20 Juni 2025

Fragen an das Leben: Geld



[ Heute vor genau 10 Jahren veröffentlichte ich
diesen Blogpost schon einmal.

Es gab damals eine Serie / Bloglabel "Q2L",
es stand für "Fragen an das Leben" (questions to life).

Weil ich heute nicht immer so antworten würde wie damals,
liste ich damalige und heutige Antworten auf.

Enjoy. ]





"Würden Sie weniger Luft atmen,
wenn Luft einen Preis hätte?"

***


Q: Gibt es Reiche, die Sie nur deshalb interessieren, weil sie reich sind?
Rain 2015: Nein.
Rain 2025: Ja.


Q: Ab wieviel Millionen, glauben Sie, nimmt der Nutzen von Reichtum ab, weil man ihn verwalten, versichern, verstecken oder verteidigen muss?
Rain 2015: Das hängt davon ab, was für ein Mensch man VOR dem Status des Reichtums war. Pauschal würde ich sagen: Bereits ab der ersten Million.
Rain 2025: Sofern Sie die Klappe halten können, gibt
es GAR KEINE Obergrenze, bis Reichtum "Unnütz" wird.
Lediglich die Art der Nutzung könnte (sollte) sich verändern.


Q: Gibt es Menschen, die SIE um ihre Armut beneiden?
Rain 2015: Nein.
Rain 2025: Ja (ich verstehe das SIE heute anders.)

Q: Finden Sie Trinkgelder in Ordnung?
Rain 2015: Absolut.
Rain 2025: Nur sofern verdient.

Q: Wie täuschen Sie Interesse vor, wenn -zum Beispiel bei einem Dinner an Bankettischen- über die Aussichten von Aktienfonds gesprochen wird?
Rain 2015: Ich täusche Interesse so gut wie nie vor, ausgenommen es besteht reales sexuelles Interesse.
Rain 2025: Exakt das, immer noch.

Q: Stört Sie Neid? Bei Ihnen? Bei anderen?

Rain 2015: Bei mir: ja. Bei Anderen: ja.
Rain 2025: Bei mir: nein. Bei Anderen: ja.

Q: Ist Neid auf Neidlose besonders schäbig?
Oder besonders verständlich?

Rain 2015: Weder noch - Neid sucht sich in Wahrheit sein Opfer nicht nach diesen Kriterien aus.
Rain 2025: Inzwischen halte ich Neid je nach Konstellation
für völlig nachvollziehbar und gerechtfertigt.


Q: Jemand schenkt Ihnen eine Kinokarte.
Zwei Filme stehen zur Auswahl:
"Vom Tellerwäscher zum Millionär" und "Vom Millionär zum Tellerwäscher."
In welchen Film gehen Sie?

Rain 2015: In den Letzteren, denn ich mag lieber Dokus als Science Fiction.
Rain 2025: Immer noch genau so.

Q: Wie sympatisch sind Ihnen Menschen, die aus steuerlichen Gründen an hässliche Orte ziehen?
Rain 2015: Nennen Sie mir EINE hässliche Steueroase! Aber: Extrem unsympatisch.
Rain 2025: Inzwischen hege ich eine gewisse Sympathie für
Menschen, die alles hinter sich lassen und an ihrer Stelle
würde ich auch so handeln.


Q: Wären Sie lieber ein reicher Bettler oder ein armer Fürst?

Rain 2015: Ein armer Fürst, denn Ansehen und Wertschätzung kann auch ohne Geld vorhanden sein, Wertschätzung und Achtung vor einem Bettler dürfte aber der Mehrheit der Menschen schwer fallen.
Rain 2025: Ein reicher Bettler, denn inzwischen weiß ich,
dass mir Ansehen und Wertschätzung von 99% aller Menschen
so oder so nie zuteil sein werden und dann kann ich auch gleich
reich sein und den letzten 1% auch noch den Finger zeigen.


Q: Wenn Sie einem Bettler Geld geben, machen Sie den Betrag davon abhängig, wie viel er von anderen bekommt?
Rain 2015: Nein. Ich gebe eigener Beobachtung nach aber meistens mehr.
Rain 2025: Nein, ich mache es davon abhängig, was ich habe.

Q: Wieviel Überfluss braucht der Mensch mindestens?
Rain 2015: Ein absolut schäbige und inhaltlich widerwärtige Frage.
Kein Mensch braucht keinen Deut an Überfluss. Das Gegenteil ist zutreffend!
Rain 2025: Keep calm, Gandhi. Ich könnte mir sehr gut einen
Überfluss an Sex, Liebe und Kuscheln in meinem Leben vorstellen
und den würde ich bald auch "brauchen".



Q: Erwarten Sie von Reichen, dass sie ihren Reichtum mit einer Extraportion Sympathie kompensieren?
Rain 2015: Nein. Ich erwarte von gar niemandem was und von Reichen etwas zu erwarten ist zudem sehr viel mehr mit Frustrationserfahrungen verbunden.
Rain 2025: Ich kann mich an nicht EINEN sympathischen Reichen aus den vergangenen 10 Jahren erinnern. und es ist nie zielführend, etwas zu erwarten, was noch nie beobachtet wurde.

Q: Wo ist die Börse, an der man äußeren gegen inneren Reichtum tauschen kann?
Rain 2015: Sie ahnen es schon? Im INNEREN!
Rain 2025: Mir fallen inzwischen EINIGE Ort ein, an denen
man mit Geld reingeht und mit innerem Reichtum im Sinne von
Erleichterung und Seelenfrieden wieder rauskommt.


Q: Wie hoch wäre eine realistische Versicherungssumme für ein Huhn, das goldene Eier legt? Bitte mit Herleitung, verwenden Sie den aktuellen Goldpreis bei der Kalkulation.

Rain 2015: Oh, das ist einfach:
Das Huhn, das goldene Eier legt, würde dieses Edelmetall bald zur beliebig mengenverfügbaren Massenware werden lassen, was den Goldpreis absehbar zu seinem reinen Materialwert degradierte.
Insofern müsste dieses Huhn wenn überhaupt nur in der unmittelbar ersten Zeit seines Lebens versichert werden.

Es sei denn, man verkauft das Huhn z.B. an einen russischen Oligarchen mit dem Zweck, es zu töten oder einfach nur zu verstecken, damit der Goldpreis hoch bleibt.
Ich würde in diesem Fall eine Vereinbarung treffen, die mir ein Leben in Luxus und Überfluss sichert im Gegenzug zur Übereignung dieses Huhnes.
Dies löst überdies das zu erwartende Problem, dass der Besitzer eines goldene Eier legenden Huhnes eine ziemlich überschaubare Lebenserwartungszeit hätte.
(Ausgenommen natürlich, er sei russischer Oligarch.)

Rain 2025: Exakt das, nur der allerletzte Satz war falsch.


***

2 Kommentare:

  1. Oh, unerwartet zynisch?! Schlechten Tag gehabt, oder ist die Grundstimmung tatsaechlich so abgesackt?

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    1. Natürlich könnte ich es mit einem einzigen Gegensatz "beenden", etwa so:
      "Zeig mir EINEN Boomer, dessen Laune in den letzten 10 Jahren BESSER geworden wäre!"

      Aber das ist freilich nicht argumentierend - was es hingegen schon eher ist:
      Unser Land, die Welt, die Medien haben seit 2015 eben "einen Weg genommen". Und jemand, der von früheren Zeiten noch ein "Mehr" von Miteinander, von Friedensbemühung, von werteorientiertem Handeln u.v.a.m. gekannt und gesehen hat, wird sich schwer damit tun, diese Entwicklung als positiv zu bewerten.

      Mir fallen dutzende Beispiele aus dem Alltag dafür ein, aber ich glaube, dass die gar nicht nötig sind. Die Botschaft kommt auch so rüber.

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