28 Oktober 2023

Screenshots 10.2023

 [ zu einer regelmäßigen, allfreitäglichen Ausgabe
als screenshot fridays reicht die Masse an
Chats und gelesenen Online-Artikeln nicht mehr.

Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass die mir zur
Verfügung stehende Zeit mit jedem weiteren Jahr
immer weiter abzunehmen scheint*

*hey, daraus ließe sich bestimmt
ein cooler handgemalter Graph machen?!

Aber sobald man sich die Zeit wieder nimmt,
sobald man wieder Artikel liest,
wieder mit Menschen kommuniziert,
entsteht auch alsbald Schmunzelmaterial.

Und falls nicht, sollte man in seinem Leben
Lektüre und Menschen austauschen.

Oder umziehen. 

Enjoy.]





















26 Oktober 2023

Jeannie (part II )


Eine Antwort nach 3 Minuten zu bekommen,
nachdem man 20 Jahre nichts von sich hat hören lassen,
kann nun zweierlei bedeuten.

Erstens - da freut sich jemand wirklich, Dich wiederzuhören.

Zweitens - da föhnt Dir jemand gleich sowasvon den Pony, 
was der Scheiß jetzt nach zwanzig Jahren soll und dass
Du ja mal vielleicht Nerven hättest nach all der Zeit.
ich sage das, weil genau so eine Reaktion
ich tatsächlich schonmal erlebt habe.
Und bis heute nicht kapiere, weshalb.

Wie sich herausstellt, trifft Ersteres zu. Sehr sogar.
Auf dem Sprung sei sie, würde sich aber später noch melden.

Abends ploppt dann die erste Nachricht von ihr bei mir auf,
seit es Smartphones gibt.

In der Zwischenzeit habe ich alte Fotosicherungen gewälzt 
und Bilder von uns bzw. von ihr rausgesucht.

Tatsächlich steht auf einem der Fotos sogar noch ein
spiralkabelgebundenes Siemens-Telefon neben ihr
auf dem Büroschreibtisch.

Tatsächlich hatte sie sich mal die Haare schwarz gefärbt.
Ein Frevel, bei dieser Blondheit.^^
Aber zu Karneval durfte man mal bekloppt sein,
zumal wenn in Köln.


Tatsächlich guckt sie auf einem der Bilder richtig angepisst
in die analoge Rollfilmkamera - das war morgens kurz nach
neun bei uns im Büro gewesen, und sie war STOCKSAUER
auf MICH, weil sie mal ausnahmsweise PÜNKTLICH da war!

Das war, als mir eines Tages ihre stete Unpünktlichkeit
SO auf den Zeiger gegangen war, dass ich abends
ALLE Uhren in ihrer WG um 15 min VORgestellt hatte.

Inklusive der Wanduhr, ihrer Armbanduhr, die Uhr im Bad
und ihren Wecker.

Blöderweise hatte ich aber die Tacho-Uhr in ihrem Golf vergessen.
Alter.
HAT DIE mich geföhnt, als sie bemerkte, dass sie
15 min ZU FRÜH im Büro war.

Also: Pünktlich zur Öffnungszeit.^^
 
Ich lächle. Was für eine lustige, schöne Erinnerung.

Schön auch die Erinnerung das eine Kompliment,
was sie mir mal nach dem Sex gemacht hatte und was
mir nach Jahrzehnten immer noch im Kopf echot.

Sofort erinnere ich mich an das neulich erst
gesehene meme über Männer auf 9gag:

Da ging es darum, dass sich ein Mann für den gesamten
Rest seines Lebens erinnern wird an jedes einzelne
Kompliment, das eine Frau oder sonstwer ihm
irgendwann mal gemacht hat. (anderes Beispiel)

Und ich sag' Ihnen jetzt was:
Das ist wahr. Alles.
Zurück zur WhatsApp-Nachricht.

Sie sagt, sie sei nicht die "Generation Tippen" und wird
deshalb auch in den nächsten Wochen fast ausschließlich
Sprachnachrichten verwenden.

Sie erzählt mir von ihrem Teenie-Sohn,
von der Trennung von ihrem Freund,
von der Pleite ihres Arbeitgebers,
von ihrem Wunsch, ein paar Monate lang ihre
Selbständigkeit von unterwegs aus in Südeuropa aufzubauen.

Ich erzähle ihr, was bei mir los war, dass ich seit Monaten
auf der Suche nach einer neuen Wohnung bin,
wie sehr mich die Maklerkontakte frustriert haben und 
ob sie auch Mietimmobilien in der Vermittlung hätte.

Sie verneint, nur eine Wohnung an der Grenze
zwischen NRW und RP sei in Kürze zu vermieten.

Aber die ist zu weit weg, zu groß und deutlich zu teuer.
Ich seufze.

Sie fragt, was genau ich denn suchen würde.

Ich sage, ich habe derzeit 4 Zimmer, 100 qm und fände
es großartig, irgendwo im Süden von Köln zu wohnen.

Und sie so:
"Sag mal? Ich habe 4 Zimmer und 100 qm.
Willst Du nicht MEINE Wohnung hier haben?
Ich ziehe demnächst aus!


Und das ist der Moment, wo ich kurz den Kopf
tief in den Nacken lege und mir mit geschlossenen Augen denke

"...das hier, das ist doch alles kein Zufall!?"

Und während ich das noch denke, höre ich aus dem Telefon
"Wann bist Du wieder hier? Jetzt am Wochenende!?
Ich reserviere uns einen Tisch in der L'Osteria!".



* Fortsetzung folgt *

24 Oktober 2023

T-Shirt gesucht

 
Aus der Reihe "Kleidung die Einem gefällt und
die man nicht SOFORT am Besten gleich 10x
nachbestellt, wird  schon nach kürzester Zeit nicht
und danach auch nie wieder erhältlich sein
und dann ärgert man sich!"
 
habe ich inzwischen fast jede Woche ein deja vu.

Aktueller Fall sind vor Jahren für den Urlaub
angeschaffte T-Shirts, einmal in dunkelblau
und einmal ein weiß.

Die weißen haben blaue Stickereien, die
blauen haben weiße Stickereien, und ich mag die total.


Die scharfäugigen Schnäppchenjäger unter Ihnen
identifizieren die Stickereien unten natürlich sofort
als für den Outlet-Verkauf gesondert produzierte Ware
der POLO-Serie von Ralph Lauren.

Darum geht's mir auch gar nicht, und Marken sind 
mir ohnehin völlig egal.

Der Punkt ist: Ich suche T-Shirts mit Schulterstickerei.
So wie auf den Fotos.


Und das Problem: Es gibt sie nicht mehr. Nirgends.

Kennen SIE einen Shop, der Herren-T-Shirts
mit bestickten Schulterpartien anbietet?!
P.S. Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften
- der Erste, der hier mit CAMP DAVID ankommt,
fliegt hochkant aus dem Blog !!

22 Oktober 2023

von Onyx und Revolt

 
Wie genau ich an die 1-Zimmer-36 qm-Wohnung
im 2. Stock einer Satellitengemeinde im Strohgäu
gekommen war, weiß ich heute nicht mehr.

Aber sie hatte sich selbst dann nicht als wirklich ideal 
herausgestellt, wenn man mal außen vor ließ, dass ich dort
die persönlich schlimmsten Monate meines Lebens
verbringen würde.

Ich hatte unter den zahlreichen Wohnungen in dem Gebäude
nämlich nicht nur die Gebäudeseite direkt an der
Hauptstraßenkreuzung erwischt.

Nicht nur war unten gleich um die Ecke die Eisdiele
mit Außensitzbereich und langen Abenden im Sommer.

Nein, die Wohnung lag auch noch perfekt gegenüber des
Bahnhofs. Wo es morgens schon vor 5 Uhr losging mit den
ersten Frühzügen aus Heilbronn.

Weiß der Geier, wie ich das damals hinbekommen habe,
im Sommer mit weit geöffnetem Fenster zu schlafen.

Jung müsste man nochmal sein.

Aus Arbeitsweg-Sicht war die Wohnung entweder perfekt
oder ein Albtraum gewesen, je nach Standpunkt:
Ich musste nämlich nur ein Stockwerk die Treppe nach
unten laufen, dann war ich in unserem Büro.

Es sollten in Summe drei eher schwierige, schwere Jahre
werden, die ich dort verbrachte, aber bevor ich dort (auch
wieder durch einen Zufall) wegzog, lief ich eines Tages in 
der Mittagspause einmal zu den Bahnhof-Graffittis rüber.

Tatsächlich stand an einem der Graffitis, welche mir gefielen,
nicht nur der Name des Sprayers - ONYX.

Sondern auch seine Telefonnummer.
Die schrieb ich mir auf.
Zu meiner großen Überraschung stelle ich 25 Jahre später
bei einer kleinen Surftour mit Google Street View fest:

Teile des Graffitis, der Name des Sprayers
und seine Tel.Nr. 
stehen
immer noch an dieser Wand.




Zurück ins Jahr 1998.
Ich möchte im Wohnzimmer der neuen Wohnung (nun in
Ludwigsburg) ein Graffiti quer über die ganze Wand.

Mir fällt ONYX wieder ein.
Ich finde den Zettel mit seiner Festnetznummer (Handys
gab es für mich zwar schon seit zwei Jahren, aber das
Telefonieren damit war noch scheißteuer).

Am anderen Ende geht eine ältere Dame ran. Ja, ihr Sohn
mache Graffitis, er sei aber derzeit im Ausland und würde
sich nach seiner Rückkehr melden.

Das tut er auch. Wir vereinbaren ein Treffen in meiner Wohnung.
Er bringt einen Freund mit, REVOLT.

Die beiden haben eine Mappe mit Fotos all ihrer Arbeiten dabei.
Ich erkläre grob, was ich mir vorstelle, und vor allem, dass
alles bis zu meiner Geburtstagsparty fertig sein muss!

Wenig später rücken die Sprayer mit äußerst umfangreichem
Equipment an und verwandeln mein Wohnzimmer temporär
in eine Lackierer-Halle.



Von der Vorskizzierung bis zur fertigen Klarlackierung
wird ein ganzer Tag vergehen, dann ist alles fertig.
Samt der Signierung von ONYX und REVOLT.

Mit dem Ergebnis bin ich nicht ganz zufrieden, aber es
ist zum Einen irgendwie witzig. Und zum Anderen wird
es (zusammen mit dem Baum im Schlafzimmer) zu
dem Markenzeichen dieser Wohnung werden.



Zwar geht noch die Dreier-Couch dabei kaputt (kann
aber von mir in Eigenregie repariert werden) und es
wird ein 48-stündiges Dauerlüften mit geöffneten
Fenstern Tag und Nacht und 2 Ventilatoren erforderlich
werden, bis der Lackgeruch halbwegs aus der Bude raus ist.

Aber zur Geburstagsparty ist alles trocken und man
kann in dem Raum feiern. Und wie.


Nun steht bald wieder ein Umzug an.
Eine neue Umgebung.
Eine neue Wohnung.

Und diesmal möchte ich auch wieder Wandtattoos haben.
Diesmal aber aufklebbare^^.