29 September 2023

vom Reisemann

 
Bald werden die langen Wochenendfahrten
ein Ende haben.

Und auch die Dienstfahrten werden erheblich kürzer:
Ich wohne künftig sozusagen mitten in meinem Betreuungsgebiet.

Zu der am weitesten von mir entfernten Agentur
fahre ich dann exakt so lange mit dem Auto,
wie ich es derzeit zu der mir am nächsten gelegenen
Agentur tue.

Sieht so aus, als stünde mir ein kleines bisschen Luxus ins Haus^^.
Aber die Dienstfahrtenvideos möchte ich nicht aufgeben.
Sie sind mir ans Herz gewachsen.

27 September 2023

@HD [ II / III ]


Der erste Abend war sanft, schön, leuchtend gewesen.
Es bereitet wahrhaft Freude, abends in Heidelberg unterwegs zu sein.


Es gibt unglaublich viele Sitzplätze, Lokale, Seitengässchen.

Leider liegen sie alle am anderen Ende der Fußgängerzone,
von unserem Hotel aus betrachtet.

Und man spürte bei Einbruch der Dämmerung bereits die
empfindliche Kühle des nahenden Herbstes.

Als ich mir bei einer Sitzdrehung leicht den Rücken verziehe
und daraufhin Schmerzen beim tiefen Einatmen habe, mich
kurz flüsterleise frage, wie ich das jetzt wieder geschafft habe,
bringt sie den Spruch des Tages:
  • "Du bist jetzt in 'nem Alter, da kann man tatsächlich falsch atmen!"
'Überlege mir kurz, sie in ein paar Stunden dafür über Bord zu werfen
und erstehe anderntags tatsächlich noch zwei der letzten Karten
für eine Neckarschifffahrt.

Zwar wundern wir uns zwischendrin, wo denn auf unserer
"4-Burgen-Fahrt" die Burgen wohl sein würden - bis wir nach
ca. 90 min. am Wendepunkt ankamen, und dort:

Sind dann 3 der 4 Burgen auf ca. 300 Metern alle beisammen^^.



Beim Mittagessen zurück in der Stadt fällt mir leider auf,
dass ich meine Lesebrille nicht dabei habe.

Aber auch das bekommen wir gemeinsam gelöst. 

Für den Abend hatte ich uns Konzertkarten besorgt.
Mehrfach war ich im Vorfeld ermahnt erinnert worden,
bitte auch ja unbedingt SCHWARZ zu tragen.

Was ich auch tue.
Ok, möglicherweise nicht ganz im Sinne der Intention.


Jedenfalls bin ich an dem Abend in der Halle garantiert
der EINZIGE mit Anzugschuhen und Hemd.^^

Der Sänger der Vorband NACHTBLUT erinnert mich
ziemlich an den Sänger Bolivar aus der Serie THE STRAIN,
die Musik ist okay, aber deren Gitarrist ist der introvertierteste
(und spielfaulste) Musiker den ich seit Langem auf einer Bühne
gesehen hatte.

Der Hauptact ASP ist mir völlig unbekannt, aber der Mann geht
live richtig ab. Seine Musiker on stage sind exzellent, die Musik
sagt mir auch im Vergleich mehr zu.

Aber vorne wird es mir zu voll, also stelle ich mich ganz
nach hinten an den vereinbarten Wiederfindepunkt
und erkläre der niedlichen, nicht nativdeutschen Barbedienung,
wie eine Weißweinschorle-sauer geht.


Dass wir nachts draußen überraschend schnell und
unkompliziert unser reserviertes Taxi bekommen, ist
vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass wir vor der
Zugabe gegangen sind, aber die Frau neben mir sieht
schon ein bisschen fertig aus.

Und nach dem Duschen auf unserem Hotelzimmer
schläft sie auch rasch vor mir ein.

Zumindest hatte ich das gedacht.

25 September 2023

Jeannie (part I )

 

Lange hatte sie es nicht mit mir ausgehalten,
damals, vor 25 Jahren:
Zwei Monate, um genau zu sein.

Aber sie war es, die nur eine Woche nach der
schlimmsten Trennung, die ein Leben so bieten kann,
eines sonntags unangemeldet vor meiner Wohnungstür
stand.

Mit einem Picknickkorb und Sekt.
Und wie sich herausstellen sollte,
in schwarzer Unterwäsche.
Genau das hatte mich wahrscheinlich nichts minder
als gerettet.

Aber nur wenige Wochen in dieser Beziehung, und 
dann war sie wieder da - der Schmerz, die alte Trauer.

Der Verlust dessen, was davor gewesen war.

Die erneuten Ängste, auch diese Frau jetzt und hier
wieder verlieren zu können. 

Und genau das ist der Cocktail, der dann auch tatsächlich
zu diesem Verlust beigetragen hatte.

Zu dem Verlust dieser Beziehung,
der nächsten,
der übernächsten,
der überübernächsten.

Und der sich auch über weite Teile der später scheiternden Ehe
sogar noch als Schwelbrand einmal quer durch mich durchfraß.

Anfang der Millenniumsjahre hatten wir uns noch einmal
kurz gesehen, auf der Kölner Domplatte.

Und dann verloren wir unsere Leben und unsere Telefonnummern
endgültig aus den Augen.


         20 Jahre später.


Auf dem unsäglicheren der beiden großen Immo-Portale
entdecke ich eine nicht perfekte, aber hübsche Wohnung
20 min entfernt von Köln, auf der anderen Rheinseite.

Die Maklerin macht in der Annonce nur die allernötigsten 
Angaben, hat augenscheinlich keine Lust sich Arbeit zu 
machen und reagiert erst schnippisch auf meine
Interessentenanfrage und danach gar nicht mehr.

Der ganz normale Scheiß halt, wenn man heute eine Wohnung sucht.

Aber mir kommt plötzlich eine Idee:
Hatte nicht Jeannie in diesem Ort mal gewohnt?

Und hatte ihre schöne, an Senta Berger erinnernde
Mutter nicht genau da mal ein Immobilienbüro gehabt?!


Ich fange an zu googlen - Volltreffer.
Das Immobilienbüro gehört inzwischen: Jeannie.

Ich suche ihre Webpräsenz, finde sie.
Oh wow. Immer noch so attraktiv, krass.

Einen Tag kaue ich noch auf dem Gedanken herum,
und dann - mache ich es einfach:
 
Ich schreibe ihr eine Email an die Büroadresse.
Nach 20 Jahren.

Und bekomme eine Antwort.
Nach 3 Minuten.

* Fortsetzung folgt *