07 März 2025

Tupper. Ein Nekrolog.

Zu Zeiten, als ich noch verheiratet war, hatten sich die
Tupper-Beraterinnen gerissen um einen Party-Termin
bei uns zuhause.

Das hatte mehrere Gründe.

Zum Einen galt die Ex-Frau in ihrem Bekanntenkreis als
kritische Kennerin jedweder Reinigungs- und Haushalts-
ausstattung:

Was SIE hatte, galt als GUT, und das mit Recht.

Qualität und Funktion standen bei ihr ganz oben,
was all ihre Ausstattung betraf.

Zum Zweiten waren Hausfrauenparties bei ihr stets eine
lukrative Sache: Ich kann mich an kein event entsinnen,
wo nicht mindestens eine vierstellige Bestellung für die
Beraterin zusammen gekommen wäre.

Drittens waren events bei uns zuhause immer sorgfältig
gecatert. Wir hatten das grundsätzlich als nette Parties
ausgerichtet, mit Sekt, Häppchen, Desserts und allem
Drum und Dran, allein schon deshalb war die Stimmung
stets ausgelassen und entspannt. 
Nicht aus Absatzgründen, sondern weil wir gerne
gute Gastgeber waren.

Diensterfahrene LeserInnen kennen diese Geschichte
vielleicht noch aus "Zauber-Zeiten":

Einmal traf die Tupperfrau gut 30 min vor Beginn des
events bei uns ein und erschrak: Von 2 Seesäcken voll
mit Showroom-Ware hatte sie einen daheim vergessen,
nun musste sie noch mal zurück fahren.

Die Exfrau und fragte, was denn alles daheim
vergessen worden sei.
Hastig zählte die Beraterin die ganzen Items auf. 

"Brauchst Du nicht extra holen, hab ich alles hier!"
hatte sie der verdutzen Frau entspannt geantwortet.

Und in der Tat: Einmal die Küchenschränke weit geöffnet,
und ein gut sortiertes  Tupper-Warenlager hatte
der Beraterin entgegen geleuchtet.^^

Aus dieser Zeit habe ich noch einige dieser in meinen
Augen unschlagbaren Küchenutensilien. 

Jene, die bei der Trennung das Haus verließen, ersetzte
ich sogleich durch gebraucht Gekaufte.



( Auf die Messer der T-Chef-Serien
mit durchgängiger Klinge lasse ich nichts kommen! )




( links die älteren, etwas Kleineren,
perfekt für Frauenhände -
rechts die neueren, für den Mann am Herd. )



( das Mikrowellengeschirr ist auch nach
Jahrzehnten noch super, und die Salatschleuder
hab ich gleich 2x, die ist mega. )



( die eckigen Gefrierbehälter sind sehr gut. )



( bei den Aufschnitt-Boxen für den Kühlschrank
muss man bisschen aufpassen, kauft man sie gebraucht.
Hinten die blaue Mikrowellenkanne hält
Sauce Hollandaise & Co. irre heiß. )


Aus meiner Sicht wurde das home-parties-
Vertriebssystem von Tupperware zu Unrecht kritisiert,
allerdings hatte ich dazu auch viele Jahre lang eine
abweichende Einstellung:

Die angebotene Ware war sehr mehrheitlich hochpreisig,
dafür aber auch hochwertig und die Kulanz bei Bruch oder
Warenfehlern war hoch.

Der mit Mehraufwand und daher berechtigten Mehrkosten
behaftete Personalvertrieb hatte aus meiner Erfahrung einen
wertvollen Vorteil gegenüber dem Direktvertrieb bzw. Kauf
im Internet, dem das Unternehmen und sein Verkaufskonzept
letztlich doch zum Opfer gefallen sind:

Tupperparties waren Fachhandel-Kundenerlebnis at its best.

Auch wenn die Beraterinnen das nebenberuflich machten,
so waren sie doch in diesem ihrem Gebiet oft "vom Fach"
und konnten eigene Praxiserfahrung zu den Utensilien
einbringen und first-hand-Reviews abgeben.

Bisweilen warnten sie auch vor bestimmten abgedruckten
Rezepten oder zeigten sinnvolle Zusatznutzen abseits der
offiziellen Produktbeschreibungen auf.

Und das vielleicht nicht immer, aber oft in einem von
Verantwortung und Vertrauen geprägten Innenverhältnis
zu den Käuferinnen:
Keine Fake-Rezensionen, kein Prospektgeschwätz
für Einweg-Kunden, die man nie wieder sieht.

Zu der Insolvenz ab 02.2025 in Deutschland führte im
Wesentlichen etwas, das ich selbst etwas sperrig als die
"Dacia-isierung" unserer Gesellschaft bezeichne:

Wo Anschaffungen vor 30 Jahren noch auf "ein Leben lang"
gekauft worden waren, entscheidet heute nur noch der
Preis, fast schon unabhängig von der Warenqualität.

Zudem: Immer weniger Menschen kaufen Lebensmittel
in Vorratsmengen, was den Zweck vieler Tupper-Waren
grdstzl. in Frage stellte.

Und wenn etwas nicht verbraucht wird, wird es einfach
in der aufgerissenen Verpackung im Kühlschrank gelagert
- oder aber in günstigeren 5-in-1-Boxen aus dem 1-Euro-Shop.

Ein weiterer Punkt: Das ursprüngliche Konzept der "Hausfrau",
die abends Zeit hat für solche Parties, adressiert eine Klientel,
die nicht mehr existent ist:

Fast jeder Lebensunterhalt in Beziehungen funktioniert nur als
"beide gehen arbeiten"-Deal - und wenn Sie heute mal versuchen,
mit -sagen wir- nur 4 Leuten einen gemeinsamen Abendtermin
zu finden, wissen Sie, was ich meine.

Die zunehmend schlechter werdende deutsche Wikipedia
listet noch einige weitere Kritikpunkte an dem Vertriebsmodell
von Tupperware auf, die ich mehrheitlich inhaltlich nicht teile.

Ein paar einzelne Stücke aus Restbeständen kaufe ich mir
gerade auf Kleinanzeigen zusammen.

Inzwischen bin ich ein kleiner Experte in "gebrauchte Tuppers",
weil man potenziell problematische bzw weniger nützliche Serien
beispielsweise schon der Farbe erkennt oder am auffällig gut
verfügbaren Angebot, denn manche Serien waren einfach Grütze^^.

06 März 2025

vom kleinen Unterschied

Kleiner Nachtrag zu gestern:

All in, also sämtliche preislichen Vor- und Nachteile im Vergleich Plug-in-Hybrid- zu Verbrenner-Dienstwagen einschließend, wäre mich der Hybrid über die gesamte Laufzeit von 48 Monaten um EUR 10.011 günstiger gekommen.

Davon ziehen Sie jetzt noch den Kauf und die Installation der Ladeinfrastruktur ab und ein paar Kröten für den etwas teureren 100% obligatorischen Ökostromtarif, aber mache ich mir nichts vor:

Die Kiste wäre trotzdem achteinhalbtausend Ocken günstiger gewesen als meine jetzige Bestellung. 

Aber erstens wollte ich einfach nicht mehr nach dem ganzen Hickhack. Und zweitens ist der neu bestellte reinrassige Verbrenner keine zwanzig Euro teurer im Monat als der die letzten 4 Jahre gefahrene es war.

Zwar musste ich dafür in der Herstellerauswahl downgraden (Mercedes zu Skoda), habe dafür aber künftig ein vollausgestattetes Auto.

Im September gibt‘s dann Fotos :-).

05 März 2025

vom bestellten Bären

geordert  |


Den nächsten Dienstwagen. und surprise, surprise:

Es wurde ein reinrassiger Verbrenner.
Ein Diesel wieder, um genau zu sein.

Gerne hätte ich einen Hybriden gehabt. Sehr gerne.

Gerne hätte ich den Aufwand der allein durch MICH zu
tragenden Kosten der Wallbox, der Montagearbeiten,
der Umstellung auf einen reinen Ökostromtarif und des
obligatorisch digitalzählergeeichten Ladekabels zum
Maximalpreis (da nur 1 Anbieter erlaubt) betrieben.




Jedoch, unser Fuhrparkmanagement verlangte allen Ernstes,
dass ich den Wallbox-Kauf, den Ladekabelkauf,
die Montagebeauftragung, den Ökostrom-Tarif,
die schriftliche Vermietergenehmigung und noch ein paar
Sachen nachweise, BEVOR sie mir überhaupt den Rechner
für dieses Fahrzeug FREISCHALTEN.

Im Ergebnis hätte ich ERST vierstellig in Vorleistung gehen
müssen und DANACH hätte man mir erlaubt, das Fahrzeug
überhaupt zu konfigurieren bzw. die Kosten zu berechnen.

Das hätte ich Trottel sogar noch alles mit mir machen lassen!

Doch dann entdeckte ich bei einem Kollegen (der auch neu 
bestellen muss, weil wir am gleichen Tag unsere jetzigen
Dienstwägen zurückgeben müssen), dass es in der für mich
bezahlbaren Kategorie NUR Mild-Hybride gibt.

Und diese hätten dann als Verbrennermaschine so
Lächerlichkeiten an Bord wie:

    Einen 1,5 l TSI-Motor.
    Bei einem Gesamtgewicht inkl. Fahrer von:  2 Tonnen.

Und da hab ich dann grinsend abgelehnt, zumal der jetzt
bestellte Neuwagen monatlich gerade mal 18,84 EUR
teurer ist als sein Vorgänger.

Lektion gelernt. 

P.S. Im Nachhein hab ich noch rausbekommen,
um wieviel der Hybrid in den 4 Jahren Fahrzeit
letztlich doch günstiger gewesen wäre, all in.

      Sie können ja mal schätzen.

03 März 2025

Bali statt Neckartal

   ge-off-t  |


Ein ehemaliger Teamkollege aus dem Süden,
der seit einigen Jahren ebenfalls in Köln arbeitet,
hat sich per Email von allen verabschiedet,
um jetzt (mit M40) sein Sabbatjahr anzutreten.

Er soll kurz vorm Burnout gestanden sein.



Das hat mich etwas überrascht, denn ich habe so ein
Bild vor Augen von Menschen, die bevorzugt anfällig
sind für Burnout-Diagnosen, und in diese Rahmen
passte er genau nicht rein.
Lektion daraus:
Sich keine "Bilder von Menschen" mehr machen,
die eh nur unvollständig sein werden.

Allerdings kannte ich auch die genaue Belastungsdichte
seiner letzten Tätigkeit nicht.

Offenbar hatte er sich aber damit verschätzt, als ich ihn
vor 10+ Jahren fragte, weshalb er nicht die Versicherungs-
agentur seines Vaters (eine wahre Goldgrube) übernehmen wolle.

Seine Antwort (damals als angestellter Regionalleiter im Vertrieb)
weiß ich noch ganz genau:

"Nee, ich kenne den Vertrieb ja seit Jahren, und im Vertrieb
musst Du richtig arbeiten. Deshalb bin ich rechtzeitig
in die Hauptverwaltung gewechselt.
Und mir war deshalb auch ganz wichtig, dass auf meiner
Visitenkarte "Stab" draufsteht und keinesfalls "Vertrieb"
oder "key account" oder so ein Quatsch!"
Eine zeitlang hatten wir ganz passabel zusammen gearbeitet
in Stuttgart.

Aber das ging aus irgendeinem Grund zu Ende, als er auf
merkwürdige neue Vertriebsideen für seine Vertriebsmannschaft
kam, die nicht durch Erfahrung oder Erfolgsaussichten fundiert
gewesen wären, da gerieten wir aneinander:

Ich kann es nicht leiden, wenn jemand klüger sein möchte
als Andere, aber die Arbeitsstrecke für seinen erhofften neuen
Erfolg in Team-meetings auf den Spezialisten abwälzt.

Man muss fairerweise auch sagen:
Das von ihm betreute Vertriebsteam war absolut nasses Brennholz.

Immer viel Rauch und Geknister bei sehr wenig Hitze.
Selten so eine Mannschaft gesehen. Zum Glück.
Ganz schlimme Leute, aus vertrieblicher Sicht.

Freundlich, ja.
Höflich, ja.
Viele zumindest, keinesfalls alle.

Aber absolute Beamtenmentalität und "Früher war Alles besser!"-
Geheul, und das 24 Stunden am Tag.
Jeder Termin mit denen eine Qual.

2 Ereignisse in seinem Leben waren glaube ich einschneidend
und einen Nachdenkprozess in Gang setzend.

Der eine war, dass sein Vater irgendwann zur Abgabe seiner
Agentur genötigt wurde, weil er altershalber und gesundheitlich
weder in der Lage war, Kunden bedarfsgerecht zu beraten,
noch sein Team aus mehreren Personen wirklich zu führen
und sodann in den Ruhestand geschickt wurde.

Daraufhin schnappte sein Vater sich seine sehr viel jüngere Frau
und wanderte ohne jegliche Sprachkenntnis und Vorbereitung in ein
kleines südamerikanisches Land aus

Wo er nicht ganz unerwartet mit seinen etlichen erheblichen
Vorerkrankungen im Gepäck recht kurz danach in
Ermangelung einer adäquaten medizinischen und pflegerischen
Versorgung irgendwo im Dschungel verstarb.



Der zweite war, dass auf einem Männerwochenende in Prag
sein bester Freund nachts um zwei mit drinks für alle in den Händen
johlend zurück auf die Disco-Tanzfläche kehrte und dort vor den Augen
seiner Freunde stehend zusammenbrach und noch auf der Tanzfläche verstarb.

Erlebnisse, die in meinen Augen gut geeignet sind,
eine neue Perspektive auf Leben und seine Fragilität zu bekommen.



Aus eigenem Erleben weiß ich, wie das ist,
wenn man "eigentlich jetzt sofort" einfach nur RAUS
müsste, aber noch lange, sehr lange eingebunden ist in
Sachzwänge und Verpflichtungen.

Stark zwei Jahre ging das bei mir so, bis mal Alles
wieder neu sortiert und geregelt war, uns deshalb:

Man kommt nicht immer gleich raus, wenn man raus will.

Und dahin muss man ja auch erst mal kommen, selbst ein
"Rauswoller" zu werden.



02 März 2025