01 November 2024

Schweinebraten

Es gibt mehrere Wege, eine etwas gestresste
bzw. auch leicht kränkelnde Frau wieder
ein bisschen "zugänglicher" zu machen.

Natürlich geht es um Sex.
Es geht IMMER um Sex.

Aber man(n) möchte natürlich AUCH,
dass es der Partnerin GUT geht,
stets, grundsätzlich, so an sich.

Einmal aus Gründen der Philantropie.
Dann noch auch aus Gründen ...ach,
das sagte ich ja schon.

Jedenfalls:
Ich bin ein einfacher Mann,.

Daher schien mir Schweinebraten aus dem Ofen
eine passable Maßnahme auf dem Weg zur
weiblichen Zugängl Genesung zu sein.


Da ich es nicht leiden kann, wenn Töpfe / Pfannen
/ Bräter nicht vollständig befüllt sind, war ich
in einem Anflug von Maßlosigkeit hergegangen
und hatte ZWEI Schweinebraten gekauft.

Mit dem TOTAL ÜBERRASCHENDEN Ergebnis,
dass natürlich keinerlei GEMÜSE da mehr in 
den Bräter rein passte.

Somit musste die bewährte "2-Bräter-Lösung" her.
Einer für das Fleisch (Ofen), einer für den Rest (Herd).



Gemüse schnippeln ist eigentlich die Hauptarbeit dabei.
Aber ich empfinde den Arbeitsgang als männerfreundlich,
da eines nach dem Anderen in Ruhe gemacht werden kann.

Und abgesehen davon muss man ja rechtzeitig im Vorfeld
den trockenen Rotwein auf Eignung überprüfen.

Einfach doppelt Suppengrün rein, passt immer,
wird hinterher ohnehin durchgesiebt und weggekippt.



Das Rezept war insofern eine Überraschung, als dass
es nahezu keinen Unterschied machte zwischen einem
Rinderbraten und einem Schweinebraten.

Das gefiel mir sofort.



Mit einer halben Flasche Rotwein und Bratenfond
aus dem Glas macht man nie was falsch, das ist
nahezu idiotensicher.


Doch dann ruft es Reaktionen hervor, wenn man
während des Kochprozesses Fotos davon im
WhatsApp-Status versenkt. Komischerweise aber
von KEINEM EINZIGEN Mann.

Kommt das nur MIR so vor, oder macht es
einen Mann in der Küche zu sehen Frauen ehrlicher?








31 Oktober 2024

Halloween


[ Die schönste Zeit des Jahres:
Kürbiszeit ♥ ]

Jedes Jahr an Halloween,
immer der gleiche post mit dem
gleichen Song.

Und ich LIEBE es.


Übrigens gibt es eine erst unlängst auf
YT veröffentlichte Live-Version des Songs,
keine paar Wochen alt:

Der inzwischen stark auf die 70 zugehende 
KING DIAMOND singt dort diese Passagen
aus dem Jahr 1986 nahezu makellos.
Absolut erstaunlich.

Und apropos "erstaunlich":

Die ab etwa 0:32 als background-Sängerin
auftauchende Dame ist seine Ehefrau.

Gut gemacht, Kim Bendix.

So.
Und ich gehe jetzt den für über 13 Euro (!)
gestern erstandenen Pumpkin unten in der Küche
aushöhlen und zurecht schnitzen.











29 Oktober 2024

von der Beharrlichkeit

Einmal, nur EIN.MAL. in meinem Leben
hätte ich gern diese Beharrlichkeit,
diese Konsequenz, dieses Gottvertrauen in
"das klappt schon noch", die meine App zur
Gewichtserinnerung jeden Morgen aufbringt,
um mich zum Gang zur Körperfettwaage zu bewegen.

Vergeblich, seit April.

Was bleibt, ist jeden Morgen das schlechte Gewissen
beim ersten Blick aufs Handy.



27 Oktober 2024

von der kleinen Frau und den Kuchengabeln

Es ist schon manchmal merkwürdig mit mir:

Erst mache ich es mir zu leicht, drücke mich
so gut es geht halbe oder ganze Ewigkeiten
selbst vor Dingen, von denen ich WEIß, dass sie
GUT ausgehen werden (geschweige denn vor denen,
die auf jeden Fall schlimm ausgehen werden).

Und dann wieder mache ich es mir Bonus-schwer,
WENN ich es denn endlich mal angehe.

Den seit Monaten aufgeschobenen Besuch bei der
kleinen Frau, die mal gut und gerne meine Schwiegermutter
hätte werden mögen, hatte ich extra im Kalender fix
eingetragen.

Und zwar auf den Geburtstag ihres verstorbenen Mannes.
Den sie immer noch täglich oder mehrmals täglich besucht.

Die Autofahrt in den kleinen Ort im Westerwald bringt
unzählige Erinnerungen zurück.
Vielleicht liegt es an meinem Alter, dass sie mich nahezu
ausnahmslos zum Lächeln bringen hinter meinem Steuer.

Da links ging es zum Band-Proberaum mit Earn und seinem
Bruder. Aber Bands und ich, das ging nie gut aus.

Da hinten rechts vor der Currywurstbude geht es rein
zu dem Haus wo Schwebbel früher wohnte.
Der ordentlich Ärger mit seiner Mutter bekommen hatte,
weil wir heimlich ihren gesamten Gewürzeschrank in der
Küche "upside down" neu eingeräumt und oben drauf
Pornohefte "versteckt" hatten.

Ein paar hundert Meter hinter dem Ort ist jetzt links ein riesiges
Gewerbegebiet. Früher waren da Felder, über die ich oft
händchenhaltend mit Nici und dem Familienhund gelaufen bin.

Da rechts ging es in den Wald zum Räuberkeller, einem urigen
Gelagekeller mit Kutschausfahrt und Gesang.
Auch der ist längst zu.

Der Zielort naht, leider gibt es gleich nach dem Ortsschild links
den Blumenladen nicht mehr, wo ich Nicis Mutter immer Blumen
gekauft hatte. Gerbera waren ihre Lieblingsblumen.

Aber die Pizzeria, in der wir schon als Teenies saßen - die ist
immer noch da! Unglaublich.

Am Ortsausgang rechts waren früher auch nur Felder, 
nun auch hier ein kleines Gewerbegebiet, ich habe es bei der
Vorplanung auf G-Maps gesehen.

Dort soll es noch Blumen geben.
Und die letzte im Ort verbliebene Theke mit Kuchen.



Ich bestelle einen Strauß mit Gerbera und sehe mich ein
bisschen um, während ich warte.

Der Duft von Blumenläden löst in mir ein Gefühl von "zu hause"
aus. Es ist zwar kein in sich angenehmer Geruch.

Aber in einem Floristikladen zu stehen wirkt in der Nase
noch genau so wie vor dreißig oder vierzig Jahren.
Und das zu Erleben wiederum ist heutzutage eine Seltenheit.
Wieder lächle ich vor mich hin.

Beim bezahlen bestätigt mir die Dame, dass hier nebenan der
weit und breit einzige Laden mit Kuchentheke sei.

Ich nehme dort zweimal gedeckten Apfel- und zwei mal
Käsekuchen mit.
Ich hörte, Käsekuchen ginge immer.

Und dann atme ich ein paar mal etwas schwerer ein und aus,
als ich vor dem kleinen, nicht mehr ganz frischen Häuschen
vorfahre und in die enge Parklücke zwischen Straße und
Hausmauer nach Jahren im ersten Anlauf so einparke, als
sei ich hier immer noch jedes Wochenende zuhause.

Ich nehme Blumen und Kuchen, klingele, die Tür geht auf,
die kleine Frau sieht mich, schlägt die Hände vor ihr Gesicht,
nicht komplett vor die Augen, aber so wie Scheuklappen links
und rechts der Augen, aus denen nun Tränen wie Sturzbäche
die Wangen hinunterlaufen.

Darauf hatte ich vorbereitet sein müssen, und das bin ich auch.

Wir umarmen uns, lange und fest. Das ist gut so, denn die Zeit,
in der diese Frau häufig und fest umarmt wurde, sind vorbei.
Alle sind aus dem Haus raus, sie lebt dort allein.
Und sie geht nicht mehr raus.
Nur noch auf den Friedhof.



In der Küche hat sich seit ich 1994 dort aufhörte, ein
regelmäßiger Gast zu sein, wenig verändert.

Aus den handgemalten Basteleien, die früher dort von den
Kindern gehangen haben, wurden handgemalte Basteleien
von Enkeln, die inzwischen aber auch anderes im Sinn haben
als die Oma.

Es wird dringend Zeit für Kuchen. 
Das ist ein guter Moment, die mitgebrachten Kuchengabeln
auszupacken.

„Ich schulde Dir seit über dreißig Jahren eine Kuchengabel,
hier kommt sie zurück, mit Zinsen!“

Sie schaut erst irritiert, dann helfe ich ihrem Gedächtnis auf die
Sprünge, ihr Gesicht hellt sich schlagartig auf, wir lachen herzlich. 
Ich stehe total drauf,
sehr alte Versprechen einzuhalten.
Nicht selten dauert es Jahre. 

Ihr Kaffee kommt aus einer alchimistisch anmutenden Maschine,
die sich abenteuerlicher ein Doctor Snuggels nicht hätte einfallen
lassen können.

Aber er schmeckt exakt wie ihr Kaffee früher.
Erstaunlich.



Auch ansonsten ist hier die Zeit stehen geblieben.
Links neben mir auf der Esszimmereckbank liegen jene
Magazine und Zeitschriften, die da auch früher schon lagen,
fein säuberlich und akurat sortiert.

Die Unterhaltung gerät leicht und flüssig, ich freue mich.
Kein Stocken, keine schlimmen Geschichten, ein Thema
gibt das Andere, es gibt Jahre an gemeinsamer Vergangenheit
nachzubesprechen.


Meine Ankunft hatte sich im Vorfeld herumgesprochen,
daher bin ich kein bisschen verwundert, dass irgendwann
die Tür schallert und Nici in der Tür steht.

Wir umarmen uns, es steht ihr gut, dass sie wieder fitter und
erheblich gewichtsreduzierter ist, sie wirkt auch gelöster,
als ich das aus den Erzählungen ihrer Schwester neulich
vermutet hätte.

Eine Menge alter Lacher wird aufgetischt, wir tauschen
Updates zu gemeinsamen Bekannten aus, ein Thema gibt
das Nächste.

Es wird ein toller Vormittag. Und wir vereinbaren, zusammen
zu Würstchen und Glühwein zu gehen, sobald die Weihnachts-
märkte aufmachen.

Die Heimfahrt sieht mich erneut lächeln.
Das hier war eine gute, eine sehr gute Sache.