[ von der Abwesenheit von Türen, Teil 5 ]
Antwort schon fertig noch bevor ich die Frage zu Ende
gelesen hatte.
"Wann hast Du Dich zum letzten Mal mit jeder Faser
Deines Körpers glücklich gefühlt und warum?"
Mir fallen zwei (und genau zwei) Situationen ein,
in denen das der Fall war.
Die eine spielt -ich glaube- Winter 1976 und sie spielt genau hier.
Mein Vater geht sonntags immer mit mir in den Wald,
zum Spazieren, es ist ein eiskalter, aber sonniger Wintertag,
und genau an dieser Stelle stellt er immer seinen orangebraunen
Mercedes ab.
Wir laufen ein paar Schritte vom Auto weg,
und dann ruft er "warte hier" und rennt in Richtung Wald,
in seinem braunmatten Wildledermantel mit den Lammfell-
Appplikationen an Hals und Kragen, mit seiner russischen
braunen Winterfellmütze, und dann dreht er sich um zu mir,
er lacht und strahlt, er geht leicht in die Hocke und dann
sehe ich seine mir ausgestreckten Arme, ich höre seine Stimme
"Komm zu mir, Mickey!"
Und ich laufe.
Ich renne, mit ausgestreckten Armen, ich renne so schnell
ich nur kann, die eiskalte Luft brennt auf meinen Bronchien,
alles egal jetzt, die schneidende Kälte treibt mir die Tränen
beim Laufen aus den Augen, ich fühle, wie sie im Lauf
nach hinten zu meinen Ohren rinnen, doch alles egal,
nur noch wenige schnelle Schritte, dann bin ich in seinen
festen Armen, durch das Wasser in den Augen sehe ich
alles wie durch einen Strahlenkranz, aber das ist nicht wichtig,
gleich bin ich da.
Und dann springe ich mit aller Kraft, die der kleine Junge
aufbringen kann den letzten Meter ihm entgegen, in diese
großen, sicheren Arme, er fängt mich, presst mich fest an
seine Brust, wir drehen uns um seine Achse, meine Beine
fliegen unten weg, wir lachen laut auf und halten uns
so fest wie es Menschen nur können.
Das hier ist der perfekte Moment, das hier ist reines Glück.
Und hätte mir damals jemand gesagt, so wird es nie wieder
werden, bald schon nicht mehr mit ihm, und auch danach
nicht wieder mit sonst wem, ich hätte mir ohne zu Zögern,
voller Überzeugung und mit Recht das Leben genommen.
Die andere spielt im Herbst 1997, und sie spielt genau hier.
Wir haben uns kennengelernt auf der Geburtstagsparty
meiner langjährigsten, engsten Freundin, und obgleich
sie keine Schönheit ist, beeindruckt sie mich sofort,
mit ihren Tanzbewegungen und ihrem engen weißen Pulli
über den massiven Brüsten.
Als ich sie zwei Wochen später in ihrer Studentenwohnung
besuche, explodieren wir, aus den geplanten 3-4 Stunden
werden 5 Tage, die ich dort bleibe, danach sind wir zusammen,
es fühlt sich an nach "für immer".
Jedes Wochenende kaufe ich Rosen und fahre zu ihr,
die Zeit ist voller Glück, voller Nähe, voll blindem
Verständnis, das keine Worte benötigt, Magie herrscht.
Eines Tages nehmen wir einen kleinen Picknickkorb mit
Champagner, Frikadellen, Krabbensalat und Anderem mit
und setzen uns nur wenige Ecken von ihrer Wohnung weg
an den Rhein.
Wir essen, trinken, rauchen, küssen, und ich liebe, wie man
eben nur einen Menschen lieben kann.
Als der Himmel zuzieht, lehnen wir uns aneinander,
ich halte sie fest in meinen Armen, während sie einnickt,
mit dem Gesicht in meiner Halsbeuge.
Kurz darauf beginnt es leicht zu nieseln, aber ich halte
meine auseinander gestreckten Hände über ihr Gesicht,
damit sie nicht nass wir dund aufwacht.
Langsam fangen meine Haare an, im Nacken herunter
zu tropfen, aber das macht nichts, wichtig ist, dass
sie trocken bleibt und schlafen kann.
Ich passe auf sie auf und beschütze sie, und wertvoller
als hier und jetzt habe ich mich nie gefühlt.
Das hier ist sie, die Rolle, die ich nie wieder aufgeben
möchte in meinem Leben, das hier ist das Glück, nach
dem ich mich so lange gesehnt hatte, das hier ist die Art
von Liebe, nein, Magie, die ewig brennt und die ein
Leben lang wärmen wird, in dieser Welt der Kälte.
Und keine sechs Monate später wird von all dem
nichts mehr übrig geblieben sein.
Außer dieser Welt, die immer noch ist, wie sie ist.
braunen Winterfellmütze, und dann dreht er sich um zu mir,
er lacht und strahlt, er geht leicht in die Hocke und dann
sehe ich seine mir ausgestreckten Arme, ich höre seine Stimme
"Komm zu mir, Mickey!"
Und ich laufe.
Ich renne, mit ausgestreckten Armen, ich renne so schnell
ich nur kann, die eiskalte Luft brennt auf meinen Bronchien,
alles egal jetzt, die schneidende Kälte treibt mir die Tränen
beim Laufen aus den Augen, ich fühle, wie sie im Lauf
nach hinten zu meinen Ohren rinnen, doch alles egal,
nur noch wenige schnelle Schritte, dann bin ich in seinen
festen Armen, durch das Wasser in den Augen sehe ich
alles wie durch einen Strahlenkranz, aber das ist nicht wichtig,
gleich bin ich da.
Und dann springe ich mit aller Kraft, die der kleine Junge
aufbringen kann den letzten Meter ihm entgegen, in diese
großen, sicheren Arme, er fängt mich, presst mich fest an
seine Brust, wir drehen uns um seine Achse, meine Beine
fliegen unten weg, wir lachen laut auf und halten uns
so fest wie es Menschen nur können.
Das hier ist der perfekte Moment, das hier ist reines Glück.
Und hätte mir damals jemand gesagt, so wird es nie wieder
werden, bald schon nicht mehr mit ihm, und auch danach
nicht wieder mit sonst wem, ich hätte mir ohne zu Zögern,
voller Überzeugung und mit Recht das Leben genommen.
Die andere spielt im Herbst 1997, und sie spielt genau hier.
Wir haben uns kennengelernt auf der Geburtstagsparty
meiner langjährigsten, engsten Freundin, und obgleich
sie keine Schönheit ist, beeindruckt sie mich sofort,
mit ihren Tanzbewegungen und ihrem engen weißen Pulli
über den massiven Brüsten.
Als ich sie zwei Wochen später in ihrer Studentenwohnung
besuche, explodieren wir, aus den geplanten 3-4 Stunden
werden 5 Tage, die ich dort bleibe, danach sind wir zusammen,
es fühlt sich an nach "für immer".
Jedes Wochenende kaufe ich Rosen und fahre zu ihr,
die Zeit ist voller Glück, voller Nähe, voll blindem
Verständnis, das keine Worte benötigt, Magie herrscht.
Eines Tages nehmen wir einen kleinen Picknickkorb mit
Champagner, Frikadellen, Krabbensalat und Anderem mit
und setzen uns nur wenige Ecken von ihrer Wohnung weg
an den Rhein.
Wir essen, trinken, rauchen, küssen, und ich liebe, wie man
eben nur einen Menschen lieben kann.
Als der Himmel zuzieht, lehnen wir uns aneinander,
ich halte sie fest in meinen Armen, während sie einnickt,
mit dem Gesicht in meiner Halsbeuge.
Kurz darauf beginnt es leicht zu nieseln, aber ich halte
meine auseinander gestreckten Hände über ihr Gesicht,
damit sie nicht nass wir dund aufwacht.
Langsam fangen meine Haare an, im Nacken herunter
zu tropfen, aber das macht nichts, wichtig ist, dass
sie trocken bleibt und schlafen kann.
Ich passe auf sie auf und beschütze sie, und wertvoller
als hier und jetzt habe ich mich nie gefühlt.
Das hier ist sie, die Rolle, die ich nie wieder aufgeben
möchte in meinem Leben, das hier ist das Glück, nach
dem ich mich so lange gesehnt hatte, das hier ist die Art
von Liebe, nein, Magie, die ewig brennt und die ein
Leben lang wärmen wird, in dieser Welt der Kälte.
Und keine sechs Monate später wird von all dem
nichts mehr übrig geblieben sein.
Außer dieser Welt, die immer noch ist, wie sie ist.

Das sind so wunderschoene Momente aber irgendwie ist der Post trotzdem so was von traurig bzw trostlos :/
AntwortenLöschenIch wuensche Dir so sehr, dass das Gefuehl oder ein vergleichbares irgendwann noch mal wieder kommt. Befuerchte aber, dass es im Lauf der Zeit so sehr verklaert wurde, dass es einfach nicht mehr zurueckzuholen ist...
(und die Pragmatikerin in mir wird wahnsinnig wegen des Nieselregens ... da wart Ihr doch dann beide voellig nass hinterher und warum schlaeft sie einfach ein O.O)
Der richtige Teil war so wie ich es sehe der mit dem "nicht mehr zurück zu holen", aber das sollte kein Hemmnis im eigenen Leben sein, gilt diese Aussage doch für absolut ALLES, was wir jemals erlebt haben.
LöschenWas aber so lange nicht schlimm ist, so lange man nicht vergisst,
das laufende, das tägliche Leben nicht auch wieder mit Schönem, Zartem, Wertvollen und mit Liebevollem zu befüllen.
Und sich daran erneut erfreuen zu können.
An manchen Tagen empfinde ich das als Herausforderung,
für die ich ein bisschen zu klein bin.
Und für die Pragmatikerin: An meiner Halsbeuge war sie warm und trocken, denke ich - es hat daher schon etwas gedauert, bis der leichte Nieselregen sie erreichte. :-)
Ich meinte nicht GENAU DAS was war zurückzuholen, eher ein ähnliches Gefühl nach so langer Zeit auszulösen bzw fühlen zu können, wenn das ursprüngliche Gefühl im Lauf der Zeiten so sehr glorifiziert wurde.
LöschenIch empfinde inzwischen auch heute ab und an wieder so etwas,
Löschenaber ich habe mich damit arrangiert, dass dies nie wieder so vorbehaltlos und umfänglich sein wird.
Erfahrungen machen nämlich nicht reicher, das ist so eine dieser gottverdammten Lügen die man den leuten erzählt, in Wahrheit machen sie ärmer.
Nämlich ärmer an der Fähigkeit, vorbehaltlos zu sein.
this. :)
Löschen(hugs)
(vllt ist das auch einfach dieses vermaledeite "erwachsen werden".
Löschensich nicht mehr so komplett drauf einlassen zu können..... der Erfahrungen wegen)
Mir fällt echt gar nicht so viel ein, wo das Ältersein besser sein soll als das was vorher war - und WAS mir einfällt, sind (besserer) Sex, Alkohol und mehr "fuck it, let's do it and see what happens!"
LöschenDear Rain, haben Sie schon einmal Glühwürmchen an einem Sommerabend beobachtet?
AntwortenLöschenMeist sehe ich erst nur eines, wenn ich genauer hinsehe, werden es immer mehr. Weil ich weiß, dass sie da sein müssen, denn sie fliegen nie allein herum. Und dann sind es plötzlich so viele.
Ähnlich geht es mir mit diesen Glücksmomenten. In mir glüht und schwebt eines herum, leise, ein kleines einsames Licht. Bis ich etwas näher genauer hinsehe und mehr sehe. Mit der Gewissheit, dass noch mehr hinzukommen werden. Sie wissen ja, Glühwürmchen fliegen nie allein herum
Ihr "Glühwürmchen-Kommentar" , Miss... der wird ab jetzt forever mein Lieblingskommentar bleiben.♥
LöschenDen lese ich noch ganz, ganz oft durch, ich verspreche es.