06 September 2024

von Fehleinschätzungen im Leben

 
Während eines Workshops, den ich neulich
mit einem Kollegen zusammen in unserer Zentrale
für Vertriebspartner gegeben habe, hörte ich mich
von vorne etwa folgenden Satz sagen:

  • "Niemand macht Euch einen Vorwurf, wenn irgendwas
    schiefgeht - auch ein Spezialist zu sein und jahrelange
    Erfahrung zu haben in Kundengesprächen hilft Euch
    auf keinen Fall dabei, vorauszusagen, wie etwas
    wohl ausgehen wird.

    Ich habe mich in der Hälfte aller der Fälle, in denen ich 
    mir nahezu sicher war zu wissen, ob etwas klappt oder
    schiefgeht, im Nachhinein geirrt.

    Meine Konsequenz daraus ist:
    Es ist nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, wie
    etwas ausgeht - denn ich liege zu oft falsch."
Auf dem Heimweg nach Abschluss der Veranstaltung fiel mir
im Auto auf, dass diese Ratio "in der Hälfte aller Fälle"
für meine Person nur für den BERUFLICHEN Bereich zutraf.

Für den PRIVATEN Bereich war die ratio schlechter.

Ganz erheblich schlechter sogar:
Ich taxiere hier den Umfang meiner Fehleinschätzungen
auf mindestens 70%. 

Für jemanden, der immer viel auf seine angeblich
ach so umfangreiche, tiefe Menschenkenntnis gegeben hat,
war diese Erkenntnis ein bisschen schmerzhaft.

Eigentlich aber auch nur des Egos halber - denn weshalb
sollte eine Einsicht, die nur einen selbst betrifft, weh tun?

Ein Satz, der mir in dieser oder leicht anderer Form ab und an
von ehemaligen Freunden oder Beziehungen oder Verhältnissen
ins Gesicht geschleudert wurde, war
  • "Du kannst Dich nicht selbst belügen, vor Dir selbst
    kannst Du Dich nicht verstecken."
Offen gesagt fand ich diesen Hinweis ausnahmslos immer
irritierend - ich war nämlich immer mit mir im Reinen.

Ich habe nie einen Zweifel gehabt an dem, wer und was
ich bin, mir war das alles immer und vollumfänglich
bewusst und klar.

Nicht, dass mich das zu einem guten  Menschen machen würde,
vor Allem nicht, dass mich das zu einem empfehlenswerten
Partner / Liebhaber / Freund gemacht hätte, nicht, dass ich all das
klar und unmissverständlich kommuniziert hätte.

Ich sage nur: Mir erschien das, wie ich bin, immer glasklar
und die Konsequenzen dessen, was daraus entstehen würde,
waren für mich stets etwas, das ein Problem meiner Umgebung,
nicht aber eines aus mir heraus war.

Kurz gesagt empfinde ich Menschen als "mehrheitlich problematisch"
im Sinne von "der Umgang mit ihnen wird wahrscheinlich in einer
unerfreulichen neuen Situation enden".

Da! Schon wieder eine Einschätzung -
mutmaßlich wieder ein Gedankenfehler,
und das trotz besseren Wissens.

Offenbar ließ meine Außenwirkung aber Anderes vermuten?
Das könnte sein. 

Das wird sogar bestimmt so sein, andernfalls wären die
freundlichen Hinweise nämlich: Nonsens.

Was in der Sache selbstverständlich auch eine Möglichkeit wäre,
nur suche ich bevorzugt erst bei mir selbst nach einer Begründung,
bevor ich den Gegenüber für einen minderbegabten  Beobachter hielte.

Also muss es so sein.
Meine Außenwirkung wird wohl mit meiner
Gedanken- und Erlebenswelt mismatchen.
  • "Wir haben alle Angst gelernt,
    deshalb verhalten wir uns manchmal merkwürdig."
           Ein Zitat von Susanne Nickel.

Ich gerate wirklich selten in die Situation, Aussagen von
Speakern/Coaches/Erfolgstrainern zuzustimmen,
hier mache ich eine Ausnahme.

Und jetzt packe ich Gerten, Panzerband, Fesseln, Plugs,
Masken und anderes Dungeonzeug in mein Auto und
fahre ins Beziehungs-Auszeit-Wochenende in den Westerwald.

Erholen auch Sie sich gut.
Sie haben es verdient.

2 Kommentare:

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