten muss und zu lesen, dass alles so kam. Die tiefsten und ehrlichsten Freundschaften pflege ich allerdings ebenso zu Kolleginnen.
AntwortenLöschenNeues Wort gelernt und sofort lieben gelernt: FROLLEGEN. :-)
LöschenDu stellst aber die entscheidende Frage:
Wie wichtig, wie unikat war all das positive für den Gegenüber dann?
Mutmaßlich war es vor allem nicht unikat, es hätte auch jederzeit mit irgendjemand Anderem außer mir so erlebt werden können?
Was ich aber auf keinen Fall mehr mache, ist "rückwirkend anders bewerten":
Erstens weiß ich nicht, was in dem Anderen damals und auf dem Weg zum heute vorgegangen ist - evtl. hätte ich in seinen Schuhen ganz genau so reagiert/gehandelt?
Zweitens hab ich den Erfahrungswert stark vergrößert, demzufolge Menschen immer nur ein Geschenk auf Zeit sind, irgendwann gehen sie alle, wir wissen nie wann, wodurch, wohin. Genießen wir also den Teil des Weges, der gemeinsam ist.
Drittens gibt es keine Variante, in der ein "nachträglich anders bewerten" je anders als tränenbringend und trauernd ausgegangen wäre.
Ich sage nicht, dass das die richtige Methode ist, vielleicht nicht einmal eine adäquate oder tolerierbare.
Ich sage nur, dass es eine ist, die mein Herz vor Bitterkeit bewahrt.
Frollegen finde ich auch GROSSARTIG, kommt sofort in den aktiven Wortschatz:)))
LöschenOha, hört sich sanft und geschmeidig an, hat aber den Impuls einer Kanonenkugel!
LöschenHabe ich dem Gegenüber es SO gezeigt, dass er es VERSTANDEN hat, was ich an der Beziehung hatte?
Da gibt es keine Möglichkeit, das für mich zu bejahen.
Andererseits: Ist das für SEINE Entscheidung denn relevant gewesen und erheblicher noch: Sollte es relevant sein?
Das bezweifle ich manchmal.
Ich will niemanden zurückhalten.
Gepackte Koffer sind gepackt.
Hört sich so an..., sich selbst immer wieder emotionslos dran zu halten, ist was anderes. ^^
LöschenHätte es für Dich eine Relevanz, wenn der Gegenüber das zeigt? Es gibt diese Bedingungslosigkeit, doch ohne etwas zu zeigen, kommt das nicht beim Gegenüber an. Ich lebe oft sehr distanziert in meiner Welt und da braucht es ein wirklich hartnäckiges Gegenüber, welches sehr fest meine Hand fasst und mich aus dem Sog zurückholt. Sowas kommt sicher als absolutes Desinteresse an, obwohl das mit Menschen um mich nichts zu tun hat. Daher die Sache mit der Wahrnehmung.
Gepackte Koffer sind eine "vorgefertigte, endgültige" Einstellung. Wie oft hast Du Deine Koffer ausgepackt und bei jemandes eingeräumt?
Ich packe nach unendlichen Jahren gerade Koffer aus, ein extrem mulmiges Gefühl. Manchmal muss man (ich) ehrlich u mutig sein. :)
Alles Gute fuers Koffer auspacken und Ankommen, liebe Nova! :)
Löschen(ich kenne zwar Dich nicht, aber das mulmige Gefuehl beim Auspacken genauso gut, wie das sehr, sehr lange auf gepackten Koffern zu sitzen und fuehle Deinen letzten Satz SO sehr!)
Liebe Moya, ich danke Dir! :) <3
Löschen@ Nova:
LöschenJa. Es macht einen Unterschied, sogar DEN Unterschied, wenn der Gegenüber mir das zeigt. Bedingungslosigkeit, sozusagen Vorbehaltlosigkeit geschenkt zu bekommen, bedeutet eine wunderbare Art der Verantwortung (positiv), die sie nach sich zieht.
Wie oft ich meine Koffer bei jemandem ausgepackt und eingeräumt habe? Vielleicht etwas zu oft, vielleicht aber auch in Wahrheit zu wirklich selten!
Jedenfalls weiß ich noch genau, wann das aufgehört hat, dass ich ALLES auspacke - ein kleines Handgepäck bleibt seither immer gepackt. Das bleibt so, es geht mir gut damit.
Zu diesem Post gingen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf - aber ich war in der vergangenen Woche zu müde, um sie zu sortieren und aufzuschreiben.
AntwortenLöschenIch kann mir kaum vorstellen, dass die Menschen enttäuscht von Dir sind, WEIL Du über sie gebloggt hast - sondern WIE Du das getan hast. Heute empfindest Du Dich selbst als sanftmütig und nachsichtig - das kann ich nicht einschätzen, ich kenne Dich ja nicht. Aber Deine Blogweise von früher kam schon stellenweise ganz anders rüber, vor allem bei der Ex-Zauberfrau - und mich persönlich würde das auch sehr verletzt haben.
Ich würde mich fragen, wieso bloggst du ganz anders über mich als in den Momenten, wo wir zusammen sind? Ich denke, dass die Enttäuschungen dahingehend so einige Farben haben, nicht nur eine.
Du hast ja immer anonym gebloggt, aber trotzdem erkannten sich die Leute. Wenn sie Dinge über sich gelesen haben, von denen Du im Realen nie etwas verlauten lassen hast, dann bekommst Du hier eigentlich nur die Konsequenz Deines eigenen Handelns zu spüren.
Ob sich das bereinigen lässt oder nicht, hängt immer davon ab, wieviel Du selbst dem anderen bedeutet hast. Wie wichtig Du selbst dem anderen warst.
Hinzu kommt auch, dass Menschen oft auch Furcht haben, den Schlamm, in dem sie Dich sehen, selber abzubekommen. Sie wollen da nicht mit reingezogen werden und nicht Partei ergreifen müssen.
Seit der Trennung und Scheidung von meinem Ex-Mann zum Beispiel habe ich null Kontakte zu früheren Freunden. Es hat mich nicht mal wirklich überrascht. Ich hab mir nur eins immer wieder gesagt: "Wenn sie alles glauben, was er ihnen erzählt, ohne es zu hinterfragen, ohne mich zu fragen, dann waren es nie meine Freunde."
Von daher habe ich mir nicht nur ein neues Leben aufgebaut, sondern auch einen neuen Freundeskreis. Völlig unabhängig von Herrn Blau: Wenn er eines Tages gehen würde, bekäme er nicht alle meine Freunde ;)
Die Sache mit der Bedingungslosigkeit, dem Auspacken, dem völlig auf und in den Anderen vertrauen. Danke! an alle Beteiligten für den mächtigen Gedankenschubs, ich bewege die Sätze wie riesige Gesteinsbrocken seit Tagen durch mein Hirn. und ganz vorsichtig auch durch mein Herz.
AntwortenLöschenBildungsblog - eindeutig
Was auch immer sich Ihnen (neu) erschließt, Miss - bitte versuchen Sie stets in Ihrem Fokus die wichtigste Aufgabe aller Ihrer selbst gewählten Überzeugungen zu zentrieren: Sich selbst zu einem glücklicheren Menschen zu machen.
AntwortenLöschenFür alle davon abschweifenden Überzeugungen haben wir weder Zeit noch Platz :-).
Ein guter und wertvoller Gedanke, der für mich nur ein Problem birgt: Welcher Weg wird mich glücklicher machen, wenn die Weggabelung vor mir liegt
LöschenDas, Miss Whimsy, weiß NUR ihr BAUCH.
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