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17 Juli 2025

von Liebe

Wenn wir als nunmehr Erwachsende davon reden,
was für uns LIEBE ist, dann sind unsere Aussagen
meist bedacht, sorgsam gewählt, auffallend sanft.

Wir sind vorsichtig geworden.
Wir versuchen, unsere Worte auf maximalen Konsens
auszulegen, Wir sagen meist Dinge wie "Liebe kommt
in vielen verschiedenen Facetten!" oder so was wie
"Es gibt nicht DIE EINE Liebe!" oder "Liebe ist, was
entwickelt werden und wachsen will!".

Sicherlich haben wir damit Recht.
Wir alle.
Die wir jetzt erwachsen sind.
So entsetzlich, erschreckend erwachsen, wie wir nun sind.

In  unseren Gefühlen, unseren Worten steckt etwas, das mit
Liebe an sich nämlich gar nichts zu tun hatte: Erfahrungen.

Denn in Wahrheit werden wir lediglich reicher an Erfahrungen,
aber nur selten reicher an Liebe.

Gar wahrhaft glücklich dürfen wir uns schätzen,
vermögen wir nur das Niveau unseres mit Liebe 
gefüllten leuchtenden Gebirgssees tief in uns
halbwegs hatten gleich gefüllt halten können.




Denn nicht wenige unter uns trocknen irgendwann aus.
Das Schicksal unserer prall gefüllten Liebes-Seen, mit denen
wir als Kinder in diese Welt entsendet werden, ist ungewiss:

Werden wir zu einer Venus?
Verdampft in der Hitze unserer Athmosphären jedweses Liebeswasser?

Werden wir zu einer Erde?
Reich gefüllt mit mehr als genug von Allem für Alle?

Werden wir zu einem Mars?
Lansgam, stetig austrocknend, bis nur noch roter Staub und
trockene Öde in uns ist?

Gut möglich, dass der Eine oder die Andere ihren heutigen
Zustand als "tiefer, intensiver liebend" empfindet.

Oder sagen wir als mehr "fundierter".
Basierter.
Vernunftinduzierter.
Praktischer.
Belastbarer.
Ausgewählter.
Entschiedener.

All das kann, all das mag und darf Glücklichsein vermitteln.
All das darf als lebenswerter Zustand, als Freude gar empfunden werden.

Aber es ist auch wahr: All das hat mit der Liebe, wir wie sie
ursprünglich, als Kinder, in uns vorgefunden haben, nichts mehr zu tun.

Wenn wir Glück hatten (und Gott weiß, wie viele das nicht hatten), haben
wir zumindest eine zeitlang in einem See aus unkonditionaler Liebe gebadet,
geliebt nur um unserer Selbst willen, nur weil wir existieren.

Mit diesem Setup in unserer Programmierung sind wir dann hinaus
gelaufen, gesprungen sind wir, weit und schnell, hinaus in die Welt,
zu anderen Menschen, zu anderen Seen.

Und wir erfuhren, dass Liebe, die auf unserer reinen Existenz basierte,
erlischen konnte. Und wir erlebten, dass Liebe zu einem
"Geben und Nehmen" wurde. Nicht, weil es uns gibt.
Sondern weil wir etwas beisteuern und liefern können.

Es ist gut, wenn das, was ist, von uns gemocht und akzeptiert wird.
Denn, um ein gefühlt zwanzigstes Mal Byron Katie zu zitieren:

Besser wär's für uns.
Wenn wir das, was wir haben, lieben lernen könnten.


Aber all das sind nur Gedanken.
Ideen, Sprachfetzen, Fragmente dessen, was Leben ausmacht.
Flüchtig, irrelevant, bedeutend nur für Sekunden.

Sie wandeln und verändern sich, dauernd tun sie das,
ebenso wie Liebe und unser Verständnis von ihr sich
wandelt, verändert, ausmacht.
Und vielleicht nicht minder flüchtig.

Denn wissen Sie? Sie fragen MICH besser nicht dazu.

Ich habe nämlich von all dem: Keine Ahnung.
Hab' ich nicht.

Okay, die Formulierung ist unscharf, sie sollte lieber lauten:
Ich weiß nicht, was es ist und wann und warum es da ist.

Aber ich habe SCHON eine AHNUNG von dem, was Liebe sein könnte.
Eine dunkle, vorsichtige Ahnung von dem, was da im Bergsee
auf uns wirklich gewartet hat.




07 Juli 2025

Die Rückkehr des Handwerk

[ Sie kennen vielleicht den dem post title
Falls nicht, werde ich Sie hier zwar nicht rügen
für Ihre 
Bildungsschwäche.

Schließen hingegen sollten Sie diese Lücke. ]


Samstag morgen, und es hatte sich nicht länger aufschieben lassen. 

Leider. Denn:
  • die Liebste hatte ihre engsten Freunde in mein Auto verladen, um
    mit ebenjenen übers Wochenende Trier und Luxemburg umzupflügen.

  • das Wetter war trocken, aber nicht zu heiß.

  • alle anderen to do's mit vorrangiger Prio waren schon abgearbeitet.

  • Noch einen weiteren Tag warten würde nicht gehen, da Bohr- und
    Hämmer- Arbeiten an einem Sonntag das Potential besessen hätten,
    die umgebende Rentnernachbarschaft aufzuwiegeln.
Es half alles nichts - ich musste raus auf die Dachterrasse.

Um endlich die dort SEIT MONATEN herumstehende, halbherzig und
unfertig missgelaunt zusammengefriemelte Rollmarkise fertig zu montieren.

Selbstverständlich hatte ich im Vorfeld WIE IMMER vergessen,
den schon recht altersschwachen Akkuschlagbohrer aufzuladen.

Was mir immerhin Zeit und Gelegenheit gab, die Montageanleitung
nochmal zu studieren.

Eine dieser Montageanleitungen aus dem Vorhof der Hölle:
  • Schriftgröße Arial 2,5
  • DIN A 5 Seiten
  • 7 Bebilderungen auf 1 Seite
  • Teilebeschriftung selbst mit Brille und Lupe mehr so ein Ratespiel




Nach intensiver Inaugenscheinnahme der Montageanweisungen
entschied ich,

a) die Verfasser dieses Pamphlets erst häuten und dann auf dem
     Dorfplatz HÄNGEN ZU LASSEN, sobald ich erst Kaiser bin.

b) heute kein einziges Loch zu bohren, da zu riskant.

Statt dessen entsann ich mich einer altbewährten Regal-Montagetechnik
aus Schwabenland-Zeiten:
Diese Technik stellt Effizienz- und Ergebnisorientierung in den
Vordergrund jeglicher Handwerksplanung und lässt sich subsummieren
unter der Maxime:
  • Warum festbohren, was Du auch kleben kannst? 
Gedacht, getan - die Tesa Powerstrips geholt und los gings!



Die Halterungen für die beiden seitlichen Stangen der Markise mussten
einmal oben über der Terrassentür und einmal unten vor der Terrassentür
positioniert werden - und zwar exakt lotrecht untereinander.

Was zum Ausmessen fehlte:    Ein Lot.

Was ich deshalb aus Weinverschluss, Küchengarn, Garnelenspieß
und Paketband bastelte:          Ein Lot.





Leider sind meine von Natur aus mitgegebenen handwerklichen
Fähigkeiten samt und sonders in der Rubrik "bemitleidenswert" verortet.

Daher darf es nicht verwundern, dass meine mit äußerster Sorgfalt
ausgemessene Distanz von 195cm zwischen den beiden Stangen
sich als um satte 10cm zu knapp bemessen herausstellte.

Wohl dem, der bis hierhin noch keine Löcher gebohrt hatte!
Manchmal weist mir die Vorsehung einfach den Weg, ich sags ja.

Das Einspannen der Rollmarkise oben zwischen den beiden Stangen
entpuppte sich nochmals als Herausforderung in der Qualität eines
Si­sy­phus­. Zumal sie explizit für ZWEI Personen beschrieben war.

Daher dauerte es auch nur schlanke 3,5h, bis die Stangen und die
Markisenrolle samt Halteelementen montiert und aufgespannt war.



Und die im Rahmen der auf "Spannung statt Bohrung" eingesparten
Montageelemente verbuche ich stolz unter Ressourcenschonung
und Nachhaltigkeit.

Wahrscheinlich bis zum ersten Herbststurm.


03 Juni 2025

von Hausduchsuchungen

Per Zufall war ich an eine Einladung zu einem
Onlineseminar gekommen, welches von Steuer-
und Strafverteidigern gehalten wurde.

Es gab sehr interessante Einsichten an dem Tag.

Ein paar davon bringe ich Ihnen heute mit.








 

20 Mai 2025

unter uns: vom Verzeihen

Sie kennen da jemanden.

Zu keinem Zeitpunkt in seiner Vergangenheit
kam es zu Gewalt, Straftaten oder sonstigen
rechtlich nicht einwandfreien Handlungen
ihm gegenüber.

Es gab auch keine, von denen er
-z.B. auch als Nichtbeteiligter- jemals
Kenntnis gehabt hätte.
Eine "Stellvertreter-Revanche" scheidet also aus.

Angenommen, dieser Jemand hat mehrmals
eine Reihe von Dingen unternommen, von denen
klar und auch beabsichtigt war (mindestens aber
billigend in Kauf genommen), Ihnen zu schaden,
und das erfolgreich und dauerhaft.
Und zwar privat und auch beruflich. 


Sie können sich darüber hinaus sicher sein,
dass derjenige dies aus einer persönlichen
Situation der Verletztheit und Enttäuschung
heraus getan hat.

   ➡️ Verzeihen Sie ihm?

          Egal ob nein oder ja - wie begründen Sie Ihre Entscheidung?



09 Mai 2025

von der Illusion einer Meinungsfreiheit

[ 'bisschen schwere Kost zum Wochenende.

Ich arbeite aber schon an frischem Titten-content,
also sorgen Sie sich nicht!  ]




Der Unterschied zwischen einer Diktatur und
einer Demokratie besteht im Alltagserleben der
Bürger im Wesentlichen darin, dass man in einer
Demokratie wählen darf, bevor man den Befehlen
gehorcht.

Man sucht sich also gewissermaßen die künftigen
Richtlinien- und Werte-Setzer aus in der Hoffnung,
sie mögen für die Mehrheit der Bevölkerung
(oder wenigstens für einen selbst) die richtigen und
geeigneten Entscheidungen treffen.

Politik in diesem Sinne ist Service am Souverän,
dem Volk.

Mit Blick auf das von der Politik angebotene Service-
Personal:

Haben Sie den Eindruck, repräsentiert zu sein?

Stimmen Sie der Aussage zu, die wichtigen Probleme
und Herausforderungen seien dort erkannt?

Falls Sie das im Großen und Ganzen bejaht haben:
Werden die Ihrer Ansicht nach geeigneten Maßnahmen
ergriffen?
Werden sie in einer der Sachlage dienlichen Art und Weise
umgesetzt und budgetiert?

Falls Sie sich nicht zutrauen, das vollumfänglich
bewerten und beurteilen zu können:

Wo könnten Sie sich schlau machen? 
Wo könnten Sie Informationen beziehen, die ausgewogen
und werturteilsfrei alle Aspekte und Argumente auflisten?

Ich meine - Sie könnten ja nachvollziehbar einen erhöhten
Bedarf an pluralistischer Meinungsbildung haben:

Die Welt wird immer irrer, die Reichen immer reicher.

Der Kampf um die verbliebenen Rohstoffe hat längst
begonnen, wie Sie an Europas Grenzen aber auch an jedem
anderen Ort täglich sehen könnten, wenn man es Ihnen
täglich zeigen würde.

Die Eliten setzen immer unverhohlener Politikmarionetten
und nackte Gewalt ein zur Wahrung Ihrer Interessen und
lassen immer neue Regelungen erschaffen, die völlig legal
(und schön gewaltfrei) Mitbewerber aus dem Markt drängen
und die einzig und allein dem Ziel dienen, bestehende
Wohlstandsverteilung zu zementieren und auszubauen.

Wo würden Sie sich denn informieren wollen, hierzulande?

Bei den Journalen und Tageszeitungen?
Die alle im Besitz von vielleicht 4 Familien- und Investoren-
konsortien sind?
Bei den ÖR-TV-Sendern, deren Gremienbesetzung selbst
jahrzehntelange Mitarbeiter stutzig werden lässt?

Wenn Sie Tageszeitungen im deutschsprachigen Ausland
lesen, stellen Sie fest: Die kommen bei gleicher Sachlage
zu völlig anderen Interpretationen dessen, was hier in 
diesem Land passiert, und das parteifarbeübergreifend.

Dass Meinungsfreiheit und Wertestandards in D auf einem
schnell fallenden Ast hocken, erfahren Sie wöchentlich.

Sie halten ARD und ZDF für "noch einigermaßen
akzeptable" journalistische Quellen?

Lesen Sie Menschen, die jahrzehntelang für die
gearbeitet haben. Und es nicht mehr tun,

Zurück zur Politik.
Wie geht die Politik um mit dem Verlust von Anstand,
von Werten, von Sicherheitsgefühl?

Sie ergreift Maßnahmen zum Schutz davor.
Für sich selbst. Nur für sich.
Eine Riesendiskussion war das, 2024:
"Wie kann man Politiker besser schützen?"

Da musste ich fast lachen. Kein Wort davon, wie der
ganze REST der Republik besser geschützt werden könne.

Missliebige Positionen? Werden sekundengenau
terminlich passend zu Extremismus deklariert.

Private Meinungsäußerung auf FB, von Mitt-70er-
Renterinnen ohne relevante Reichweite?
Wird zu "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Straftaten"
aufgebauscht, auch wenn davon mit keiner Zeile was stand.

Bildsatire /Fototextmanipulation über die ex- Innenministerin?
Bringt jetzt 7 Monate auf Bewährung.

Verfolgung von Meinungspublikation?
Soll es künftig auch dann schon geben, wenn die
Strafbarkeitsgrenze noch gar nicht erreicht ist.

Ok - wenn es also nicht strafbar ist, wer legt dann fest,
ob verfolgt wird und wer?  Raten Sie!

Denn klar ist: Es gibt Bestrebungen, komplett (aber
erst in der Berufung!) freigesprochene Menschen wie
Anabel Schunke doch noch an den Kragen gehen zu können
- und wenn nicht mit dem Strafrecht, dann künftig eben anders.

Anabel Schunke: Prozess um Volksverhetzung – Landgericht spricht Journalistin frei - WELT


Wenn Sie das Alles so lesen: Woran erinnert Sie das?

Und das, woran es Sie erinnert? Gefällt es Ihnen?


Ist das schon Volksverhetzung?

Ein Urteil wie aus einer Dikatur

Aktuelles aus Journalismus und Politik - ... meint Peter Welchering







02 Mai 2025

man spricht deutsh

Die Liebste arbeitet in meiner Nummer 2-Feindgilde:
HR.

Die Nummer 1 aller Feindbilder
ist seit Jahrzehnten besetzt mit:
Marketing.
Ich hörte, das sei aber in jeder Firma so.


















[ SO könnten Sie aussehen ! ]

HR-ler sind für mich ein merkwürdiges Volk:

Die einen machen Recruiting.

Und wer sagt, Vertriebler würden lügen und das
Blaue vom Himmel herunter versprechen, der hatte
noch nie einen recruiting call mit HR.

Die Anderen machen so was wie Unternehmens-
kommunikation
(= anderswo die Newsletter klauen).

Oder Payroll ("schauen wir mal, was diesen Monat an
Gehältern so rausgeht - wir sind da selber schon gespannt,
ob alle Buchungen rechtzeitig reingekommen sind!"
)


Oder Weiterbildung (= Bildungsanbieter-Webseiten
1:1 ins eigene Intranet verlinken, dann Mittagspause).

Oder sie bearbeiten Mitarbeiteranfragen, in dem sie 
Standard-Textbaustein-Antworten zurückmailen,
denen 34-seitige Anleitungen angehängt sind, wie
man in nur 3 Stunden das Problem bitteschön
SELBER im Intranet löst.
Kurz gesagt:
Mein Meinungsbildungsprozess über HR
ist abgeschlossen und in sich kristallin.
Was keinesfalls bedeutet, dass ich die
nicht gerne vögeln tue. Zumindest eine von denen. 

Und doch muss man bisweilen Mitleid haben mit ihnen,
den Hah-Err-lern, denn Sie haben vor Allem mit der
im Umgang schwierigsten Spezies überhaupt zu tun:

     Führungskräften.

Dann kriegen sie von Standortleitern so
vielversprechende Recruiting-Aufgaben wie

"Wir brauchen noch 6 Köche am Standort X,
aber pro Stelle keinesfalls mehr als 38.000 € brutto im Jahr,
aber bitte spätester Beginn bei uns am 01.06.2025!"


"Sir? Sie akquirieren für Dänemark.
Da gibt es erstens keinen Euro.
Zweitens liegt das Mindestgehalt dort schon höher als das,
und zwar in sämtlichen Tarifverträgen. Wie soll das gehen?"


"Was weiß denn ich, SIE sind doch HR!!"

     6 Wochen später.

"Ok Sir, wir haben hier jemand, der doof genug ist, für das
Geld bei Ihnen zu arbeiten - können Sie am Freitag abend
so ab 17 Uhr das Zweitinterview mit uns führen?
Das Erstgespräch erschien uns sehr vielversprechend."


"Freitag abend?? Da bin ich schon im....da habe ich
schon einen anderen Geschäftstermin!!


"Der Bewerber kann aber nur abends nach seiner Arbeit,
denn er ist.... .... ...KOCH !?!"


"Wenn's denn sein muss (grummelgrummel)..."

"Ach ja, der Bewerber kommt aus UK, zieht aber bald um
nach DK. Das Interview ist also auf englisch."


"WIE JETZT, AUF EINGLISCH??! Ich will das nicht,
habt ihr denn Keinen der DEUTSCH SPRICHT!?!?!?"


"Nein?"

"Ja gut, dann macht das keinen Sinn, dann könnt ihr
dem direkt wieder absagen!"


"SIR? Die Anzahl der Bewerbern die bereit sind,
zu IHREM Budget bei uns anzufangen UND
die deutsch sprechen, beträgt null.

Am Standort in Dänemark spricht NIEMAND deutsch.
Im Arbeitsalltag sprechen ALLE dort englisch.

Das EINZIGE Mal, wo diese Person jemals deutsch
sprechen müsste, wäre in diesem einen Vorstellungsgespräch.
Und die Vorlage für Ihre jährliche Personalbeurteilung 
wird ja fix und fertig vom Standort geliefert... ... ..?"


"Wenn's denn sein muss (grummelgrummel)..."

Wenn Sie wüssten, wie oft nicht der Bewerber,
sondern die mit dem recruiting budget hantierende
Führungskraft das Problem ist, und wie oft dieses
Problem die mangelhaften Englischkenntnisse dieses
Personenkreises sind, wäre Ihnen sofort klar, was Sie
auch sonst schon das eine oder andere Mal haben
lesen dürfen:

   Große Teile des sogenannten Fachkräftmangels
   sind begründet in Problemen, die weder quantitativ
   noch qualitativ auf der Bewerberseite lokalisiert sind.


Dazu ein andermal noch mehr.

12 März 2025

Wasserstandsmeldung (Brief an die Vorstände - update 1 )

Sie erinnern sich vielleicht noch an meine
im Zustand unaufgeräumter Grundstimmung
verfassten (aber nicht abgesendeten) Zeilen an
unsere Vorstände
in der Firma.

2 kleine updates / Anmerkungen dazu.

1.)
mein direkter Funktionskollege, der den Großraum
nördlich von mir betreut, erlebt das Gleiche wie ich:

Die Anfragen pro Woche per Email, Telefon, Chat
sind mit dem Wegfall unserer alten Funktion
um 95% eingebrochen.

Im Prinzip wäre die Arbeitswoche dienstags 14.30 Uhr
zu Ende, würden wir nicht initiativ Termine ausmachen.

In MS Teams meldet der Kollege sich schon gar nicht
mehr regelmäßig an.


( Kurz zur Erinnerung:
Wir haben eine Gehaltsgarantie
und eine Jobgarantie.)

Das, was der Konzern gerne hätte,
wollen unsere Vertriebspartner offenbar nicht.

Das, was unsere Vertriebspartner gerne hätten,
stellt der Konzern nicht mehr zur Verfügung.

Das, was WIR wollen und für sinnvoll halten,
ist ohnehin irrelevant.


2.)


Ich hab mich ein bisschen vertan im zeitlichen Ablauf:



Das war wohl ein bisschen zu pessimistisch,
es hat nicht ganz so lange gedauert:



( Kurz erläutert:
Die oberen 3 Werte sind eine
gewichtete Mischung 
aus den 4 unteren Werten.
Der Wert ganz unten ist übrigens meiner.)


Dies sind die Zahlenveränderungen aller 4 Direktionen
Stand Ende Februar 2025 im direkten Vergleich zum
Stand Ende Februar 2024 in Prozent.

Ich mach den Job hier in dem Laden jetzt
im vierundzwanzigsten Jahr.

Ich guck mir also zum 24. Mal eingangs eines Jahres
solcherlei Zahlen an und weiß, damit umzugehen.

Einen solch' desaströsen Jahresstart hab ich noch nie gesehen.

Ausblick:

Holen Sie sich Popcorn.
Das hier wird bald spaßig.




24 Dezember 2024

Heiligabend

Weil ich den ersten Blutabnahmetermin VERSCHLAFEN hatte, musste ein zweiter her. Wie vierlerorts auch ist die hiesige Hämatologie auch die Onkologie (ich berichtete). Und so fand ich mich am 23.12. in den Wartezimmern des Behandlungszentrums wieder.

Ich bin nur zum Blutabnehmen hier. Nur dafür.

Nach wenigen Augenblicken beginne ich minütlich dem Himmel zu danken, dass ich nur deshalb hier bin. Am Anmeldeschalter vor mir schiebt ein älterer Mann seine gebrechliche kleine Frau im Rollstuhl herein. Sie braucht Hilfe, die Medikamente haben Nebenwirkungen, die sie nicht mehr erträgt.

Am Schalter ganz rechts versucht ein Mann meines Alters mit zunehmender Unruhe, ein Rezept für eine Kochsalzlösung samt Infusionsflasche zu bekommen. Seine Frau verträgt die Chemo nicht, erbricht alles binnen Sekunden, behält selbst Wasser nicht im Körper, droht auszutrocknen. Er klingt verzweifelt.

Im Wartezimmer muss ich den Erstaufnahmebogen ausfüllen.

Vor mir ein Bücherregal, voll mit allem, was Sie in Ihrem Leben auf gar keinen Fall jemals lesen wollen.


Neben mir eine junge Frau, ausgezehrt, gebrechlich, ihr wimpernloses Gesicht versteckt sich matt und fahl unter dem Kopftuch, das ihre Glatze verbirgt. Ich wage nicht, sie anzusehen.

Mein Anmeldebogen ist fertig, ich gebe ihn ab, zähle die Minuten runter bis ich endlich dran und dann schnell wieder weg bin, immer wieder kommen neue Patienten, viele werden gestützt.

Kein Ort kann am Tag vor Weihnachten soviel Demut für das, was man hat, vermitteln, wie ein Onkologiewartezimmer. 

Seien Sie dankbar für das, was Sie haben, seien Sie dankbar für das, was Sie NICHT haben und an Ihrer statt Andere. Genießen Sie die Zeit mit denen, denen Sie lieb sind und die es gut meinen mit Ihnen. Freuen Sie sich über jeden Tag im abgelaufenen Jahr, an dem Schmerz und Leid an Ihnen vorbeizogen. 

Vergessen Sie nie, wie zerbrechlich und zart dieses kleine, kurze Leben ist, das im Kreise der wohlhabendsten 2% aller Planetenbewohner Sie jetzt hier gerade führen.

Und noch einmal: Seien Sie dankbar. In Demut.

Frohe Weihnacht für Sie alle.





06 September 2024

von Fehleinschätzungen im Leben

 
Während eines Workshops, den ich neulich
mit einem Kollegen zusammen in unserer Zentrale
für Vertriebspartner gegeben habe, hörte ich mich
von vorne etwa folgenden Satz sagen:

  • "Niemand macht Euch einen Vorwurf, wenn irgendwas
    schiefgeht - auch ein Spezialist zu sein und jahrelange
    Erfahrung zu haben in Kundengesprächen hilft Euch
    auf keinen Fall dabei, vorauszusagen, wie etwas
    wohl ausgehen wird.

    Ich habe mich in der Hälfte aller der Fälle, in denen ich 
    mir nahezu sicher war zu wissen, ob etwas klappt oder
    schiefgeht, im Nachhinein geirrt.

    Meine Konsequenz daraus ist:
    Es ist nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, wie
    etwas ausgeht - denn ich liege zu oft falsch."
Auf dem Heimweg nach Abschluss der Veranstaltung fiel mir
im Auto auf, dass diese Ratio "in der Hälfte aller Fälle"
für meine Person nur für den BERUFLICHEN Bereich zutraf.

Für den PRIVATEN Bereich war die ratio schlechter.

Ganz erheblich schlechter sogar:
Ich taxiere hier den Umfang meiner Fehleinschätzungen
auf mindestens 70%. 

Für jemanden, der immer viel auf seine angeblich
ach so umfangreiche, tiefe Menschenkenntnis gegeben hat,
war diese Erkenntnis ein bisschen schmerzhaft.

Eigentlich aber auch nur des Egos halber - denn weshalb
sollte eine Einsicht, die nur einen selbst betrifft, weh tun?

Ein Satz, der mir in dieser oder leicht anderer Form ab und an
von ehemaligen Freunden oder Beziehungen oder Verhältnissen
ins Gesicht geschleudert wurde, war
  • "Du kannst Dich nicht selbst belügen, vor Dir selbst
    kannst Du Dich nicht verstecken."
Offen gesagt fand ich diesen Hinweis ausnahmslos immer
irritierend - ich war nämlich immer mit mir im Reinen.

Ich habe nie einen Zweifel gehabt an dem, wer und was
ich bin, mir war das alles immer und vollumfänglich
bewusst und klar.

Nicht, dass mich das zu einem guten  Menschen machen würde,
vor Allem nicht, dass mich das zu einem empfehlenswerten
Partner / Liebhaber / Freund gemacht hätte, nicht, dass ich all das
klar und unmissverständlich kommuniziert hätte.

Ich sage nur: Mir erschien das, wie ich bin, immer glasklar
und die Konsequenzen dessen, was daraus entstehen würde,
waren für mich stets etwas, das ein Problem meiner Umgebung,
nicht aber eines aus mir heraus war.

Kurz gesagt empfinde ich Menschen als "mehrheitlich problematisch"
im Sinne von "der Umgang mit ihnen wird wahrscheinlich in einer
unerfreulichen neuen Situation enden".

Da! Schon wieder eine Einschätzung -
mutmaßlich wieder ein Gedankenfehler,
und das trotz besseren Wissens.

Offenbar ließ meine Außenwirkung aber Anderes vermuten?
Das könnte sein. 

Das wird sogar bestimmt so sein, andernfalls wären die
freundlichen Hinweise nämlich: Nonsens.

Was in der Sache selbstverständlich auch eine Möglichkeit wäre,
nur suche ich bevorzugt erst bei mir selbst nach einer Begründung,
bevor ich den Gegenüber für einen minderbegabten  Beobachter hielte.

Also muss es so sein.
Meine Außenwirkung wird wohl mit meiner
Gedanken- und Erlebenswelt mismatchen.
  • "Wir haben alle Angst gelernt,
    deshalb verhalten wir uns manchmal merkwürdig."
           Ein Zitat von Susanne Nickel.

Ich gerate wirklich selten in die Situation, Aussagen von
Speakern/Coaches/Erfolgstrainern zuzustimmen,
hier mache ich eine Ausnahme.

Und jetzt packe ich Gerten, Panzerband, Fesseln, Plugs,
Masken und anderes Dungeonzeug in mein Auto und
fahre ins Beziehungs-Auszeit-Wochenende in den Westerwald.

Erholen auch Sie sich gut.
Sie haben es verdient.

06 Juni 2024

Veluxciraptor

Dass ich mir in handwerklicher Hinsicht besser nicht
all zu viel zumute / zutraue, ist regulär eine gute Entscheidung:

War ich in diesem Feld früher schon nicht sonderlich begabt,
haben die diesbezüglichen Fertigkeiten meinem Empfinden
nach sogar noch abgenommen.

(ich erinnere in diesem Kontext an das
Speisekammer -Bohrlöchermassaker vor 15 Jahren,
der größten Naturkatastrophe Süddeutschlands
nach dem Nördlinger Ries-Einschlag,
welches zur Befestigung eines Lebensmittelregals
in sechs 10er-Dübeln plus 1 
Tube restlos
in die Zwischenwand gepresstem Pattex endete
und dessen Fotoaufnahmen heute noch
bei handwerklich Befähigten instant
Zahnschmerzen auszulösen vermögen)

Inzwischen sind aus meinen vormals
filigranen, geschickten Fingern eher klobige,
unpräzise Werkzeuge geworden, denen sowohl
Übung als auch Kreativität fehlen und die einen
Gesamteindruck vermitteln, als habe jemand
Makita auf Wish bestellt.

Im Nachhinein mir völlig unerklärlich, wie ich
1995 nahezu ohne Werkzeug (außer Tchibo-Akkubohrer,
einem (1) Bohraufsatz und einem (1) Schraubendreher
Kreuzschlitz) eine komplette Duschkabine aus dem
Baumarktangebot samt Schiebetüren voll funktions-
fähig und ästhetisch ansprechend einbauen konnte.

Entsprechend missmutig nahm ich eingangs der
Frühlingszeit zur Kenntnis, dass ein Arbeiten im
Dachgeschoss- home office schon sehr bald
zweierlei Probleme mit sich bringen würde:

  • Hitze
  • Helligkeit

Bei Letzterem helfen z.B. Plissees. Hörte ich.

Aber erstens gibt es die günstigen und mit bohrfreier
Montage Erhältlichen nur bei senkrecht verbauten Fenstern
und Türen, nicht bei Dachschrägenfenstern.

Und zweitens hatte ich meine an den anderen Fenstern
bereits erprobten bzw. umgesetzten Montage"fähigkeiten"
noch in bester Erinnerung, was mir jeden Tag dann wieder
vergegenwärtigt wird, wenn ich an ihnen würgend vorbeilaufe.

Es blieb -da es sich um Velux-Fenster handelte- also nur:
Die Originalzubehörware von VELUX.

Und da hier auf jeden Fall mehrfach in (fremde) Fenster
zu bohren war, musste also zudem noch ein Fachmann
geordert werden.

Eine erste preisliche Orientierung im Internet resultierte in
dem bereits nachmittäglichem Griff zur Weinflasche sowie
den zaghaften (und erfolglosen) Versuchen, nicht mehr ganz
so dringend benötigte Organe beim Mann (Gehirn (1),
Niere (1), Ohren (2)) online zu Geld zu machen.

Der Fachmann sagte eine erste Inaugenscheinnahme zu,
empfahl dringend, nicht nur Plissees, sondern der Hitze halber
auch Hitzeschutzrollos außen drauf zu montieren und sprach
irgendwas von "150-180 Euro für Plissees inkl. Montage" und
preislich "nochmal das Gleiche für die Hitzeschutzrollos".

Bei 2 Fenstern fragte ich also nach:

- 175 Euro innen, 175 Euro außen, mal zwei Fenster,
also alles zusammen knapp EUR 700?

- Und er so: Ja, so in etwa.

Alles klar.
Ich next day hin zum Einzelhandelsgeschäft von ihm.

- Tach auch, ich möchte die Plisseefarben aussuchen, der Herr T.
   war gestern bei mir, er weiß Bescheid.

- Hmm, jaaa, neee, der ist jetzt unterwegs beim Montieren.
- 'Weiß ich, ich will ja auch nur die FARBEN aussuchen.

- Ja das ist jetzt schlecht.
- Wieso ist das jetzt schlecht?

- Ja weil wir haben nur EINEN Katalog von der Firma.
- Das ist fein, mir reicht auch der eine zum Aussuchen.

- Ja und DEN hat jetzt der Herr T. unterwegs bei sich
   im Monteursauto, wissen Sie?
- Aha? Ja JETZT weiß ich's.

             Schweigen.

- Ja, also, wenn Sie nochmal wieder kommen wollen...
- Wann ist denn der Katalog wieder hier?

- Ja das kann ich Ihnen jetzt auch nicht sagen.

             Schweigen.

- Ok, wissen Sie was, ich fahre wieder heim und suche mir
  die Plisseefarbe im Internet raus, ich gebe Ihnen die
  Produktnummer nachher per Telefon durch, in Ordnung?

DinngggDooong (Türglocke)

JA LIESBETH WIE SIEHST DENN DU AUS WARST DU
BEIM FRISEUR ACH DAS IST ABER SCHÖN ICH DACHTE
ICH SCHAUE MAL BEI DIR VORBEI SAG MAL BLEIBT ES
DENN JETZT AM WOCHENENDE BEI DER AUSFAHRT
ICH WOLLTE DOCH DER MARGRET NOCH WEGEN DEM 
KUCHEN BESCHEID GEBEN ach..ich seh Du hast Kundschaft
jagutdakannmannichts also ich kommdannnochmal nachher....


Auf der Heimfahrt fahre ich fast in den Tempo 50-Blitzer.
Frontal.

Wieder daheim:
Ich hab ja auch sonst nix zu tun.
Suche also FARBCODE und lieber gleich besser mal
MODELLTYPENKENNUNG raus.

Und sehe bei der Gelegenheit auch den PREIS
für den ganzen Scheiß.
Aktueller Sale.
Zwanzig Prozent Nachlass.
Hmm klingt gut.

Rufe in dem Laden an in der Hoffnung, dass Lisbeth und Margret
nun endlich das Rentnerwochenende haben erfolgreich klären
können.

Ich gebe die Farbe telefonisch durch.
Ich gebe in 6 (!) Anläufen die 6-stellige alphanumerische 
Typenbezeichnung durch. Scheint hochschwierig zu sein.

"Ja, wissen Sie, das ist...aber doch eine Nummer von VELUX!?"
"Richtig. Ich habe immer noch die VELUX Fenster.
  Und da passt-WIE SIE WISSEN- nur Originalzubehör
  von denen drauf."

"Mhh..das ist jetzt schlecht ...wissen Sie...VELUX machen wir
  nicht so gerne, da bekommen Sie als Kunde die GLEICHEN
  PREISE WIE WIR."
"Dann habe ich ja Glück, denn die geben gerade 20% auf das,
  was ich brauche. Kriege ich ihr Komplettangebot die nächsten
  3 Tage? Ich muss mich entscheiden und will den Sale nicht
  verpassen."

"Da muss ich erst nochmal gucken, ich melde mich bei Ihnen."

        20 Minuten später.

"Ja ich bin es nochmal, also wie gesagt, VELUX machen wir nicht
so gerne, aber ich hab mal geschaut, ich kann Ihnen einen 
Komplettpreis mit Montage machen für 1.042 Euro!"

"Sagen Sie mal, das liegt so ca. 350 Euro ÜBER dem, was mir
gestern Ihr Mann hier vor Ort gesagt hat. Sind Sie sicher?!"

"Ja da hat er sich bestimmt verschätzt. Die haben auch gerade
  ganz arg Lieferprobleme, es kann drei bis vier Wochen dauern!"

"Verschätzt? Und drei bis vier Wochen?"

"Ja oder soll er Sie da besser nochmal anrufen?"

"Ich glaube das wäre gut, ja."

"Dann sag ich ihm das."

*Klick*

Zum Kampfsaurier werden könnte man bei dem Scheiß, echt.

Am nächsten Tag:           Kein Anruf.
Am übernächsten Tag:    Kein Anruf.

Am überübernächsten Tag:

Herr Rain bestellt im VELUX Onlineshop nach einem
in 60 Sekunden erledigten gut geführten Auswahlprozess
die richtigen Plissees und die richtigen Hitzeschutzrollos
für beide Fenster, sieht sich bis zum Liefertermin
BINNEN 4 ARBEITSTAGEN ein paar YouTube-Videos
des Herstellers zur Montage an und montiert dann gemeinsam
mit seiner auf einem Tritthocker schwankenden und dabei
gelegentlich fauchenden 1,59m -Freundin erfolgreich in
2x dreißig Minuten das gesamte Zubehör innen und außen
an beiden Fenstern.

Handwerkliche eigene Schulnote: 2+

Ersparnis gegenüber "Fachhandelmontage"
für 60 min Eigenarbeit: 460 Euro.

Lektion des Jahres: Nie wieder Handwerker beauftragen,
wenn es nicht unbedingt sein muss.




26 März 2024

von Kräuterquark und anderen erfolglosen Versuchen männlicher Aufmerksamkeitskanalisierung

 
Weil ich inzwischen ALLES vergesse und zu 
nix mehr wirklich Zeit bleibt, versuche ich mich
in letzter Zeit mit kleinen Tricks zu überlisten, um
doch noch rechtzeitig an Dinge zu denken,
das Aufnehmen von Vorhaben zu erleichtern,
unliebsame wenngleich erforderliche to do's
extrinsisch zu veranreizen.

Bevor Sie jetzt auf die verwegene Idee kommen,
den vorherigen Abschnitt ERNEUT zu lesen in der
(wie sich herausstellen wird) wenig aussichtsreichen
Hoffnung, der dahinter von Ihnen vermutete Sinn
oder wenigstens die dem Sender zu entlockende Botschaft
würde sich Ihnen WOMÖGLICH DOCH NOCH erschließen,
hier ein  Beispiel zur Erleichterung Ihres
intellektuellen Schluckvorgangs:

Neulich am Wochenende macht die Freundin meinen Kühlschrank auf.

Dabei vermeidet sie den Griff ins Untergeschoss
(dort liegen Salat, Tomaten und Mungosprossen).

Statt dessen scannt sie mit einer Frauen vor allem
zu bestimmten Zeiten des Monats zueigenen milli-
sekundenschnellen Zielsicherheit das Obergeschoss
(dort sind Sahnepudding, Marmeladen und -sofern
sie artig war- Schogetten gelagert).

In letzter Zeit also
seltener Schogetten.
Ihr Blick fällt auf einen dort gelagerten Gewürzstreuer.
Auf ihm steht CAFE DE PARIS DIP.

Kurz siegt die weibliche Neugier über die Enttäuschung
der heute abwesenden Schogetten halber und sie ruft mir zu,
was das Gewürz im Kühlschrank verloren habe.

'Erkläre ihr ausufernd (was jetzt niemanden verwundern wird),
dass dies meiner gesünderen Ernährung dienen solle,
weil wann immer ich das Gewürz im Gewürzschrank sähe,
ich mir vornähme, damit mal wieder einen Quark-Dip abends
anzurühren.

Was meistens daran scheitere, dass ich nie Quark einkaufen würde,
unter Anderem, weil ich Quark nicht mag.

Wenn ich dann aber doch mal Quark einkaufe, ergeht es ihm
wie all seinen zahlreichen Quarkahnen zuvor:

Ich stelle ihn oben in den Kühlschrank (damit er mir beim
nächsten Türöffnen sogleich ins Auge spränge und ich
Lust auf gesundes Essen bekäme).

Natürlich fällt er mir auch jedes Mal ins Auge beim Türöffnen.

Allerdings frage ich mich dann JEDES MAL, was zum Teufel
ich bloß mit Quark vorgehabt haben könnte!

Das geht so lange, bis er das Verfallsdatum so deutlich 
überschritten hat, dass sogar ein Quarkenthusiast
(und Gott weiß, ich bin keiner) die Lust daran verloren hätte.

Zwei Tage nach Entsorgen des ungeöffneten Quarkbechers 
im Hausmüll ziehe ich dann die Gewürzschublade auf und...

BINGO.
Und erneut grüßt das Murmeltier.

Daher wäre ich nun auf die beinahe gravitationsauslösende
geniale Idee gekommen, im Kühlschrank einfach Quark und
Dip einfach AUFEINANDER zu stapeln.

Die Logik dahinter:
Was direkt beieinander liege und sofort greifbar sei,
das fände auch schneller und häufiger den Weg in meinen Mund.

                   Kurzes Schweigen in der Küche.

Die Liebste zieht die Augenbrauen hoch, gibt zu Bedenken,
dass diese Logik bei mir bisher ausschließlich bei Titten
funktioniert habe und möchte im Übrigen wissen, wo eigentlich
ihre Schogetten abgeblieben seien.

Und seither steht der Dip-Streuer allein im Kühlschrank.
Und wartet darauf, dass mal wieder jemand dran denkt,
ihm eine Packung Quark zu kaufen.



So.

Und nächstes Mal erzähle ich Ihnen davon,
wie ich felsenfest glaubte, durch den Kauf
neuer Laufschuhe Lust aufs Laufen zu bekommen.


12 Februar 2024

Feuchtgebiete


Es war ja auch bisher VIEL zu gut gelaufen.

Ein setback war terminlich also so überfällig
wie eine Eruption im Yellowstone.

MEIN Yellowstone hieß FERDI, der -um es
kurz zu halten- sehr hilfsbereit, aber in Sachen
Wasser-Installationen auch sehr unerfahren war.

Was mir schon während der gemeinsamen Montage
meines neuen Wasserhahns aufgefallen war, aber
da war ich noch der Hoffnung, dass das glatt laufen
könnte.

Typischer Fall von "hastegedacht".

Wenige Tage nach der zunächst erfolgreich aussehenden
Montage warf die Wand auf der Außenseite des Gäste-WCs
auf einmal Blasen, eine weitere Wand kam hinzu.

Dann wurden auf einmal auf Wasserflecken im Treppenhaus
nach unten sichtbar und Bodenleisten begannen sich zu lösen.







Reine Glückssache, dass der Vermieter schnell reagierte
und zwischen Schadenerkennung, Schadenbehebung und 
Aufstellen der Trocknungsgeräte keine 5 Tage vergingen.

Reine Glückssache, dass der (ziemlich seltsame) Handwerker
vor Ort zwar sofort erkannte, dass hier von Amateuren gepfuscht
worden war, er die Videoaufnahmen in der Wand vom Waschbecken
aber so erstellte, dass daraus ein Versicherungsschaden wurde.

Reine Glückssache, dass mein Vermieter nach kurzem Augenkontakt,
1x Kopfnicken das dann SEINER Gebäudeversicherung zu melden
bereit war.

Und nun sitze ich hier ca. 3 Wochen lang mit Noise Cancelling
Kopfhörern und warte darauf, dass die Maschinen meine Wohnung
wieder trocken bekommen, während die Wohnung aussieht wie die
von Sam Lowry in "Brazil".




Lektion des Monats:

Die Arbeit von Fachleuten selbst machen zu wollen ist einfach dumm.