18 November 2023

Jeannie (part III )


Einen Tag nach unserem ersten Telefonat
seit mehr als zwanzig Jahren sendet sie mir einen
Videorundgang durch ihre Wohnung.

Er geht zweieinhalb Minuten.
Und alle halbe Minute werde ich dabei nägelkauender.
Es sind etliche Punkte dabei, die ich auf jeden Fall
hatte vermeiden wollen:

Kein eigener separater Keller.
Und keine Garage.
Und kein Abstellplatz für Fahrrad und Ebike,
außer im Hauseingang.

Nicht nur eine Treppe, sondern gleich derer zwei:
Eine zur Wohnung hoch und eine in der Wohnung
ins Dachgeschoss.

Und daher auch: Dachschrägen. Mein no-go.

Ich seufze. Damn. War's das schon wieder? 
Dann sende ich  das Video der Liebsten,
die soll sich das auch mal ansehen.

Ihre erste Reaktion: Also wenn DU die Wohnung
nicht nimmst, dann nehm' ICH sie! Die ist mega!


Das weitere pro und contra schiebe ich erstmal auf Seite
und freue mich auf das erste Treffen mit Jeannie
seit der Millenniumswende nur wenige Tage später.

Als Treffpunkt haben wir uns ein Steak- und Burgerrestaurant
bei ihr in der Nähe ausgesucht, ihre ältere Hundedame
bringt sie auch mit.

Da ich dieses Mal nicht die Möglichkeit hatte,
an all ihren Uhren daheim zu drehen, verwundert
es mich nicht, dass ich 15 min vor ihr eintreffe,
also pünktlich^^.

Eine wunderbar eingerichtete, toll gelegene location.
Schockierend freundliche Bedienung.
Die besten und saubersten sanitären Anlagen seit Jahren.
Eine Speisekarte, auf der jeder was findet.

Und witzigerweise haben sie Corona vom Fass in
Tonnengläsern - das muss ich probieren!




Jeannie kommt um die Ecke, aber ich habe sie
(und das ist weder machomäßig noch abwertend gemeint)
schon 2 min vorher am Einparken erkannt, obgleich ich
ihr aktuelles Auto nicht kennen kann^^.

Wir sehen uns.
Wir umarmen uns.
Wir lachen.

Wir setzen uns, Sätze fliegen,
Erinnerungen sprudeln, wir müssen die Kellnerin
zwei mal wieder wegschicken, weil wir es nicht
schaffen, die Speisekarten für mehr als 5 Sekunden
zu lesen.

Wir starten mit Sekt.
So, wie man ein Wiedersehen starten sollte,
auf das man sich sehr gefreut hat.


Die Fleischpreise in den Restaurants sind seit dem Ende
von Corona wirklich dramatisch gestiegen, sie sagt, dass
sie so etwas nicht mitmacht, und so ordern wir Burger,
Fritten und Salate.

Es wird sehr lecker, und ich steige um auf Desperados zum Essen.



Sie zeigt mir Fotos Ihrer Wohnung.
"Die musst Du Dir ansehen, ich kann mir sehr gut
vorstellen, dass die was für Dich wäre!"

Ob ich das doch in Erwägung ziehen sollte ?!



Dann sagt sie, dass es nur jetzt am Wochenende nicht ginge,
sie müsse nach London.

Geschäftlich?
Ja auch, aber mehr so privat.

Ich so: privat?
Sie so: Ja, ich hab da einen übers Internet kennengelernt,
wir chatten seit Wochen, guck mal, toller Typ!"



Und ich denk mir noch:

Klar, Du hättest hier in D so ziemlich die freie Auswahl
aufm Gebrauchtmännermarkt, aber nein, Du ziehst Dir
einen ausm Internet, das war ja klar^^.


Abends fahre ich weiter zur Liebsten, es ist nur eine halbe
Stunde bis dahin, aber es treffen noch weitere Textnachrichten
von Jeannie ein.

Und irgendwie habe ich kein so gutes Gefühl
bei dieser Internetbekanntschaft, zumal ich ja erst
vor Kurzem selbst Opfer von Romance Scammern
geworden bin und dann einen neuen Ausweis brauchte.

Und leider werde ich bald schon recht behalten.

* Fortsetzung folgt *

16 November 2023

Hazy shade of winter


In der Winterzeit kommen Einem gerne mal
die Klänge lang vergangener Zeiten in den Sinn,
viel mehr jedenfalls als in Sommerzeiten.

Ich liebe das.
Winter ist die Zeit der Ruhe, der Erholung -
und womit ginge das besser als mit den Klängen
einer Zeit, die vor Kraft und Leben strotzte.

Ach ja, und Sie dürfen dann bevor Sie das googlen
noch gerne mal das Alter der Sängerin schätzen
zum Zeitpunkt dieser Live-Aufnahme.

14 November 2023

von Schmetterlingen auf der Hand und von Sanftheit im Herzen

[ der Hi-Score für den
sperrigsten Titel eines Blogposts 
ist mir mit dem heutigen Tag auf lange Zeit sicher.

Aber weil gestern so ein...trauriger Beitrag
hier war, wurde ich um heutigen Ausgleich gebeten.

Was ich zwar nicht müsste.
Was gute Jungs aber eben so machen.

Und ich bin ja ein guter.
Also, manchmal. ]



Ich glaube fest daran, dass man durch wenigstens
2 Arten von Begegnungen zu einem besseren
Menschen werden kann, zumindest temporär:

Das Eine ist die Begegnung mit Tieren.
Das Andere ist die Begegnung mit Musik.

Es passiert hin und wieder noch, dass Wut, Zorn,
Unbeherrschtheit mich überfallen - jedoch nie,
wenn ich in der Nähe von Tieren bin.

"Das macht der aber sonst nie!" ist ein Satz, den ich
oft höre bei Kunden, wenn ich freudig vom Familienhund
begrüßt und beschnuppert werde.

Egal, was ich gerade an habe, ich beuge mich auch stets
hinunter und begrüße den, der mich gerade so freundlich
zu empfangen bereit war.

Kleine Ziegen zu streicheln war auch eine Zeit lang etwas
in meinem Leben, das ich als wahres Privileg empfunden habe.

Oder das unglaubliche Gefühl, ganz nah an einem Pferd
zu stehen und es zu streicheln.

Vielleicht sogar noch getoppt von dem Zutrauen, dass Sie
spüren, wenn Sie vor einem Eselwandern von einem der Tiere
"ausgesucht" werden, das sich neben sie stellt und Sie
sofort spüren, dass das Tier wusste, was es da tat.

Wenn es sich vertrauensvoll an Sie ran drückt beim Striegeln.
Dann entsteht in mir Ruhe, Gelöstsein.

Dann ist eine Sanftheit präsent, um die ich mich sonst
erst bewusst bemühen muss.
Und die sich dann auch genau so anfühlt: Bemüht.

Mehr als einmal sind in Momenten, in denen ich es
gut brauchen konnte, Schmetterlinge auf mir gelandet.
Einmal direkt auf meiner Hand.
Dieses Moment vergesse ich nie.

In der Präsenz von Zartheit (und Schmetterlinge sind die
ultimative Zartheit) versinkt alles Grobe, Laute, Gemeine
im Untergrund, verschwindet aus mir, zieht sich beschämt
in seine Unrelevanz zurück.

Wir sollten daher stets die Präsenz von Zartheit suchen
und spüren, was diese Präsenz mit uns macht.
Es genießen, zelebrieren.

Und wir sollten so oft es geht die Gegenwart von Tieren suchen.
Wie Dr. Schwein in anderem Zusammenhang zutreffend
konstatierte
:  Tiere werten uns auf.

Mancher sagt, für ihn sei Sanftheit ein Endgegner, doch
ein Endgegner für mich ist das letzte, große zu Bekämpfende.
Die finale Herausforderung also.

Meine Endgegner sind die Unbeherrschtheit, der Zorn, das
nicht-umgehen-Können mit Unrecht und Ungerechtigkeiten.

Was aber, wenn Tiere nicht verfügbar sind,
Lautheit und Unbeherrschtheit uns in ihre Gewalt
zu ziehen drohen? Wenn wir allein auf uns gestellt sind?

Musik.

Es geht nicht um schöne Musik (in dem Sinne, dass es um
das SCHÖNE in ihr ginge, obgleich sie das wohl fast immer auch ist).

Es geht darum, dass bestimmte Musik besondere
Gaben und Fähigkeiten hat.

Sie macht uns temporär zu einem ruhigeren, empfindsameren,
besonneneren, sanftmütigeren Menschen.


Sie poliert etwas Leuchtendes, Scheinendes aus uns heraus, 
holt wieder hervor, was eigentlich immer mal da war,
bevor der Umgang mit Menschen und die Erfahrungen mit
ihnen ihre Patina auf unsere Leuchttürme gelegt haben.

Ich fühle mich in der Gegenwart bestimmter Musik so,
wie ich eigentlich immer sein möchte.
Da sitze ich dann lächelnd, spüre in mich hinein,
denke mir:

So wie jetzt.
So willst Du immer sein.
Jede Minute.

Voller Güte, voller Verständnis, voller Liebe.
Frei von Kunstgefühlen.


Das ist der Weg:
Lassen Sie viel mehr "uns den Sanftmachern" aussetzen.

Lassen Sie uns regelmäßiger die Nähe zu Tieren suchen
und zu solcher Musik, die Zorn, Hektik und Wut
aus uns herauswattebauschen.

Meine Weichmacher, die immer für mich (und vielleicht
in dem einen oder anderen Fall auch für Sie?) funktionieren,
sind diese:

Good Riddance
No leaf clover (live)
Champagne Supernova (Rain version)
WoW - Dalaran Music & Ambience

und weit, weit vor allem, allem Anderen:  Reach out (Thomas Zwjisen version)

Für mehr Sanftheit.
Für mehr Schmetterlinge.






12 November 2023

sorry for the tears



Ausnahmslos alle Jenny Jinya -Comics sind traurig,
die meisten von ihnen treiben einem die Tränen in
die Augen. Aber der hier ist besonders schlimm.

Kunst ohne Funktion ist bedeutungslos, und mäße
man diese Bedeutung an dem durch Kunst ausgelösten
inneren Bewegungsmoment, so müsste Jenny als eine
der relevantesten Comic-Künstlerinnen der Neuzeit gelten.

Was sie für mich auch ist. Ich finde sie einfach fantastisch.

Ich hoffe, ich denke früh genug dran, zu Weihnachten
ein bisschen was aus ihren Shops zu erwerben und
an liebe Menschen zu verschenken.

"Sorry for the tears"
steht unter ihrem Shop-Avatar.
Recht hat sie.

Bereit für die "black cats" Geschichte?

Dann mal los, ruinieren Sie Ihren Vormittag.