08 Juni 2024

lesson learned: China-Shops

 
Vor ein paar Jahren hatte ich mal tatsächlich
richtig gute Erfahrungen gemacht mit China-
Onlineshops.

Nachdem mein AliExpress-account aber mal
gehackt worden war und ich bei temu in Summe
erbärmliche Qualität geliefert bekommen hatte,
wollte ich da eigentlich nicht mehr hin.

Bis ich wieder in die drei Jacken unten im Schrank passe
(...) musste die Jacke in "einer Nummer größer" aber
ersetzt werden. Die hatte innen inzwischen einen Riss
und ein Knopf fehlte an einer irreparablen Stelle.

Meine Größe in "China-Größen" kenne ich inzwischen.
Also bestellte ich die betreffende Jacke mit immer noch
identischem Produktfoto einfach nach und legte noch eine
vintage blaue mit in den Warenkorb.
Zumal AliExpress inzwischen auch nicht mehr auf
Kreditkartendaten besteht, sondern auch PayPal zulässt.

Nicht nur ging nach Auslieferung die olive Jacke sofort
wieder in die Retoure, weil der Stoff mehr an ein Hemd
denn an eine Jacke erinnerte.

Nicht nur wurde mir statt des ganzen nur ein anteiliger
Kaufpreis zurück erstattet (in Summe nicht schlimm).

Aber für die Bestellung von zwei einfachen Jacken habe ich
bis zum Auslieferungstermin an meienr Haustür sage und
schreibe 31 (!) Emails von AliExpress erhalten.

Für 2 Jacken von 2 Verkäufern, von denen ich eine auch
noch zurücksenden musste.

Und ehrlich, das ist mir die Sache nicht mehr wert.
Das war's für mich mit den Asienshops.




06 Juni 2024

Veluxciraptor

Dass ich mir in handwerklicher Hinsicht besser nicht
all zu viel zumute / zutraue, ist regulär eine gute Entscheidung:

War ich in diesem Feld früher schon nicht sonderlich begabt,
haben die diesbezüglichen Fertigkeiten meinem Empfinden
nach sogar noch abgenommen.

(ich erinnere in diesem Kontext an das
Speisekammer -Bohrlöchermassaker vor 15 Jahren,
der größten Naturkatastrophe Süddeutschlands
nach dem Nördlinger Ries-Einschlag,
welches zur Befestigung eines Lebensmittelregals
in sechs 10er-Dübeln plus 1 
Tube restlos
in die Zwischenwand gepresstem Pattex endete
und dessen Fotoaufnahmen heute noch
bei handwerklich Befähigten instant
Zahnschmerzen auszulösen vermögen)

Inzwischen sind aus meinen vormals
filigranen, geschickten Fingern eher klobige,
unpräzise Werkzeuge geworden, denen sowohl
Übung als auch Kreativität fehlen und die einen
Gesamteindruck vermitteln, als habe jemand
Makita auf Wish bestellt.

Im Nachhinein mir völlig unerklärlich, wie ich
1995 nahezu ohne Werkzeug (außer Tchibo-Akkubohrer,
einem (1) Bohraufsatz und einem (1) Schraubendreher
Kreuzschlitz) eine komplette Duschkabine aus dem
Baumarktangebot samt Schiebetüren voll funktions-
fähig und ästhetisch ansprechend einbauen konnte.

Entsprechend missmutig nahm ich eingangs der
Frühlingszeit zur Kenntnis, dass ein Arbeiten im
Dachgeschoss- home office schon sehr bald
zweierlei Probleme mit sich bringen würde:

  • Hitze
  • Helligkeit

Bei Letzterem helfen z.B. Plissees. Hörte ich.

Aber erstens gibt es die günstigen und mit bohrfreier
Montage Erhältlichen nur bei senkrecht verbauten Fenstern
und Türen, nicht bei Dachschrägenfenstern.

Und zweitens hatte ich meine an den anderen Fenstern
bereits erprobten bzw. umgesetzten Montage"fähigkeiten"
noch in bester Erinnerung, was mir jeden Tag dann wieder
vergegenwärtigt wird, wenn ich an ihnen würgend vorbeilaufe.

Es blieb -da es sich um Velux-Fenster handelte- also nur:
Die Originalzubehörware von VELUX.

Und da hier auf jeden Fall mehrfach in (fremde) Fenster
zu bohren war, musste also zudem noch ein Fachmann
geordert werden.

Eine erste preisliche Orientierung im Internet resultierte in
dem bereits nachmittäglichem Griff zur Weinflasche sowie
den zaghaften (und erfolglosen) Versuchen, nicht mehr ganz
so dringend benötigte Organe beim Mann (Gehirn (1),
Niere (1), Ohren (2)) online zu Geld zu machen.

Der Fachmann sagte eine erste Inaugenscheinnahme zu,
empfahl dringend, nicht nur Plissees, sondern der Hitze halber
auch Hitzeschutzrollos außen drauf zu montieren und sprach
irgendwas von "150-180 Euro für Plissees inkl. Montage" und
preislich "nochmal das Gleiche für die Hitzeschutzrollos".

Bei 2 Fenstern fragte ich also nach:

- 175 Euro innen, 175 Euro außen, mal zwei Fenster,
also alles zusammen knapp EUR 700?

- Und er so: Ja, so in etwa.

Alles klar.
Ich next day hin zum Einzelhandelsgeschäft von ihm.

- Tach auch, ich möchte die Plisseefarben aussuchen, der Herr T.
   war gestern bei mir, er weiß Bescheid.

- Hmm, jaaa, neee, der ist jetzt unterwegs beim Montieren.
- 'Weiß ich, ich will ja auch nur die FARBEN aussuchen.

- Ja das ist jetzt schlecht.
- Wieso ist das jetzt schlecht?

- Ja weil wir haben nur EINEN Katalog von der Firma.
- Das ist fein, mir reicht auch der eine zum Aussuchen.

- Ja und DEN hat jetzt der Herr T. unterwegs bei sich
   im Monteursauto, wissen Sie?
- Aha? Ja JETZT weiß ich's.

             Schweigen.

- Ja, also, wenn Sie nochmal wieder kommen wollen...
- Wann ist denn der Katalog wieder hier?

- Ja das kann ich Ihnen jetzt auch nicht sagen.

             Schweigen.

- Ok, wissen Sie was, ich fahre wieder heim und suche mir
  die Plisseefarbe im Internet raus, ich gebe Ihnen die
  Produktnummer nachher per Telefon durch, in Ordnung?

DinngggDooong (Türglocke)

JA LIESBETH WIE SIEHST DENN DU AUS WARST DU
BEIM FRISEUR ACH DAS IST ABER SCHÖN ICH DACHTE
ICH SCHAUE MAL BEI DIR VORBEI SAG MAL BLEIBT ES
DENN JETZT AM WOCHENENDE BEI DER AUSFAHRT
ICH WOLLTE DOCH DER MARGRET NOCH WEGEN DEM 
KUCHEN BESCHEID GEBEN ach..ich seh Du hast Kundschaft
jagutdakannmannichts also ich kommdannnochmal nachher....


Auf der Heimfahrt fahre ich fast in den Tempo 50-Blitzer.
Frontal.

Wieder daheim:
Ich hab ja auch sonst nix zu tun.
Suche also FARBCODE und lieber gleich besser mal
MODELLTYPENKENNUNG raus.

Und sehe bei der Gelegenheit auch den PREIS
für den ganzen Scheiß.
Aktueller Sale.
Zwanzig Prozent Nachlass.
Hmm klingt gut.

Rufe in dem Laden an in der Hoffnung, dass Lisbeth und Margret
nun endlich das Rentnerwochenende haben erfolgreich klären
können.

Ich gebe die Farbe telefonisch durch.
Ich gebe in 6 (!) Anläufen die 6-stellige alphanumerische 
Typenbezeichnung durch. Scheint hochschwierig zu sein.

"Ja, wissen Sie, das ist...aber doch eine Nummer von VELUX!?"
"Richtig. Ich habe immer noch die VELUX Fenster.
  Und da passt-WIE SIE WISSEN- nur Originalzubehör
  von denen drauf."

"Mhh..das ist jetzt schlecht ...wissen Sie...VELUX machen wir
  nicht so gerne, da bekommen Sie als Kunde die GLEICHEN
  PREISE WIE WIR."
"Dann habe ich ja Glück, denn die geben gerade 20% auf das,
  was ich brauche. Kriege ich ihr Komplettangebot die nächsten
  3 Tage? Ich muss mich entscheiden und will den Sale nicht
  verpassen."

"Da muss ich erst nochmal gucken, ich melde mich bei Ihnen."

        20 Minuten später.

"Ja ich bin es nochmal, also wie gesagt, VELUX machen wir nicht
so gerne, aber ich hab mal geschaut, ich kann Ihnen einen 
Komplettpreis mit Montage machen für 1.042 Euro!"

"Sagen Sie mal, das liegt so ca. 350 Euro ÜBER dem, was mir
gestern Ihr Mann hier vor Ort gesagt hat. Sind Sie sicher?!"

"Ja da hat er sich bestimmt verschätzt. Die haben auch gerade
  ganz arg Lieferprobleme, es kann drei bis vier Wochen dauern!"

"Verschätzt? Und drei bis vier Wochen?"

"Ja oder soll er Sie da besser nochmal anrufen?"

"Ich glaube das wäre gut, ja."

"Dann sag ich ihm das."

*Klick*

Zum Kampfsaurier werden könnte man bei dem Scheiß, echt.

Am nächsten Tag:           Kein Anruf.
Am übernächsten Tag:    Kein Anruf.

Am überübernächsten Tag:

Herr Rain bestellt im VELUX Onlineshop nach einem
in 60 Sekunden erledigten gut geführten Auswahlprozess
die richtigen Plissees und die richtigen Hitzeschutzrollos
für beide Fenster, sieht sich bis zum Liefertermin
BINNEN 4 ARBEITSTAGEN ein paar YouTube-Videos
des Herstellers zur Montage an und montiert dann gemeinsam
mit seiner auf einem Tritthocker schwankenden und dabei
gelegentlich fauchenden 1,59m -Freundin erfolgreich in
2x dreißig Minuten das gesamte Zubehör innen und außen
an beiden Fenstern.

Handwerkliche eigene Schulnote: 2+

Ersparnis gegenüber "Fachhandelmontage"
für 60 min Eigenarbeit: 460 Euro.

Lektion des Jahres: Nie wieder Handwerker beauftragen,
wenn es nicht unbedingt sein muss.




04 Juni 2024

Killdozer 20



"I'm just gonna bulldozer this whole place to the ground."
 

Heute vor 20 Jahren starb Marvin Heemeyer durch die
Kugel aus seiner eigenen .357 Handwaffe im Kopf.

Auch wenn das, wie es heute vor 20 Jahren endete,
ebenso legendär wie unstrittig und prominent ist:

Es gibt im Prinzip zwei Versionen dessen, was in den
12 Jahren davor alles passierte.

Die eine Version erzählt die Geschichte eines Mannes,
der sich mit seinem kleinen Reparaturshop mit Händen und
Füßen gegen korrupte Brüder im lokalen Geschäftsleben
ebenso wehrte wie gegen einen bestechlichen Bürgermeister,
eine auf Schweigekurs gebrachte Lokalpresse und eine Justiz,
die sich mit keinem anlegen wollte nur für einen kleinen
Querulanten.

Die Grundstücke rund um seinen Reparaturshop waren dafür
aufgekauft worden, seine Kunden konnten ihn nicht mehr
erreichen, man wollte ihn aus dem business drängen und dann
den -bereits illegal genehmigten- Großbebauungsplan
für das Gesamtgelände umsetzen.

Die andere Version erzählt von einem Umweltsünder, der jahrelang
trotz mehrfacher Verurteilung sein Grundstück nicht gesetzeskonform
an die Abwasserentsorgung anschließen ließ und statt dessen die
Fäkalien in einen unterirdisch vergrabenen Betonmischer pumpte,
nur um sie von Zeit zu Zeit auf die Bewässerungsbereiche der
"feindlichen" Grundstücke illegal zu entsorgen.

Sie dokumentiert einen von Rechthaberei und Gier zerfressenen
Nörgler, der sich mit Allen und Jedem anlegte, der die Kaufangebote
der Grundstücksplaner immer wieder in die Höhe trieb, bis sie
-beim zehnfachen des von Heemeyer bezahlten Kaufpreises
angekommen- schlussendlich ausstiegen.

Heemeyer überzog alle Instanzen, Körperschaften und handelnden
Personen mit Klagen, Einsprüchen, Petitionen, gründete gar einen
eigenen Lokalradiosender, weil er sich von dem etablierten Medien
nicht genug unterstützt wähnte.

Ab 2001 wurde es einsam um Heemeyer, jeder vorherige Unterstützer
hatte sich abgewandt, die Stadt hatte ihn erfolgreich verurteilt wegen
mehrjähriger Unterlassung, sein Gelände formgerecht an die Kanalisation
anzuschließen, was er als Terrorismus gegen ihn bezeichnete und weshalb
er von seinem "Versager- Anwalt" sein Geld zurück haben wollte.

Schließlich fuhr Heemeyer nach Kalifornien, kaufte dort einen
gebrauchten Komatsu D355A Bulldozer, ließ diesen nach Hause nach
Colorado bringen und schloss wenige Monate später seinen kleinen Laden.

Das Grundstück verkaufte er an eine Müllverwertungsgesellschaft
(für knapp den zehnfachen Kaufpreis, den er selbst bezahlt hatte).

Die Hälfte des Gewerbegebäudes pachtete er sofort zurück, weil
"er noch was fertigstellen" wollte.

Über einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten lebte und arbeitete
Heemeyer neben dem inzwischen innerhalb des Gebäudes umgeparkten
Komatsu Bulldozer.

In dieser Zeit verschweißte Heemeyer den Bulldozer rundherum mit
verstärkten Panzerungsplatten, installierte Klimaanlage, Ventilatoren,
mehrere Kameras.

Die Kameras wiederum schützte er kugelsicher mit 8 Zentimeter
dickem Polycarbonat, erfolgreich, wie sich herausstellen sollte.
An den Videokameras installierte er Druckluftdüsen, um Staub
und Dreck wegzublasen. 

Am 04. Juni 2004 begann Heemeyer den legendären Rachefeldzug
gegen seine Gegner in der Stadt.

Er startete mit seinem "Killdozer", brach durch die Hallenwand
des Gebäudes und nahm unaufhaltsam Kurs auf das Stadtzentrum,
um seine zu diesem Zweck angelegte Liste mit 107 Personen, die
"ihm Unrecht getan hatten", abzuarbeiten.

Unterwegs demolierte er in den nächsten gut 2 Stunden
die lokale Bank,
die Elektrizitätsgesellschaft,
eine lokale Baufirma,
einen Printshop,
einen großen Spielwarenladen,
das Lokalnachrichtenbüro,
das Privathaus des ehemaligen Bürgermeisters,
die Zementfabrik,
ein Servicecenter, 
das Rathaus sowie etliche weitere Gebäude.

So gut wie alles wurde unternommen, um den Killdozer zu stoppen,
aber egal, was die Lokalpolizei und die Landespolizei auf den Bulldozer
drauf schossen / warfen / in den Weg stellten, es war wirkungslos.
Die Videoaufnahmen auf YT von diesem Tag sind beeindruckend.

Der Gouverneur wurde um den Einsatz der Nationalgarde mit ihren
Apache Helikoptern und Boden-Luft-Raketen gebeten, lehnte aber ab.

Als Heemeyer dabei war, den großen Spielwarenladen eines seiner
vermeintlichen Widersacher zu Kleinholz zu verarbeiten, brach eine
seiner Panzerketten durch die Erdoberfläche in den Keller des Gebäudes,
von dessen Existenz Heemeyer nichts gewusst hatte.

Der Killdozer steckte unbeweglich fest, die Motorkühlung war ausgefallen,
er verlor Öl, als SWAT-Teams rund um das Monstergefährt einen einzelnen
Schuss aus der Fahrerkabine hörten.
So wurde er zum einzigen Toten dieses Tages.

Die Polizei benötigte nach drei erfolglosen Sprengversuchen einen ganzen Tag,
um den toten Heemeyer mit einem Autogenschneidbrenner herauszuholen.

Sein Bruder hat die von Heemeyer während des Herstellungsprozesses 
von Killdozer angefertigten Tonaufnahmen veröffentlicht.

Hier.

Aus Angst vor Souvenirjägern und Verehrern wurde der Killdozer in
viele kleine Einzelteile zerlegt und auf verschiedenen Schrottplätzen
anonym entsorgt.



Michelle Phillips 80

Heute wird Michelle Phillips achtzig.
Ultraheiße Frau in den Sixties, tolle Stimme.

Historical crush sozusagen.