09 März 2024

Screenshots 03.2024

 [ aus dem "Telekom"-Screenshot
wollte ich eigtl. einen eigenen Beitrag machen:

Aber dann hätte ich mich nur wieder
aufgeregt. Saftladen, ey! ]


































07 März 2024

von der Schneiderin


Insgesamt war es eine meiner besseren Ideen gewesen,
Jeannie rechtzeitig zu ihrem Auszug aus dieser Wohnung
einiges vom Inventar abzukaufen, so dass es gleich hier
eingebaut verbleiben konnte.

Zu den Highlights zählen dabei die Fensterrollos, 
der (unfassbar fassungsreiche) Flügeltürenkühlschrank
sowie die hängenden Waschbeckenunterschränke.

Indes, manchem Inventar sah man schon ein wenig an,
dass es der intensiven Nutzung einer vielbeschäftigten
Geschäftsfrau und ihrem Teeniesohn...
sagen wir ausgesetzt war.

Bezüglich des großen Unterschrankes im Dachgeschoss
hatte ich recht bald entschieden, dass dieser nicht und auch
nie wieder Wasserspritzern des ihn überhängenden
Waschbeckens ausgesetzt sein dürfe.

Der Plan war -dank der Standardmaße seiner Oberfläche-
eine Art dünne Tischdecke als Textilschutz drüberzulegen.

Wie sich aber herausstellte, hatte viel eher ein Badetuch
die dafür idealen Abmessungen.

Als Frau mit Händchen und Auge für Inneneinrichtung
war Jeannie nichts weniger als entsetzt ob meines Vorhabens:

      "Das sieht ja aus wie bei der Oma im Erdgeschoss!!"

war mehr als einmal zu hören.

Die Freundin hingegen vertrat eine relativ sanfte Position,
die etwa zusammen gefasst werden konnte mit
      "Mach Du mal, das wird schon gut."

noch so ein Grund,
mit ihr zusammen zu sein.
'Mitunter clever, die Frau.

Allerdings mussten dafür die 2 von mir gekauften Badetücher
an der richtigen Stelle aufgeschnitten und die so
entstehenden Schnittkanten idealerweise umgenäht werden.

Nur, wer hat heute noch eine Nähmaschine zuhause?
Ich nicht.

Aber: Vielleicht hatte die Omi im Erdgeschoss ja 
noch eine, die sie mir würde ausleihen können!?

Also: Schnurstacks runter und bei Omi geklingelt.

Sie öffnet. Ich trage ihr kurz und knapp mein Anliegen vor.
Noch während ich spreche, ergreifen ein Strahlen und 
ein Lächeln ihr Gesicht.

"Du weiß schon, dass isch mal Schneiderin war?!"
in das Wort "schon" 
denken Sie sich bitte 3x nacheinander
den Buchstaben "n" 
gesprochen

"Nein, das wusste ich nicht? Du hast dann bestimmt
so eine Nähmaschine?"


"Jiff mir die Sachen runnder, isch maach Dir datt!
Sachste mir halldd, wiede dat hann willß!"


Anderntags sitze ich mit Zollstock und 2 Handtüchern
im Schneidersitz im Bad und schneide die zuvor
sorgfältig ausgemessenen Textillücken aus.

Mit den beiden Badetüchern stiefele ich
dann runter zur Omi.

Diese erklärt mir in der Haustür haarklein, was sie jetzt
wie genau zu bearbeiten gedenke.

Wenige Tage danach treffe ich sie erneut in der Haustür.

Sie sei fast fertig, nur für das weiße Tuch müsse sie erst
noch in die Stadt, sie haben (Achtung!) das farblich
passende Umnähband nicht mehr vorrätig daheim.

Und es solle doch GUT werden!

Mit äußerster, in 1000+ Verkaufsgesprächen erarbeiteter
Überzeugungskraft kann ich sie knapp davon abhalten,
mit ihrem FIAT 500 in die Stadt zu fahren, um neues
Umnähband für mich zu kaufen, sondern dass EGAL
WAS SIE DAHEIM HABE das auf JEDEN FALL
für mich und den Einsatzzweck AUSREICHEN WÜRDE.

1 Tag später klingelt sie und gibt mir das braune und
das weiße Abdeckhandtuch zurück.
In absolut perfekt umgenähter Bearbeitung.



"Dafür mach ich Dir Tiramisu! Du magst doch Tiramisu?!"

Ihre Augen leuchten.
"Und WIE ich datt mag!"

Ok, am Wochenende stelle ich mich in die Küche.
Denn - und das ist eine Lektion, die langjähriger
Umgang mit Frauen gleich welchen Alters als
positiv bewahrenswert mich gelehrt hat:

Für Tiramisu hab ich immer alles da. :-)

04 März 2024

vom ersten Tag, zu alt sein

 
So schnell hatte ich das nicht kommen sehen:

Zum ersten Mal hat mir gestern jemand durch die
Blume angedeutet, dass ich in meinem Job zu alt
sein könnte für das, was er und sein Team als
Support brauchen.

Aber der Reihe nach.
Im Rahmen meiner Vorstellungsrunde hatte ich mir
das größte Team aufgehoben, bis ich "warmgelaufen" war.
In diesem Team werden mehrere Dutzend Mitarbeiter von
zwei Geschäftsführern gesteuert.

Erstmal war zum Termin einer der beiden nicht da.
Ein Arzttermin mit seinem Kind. Okay, entschuldigt.

Der Andere war...sagen wir, höflich reserviert.
Er hatte ausgesprochen präzise Vorstellungen von dem,
was er an Support in seinem Team kommuniziert haben
möchte und was nicht.

Vor allem, was nicht. Dazu gab es einige Minuten.
Und Kommunikation bitte explizit NUR über den Chef -
keinesfalls etwa seine Mitarbeiter direkt anmailen.

Sagen wir so: Was alle anderen gerne haben möchten,
will dieses Team ganz genau nicht. 

Das kann, das darf natürlich sein.
Das Team ist nicht umsonst eines der deutschlandweit Größten.
Die machen das schon richtig, so wie sie das wollen, 
so auf ihre Art. Ist halt nicht meine Art.

Trotzdem war da etwas für mich Unerwartetes, Ungewohntes
im Raum gewesen. Ich hatte im Nachgang überlegt, was ich
anders hätte machen können im Erstgespräch. Ich befragte 
den mit anwesenden Regionalmanager, meinen Kollegen.
Er kannte mich aus etlichen anderen Terminen und meinte
"alles richtig gemacht".

Letzte Woche dann Kick-Off-event mit allen Vertriebspartnern,
hunderte waren zur Abendveranstaltung geblieben.

Ein großes Wuseln in der Kantine, lange Schlangen am Buffet,
dutzende Tische und Gesprächsgrüppchen.

Da sehe ich den damals nicht anwesenden zweiten
Geschäftsführer am Getränkeautomaten stehen und in sein
Handy tippen. Er muss so Ende dreißig sein.

Ich nutze die Gelegenheit, spreche ihn an, stelle mich vor.

Er wirkt...merkwürdig. Gar nicht "willkommend" wie Andere.
Er fragt mich, für was ich denn bei uns zuständig sei,
was sich aus mehreren Gründen bis zu ihm durch gesprochen
haben muss, wie ich sicher aus anderer Quelle weiß.

Ich sage ihm, ich sei sein neuer Ansprechpartner für die
Themen X und Y.

Ich erzähle ihm, dass ich schon in seiner Geschäftsstelle den
einen oder anderen kennengelernt hätte und dass er leider an
diesem Termin aber verhindert gewesen sei.

"Was für ein Termin?" fragt er nach.
Ich antworte.
"Ach so." quittiert er.

Irgendwann bilde ich mir ein, jetzt gerade gemustert zu
werden, und in dem Moment setzt er auch schon an
zur unsanften Landung:

"Weißt Du...wir haben jedes Jahr 5 Azubis bei uns.
5 neue Azubis jährlich , und wir wollen jedes Jahr mehr einstellen.
Wir brauchen da eigentlich jemanden, der für uns und
mit uns diese Menschen an der Hand nimmt, fachlich qualifiziert,
begleitet. Wir als Team wollen wachsen und und weiter entwickeln,
über einen längeren Zeitraum."


Ich verstehe seinen Punkt nicht.
Da hilft normalerweise: Nachfragen.

"Ja...und?"

Er schaut mich an wie einen, dem man Alles lieber
langsam erklären sollte.
"Wie alt bist Du?"

Ich bin schlagfertig und entgegne in einer zwanzigstel Sekunde
"Ja, wie alt bin ich denn? Was denkst Du?"

Aber in Wirklichkeit hat mich diese Frage doch überrascht.

In Sekunden tropft die Ahnung durch, dass die Anfahrrampe mit den
"Azubis" und dem "längeren Zeitraum" eine Andeutung gewesen
sein könnte, dass ich altersbedingt erstens nicht mehr die Azubis
zu "erreichen" in der Lage sein könnte und zweitens ich ja auch
nicht mehr sooo allzu lange als der Ansprechpartner im Berufsleben
zur Verfügung stehen könnte.

Hinweis:
Bei uns im Laden geht man normalerweise
mit 58 Jahren in den Vorruhestand.

Er ziert sich, die Gegenfrage hat nun ihn kalt erwischt.

Er will nicht antworten, aber jetzt bin ich schon angepisst,
jetzt lass' ich ihn da nicht mehr raus, ich bestehe grinsend
auf einer Antwort, die widerwillig irgendwann aus ihm
raus kommt.

Und dann schätzt er mich auch noch 2 Jahre älter,
als ich es bin.

Noch ein Novum:
Nicht nur hält mich erstmals jemand zu alt in meinem Job
für die Art support, die er gerne hätte.
Erstmals werde ich in meinem Leben auch
älter geschätzt, als ich bin.

Offenbar waren die letzten zweieinhalb Jahre fordernder,
als ich es mir einzugestehen bereit war.

Eine Fehleinschätzung, die beispielsweise
ein schneller Blick 
auf meine Handy-Selfie-
Sammlung des Jahres 2020
ganz schnell hätte beheben können.

Der Vergleich zum aktuellen Spiegelbild spricht einfach Bände,
da komme ich nicht drum herum, das weiß ich auch.

Das Gespräch kommt zu einem raschen Ende, wir tauschen
ein paar Freundlichkeiten aus, ich kündige an, in Kürze dem
Team eine Info-Schulung anzubieten, das Angebot wird
freundlich nickend goutiert, ein Handschlag und wir gehen
auseinander zu anderen Tischen.

Ich schlendere nachdenklich durch die Menschenmassen.
Das war er also.
Der erste Tag.


Das erste Mal, bei dem Dir jemand zu verstehen gegeben hat:

Du bist evtl. nicht mehr in der Position, junge Menschen zu erreichen.
Wir hätten lieber Deinen Vorgänger auf der Stelle zurück gehabt.

Dieser war im Sommer
zur Konkurrenz gewechselt.
Und etwa halb so alt wie ich.

Ich muss ihn anrufen. Den Vorgänger.
Ich hab seine Nummer noch, wir telefonieren manchmal.
Ich hätte gerne seine Einschätzung zu dem Team, den Menschen.
Vielleicht übersehe ich was.

Und in der Zwischenzeit gehe ich in mich und
überdenke, was diese Erfahrung mit mir macht und
wie ich mich verhalte, wenn ich noch einmal in diese
Situation kommen sollte.

Ab jetzt bin ich 'mal besser vorbereitet.

Denn das hatte ich nicht kommen sehen.
Noch nicht.