04 Januar 2025

Semesterferien ohne Brille

Frauen horten mitunter merkwürdige Dinge.

Jede Frau, die an dieser Stelle widerspricht,
kann ganz einfach ihrer vom Herrn zugedachten Rolle*
wieder zugeführt werden, in dem man sie auffordert,
hier und jetzt einmal ihre Handtasche zu öffnen und
deren Inhalt preiszugeben.

Die Schwester der Liebsten beispielsweise hatte ein
Klettverschlussband (!) dabei, welches zum Einsatz kam,
als wir den leuchtenden Faltstern zu Weihnachten am
Deckenhaken anbringen wollten.

Zu den Merkwürdigkeiten der Liebsten zählt, dass sie
einen mir auch nach mehrmaligem Erläutern schwierig
vermittelbaren Sammelhang für MAGIC TOWELS hat.

Das sind diese auf 2 x 4 cm zusammengepressten
Minihandtücher, die sich auf ihre normale Zielgröße
entfalten, wenn man sie in Wasser einlegt und auf denen
fast immer ...ich sag mal... Motive für Kindheitszeiten
aufgedruckt sind.

Deshalb ist Ihnen meine Verwirrung auch sofort verständlich,
als ich im Badezimmer die Plisses hochziehe und ein neues
MAGIC TOWEL auf der Wandheizung erspähe mit der
grünen Aufschrift

                         Semesterferien



Entsprechend desorientiert gehe ich die Treppe runter zum
Weibe, die sich dort aufhält, wo sich eine Frau den Worten
des Herrn folgend auch aufzuhalten hat und befrage sie,
ob sie jetzt von ihrer ehemaligen Uni ein MAGIC TOWEL
erhalten häte.

  Dieser Blick.


Dieses "scheixxe, jetzt hat ihn die Demenz doch schon früher geholt!"
in ihren Augen.

Priceless.

"Was bitte MEINST DU?!"

"Na, oben auf der Wandheizung, da hängt ein neues towel.
Da steht SEMESTERFERIEN drauf."


Schweigen.

Große Augen.
Die sich jetzt in Zeitlupe schließen.
Während ihre Mundwinkel sich heben.

"Rain?"

"Ja?"

"Kann es sein, dass Du in dem Moment keine Brille auf hattest?"

"Ja."

"Gut. Dann gehst Du jetzt bitte nochmal nach oben, holst Dir
die BRILLE von Deinem Schreibtisch, und dann schaust Du
Dir das nochmal in aller Ruhe an, JA SCHATZ ?"


Na denn.
Es soll sich angeblich lohnen, ab und an auf das Weib zu hören.
Hörte ich.

Und ich bin noch nicht ganz die Treppe wieder hoch,
als ich es hinter mir schon kichern höre.

Verständlich.



03 Januar 2025

Einzelstern rot (Spontanvorsatz)


Ohne Vorsätze wollte ich ins neue Jahr starten,
hatte ich am Nachmittag des 31.12. noch gedacht.

Aber dann dachte ich am 01.01. nach dem Aufstehen
so gegen 11 Uhr morgens:

     Ach komm, stellste Dich mal wieder auf die Waage.
     'Ist ja schon Monate her.


Und wieder verstand ich die Zeichen des Universums nicht:

     Die Batterien in der Waage waren leer.

Anstatt einfach meines Weges zu schreiten,
mussten da ja unbedingt neue rein, diese letzte
Warnung meiner Schutzengeltruppe ignorierend.

Dann startete die Waage.
Dann kalibrierte die Waage.

Dann stellte sich Herr Rain auf die Waage.
Die Anzeige kam zum Stillstand.

Die Zahl blieb stehen und leuchtete mir so grell in die Augen
wie eine Gefechtsfeldbeleuchtung Einzelstern-rot.

Ok, und DANN hatte ich einen Vorsatz.
Einen gewaltigen.

Weia.

02 Januar 2025

Jahresrückblick '24

[ guter Vorsatz fürs neue Jahr:
Wieder mehr Blogstöckchen machen.

Es ist zu einer seltenen,
daher lieben Tradition geworden.
Abteilung Nostalgie.] 


     1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Für 2024 vergebe ich eine 8:

Ich war fleißig, ein paar mal krank aber nix Ernstes,
führe eine glückliche Beziehung und es gibt eine phantastische F+,
der Verdienst ist gut und ich lebe in friedvoller Umgebung.

     2. Zugenommen oder abgenommen?

Ganz erheblich zugenommen. Leider.
Das zugrundeliegende Problem ist aber erkannt.
Und die Gegenmaßnahmen laufen.

     3. Haare länger oder kürzer?

Gleich lang, glaube ich. 


     4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Kurzsichtiger, falls es um die Augen geht.
Weitsichtiger, was die Lebensführung betrifft.


     5. Mehr Kohle oder weniger?

Weniger, dank des Totalausfalls aller möglichen Boni.
Einer der nachrangigeren Gründe umzuziehen war auch,
dass ich im Süden nie mehr auf einen grüneren Zweig
gekommen wäre. Das ist hier am Rhein anders.

     6. Besseren Job oder schlechteren?

Im Jahr 2024 noch einen erheblich besseren.

     7. Mehr ausgegeben oder weniger?

Insgesamt weniger. Im Gegenteil habe ich Einiges verkauft
aus meinem Besitz. Gefühlt sollte auch noch mehr das Haus verlassen.

     8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Eine ganze Menge an Erkenntnissen. Dieses Altern scheint
doch noch gut zu sein für irgendwas.

     9. Mehr bewegt oder weniger?

Sogar ganz erheblich weniger. Leider.
Auch dieses Problem muss angegangen werden.

     10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Mehr als die Jahre zuvor, denn Januar bis Juli stand ich
beruflich voll auf dem Gaspedal.
Das hat sich 5 oder 6 Mal gerächt.

     11. Davon war für Dich die Schlimmste?

Wirklich schlimm war keine, denn sie waren
weitestgehend schmerzfrei, und das zählt für mich.

     12. Der hirnrissigste Plan?

Zu glauben, der Kauf neuer Laufschuhe führe automatisch
zu einsetzender Lust aufs Laufengehen^^.

     13. Die gefährlichste Unternehmung?

Bei dem einen Tag blau machen und statt im meeting zu sitzen
lieber die F+ vögeln, da wäre ich fast aufgeflogen.

     14. Die teuerste Anschaffung?

Wirklich Teures hab ich mir nicht zugelegt, denn ich habe
schon alles. Außerdem bin ich inzwischen in einem Alter, wo
die Ausgaben für Krankheitskosten zu den wirklich teuren werden.^^

     15. Das leckerste Essen?

Mir fällt im Moment nur mein Schweinebraten aus dem Ofen ein,
bei dem ich mal wirklich Glück hatte,

     16. Das beeindruckendste Buch?

Leider habe ich nicht ein einziges Buch 2024 gelesen.
Auch etwas, das sich ändern muss.

     17. Der ergreifendste Film?

Ergreifend fand ich schon längere Zeit nichts mehr, aber
tief beeindruckt hat mich die Episode SCHLECHTE REISE
aus der Serie LOVE, DEATH & ROBOTS.

     18. Die beste CD?

Auch wieder eine Rubrik, welche mit "leider" beginnt:
Leider fand ich kein neues Album wirklich gut im Jahr 2024.
Sämtliche Neuveröffentlichungen meiner Lieblingskünstler der
letzten sagen wir 7 Jahre waren durchweg eine Enttäuschung.

     19. Das schönste Konzert?

Ich glaube, am Besten fand ich STEVE  N SEAGULLS in Köln.

     20. Der prägendste Moment?

Als die Vertriebschefin das town hall meeting einberufen und uns
den Wegfall unserer Funktionsgruppe als großartige erfolgversprechende
Neuausrichtung verkauft hat.
Da ist in mir etwas kaputt gegangen, obgleich ich solchen Unsinn in den
letzten weitaus mehr als zwanzig Jahren schon mehrfach gehört hatte.
Die nächsten Wochen danach habe ich an mir teilweise Verhalten beobachtet,
wie es traumatisierte Menschen an den Tag legen.

     21. Die schönste Zeit verbracht mit?

Tatsächlich gleichermaßen mit der F+ und meiner Freundin.

     22. 2024 zum ersten Mal getan?

Jalousien und Plisseevorhänge selbst montiert.

     23. 2024 nach langer Zeit wieder getan?

Im abgelaufenen Jahr habe ich vor Allem jahrelang getane Dinge
ganz oder teilweise aufgegeben wie z.B. fotografieren und
Gitarre spielen.

     24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Der Wegfall meiner Jobfunktion zum Ende des Jahres.
Die Gewichtszunahme die im Wesentlichen auf Alkohol zurückgeht.
Der umfangreiche selbstverschuldete Wasserschaden in meiner Wohnung.

     25. Drei Dinge, die das Jahr noch besser gemacht hätten?

Mehr Zeit für Treffen mit der F+.
Weniger Gewicht und Alkohol.
Mehr Geld.

     26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ich habe jemandem per Post einen sehr kleinen Koffer aus Karton
geschickt, voll mit Kleinigkeiten, die sie für ihre Zukunft begleiten
sollen und jede dieser Kleinigkeiten war mit einem
handgeschriebenen Zettel versehen.

     27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Jedes Päckchen und jedes Mitbringsel der F+ für mich
lässt mich lächeln.

     28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

"Du wirst lieb gehabt."

     29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

"Schön, dass es Dich für mich gibt."

     30. Dein Wort des Jahres?

Daheim.

     31. Dein Unwort des Jahres?

Dunkelflaute. Restrukturierung. Talahon.
Neuwahlen. Hämochromatose. DEI.

     32. Dein Lieblingsblog des Jahres?

Herr MiM wird glaube ich immer ganz vorne dabei bleiben.




01 Januar 2025

Frohes Neues 25

 

Willkommen zurück.



Mein erstes Getränk heute
wird das Gleiche sein wie das Letzte gestern.

Cheers.

31 Dezember 2024

6G (KW 52 | 2024)

[ die letzte Runde "6G" für dieses Jahr.

Danke für Ihr Interesse in all den Jahren
und für die Kommentare, auch wenn
Kommentieren technisch immer
problematischer zu werden scheint.

Wir lesen uns nächstes Jahr wieder^^. ] 


gegengezeichnet |

Meine Versetzung zum 01.01.2025.

     "Hallo Rain, gemeinsam haben wir besprochen, dass du
      (ja, kleingeschrieben, Gen Z-Schulklassen-Orthographie kotzt mich an)
     ab 01.2025 die Funktion xy übernimmst.

     Heute bestätigen wir dir (da, schon wieder) die Versetzung dorthin."

Das "gemeinsam haben wir besprochen" ist natürlich ein Euphemismus für
"der Preis dafür, dass wir keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen,
ist der, dass wir Euch herumschubsen und kleingeschrieben duzen dürfen"
.


Das klingt genau so bitter, wie es auch ist, und ich bedauere aufrichtig,
nicht bereits zum Kreis der glücklichen Kollegen mit Anspruch auf
Vorruhestandsangebot zu gehören.

Es folgen noch ein paar weitere Interpunktions- und Ortographie-
Injurien und dann eine schlecht und keinem Eigenanspruch gerecht
werdende hineinkopierte Unterschrift.

Ich setze meine schönste, kalligraphiegeschwungene Unterschrift
mit Ort und Datum daneben, und dann ist es passiert:

Ich bin ab jetzt Spezialist für Beamte.
Und ich hab wirklich zero Bock auf den Scheixx.


gekauft |

Eine dritte Nespresso-Pixie-Maschine.

Und zwar das ALTE Modell. Gebraucht auf Kleinanzeigen.



Zum Einen hat die bisher im Einsatz befindliche identische
hin und wieder die Macke, kein Wasser mehr nachzuziehen,
wenn sie mal trocken gelaufen war.

Nichts, was man nicht mit einigem Handwerkseinsatz wieder
hinbekommt, aber dennoch lästig und auch gefährlich für mich.

(Sie hätten das Gesicht der Liebsten
sehen sollen, als sie aus 
dem Bad runter kam
und ihr morgendlicher Kaffee noch
absehbar 
auf sich warten lassen würde).

Zum Anderen sind ALLE aktuell verfügbaren neuen Maschinen:

      Kagge.


Man sieht ihnen das China-Plastik sogar auf den geschönten
Produktfotos bereits an, und die Kommentare der Besitzer auf der
Nespresso-Produktseite spricht eine ziemlich eindeutige Sprache,
die in die gleiche Richtung geht.

Meine zweite (weiße) Pixie, bei der ich nicht gleich auf Qualität
und Beschreibung geachtet hatte, steht aus diesem Grund seither
in meiner AirBnB-Wochenenden-Tasche. Dafür reicht sie noch.

Also erstand ich "meine" Pixie nochmal auf  Kleinanzeigen
in ziemlich neuwertig, und die steht nun gesäubert und frisch
entkalkt im Karton im Keller.


geträumt |

In höchster Personalnot (also wie immer) ernennt die CDU zum
Jahreswechsel in letzter Sekunde Karl-Theodor zu Guttenberg
zu ihrem Kanzlerkandidaten.

Und ich fand es höchst irritierend, in genau diesem Moment mit einer
sehr gut verwertbaren Monstererektion aufgewacht zu sein.



[ kein Foto. Zu Ihrem Wohlergehen.]


gebrannt |

Der Adventskranz.
Sie erinnern sich.



Am Liebsten hätte ich ja die Verantwortliche zur Sanktionierung
ihres Fehlverhaltens herangezogen (das Pronomen lässt den
Aufmerksamen unter Ihnen die Zielperson nach kurzem Durchzählen
aller bekannten hier im Haushalt lebenden Erwachsenen zutreffend
identifizieren), weil sie kurz zuvor noch GESAGT hatte, dass sie
JETZT GLEICH die Kerzen löscht BEVOR sie hoch ins Bad geht,
weil es sonst auf den Kranz runterbrennt.

Doch dann kam eine Unebenheit im Laminat, sie stolperte,
ZACK! war der Gedanke weg und der Kranz brannte.

Indes, sie wirkte angesichts meiner Lösch- und Aufräumarbeiten
zerknittert und schuldbewusst genug, es gab also keinen Grund,
da noch weiter draufzuhauen.

Ich ließ sie um Vergebung blasen und alles war wieder gut.
Im Gegenzug bekam sie abends ihr Wunschessen.
Würstchen und rheinischen Kartoffelsalat.



gepult |

Rosinen aus der Müslipackung.


Weil die Frau unbedingt Sauerbraten am ersten W-Feiertag haben wollte
und ihr DANN ABER spät heiligabends einfiel, dass man dazu ja
mutmaßlich auch ROSINEN brauchen würde, diese aber natürlich NICHT
von ihr rechtzeitig eingekauft worden waren, verfiel ich auf die an der Grenze
zur Genialität eines McGyver zu bezeichnende Idee, die im Müsli
vorhandenen Rosinen könnten doch rausgepickt werden und dann
für den Sauerbraten zu verwenden!

Sozusagen nicht als Strafe, sondern zur ÜBUNG
für das Vergessen, den Kram rechtzeitig einzukaufen.

Das sah die Frau genau so.

Und deswegen war ja auch klar, WER sich mit dieser
Strafarbeit für Langzeit-Insassen abzugeben hatte.

Logisch.






gefrühstückt |

Bei IKEA.
Am Samstag vor Heiligabend.

Es gab eine neue MALM-Schubladenkommode abzuholen.

Okay, im Nachhinein halte ich das für eine Ausrede der Liebsten,
vermutlich wollte sie unbedingt nochmal Köttbular mit
Preisselbeeren haben.








Ich verstehe einfach nicht, wie die junge Generation
auf so eine abgrundtief beschissene Kunstbrühe
stehen kann. Das Zeug schmeckte so, dass man es
ungeöffnet wegkippen wollte / sollte.



Das war's.

Kommen Sie gut ins neue Jahr rüber.

Statistisch besteht Anlass zu berechtigter Hoffnung,
dass das kommende Jahr mal BESSER laufen könnte
als die vorherigen.

Adios.

29 Dezember 2024

Dania, tu felix

In einem von höflicher Zurückhaltung und Mainstream-
konformer Wortwahl geprägtem Interview mit der Wiwo
hat der Leiter des Kopenhagener Institutes für Glücksforschung

(ja, die Dänen haben so etwas.)

ein paar Dinge von sich gegeben, von denen man nicht recht
weiß, ob sie jetzt seine eigenen Buchverkäufe ankurbeln
sollen (sein inzwischen drittes Buch mit identischem Refrain
kam soeben heraus), oder ob es der höflich-zurückhaltenden
dänischen Mentalität entsprach, den deutschen Interviewern
vielleicht nicht allzu sehr die Verhältnisse im Föderalirrenhaus D
um die Ohren zu hauen.

Denn nach dem Grund für die dänische Top-Platzierung
im Glücksindex der Bevölkerung (weltweit Platz 2) befragt,
kamen diese Antworten aus ihm heraus:
  • wenn Firmenmitarbeiter ein positives Feedback erhalten,
    ließen manche Arbeitgeber dieses von ihnen aufschreiben,
    damit sie sich besser daran erinnern

  • es sei in DK normal, dass der CEO in der gleichen Kantine
    zu mittag esse wie alle seine Angestellen

  • die Reste des Mittagsbuffets aus der Kantine einer Firma
    werden einer wechselnden Gruppe von Beschäftigten mitgegeben,
    damit diese abends nicht kochen brauchten

  • ein anderer Blick auf den Job könne diesen erfüllender machen:
    Eine Krankenhaus-Putzfrau könne zum Beispiel ja auch denken:
    "Ich putze Böden, aber mein Hauptjob ist es, Patienten zum Lachen zu bringen."
    Und das sorge für mehr Freude an der Arbeit.

  • es gebe in einem Unternehmen den Brauch, dass derjenige
    Mitarbeiter des Monats wird, der besonders gut über seine
    Kollegen spräche
    , und derjenige dürfe dann den Gewinner im
    Folgemonat auswählen.
Halten Sie mich gerne für einen in jahrzehntelanger Kälte der
Finanzvertriebswelt erstarrten misanthropen Berufsskeptiker,
aber das da oben liest sich bei allem Respekt vor der Position und
Datenkenntnis des renommierten Ökonomen und Politologen
nicht nur wie der tausendfach heruntergewürgte "we are family"-
Brechreiz aus irgendwelchen HR-Stellenausschreibungen oder
"Eure Personalabteilung informiert: Ab sofort Yoga-Raum für Euch!"
-Newsletter-Bullshit, es trifft in meiner Betrachtung auch nicht mal
ansatzweise den Punkt.

Lesen Sie den Artikel, dann stellen Sie fest:

BEFRAGT wurde der Fachmann nach der URSACHE
des dänischen Glücklichseins.

GEANTWORTET hat er aber DAS ERGEBNIS dessen,
was in Dänemark anders läuft als hierzulande, OHNE die
gefragten Ursachen wenigstens exemplarisch zu benennen.

Okay - nur, was trägt denn tatsächlich bei zur sensationellen
dänischen Bevölkerungszufriedenheit?
  • die Dänen hatten das Glück, Politiker mit Weitsicht 
    ihr eigen zu nennen, so begann das Land bereits 1972 mit
    dem schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen (als in D 
    noch die Lobbyarbeit der Atom-Branche auf dem Zenith ihres
    Erfolges stand) und setzte voll auf Wind- und Solarenergie.
    Im Ergebnis lag der dänische Strompreis 2024 an etlichen Tagen
    unter null Kronen /kWh, während hierzulande noch "Dunkelflaute"
    durch die Schlagzeilen der Systempresse geistert.
    Das Land hat keinerlei Erdöl- oder Gasvorkommen von Bedeutung.

  • die Mehrwertsteuer beträgt 25%.
    Auch für Lebensmittel, Bücher, Medikamente.
    Der Spitzensteuersatz für Einkommen endet bei atemberaubenden 59%.
    Nahezu ALLE Preise in DK sind höher als die in D.

  • Wieso DAS zum Glücklichsein beiträgt?!

    a) die Dänen wissen, dass große Teile der Steuer in langfristige
    staatliche Projekte wie die Versorgung und Infrastruktkur usw. fließen
    und die Sozialkassen füllen - weil Steuersätze (DK) anders als Beitrags-
    Bemessungsgrenzen (D) keinen Maximalwert kennen, zahlen alle
    für alle.

    b) ihr Land ist das weltweit am wenigsten korrupte.

    c) es gibt KEINE gesetzlichen Sozialabgaben in Dänemark.
    Die Arbeitslosenversicherung bezahlt jeder freiwillig und zu 100%
    als Arbeitnehmer selbst (es gibt auch staatliche Steuerzuwendungen
    in dieses System). Das Arbeitslosengeld beträgt bis zu 90% vom
    Nettogehalt, max. ca. EUR 1.700 mtl.

    d) das Durchschnittseinkommen eines Singles liegt bei
    ca. 65.000 Euro im Jahr. Das ist der Bruttowert.
  • der Arbeitsmarkt ist vollkommen dereguliert und liberalisiert.
    Es gibt keinen Mindestlohn staatlicherseits.
    Und dennoch sind zwei Drittel aller Dänen in einer Gewerkschaft und
    über 80% aller Arbeitsverträge unterliegen Tarifrecht.
    Arbeitgeber, die versuchen, ohne Tarifrecht zu beschäftigen oder
    gar dänische Arbeitskräfte durch deutscher Grenzgänger zu ersetzen,
    werden umfänglich gesellschaftlich und wirtschaftlich geächtet.

  • es gibt so gut wie keine (schon gar nicht unbezahlten) Überstunden in DK,
    und anders als in D sind die Arbeitgeber wie der Teufel dahinter her,
    dass bloß niemand Überstunden über die im Schnitt 37 Stunden pro Woche
    hinaus macht:
    Der Lohnzuschlag für die ersten 3 Überstunden beträgt 50%,
    danach 100% auf das reguläre Gehalt.
    Die Gewerkschaften überprüfen das penibel.
    Angestellte haben regulär ein echtes Wahlrecht zwischen Auszahlung
    oder Freizeitausgleich.
    Die Durchschnittsarbeitszeit in DK liegt bei 33 Wochenstunden.

  • Gesundheitswesen:
    Auch z.B. Klinikärzte arbeiten 8h am Tag. Dann ist Feierabend.
    Findet diese Arbeit nachts statt, sind diese 8h sogar ein
    Maximalwert binnen eines 24h-Zeitraumes.

  • Sie können bei betriebsbedingten Umstrukturierungen ebenso
    wie im Arbeitsalltag nicht herumgeschubst werden wie in D:
    Sind Sie beispielweise Küchenhilfe, kann der Arbeitgeber Sie nicht
    als Kellner oder Servierer einsetzen, nur weil ein Kollege an diesem
    Tag ausgefallen ist. Denn das steht nicht in Ihrem Arbeitsvertrag.

  • Nochmal zur Erinnerung:
    Wir sprechen von einem der dereguliertesten Arbeitsmärkte Europas.
    Funktionærloven: Sie können jederzeit mit 1 Monat zum Monatsende
    kündigen, sofern tarifvertraglich nicht Anderweitiges vereinbart wurde
    (aber oftmals nicht der Fall). Die Textform genügt, also auch per
    Kurznachricht oder WhatsApp oder Email.

  • Soziales: Eine öffentliche Krankenversicherung für alle.
    Kostenlose und zuzahlungsfreie Arztbehandlung, Medikamente,
    Sach- und Heilmittelkataloge. Kindertagesstätte-Platzgarantie
    ab dem 9. Lebensmonat des Kindes, die auch eingehalten wird.
    Und tausend weitere Beispiele, von der Altenversorgung bis zur
    Pflege....

  • Rente:
    Die Altersrente ab ca. 67 erreicht 84% des Nettoeinkommens,
    hinzu kommen eine (kleine) Arbeitsmarkt-Zusatzpension, immer
    eine Betriebsrente und ggf. geförderte private Renten.
    Betriebsrenten werden tarifvertraglich geregelt, üblich ist hier eine
    Beitragsleistung zu 2/3 durch den Arbeitgeber und zu 1/3 durch
    den Arbeitnehmer.
    Dass das Rentenalter schrittweise auf 74 (!) angehoben werden wird,
    tut der Tatsache keinen Abbruch, dass aufgrund der o.g. hohen
    Altersvorsorgeleistungen das durchschnittliche tatsächliche Renten-
    eintrittsalter in DK identisch ist wie hierzulande.

Wenn Ihnen also das nächste Mal wieder irgendein
Politiker oder parteiischer Fachmann oder Vorstandsvorsitzender
einer Milliardenheuschrecke erzählt, dass das Problem
hierzulande unsere Mentalität sei, dass höhere Löhne Gift für die
Wirtschaft seien, dass strenge Tarifverträge Arbeitsplätze gefährdeten
und dass es nicht möglich sei, dass absolut alle und ohne Beitragsobergrenze
für die allgemeinen Krankenkosten aufkommen könnten:

Dann wissen Sie, dass Sie soeben verarscht wurden :-).
Dänemark, Du hast es gut.