konformer Wortwahl geprägtem Interview mit der Wiwo
hat der Leiter des Kopenhagener Institutes für Glücksforschung
(ja, die Dänen haben so etwas.)
weiß, ob sie jetzt seine eigenen Buchverkäufe ankurbeln
sollen (sein inzwischen drittes Buch mit identischem Refrain
kam soeben heraus), oder ob es der höflich-zurückhaltenden
dänischen Mentalität entsprach, den deutschen Interviewern
vielleicht nicht allzu sehr die Verhältnisse im Föderalirrenhaus D
um die Ohren zu hauen.
Denn nach dem Grund für die dänische Top-Platzierung
im Glücksindex der Bevölkerung (weltweit Platz 2) befragt,
kamen diese Antworten aus ihm heraus:
- wenn Firmenmitarbeiter ein positives Feedback erhalten,
ließen manche Arbeitgeber dieses von ihnen aufschreiben,
damit sie sich besser daran erinnern - es sei in DK normal, dass der CEO in der gleichen Kantine
zu mittag esse wie alle seine Angestellen - die Reste des Mittagsbuffets aus der Kantine einer Firma
werden einer wechselnden Gruppe von Beschäftigten mitgegeben,
damit diese abends nicht kochen brauchten - ein anderer Blick auf den Job könne diesen erfüllender machen:
Eine Krankenhaus-Putzfrau könne zum Beispiel ja auch denken:
"Ich putze Böden, aber mein Hauptjob ist es, Patienten zum Lachen zu bringen."
Und das sorge für mehr Freude an der Arbeit. - es gebe in einem Unternehmen den Brauch, dass derjenige
Mitarbeiter des Monats wird, der besonders gut über seine
Kollegen spräche, und derjenige dürfe dann den Gewinner im
Folgemonat auswählen.
Finanzvertriebswelt erstarrten misanthropen Berufsskeptiker,
aber das da oben liest sich bei allem Respekt vor der Position und
Datenkenntnis des renommierten Ökonomen und Politologen
nicht nur wie der tausendfach heruntergewürgte "we are family"-
Brechreiz aus irgendwelchen HR-Stellenausschreibungen oder
"Eure Personalabteilung informiert: Ab sofort Yoga-Raum für Euch!"
-Newsletter-Bullshit, es trifft in meiner Betrachtung auch nicht mal
ansatzweise den Punkt.
Lesen Sie den Artikel, dann stellen Sie fest:
BEFRAGT wurde der Fachmann nach der URSACHE
des dänischen Glücklichseins.
GEANTWORTET hat er aber DAS ERGEBNIS dessen,
was in Dänemark anders läuft als hierzulande, OHNE die
gefragten Ursachen wenigstens exemplarisch zu benennen.
Okay - nur, was trägt denn tatsächlich bei zur sensationellen
dänischen Bevölkerungszufriedenheit?
Wenn Ihnen also das nächste Mal wieder irgendein
Politiker oder parteiischer Fachmann oder Vorstandsvorsitzender
einer Milliardenheuschrecke erzählt, dass das Problem
hierzulande unsere Mentalität sei, dass höhere Löhne Gift für die
Wirtschaft seien, dass strenge Tarifverträge Arbeitsplätze gefährdeten
und dass es nicht möglich sei, dass absolut alle und ohne Beitragsobergrenze
für die allgemeinen Krankenkosten aufkommen könnten:
Dann wissen Sie, dass Sie soeben verarscht wurden :-).
Dänemark, Du hast es gut.
Brechreiz aus irgendwelchen HR-Stellenausschreibungen oder
"Eure Personalabteilung informiert: Ab sofort Yoga-Raum für Euch!"
-Newsletter-Bullshit, es trifft in meiner Betrachtung auch nicht mal
ansatzweise den Punkt.
Lesen Sie den Artikel, dann stellen Sie fest:
BEFRAGT wurde der Fachmann nach der URSACHE
des dänischen Glücklichseins.
GEANTWORTET hat er aber DAS ERGEBNIS dessen,
was in Dänemark anders läuft als hierzulande, OHNE die
gefragten Ursachen wenigstens exemplarisch zu benennen.
Okay - nur, was trägt denn tatsächlich bei zur sensationellen
dänischen Bevölkerungszufriedenheit?
- die Dänen hatten das Glück, Politiker mit Weitsicht
ihr eigen zu nennen, so begann das Land bereits 1972 mit
dem schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen (als in D
noch die Lobbyarbeit der Atom-Branche auf dem Zenith ihres
Erfolges stand) und setzte voll auf Wind- und Solarenergie.
Im Ergebnis lag der dänische Strompreis 2024 an etlichen Tagen
unter null Kronen /kWh, während hierzulande noch "Dunkelflaute"
durch die Schlagzeilen der Systempresse geistert.
Das Land hat keinerlei Erdöl- oder Gasvorkommen von Bedeutung. - die Mehrwertsteuer beträgt 25%.
Auch für Lebensmittel, Bücher, Medikamente.
Der Spitzensteuersatz für Einkommen endet bei atemberaubenden 59%.
Nahezu ALLE Preise in DK sind höher als die in D. - Wieso DAS zum Glücklichsein beiträgt?!
a) die Dänen wissen, dass große Teile der Steuer in langfristige
staatliche Projekte wie die Versorgung und Infrastruktkur usw. fließen
und die Sozialkassen füllen - weil Steuersätze (DK) anders als Beitrags-
Bemessungsgrenzen (D) keinen Maximalwert kennen, zahlen alle
für alle.
b) ihr Land ist das weltweit am wenigsten korrupte.
c) es gibt KEINE gesetzlichen Sozialabgaben in Dänemark.
Die Arbeitslosenversicherung bezahlt jeder freiwillig und zu 100%
als Arbeitnehmer selbst (es gibt auch staatliche Steuerzuwendungen
in dieses System). Das Arbeitslosengeld beträgt bis zu 90% vom
Nettogehalt, max. ca. EUR 1.700 mtl.
d) das Durchschnittseinkommen eines Singles liegt bei
ca. 65.000 Euro im Jahr. Das ist der Bruttowert.
- der Arbeitsmarkt ist vollkommen dereguliert und liberalisiert.
Es gibt keinen Mindestlohn staatlicherseits.
Und dennoch sind zwei Drittel aller Dänen in einer Gewerkschaft und
über 80% aller Arbeitsverträge unterliegen Tarifrecht.
Arbeitgeber, die versuchen, ohne Tarifrecht zu beschäftigen oder
gar dänische Arbeitskräfte durch deutscher Grenzgänger zu ersetzen,
werden umfänglich gesellschaftlich und wirtschaftlich geächtet. - es gibt so gut wie keine (schon gar nicht unbezahlten) Überstunden in DK,
und anders als in D sind die Arbeitgeber wie der Teufel dahinter her,
dass bloß niemand Überstunden über die im Schnitt 37 Stunden pro Woche
hinaus macht:
Der Lohnzuschlag für die ersten 3 Überstunden beträgt 50%,
danach 100% auf das reguläre Gehalt.
Die Gewerkschaften überprüfen das penibel.
Angestellte haben regulär ein echtes Wahlrecht zwischen Auszahlung
oder Freizeitausgleich.
Die Durchschnittsarbeitszeit in DK liegt bei 33 Wochenstunden. - Gesundheitswesen:
Auch z.B. Klinikärzte arbeiten 8h am Tag. Dann ist Feierabend.
Findet diese Arbeit nachts statt, sind diese 8h sogar ein
Maximalwert binnen eines 24h-Zeitraumes. - Sie können bei betriebsbedingten Umstrukturierungen ebenso
wie im Arbeitsalltag nicht herumgeschubst werden wie in D:
Sind Sie beispielweise Küchenhilfe, kann der Arbeitgeber Sie nicht
als Kellner oder Servierer einsetzen, nur weil ein Kollege an diesem
Tag ausgefallen ist. Denn das steht nicht in Ihrem Arbeitsvertrag. - Nochmal zur Erinnerung:
Wir sprechen von einem der dereguliertesten Arbeitsmärkte Europas.
Funktionærloven: Sie können jederzeit mit 1 Monat zum Monatsende
kündigen, sofern tarifvertraglich nicht Anderweitiges vereinbart wurde
(aber oftmals nicht der Fall). Die Textform genügt, also auch per
Kurznachricht oder WhatsApp oder Email. - Soziales: Eine öffentliche Krankenversicherung für alle.
Kostenlose und zuzahlungsfreie Arztbehandlung, Medikamente,
Sach- und Heilmittelkataloge. Kindertagesstätte-Platzgarantie
ab dem 9. Lebensmonat des Kindes, die auch eingehalten wird.
Und tausend weitere Beispiele, von der Altenversorgung bis zur
Pflege.... - Rente:
Die Altersrente ab ca. 67 erreicht 84% des Nettoeinkommens,
hinzu kommen eine (kleine) Arbeitsmarkt-Zusatzpension, immer
eine Betriebsrente und ggf. geförderte private Renten.
Betriebsrenten werden tarifvertraglich geregelt, üblich ist hier eine
Beitragsleistung zu 2/3 durch den Arbeitgeber und zu 1/3 durch
den Arbeitnehmer.
Dass das Rentenalter schrittweise auf 74 (!) angehoben werden wird,
tut der Tatsache keinen Abbruch, dass aufgrund der o.g. hohen
Altersvorsorgeleistungen das durchschnittliche tatsächliche Renten-
eintrittsalter in DK identisch ist wie hierzulande.
Wenn Ihnen also das nächste Mal wieder irgendein
Politiker oder parteiischer Fachmann oder Vorstandsvorsitzender
einer Milliardenheuschrecke erzählt, dass das Problem
hierzulande unsere Mentalität sei, dass höhere Löhne Gift für die
Wirtschaft seien, dass strenge Tarifverträge Arbeitsplätze gefährdeten
und dass es nicht möglich sei, dass absolut alle und ohne Beitragsobergrenze
für die allgemeinen Krankenkosten aufkommen könnten:
Dann wissen Sie, dass Sie soeben verarscht wurden :-).
Dänemark, Du hast es gut.

Vielleicht kann man dorthin auswandern. 🤔
AntwortenLöschenKann man, weil aber die Dänen einiges RICHTIG machen mit ihren Regulierungen zur Immigration, sind erstens Hürden zu nehmen. Und zweitens gilt auch hier, wie in allen anderen Ländern der Welt auch:
LöschenDas Beherrschen der Sprache ist der Schlüssel.
Schöner Erlebnisbericht dazu:
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Neustart-in-Daenemark-Die-fuenf-groessten-Irrtuemer-beim-Auswandern,auswandern382.html
Dann bin ich raus. Ich das nix sprechen kann.
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