15 Februar 2025

Ivan

Er heißt Ivan.

Er schreibt mich in erkennbar bemühtem Deutsch
auf Kleinanzeigen an, denn er ist einer von knapp 500,
die sie angeschaut haben.

Außerdem ist er einer von den etwas über 40 Leuten,
die meine rote E-Gitarre auf ihrer Fav-Liste mit
einem Herzchen markiert haben.

Nun ist die Gitarre an sich nichts Außergewöhnliches.



Aber meine Idee, ein "persönliches" Foto mit der Gitarre
im Arm (das von vorletztem Jahr im Band-Proberaum)
und das gleich an die allererste Stelle der Kleinanzeige
mit rein zu nehmen, war aufgegangen.

Ich habe bereits 50 min auf ihn gewartet, als er mit
ordentlich Verspätung bei mir klingelt.

Bereits als das Tor in den Hof aufgeht, kann ich ihm
nicht mehr böse sein:

Ein schlaksiger, großer junger Mann mit Wuschelhaar,
das 3/4 seines Gesichtes überwuchert, und er kann
noch nicht wirklich erwachsen sein.

Er ist sehr schwer zu schätzen, vielleicht 20?

Er entschuldigt sich in noch weitaus gebrochenerem
Deutsch, als seine getippten Zeilen vorher vermuten ließen.
Die Bahnen und die Busse fahren kaum, heute wird hier
gestreikt.

Rucksack und dicke Winterjacke werden abgelegt,
er ist so schüchtern, meine Güte, fast ehrfürchtig schaut
er auf meine rote Flying V.

Weshalb ich sie beherzt aus dem Koffer nehme und
ihm umhänge. Noch ein Plektrum von mir dazu.
Los kann es gehen zum Probespielen.

Er möchte auf meinem Verstärker bitte "distortion"
eingestellt bekommen. 

Guter Junge, aber: Das macht man nicht, so kann man
den Klang und die Qualität einer Gitarre nicht beurteilen.

Man spielt eine Gitarre erst einmal "clean", dann kann
man den Sustain und die Sauberkeit der Barregriffe usw.
vernünftig prüfen.

Aber der junge Kerl, wahrscheinlich ein Ukrainer oder Russe,
ist Metaller. Durch und durch. Und wie.

Bereits das ERSTE Riff, das er anspielt ist SYMPHONY
OF DESTRUCTION, und da hatte er mich schon^^.

Er spielt ...schlecht.
Meine Güte, er spielt wirklich nicht gut.
Er steht wohl noch ganz am Anfang.

Es geht noch ein bisschen weiter durch die Metalhistorie.
SLAYER, CHILDREN OF BODOM, MEGADETH.

Es ist offenkundig, dass er nie einen Lehrer hatte.
So wie ich auch nicht.
Man sieht es an seinen Händen und Fingern.
So wie auch bei mir.

Er spielt Einiges falsch, denn er hat es sich abgehört aus
laufender Musik. Hier kann ich ihm ein paar Stellen zeigen,
wie man sie richtig spielt. Er lächelt und schaut gebannt
auf meine Finger.

Er versucht sich an TORNADO OF SOULS.
Eieiei, dafür wird er noch ein paar Wochen oder Monate brauchen.

Das Intro erfordert genaues Spielen und eine sehr schnelle
rechte warmgespielte Hand. Ich zeige es ihm und er versucht
sich noch einmal selbst daran. Wir lachen.

30 Minuten vergehen so.
Er möchte die Gitarre kaufen.

Ich lasse sie ihm 50 Euro billiger und gebe ihm noch ein
nicht mehr benötigtes 5m-Gitarrenkabel von mir mit,
denn erstens kann er den Nachlass vermutlich gut brauchen.

Zweitens hat er das Geld von seiner Mutter, die mit ihm
seit drei Jahren hier lebt und deshalb auch nicht wohlhabend
sein wird (ich vermute nun stark Ukrainer).

Drittens war ich auch mal jung und kenne seine Situation
vielleicht ein ganz, ganz kleines Bisschen.

Ich nötige ihm für den Weg nach Hause durch den streikenden
ÖPNV im Not-Modus noch eine Fanta für unterwegs mit
auf und frage ihn, wo er heute noch hin muss.

Und da sagt der allen Ernstes: "Nach Cochem."

Und mir fällt beinahe alles aus dem Gesicht, denn es ist inzwischen
16.45 Uhr und das bedeutet, der kommt heute mutmaßlich
 gegen Mitternacht daheim an.
Mit einem MONSTER von Gitarrenkoffer plus Rucksack.

Ich bestehe darauf, ihn in die nächstgrößeren Ort an den
Busbahnhof zu bringen, er nimmt dankbar an.
Er wird heute noch mehr als genug die Beine in der Kälte
wartend herumstehen.

Zurück daheim fasse ich einen Entschluss, den ich
vernünftigerweise vorher hätte treffen können und
schreibe ihn nochmals an.

Vielleicht kann ich ihm noch was Gutes tun,
mal schauen.

Mach es gut, rote Hexe.



P.S. Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV hatte ich
offenbar falsch eingeschätzt:

Gegen 19.45 Uhr bereits schreibt er mir,
dass er gut zuhause angekommen sei.

13 Februar 2025

...but it's Poland 1989

Der Mann hinter dem Videokanal maromaro1337
macht auf YT etwas Einzigartiges:

Er covert bekannte Songs zu background-Musik
auf seiner immergleichen Gitarre, aber in der Art,
als wären Sie in den 80ern in Polen auf low budget
aufgenommen worden.

Dabei starrt er stets emotionslos geradeaus
in die Kamera, mit fast immer der gleichen Frisur,
mit fast immer der gleichen 80er- Glanz-Trainingsjacke
in bunt.



Abgesehen davon, dass das lustig ist,
handelt es sich bei dem Mann auch um einen
sehr fingerfertigen und begabten Musiker.

Wie Sie sehen werden.
Enjoy.


11 Februar 2025

Super Panavision 70

[ ENDLICH !!
Die Zeit des tittenlosen Blogcontents ist vorüber.

So lange haben Sie warten müssen.
Sie Armen. ]



Als Google auf der I/O-Konferenz im Mai letzten Jahres
VEO vorstellte, hatte die gesamte Video- und Filmszene 
zu Recht den Atem angehalten:

VEO war die erste generative Video-KI, die jeden in die
Lage versetzt, auch mehrminütige Videoclips aus Textprompts
(wie bei Chat-GPT) und aus Fotovorlagen zu erstellen.

Die KI tut dies mit einer photorealistischen Genauigkeit und
kann beispielsweise auch Bewegungen und die mit ihnen
verbundenen physikalischen Auswirkungen erstaunlich präzise
nachbilden.

Zum Beispiel die Auswirkungen der Schwerkraft. *hüstel*
Wie Sie sehen werden.

Es dauerte verständlicherweise nicht lange, bis die ersten
Videos im Stil der 50-erJahre-Kino-Werbetrailer aufkamen.

Sie finden auf YT unter Suchbegriffen wie Panavision Films /
Panavision Paradise / Droid Cinematics und -vor Allem-
Super Panavision 70 eine Menge an solchen Kurzfilmen.

Und weil es offenbar noch MEHR Menschen wie MICH gibt,
dauerte es auch nicht allzu lang, bis...ach, sehen Sie selbst.

Jedenfalls habe ich eine neue Kurzfilmpassion für mich entdeckt :-).











09 Februar 2025

6G (KW 05 | 2025)


getragen |

den jüngeren Kollegen (meinen Nachfolger
im Job in Süddeutschland) aufs Hotelzimmer.

Nachdem...

...er fast nicht mehr den Weg von der Restaurant-
Toilette zurück an unseren Tisch gefunden hatte, 

...beim Warten aufs Taxi draußen in der Fußgängerzone 
die dort hochgestapelten Stühle der benachbarten
Eisdiele durch ungebremstes Umfallen aus 1,80m Höhe
komplett abgeräumt hatte,

...daraufhin der in gleicher Sekunde vorfahrende
Taxifahrer uns um ein Haar nicht mitgenommen hätte,

...er mir im Hotel um meinen Hals gehängt mit nur noch
annäherungsweise erkennbarer Muttersprache das
falsche Stockwerk nannte,

...ich ihn daraufhin mit dem einen Arm gegen den Fahrstuhl
fixieren und mit dem anderen seine Jackentaschen nach
der Zimmerkarte durchsuchen musste

...und ihn mit einem Schubser vornüber aufs Bett in sein
Zimmer verbracht hatte.

Ok, vielleicht hätten wir als 20+ Personengruppe nicht
gleich zur Vorspeise mit Ouzo auf Eis anfangen sollen.

Aber so ist das eben bisweilen im Vertrieb.
Work hard, party hard.








Das genossene Abendessen allerdings war sehr gut.

Trotz der sehr irritierenden Userbewertungen auf TripAdvisor
(= der für mich einzigen noch verbliebenen Plattform,
der zu trauen ist in Sachen Bewertungen), weshalb ich das
Lokal hier auch lieber nicht nenne.


gesungen |

laut und schlecht mit.

Im lediglich 120-Zuschauer-Publikum von Mike Massé in Unna.

Vielleicht war es sogar schon der vorherige Blog, in denen ich
Ihnen diesen Mann nahegelegt hatte:
Seine Bekanntheit geht auf ein einziges YT-Video aus dem
Jahr 2010 zurück.

Dieses hier, Sie erinnern sich vielleicht noch.
Den wollte ich sehen. Unbedingt.

Zumal so jemand als "kleiner Künstler" mit zero budget
vielleicht auch nur alle paar Jahre mal nach Deutschland
kommen kann.
Falls überhaupt noch mal.

Eine wunderbarer, toller Abend war das.

Mega Musik. Jeder Coversong ein Mitsinger.
Für EUR 22,70 pro Karte absolut geschenkt.

So blieb genug Budget für reichlich Desperados und 
nach der Show noch ein kurzes meet&greet, wo ich
einen USB-Stick voll mit seiner Musik erwarb
und ein schnelles Foto entstand.










gepackt |

den TV ein. Zur Reparatur in Bayern.

Ich kapier's immer noch nicht:
Neupreis des defekten Gerätes aktuell: EUR 479.

Und dann versenden die einen Verpackungskarton in XXL,
lassen den von GO! abholen, verschiffen den vier
Bundesländer weiter nach Nürnberg (!).

Dort wird er von Samsung Fachtechnikern für mutmaßlich
um die 135 Euro die Arbeitsstunde repariert, wobei das mit Abstand
TEUERSTE daran ja der Hardwareersatz sein dürfte - das Display.

Sodann packen die den wieder ein, lassen den WIEDER abholen
von GO! und dann wird mir das Ding irgendwann an die Haustür
gebracht.
Nach Terminabsprache.
Die auch wieder Geld kostet als Servicedienstleistung.

Und DAS soll billiger sein als "Neuware als Ersatz"!?

Ist okay.
Ich bin ja nicht zum Denken für Andere hier.
Dann eben 14 Tage ohne Fernseher im DG.






gefüttert |

nach Monaten mal wieder den schwarzen Nachbarskater.

Wochenlang war es ihm zu kalt und unwirtlich draußen.
Aber nun kam er doch einmal hervor, und ich nutzte die Gelegenheit.




gejubelt  |

Schlanke 17 Monate nach meinem eigenen und zum Schluss
hin abgelehnten Antrag auf Glasfaserinternet und einem
gescheiterten Installationsversuch durch die Telekom 
war es dann endlich soweit:

Auf eigene Kosten beauftragtes Fachpersonal verlegte
binnen 2 Stunden Glasfaser aus dem Keller drei Stockwerke
nach oben und von dort per Netzwerkkabel wiederum
einen Stock weiter nach unten.


Ich habe den Rechner angemacht - und laut gejubelt.


Vorbei sind die "1998er-Zeiten" bis letzte Woche.
Mit Internet-Downloadraten zwischen 7 und 21 MBit/s
und WLAN-Repeaterbrücken-bedingten Abbrüchen.


gebacken |

Gemüse-Feta-Hackfleischauflauf.

Die Liebste wünschte sich einen Gemüseauflauf,
weil sie "mehr grün auf dem Teller" anstrebt.
Zu Bonus-Feta war sie leicht zu bewegen.

Das Hackfleisch-add-on hingegen hatte da etwas
intensivere Koalitionsverhandlungen erfordert.
Aber darunter mach ich's nicht.

Wie üblich hatte ich noch "alte Dosierungsmengen"
im Kopf - und daher zuviel vorbereitet.

Und so blieb auch noch eine extra Auflaufform
nur für Oma H. aus dem Erdgeschoss übrig.