07 Februar 2025

vom erneuten Anlauf (part 2)


[ Spoiler:
Wenn Sie das hier lesen,
sind die ersten 7,5 Kilo schon runter.
 ]



Wenn man weiß, wie Abnehmen bei einem selbst funktioniert
und was dafür die ersten notwendigen Schritte sind, dann ist
glasklar, was zu tun ist.

Bzw. in meinem Fall: Was bleiben zu lassen war.

Nämlich: Wiegen.

In den vielen Monaten, in denen der Hosengürtel
immer weniger Reservelöcher bot, war mir klar:

   Sobald Du ein mal, nur ein einziges Mal auf die Waage
   steigst, ist es vorbei mit dieser Katastrophe, die Du Dir
   da leistet.

   Sobald Du DAS da in ZAHLEN vor Dir siehst,
   fängst Du wieder damit an, abzunehmen.


Und genau das ließ ich dann bleiben: Das Wiegen.

Ungefähr 13 Monate lang erinnerte mich die App auf 
dem Handy TÄGLICH morgens um halb acht daran,
mich zu wiegen.

Und ich swipte die notification beiseite.
Weil ich noch nicht wollte.
Weil ich noch nicht so weit war.

Hin und wieder frage ich mich: Wie kann man nur?

Wie kann man unterlassen, den ersten Schritt zu tun,
wenn man es doch bereits für notwendig und richtig
und unausweichlich erkannt hat? Weshalb?


Eine schöne Grundsatzfrage. Warum warten?

'Hätte ich mir mal besser früher überlegt.
In der Ehe beispielsweise.
Weia.
Was hätte ich uns an Zeit erspart. Und allem.

Aber ich bin eben kein Entscheider. War ich nie.
Werde ich nie sein. Ich schaue, wann der richtige
Zeitpunkt da ist. Und wenn alle GUTEN Zeitpunkte
schon vorbei sind und nur noch schlechte zu erwarten
sind, dann ist es eh schon egal.

Und der erste Impuls, Gewicht abzubauen, kam eigentlich
schon vor 2 Jahren, und das auf einem kleinen Umweg:

Damals war mir auf die Nerven gegangen, dass ich für jede
Kack-Krankmeldung zu meiner Hausärztin hin musste,
weil diese sich für bestimmte moderne Errungenschaften 
einfach nicht erwärmen wollte.

Zum Beispiel:
Kein Anrufbeantworter.
Keine Email (!).
Kein Doctolib.
Keine telefonische und keine Online-Krankmeldung.

"Wenn Sie in der Praxis mal
nicht durchkommen,
schicken Sie mir EIN FAX,
das erreicht mich immer!"

Ein Satz, den ich nie vergessen werde.
Irgendwann hatte ich die Schnauze voll gehabt und hatte nach
"AU Online" gegoogelt, als ich mal wieder erkältet war:

Ich wollte keine Rezepte, keine Medikamente, und vor allem 
keine verrotzten und verhusteten Wartezimmer.

Ich wollte einfach nur: 3 Tage Bettruhe.

Und die bekam ich. Ohne Arztbesuch. Ohne Telefonat.
Ohne VideoCall. Einfach online.

Und seit diesem Tag war ich bei Dransay auf dessen
Mailingliste.

Kurz darauf erfreute sich mein Postfach an diverser Werbung
an der Grenze zum Spam.

Cannabis.
Potenzpillen.
Und dann auf einmal: Die Abnehmspritze Wegovy.

Alle Emails von dransay, davor und danach, hatte ich gelöscht.

Diese nicht.
Diese blieb wie ein stets aufploppender reminder in meiner Inbox.
Zwei Jahre lang schaute ich sie immer wieder mal an.

Letztes Frühjahr begann ich, mich in das Thema einzulesen.
Die Wirkungsweise, die Prozesse im Körper.
Die Nebenwirkungen, die Kosten.

Und spätestens bei den Kosten war ich raus gewesen.

Es musste also anders gehen.
Traditionell erfolgreich.
Wie ich es mir selbst schon bewiesen hatte.

So kam es zu dem "traditionellen" Versuch im Spätherbst.
Die ganz normale Prozedur, 16:8, Fleisch und Salat, viel Ei.

Ok, diesmal OHNE die ungesüßte Mandelmilch morgens
im Kaffee. Jetzt im Alter bin ich nicht mehr zu jeder Barbarei bereit.

Sofort, im Handumdrehen quasi hatten sich schlechte Laune, kalte
Füße und Hände sowie permanentes Hungergefühl eingestellt.
Weia, das konnte ja was werden.

Und es wurde:
Ein grandioser, nach 9 Tagen zero Erfolg abgebrochener Fehlschlag.
Und dabei blieb es dann.

Monatelang ging es weiter mit Blödsinn wie Kohlenhydraten,
Alkohol, und dann stand ja auch die Zeit der Weihnachtsmärkte
und Plätzchenteller vor der Tür!

Genau das Richtige, angesichts des soeben erfahrenen und bald
schon anstehenden Verlustes des Jobs bei uns in der Firma!

Traurig hatte ich Anfang Dezember die Outlook Inbox aufgeräumt.
Nicht viel davon würde im Januar noch relevant sein.
Eine Email nach der Anderen wanderte in den Papierkorb.

Und dann war ich ganz unten bei den ältesten Emails gelandet,
die zu löschen ich nie übers Herz gebracht hatte,
und da war er wieder: Dransay.

Diesmal landete er endgültig im Mülleimer.

In diesem Moment fiel mir ein, dass ich noch einen Termin
auszumachen vergessen hatte:

Beim Spezialisten für Innere Medizin,
endlich mal einen Knopf dran machen an das immer wieder
ungeklärte Thema "Hämochromatose oder nicht?!"

Also liege ich Mitte Dezember oberkörperfrei auf der Pritsche
in der großen Gemeinschaftspraxis des Nachbarortes und
warte darauf, Herz & Co. ge-ultraschallt und eine Menge
Blut abgenommen zu bekommen.

Den Arzt kenne ich bisher noch nicht. Er ist der Chef hier.
Freundlich, plaudertaschig, professionell, nahbar.

Und er ist schwer. SEHR schwer.

Das ist verdammt selten für einen Internisten mit
Schwerpunkt Coronar-Erkrankungen.

Er ist zufrieden mit dem Ergebnis des Ultraschalls,
ich ziehe mich an, wir plaudern noch ein wenig,
da stellt er eine völlig unerwartete Frage:

         "Kann ich noch etwas für Sie tun?"

Ich meine: Wer erwartet das? Eine solche Frage?

Und in diesem Moment ist es soweit.
Da ist er, mein Startpunkt.
Auf einmal steht er vor mir.
Das Warten ist zu Ende.

Und ich staune, während irgendetwas meinen Mund
wie von Geisterhand öffnet, sich meiner Zunge und Lippen
bemächtigt und dann kommt wie aus dem Nichts auf einmal
dieser eine Satz aus mir heraus, der -kaum, dass er ausgesprochen
ist- so wunderlich wie für mich überraschend klingt, während
er im Raum stehen bleibt:

       "Ja, können Sie:  Ich interessiere mich für Abnehmspritzen."

Und er so:

       "Ich bin in der bundesweiten Fachgruppe für diese Medikamente."


*Fortsetzung folgt*

05 Februar 2025

Dienstwagenscheiß

Und manchmal dauert es nur 30 Sekunden:

Nach dieser Zeit in diesem Auto wusste ich,
dass das Modell nichts mehr für mich ist.



[ die albernen prätentiösen Trittbretter
für um die 1.000 Euro müssen Sie sich weg denken,
das hier ist der Rhein und nicht Montana. ]

Wie es dazu kam:
Ende letzten Jahres beantragte ich die Freischaltung
für den nächsten Dienstwagenkonfigurator.

Aus technischen Gründen (unser Bestellportal) und
Zickigkeitsgründen (unsere Personalabteilung) war aber
erst Ende Januar diese Möglichkeit für mich gegeben.

Allerdings gab es schon im Dezember die Möglichkeit, ein
ursprünglich top-favorisiertes Auto zu fahren, weil das an
diesem Tag mein Ersatzwagen für die Inspektion meines
identischen Vorgängermodells war.

Somit hatte ich ungeplant die Möglichkeit, den potenziellen
Nachfolger meines jetzigen Mercedes probezufahren.

Das Ergebnis steht ganz oben über dem Foto.

Denn Alles, was mir an einem Auto wichtig ist,
bringt der aktuelle GLC genau NICHT mehr mit:

  • haptische Schalter und Knöpfe sind elementar für eine
    sichere, blind ertastete Bedienbarkeit bei Nacht und 
    und vor allem auch  bei hohen Geschwindigkeiten.

  • aus diesem Grund kann ich die herstellerübergreifende
    Tendenz Seuche zu touch- und swipe-Bedienelementen,
    die zudem binnen Tagen verschmieren und verdrecken,
    nicht nachvollziehen.

  • der GLC hat im gesamten Auto noch exakt 2 Knöpfe,
    und diese auch nur wegen gesetzlicher Vorgaben:

    1) den Start/Stop-Knopf
    2) die Warnblinkanlage

    Alles Andere sind touch-Flächen, die nicht erspürt werden können.




  • das führt dazu, dass sich auch jemand wie ich, der sich
    seit Jahren fast blind auskennt in der Bedienung dieses
    Fahrzeugs, bevormundet und verloren vorkommt:

    Selbst einfaches Einstellen der Klimatisierungs-Luftströme
    erfordert nun einen Abstieg in Touch-Untermenüs.

    Ja, dann bedienen Sie halt über die SPRACHEINGABE alles,
    was Sie einstellen wollen!


    1) Ich bin der Meinung, dass ich das nicht tun sollen müsste.

    2) Die Spracheingabe klappt in ca. 60% der Fälle.
         In den anderen 40% höre ich dauernd
         
          "Diese Einstellung kann nicht über die Spracheingabe
          geändert werden!"


  • auch die Einstellung der elektrischen Sitze (die ich mehrmals
    am Tag neu justiere) ist von dort, wo sie hingehört (nämlich
    direkt am Sitz) auf die Fahrertür seitlich abgewandert.

    Dort findet man nun ein Mini-"Sitzmodell" = einen 1a-Dreck-
    und Staubfänger, an dem man in alle Ecken und Richtungen
    ziehen und drücken kann und so genau JENE Einstellungen
    verbaselt, welche man NICHT geändert haben wollte.

    Bei der Gelegenheit wurde auch die Sitzheizung
    -nicht mehr ertastbar- hinter ein Touchfeld verpackt, und zwar
    DIREKT über die Sitz-memorys, damit man die auch ja
    täglich versehentlich verstellt.


  • das Fahrerdisplay wird jetzt besser und effektiver genutzt als
    im Vorgänger, das war aber auch keine große Leistung.
    Dafür leuchten jetzt alle möglichen Kontrollsymbole und Infos
    ins Sichtfeld, ohne dass diese wirksam auf eine schlanke Übersicht
    reduziert werden könnten: es wirkt immer "zuviel".

    Zudem haben vollelektronische Display-Anzeigen den Nachteil,
    dass sie permanent in die Augen leuchten (wovon Fachleute abraten).

    Und sie liegen NÄHER am Fahrer positioniert als klassische analoge
    Instrumente - mit dem Ergebnis, dass weitsichtige Fahrer wie ich
    nun NOCH verschwommener sehen als zuvor.

    Lösung: Gleitsichtbrille beim Fahren.



  • das Redesign der Fahrertür hat die Funktion vollständig
    der Form geopfert.

    Suchspiel:
    Finden Sie auf diesem Foto den Entriegelungsgriff für die Tür.
    Nehmen Sie sich Zeit.
    Viel Spaß dabei.



  • im aktuellen GLC-Modell gibt es nicht mehr die Möglichkeit,
    Musik auf dedizierter Hardware wie USB-Sticks, SD-Karten o.ä.
    wiederzugeben - Sie benötigen zwingend ein Smartphone
    (nicht: Handy).

  • Das bedeutet, Sie müssen im Prinzip einen kostenpflichtigen
    Streaming-Dienst abonniert haben - alternativ müssten Sie
    daheim Ihre gesamte Auto-Musik aufs Smartphone
    (nicht: Handy) kopieren. Was an sich kein Problem wäre.

  • Das wiederum aber hieße, dass Sie Ihr Smartphone im Auto
    nur noch als reines Musik-Abspielgerät nutzen können
    - oder aber Sie verzichten auf eine dieser Nutzungen:

    Smartphone-Navigation mit Displayanzeige,
    Blitzerwarner mit Tempo- Anzeige,
    Musik mit Titelanzeige und Künstlername.

    Also: Auf welche 2 von den 3 würden Sie am Liebsten verzichten?

    Mal abgesehen davon, dass Apple CarPlay der allerletzte Rotz
    und für mich unbrauchbar ist?

  • die ohnehin schon lachhaft breite und prätentiöse Mittelkonsole
    ist im neuen Modell noch breiter und prätentiöser geworden und
    bietet noch weniger Nutzen.

    Beispielsweise braucht ein in morgendlicher Kälte gestartetes
    Auto mehr als eine halbe Stunde, bis Sie da in der Mitte Ihren
    Arm drauf ablegen zu können, ohne dass es Ihnen unangenehm
    kalt in alle Sehnen und Knochen reinkriecht.
    (Abhilfe: Standheizung für 1.220 Euro)

  • den finalen Vogel aber schießt Mercedes mit dem Lenkrad ab.

    linke Seite:




    rechte Seite:


  • Das gesamte Lenkrad ist ein TOUCH-Lenkrad.

  • aus dem klassischen 3-Speichen-Sportlenkrad wurde wegen
    des umfangreichen Bedarfes an Touch-Flächen allen Ernstes
    ein 5-Speichen-Lenkrad - zwei Streben links, zwei rechts,
    beide mit Touchflächen zugekleistert.

  • der Effekt ist dieser:
    Selbst jemand, der bereits 2x dieses Modell gefahren ist,
    findet NICHTS mehr, weil nichts mehr ertastbar ist.

    Selbst obwohl ich blind WEISS, wo die Lautstärke liegt,
    erfordert es feinfingeriges Herumfühlen, um die minimale
    Erhebung unter der Oberfläche zu ertasten.

  • Da für Laustärke + oder - nun nicht mehr getippt, sondern
    nach oben oder nach unten GEWISCHT wird, hängt die
    Lautstärkeregulierung künftig also an der Fingerkuppen-
    beschaffenheit des Fahrers:

    Zu trockene Finger? Keine Reaktion.
    Frisch eingecremte Hände? Keine oder falsche Reaktion.
    Für Sie mehrmals ausprobiert und verflucht.
    Im Zweifel vor Fahrtantritt immer ein bisschen Mineralwasser
    über die Hände laufen lassen.

  • Gegenargument:
    Man kann ja im Zweifel mal schnell hingucken, wo was liegt!

    Ach so, und das trägt dann bei 175 km/h zur Sicherheit bei, ja?
    Und was mache ich nachts?!

  • Ja, nachts sind doch die Tastflächen alle beleuchtet!

    Ach so, und jemand wie ich, der kaum den TACHO scharf sieht,
    der soll dann im Stockdunklen bei Autobahnfahrt verschwommen
    die noch näher liegenden 0,7 cm-Leuchtflächen zuordnen, wie?
    Zum Glück ja ab jetzt auf ZWEI Streben pro Seite verteilt, also 4.

  • die Motorhaube war bisher so gut wie nicht zu sehen, sie
    verschwand quasi aus dem Sichtfeld vorne raus.

    Die Motorhaube im aktuellen Modell ragt bullig wie ein
    billiger US-Redneck-Bollide aufmerksamkeitsheischend und
    störend von unten ins Sichtfeld, die Außenmaße des Wagens 
    noch besser verbergend und daher für Einparkvorgänge die teure
    aufpreispflichtige Einparkhilfe noch insistenter empfehlend.

  • lediglich 2 Punkte wurden am aktuellen Modell zum Vorgänger
    erlebbar verbessert:

    1) das sprachgesteuerte Info-Entertainment MBUX ist immer noch
    zum Heulen strohdoof, bestätigt Eingaben und Anforderungen nun
    aber immerhin nicht mehr mit dem in den Ohren unangenehm lauten
    Quittungston.

    2) die Lenkung ist auch bei sehr querschnittsbreiten Reifen nun
    sensationell und Einparken wird erheblich leichter als im bereits
    sehr guten Vorgängermodell.

TL;DR:

Der aktuelle GLC war eigentlich als nächster Dienstwagen
fester Favourit, hat sich aber binnen Sekunden Fahrerleben
entzaubert und das in mehreren Fahrten eindrucksvoll bestätigt,
eher noch verschlimmert.

Dass ein nahezu identisch ausgestatteter Wagen nun einen Neupreis
von schlanken EUR 84.500 aufruft (Vorgänger: EUR 66.895),
rundet das harmonische Bild vollends ab.

Also muss ich weitersuchen.
Aber ganz sicher nicht mehr bei Mercedes.

03 Februar 2025

Brüssel ≠ Breslau

Es gibt im Umgang mit Navigationsgeräten und Frauen
eine goldene Regel:

     Höre nie nur auf das, was GESAGT wird,
     sondern schaue immer auf das, was GEZEIGT wird.


Praxisbeispiel Frau:

Aus dem Mund einer Frau kann, abhängig von Tagesform,
Hormonzustand, zuletzt geführtem Gespräch, Benutzung
der Körperfettwaage oder sonstiger Unbill im Leben einer Frau
das von ihr GESAGTE mitunter nicht nur UNZUREICHEND
informierend sein den tatsächlichen Sachverhalt betreffend,
sondern bisweilen sogar irreführend, weil gegenteilig.

Relevant informiert und umfassend in Sachkenntnis versetzt
wird nur DER, der DAS GANZE betrachtet - also Mimik, 
Gestik, Stimmlage, Hände, Qualität des Augenkontaktes usw.

Ohne diese zusätzlichen Botenkanäle ist dem Wesen Frau
auch in harmlosen Alltagssituationen nur unzureichend
beizukommen. Verständnis wird so oftmals nicht erreicht,
so zuverlässig die Kommunikation als Ganzes auch sein mag.


Praxisbeispiel Navi:

So zuverlässig die Kommunikation als Ganzes auch sein mag,
bisweilen gibt es auch hier Divergenzen zwischen GESAGTEM
und GEZEIGTEM.

Das liegt unter Anderem daran, dass es zwar nur 2 Hersteller
bzw. Anbieter von europäischem Kartenmaterial gibt.

Aber jeder Autohersteller legt über diese gleichen maps
seine eigene GUI und Stimmausgabe darüber.
Aus diesem Grund treten auch immer die gleichen Karten- und
Navigationsfehler in sämtlichen Navis auf, herstellerunabhängig.

Sie erkennen sofort
die Analogie.

Und so schön der Komfort einer Zieleingabe via Sprache und
der Navigationsausgabe via Sprache im Alltag sein mag,
er ist ohne umfassendere, ganzheitliche Betrachtung des Wesens
nicht selten irreführend.

Während die SPRACHausgabe im Benz bisweilen ein
"Linksabbiegen" (irrtümlich) verlangt, zeigt die grafische
KARTENführung (korrekt) ein "weiter auf der Spur geradeaus",
da die Spur nur minimal seitlich abknickt, aber keine andere
Straße seitlich hinzukommt.

Je nach Wetter, Laune und Satellitenempfang wird auch gerne
mal eine komplette Rundschleife durch den Ort angeboten
(statt der gerade verlaufenden Umgehungsstraße außen rum).

Auch immer wieder mal ein Klassiker:
Fußwege und Trampelpfade werden als fahrfähige Abkürzungen
ausgewiesen.

All das überrascht keinen, der das WEIß und daher konsequent
auf das gottverdammte DISPLAY schaut.

Die Frau hier im Haus weiß es AUCH.

Sie MUSS es wissen, da sie ungefähr ein dutzend Mal
von mir entsprechend gewarnt und instruiert wurde.

Sie muss es AUSSERDEM auf der Basis eigener Erfahrung
mit diesem Auto wissen:

Mehrmals wöchentlich nutzt sie meinen Dienstwagen und fährt
NICHTS ohne begleitende Navigation, mit entsprechenden
spaßbringenden Fahrerfahrungen durch die Navi-Fehler.

Unterstelle ich also, dass ein Mensch des ZUHÖRENS und des
LERNENS befähigt ist, mindestens aber EINES VON BEIDEN:

Dann ist es völlig UNMÖGLICH, dass er/sie sich ausschließlich
auf das aus dem Navi GEHÖRTE verlässt, OHNE auf das
DISPLAY zu achten.

So weit, so unstrittig. Hoffe ich.

Da nahm es mich doch Wunder, als sich die Frau im Haus neulich
allein (und ohne mich als ratgebenden Fahrbegleiter) aufmachte
zum Kölner HBF, um dort ihre Schwester vom Zug abzuholen,
und die Frauen nach eineinhalb Stunden immer noch nicht
zurück waren.

Eigentlich braucht die Strecke hin und zurück jeweils 25 min.,
und es gab weder Streckenstau noch ICE-Verzögerung.

long story short:

Wie sich herausstellte, hatte das Weib doppelt nicht auf mich gehört,
und dann passieren eben die Dinge, die passieren, wenn frau nicht
auf den Mann hört.

Erstens hatte sie sich ohne Gegencheck auf ihre gesprochene 
EINgabe verlassen, um in Köln an ihr ZIEL zu gelangen.

Dem Benz GESAGT hatte sie, dass er sie zum
BRESLAUER PLATZ bringen sollte (dort ist der Hauptbahnhof). 

VERSTANDEN hatte der Benz, dass er sie zum
BRÜSSELER PLATZ bringen sollte (dort ist nichts, außer einer Kirche).

Sie kam auch trotz anderweitiger Erfahrungen und Ratschläge*
vom Mann zu keinem Zeitpunkt auf DIE IDEE, einmal Strecke
oder ihre eigene Eingabeziel zu überprüfen
(was im Benz ganz leicht ist: "Hey Mercedes? - Wohin fahre ich gerade?")

* einer dieser Ratschläge mahnte zur VORSICHT
bei dem Glauben, eine dumme Maschine könne
ihr typischerweise artikuliertes Genuschel
EBENSOGUT verstehen wie ich als Mensch!

Naja. Wer nicht prüft, verfährt sich halt.
Aus der Abteilung "eigentlich unnötige Lerngeschenke".

Zuhause gab es erstmal ein kühles Bier für die zerzauste Frau
und ihre belustigte -da stets tiefenentspannte- Schwester.