Im Prinzip halte ich mich für einen
ziemlich nachhaltig lebenden Menschen:
Meine Lebensmittel-Wegwerfquote liegt
irgendwo bei wenn's hoch kommt 3%.
Meine Kleidung trage ich, bis sie kaputt ist.
Wasserhähne, die ohne sofortige Verwendung
laufen, bereiten mir fast körperliche Schmerzen.
Technische Geräte werden nur unter genau zwei
Voraussetzungen neu angeschafft:
1. ihr Vorgänger ist kaputt
2. ihr Vorgänger ist zwar noch funktionierend.
hat aber bei einem Menschen, den ich mag
und der ihn nötiger hat als ich, eine sinnvolle
letzte Verwendung auf seine weiteren Jahre.
Das hat nichts zu tun mit dem, was wir in den letzten
Jahren an erstarktem Umweltbewusstsein gesehen
und erlebt haben, was Aktivisten und Medien uns neu
in unser Gedächtnis gespült haben.
Es hat mehr was zu tun mit meiner Erziehung, denke ich:
Mein Vater war (deutlich zu) alt, als ich auf die Welt kam.
So wie er selbst sozialisiert und erzogen wurde, in einer Zeit
des Mangels und der Dankbarkeit für Kleinigkeiten, war
kaum anders zu erwarten, als dass er mir seine Werte in
Sachen Lebensmittel, Wasser, Ressourcen überhaupt auf
jene Art und Weise vermittelte, wie er es eben nur konnte.
Ein Nebeneffekt dieser Wertevermittlung war vielleicht auch,
sich nicht deshalb von etwas zu trennen, weil man es
nicht mehr mag, obgleich es noch an sich funktionsfähig ist.
mit Frauen etwas zu giftige Lektion,
wie sich noch herausstellen sollte.
Anders lässt sich nicht erklären, dass ich seit nunmehr
knapp 20 Jahren mit Celvin im Haushalt lebe und mal mehr
und mal weniger gut zurechtkomme, obgleich ich ihn kaum
eine Stunde davon wirklich gemocht hatte.
Das ist Celvin:
Rotations-Scherkopfrasierer nach
Celvin Rotane zu benennen,
ist jetzt nicht ganz soooo unkreativ ]
erkennen können, hat Celvin bereits etliche Jahre an meinem Hals
und in meinem Gesicht hinter sich.
Auch ist seine Ladestation inzwischen sehr unansehnlich:
Jahrelange Sonneneinstrahlung durch das Badfenster haben den
ehemals klarsichtigen Kunststoff vergilben lassen.
Die analoge Uhr darin ist daher nicht mehr ablesbar und hat aus
diesem Grund seit 2012 schon keine neue Batterie mehr gesehen.
In Sachen "elektrische Männerrasur" gibt es im Prinzip
Entweder Sie gehören der Konfession BR4UN an,
das sind die bewährten Elektrorasierer mit statischem Kopf
(heutzutage aber ebenfalls gefedert), die monodirektional
über eine Scherwalze ihren Job am Hals erledigen.
Oder Sie glauben an federndgelagerte Rotationsscherenköpfe
aus dem Hause PH1L1PS und Co. - die mit den 3 runden
Scherkopfelementen oben drauf.
Weil mir Letzteres um die Jahrtausendwende eher einleuchtete,
hatte ich damals wochenlang die Preisentwicklung studiert,
denn die UVP des Herstellers von knap 300 EUR wollte ich auf
gar keinen Fall hinblättern, und bei -glaube ich- 200 Ocken
hatte ich schließlich zugeschlagen.
Relativ bald hatten sich die Schwächen von Celvin Rotations-
Scherkopf gezeigt:
Schon unter leichten klimatischen Bedingungen hatte er sich im
zerklüfteten Gelände meines Halsgebirges ähnlich schwer getan
wie die Sowjets damals in Afghanistan.
Schlimmer war es im Hochsommer - sobald der Hals leicht
schwitzig wurde, ließ die Fähigkeit des Rasierers, sauber und
gründlich seine Arbeit zu verrichten, deutlich nach.
Trotzdem behielt ich ihn, all die Jahre.
"Was einmal gekauft ist und noch funktioniert..." und so weiter.
Neulich aber brach in Folge langjähriger Nutzung im Rahmen der
Materialermüdung erst die linke, dann schnell auch die rechte
Arrettierung des Scherkopfhalters aus der (Plastik-)Verankerung.
Eine neue musste bestellt werden.
Kostenpunkt: 18,99 EUR.
alle 18 Monate z.B. die 3 Scherköpfe für schlanke 70 EUR*
auszutauschen, ist da schon weitaus aufwendiger.
Auch der Erhalt der Ware, die einem absolut über-
dimensionierten Karton kam, welcher sagenhafte
49 Gramm gewogen hatte, war nicht das Thema gewesen.
bis die Ware bei mir war, und ich in der Zeit ganz normal beim
ALD1 einkaufen gewesen war. Unrasiert.
Wo ich dann im Angebot einen Billig-Scherkopfrasierer
der Discounter-Elektrohausmarke erspäht hatte.
Der dann -mangels Auslieferung des Ersatzteiles für Celvin-
auch gleich im Einkaufswagen gelandet war.
Knapp 20 EUR.
In der Zeit bis zur Auslieferung des Scherkopfhalters für
Celvin rasierte ich mich also entweder nass (selten) oder
aber mit dem Billigrasierer.
Und was soll ich sagen, das Rausurergebnis ist zwar leicht
schlechter.
Aber dafür, dass das Gerät gegenüber der Neupreisbeschaffung
des Anderen etwa 90% günstiger ist, ist die Rasur keinesfalls
auch 90% schlechter.
Sie ist wenn's hoch kommt 15% schlechter.
Und nun überlege ich:
Für den Celvin fallen alle 18 Monate 70 EUR an
und ca. alle zehn Jahre ein neues Scherkopfhaltesystem samt
Arretierung für sagen wir insgesamt 25 EUR.
Für das Geld könnte ich mir alle eineinhalb Jahre einen
neuen Discounterrasierer kaufen, anschließend wegwerfen
und hätte immer noch Geld gespart, dazu hätte ich immer
einen fast neuen Rasierer (und dessen Akku).
Einzig mein blödes Scheißgewissen gegenüber Celvin
und der Umwelt hält mich davon ab, aber eigentlich
müsste man das genauso machen.

Hm, eigentlich... und das sagt alles aus, warum mittlerweile so vieles ist, wie es ist. Werte und Gewissen sind vermehrt die Exoten geworden...
AntwortenLöschenIch war vor wenigen Tagen in genau dieser Situation, so ein Gerät erwerben zu müssen. Bin daher froh, das zu lesen. Es wurde einer der Marke P. 😌
Inzwischen freunde ich mich mehr und mehr mit dem billigen "kleinen Bruder" von Celvin an. Es wird wöchentlich unwahrscheinlicher, dass ich nochmals so ein teures, namhaftes Gerät neu anschaffen würde.
LöschenUnd einer der Gründe ist, dass man für einen Mehrpreis eben immer öfter nicht auch proportional mehr Qualität erhält.