Die halbjährige Pause tat gut.
Aber bei manchen Menschen endet die Geschichte einfach nie.
Dieses Mal vielleicht aber doch.)
[ Jeannie ( part I ) ]
Nach und nach beginnt der eben erst wiedergewonnene Kontakt
zu Jeannie ihrerseits abzuebben.
Und das, obgleich ich viel daran setze, ihn aufrecht zu erhalten
und immer wieder neue Anläufe nehme, gemeinsame Treffen und
Erlebnisse anzuleiern.
Da ist das Abendessen bei meinem alten Bandkollegen Tom, der
uns und ein paar seiner anderen Freunde zum CousCous-Abend
mit Schmorfleisch usw. einlädt.
JEDER der in unterschiedlichsten Branchen und Arbeitszeiten
Beschäftigten schafft es, halbwegs pünktlich da zu sein - außer Jeannie.
Die kommt satte 2h später, isst die Reste und wundert sich
leicht pikiert, dass die Liebste und ich dann auch bald aufbrechen
und nach Hause wollen - schließlich ist es ein Abend unter der Woche.
Da ist die Sprachnachricht, die sie mir mit Wochen Verzögerung
als Antwort per WA sendet, die dafür dann satte SECHS MINUTEN geht
und die - absolut stumm ist.
Weil die verpeilte Frau während der gesamten Zeit nicht schnallt,
dass ein Bluetoothgerät im Nachbarraum mit dem Handy gekoppelt ist
und das Handymikrofon so nichts aufnehmen kann.
Darauf von mir hingewiesen, dass nichts zu hören war, kommt:
Erstmal 3 Wochen lang gar nichts.
Und als nächstes eine "HappyNewYear"-Massennachricht.
Da ist ihre Mangelbefähigung, nicht mal auch nur 2 Tage im Voraus
irgendwas verbindlich zuzusagen oder abzusagen, weil sie
"noch nicht weiß, wie sie zeitlich hin kommt".
Was dann auch ausnahmslos NIE der Fall ist.
Die zahlreichen Einladungen von uns werden wochenlang nicht
beantwortet - auch nicht nach weiteren Erinnerungen.
Was dann aber nach Monaten kommt, ist ein
"Huuhuu, ich fahre in 30 min sowieso in Eure Gegend,
habt ihr Zeit seid ihr da machen wir was zusammen???"
Da ist dieses kleine, feine Konzert, wo ich 3 Karten besorge
(für uns, und wir nehmen sie mit).
Wo sie auch wieder 30 min zu spät bei uns auftaucht,
vorher nichts daheim gegessen hat, nicht an die Witterung
angepasste Klamotten trägt, aber ok - ich hab mir das gedacht
und schon mal warmes Essen eingetuppert und nen Schal usw.
kriegt sie von uns.
Und dann fahren wir an die kleine Halle und dann geht
die Band los und kein Witz:
Die Frau filmt mit ihrem Riesenhandy hoch überm Kopf
allen Ernstes volle 70% des gesamten Auftritts.
In Grund und Boden geschämt hab ich mich für die,
die hinter uns standen. Weil es weit hinten war,
zum Glück nicht allzu viele. Hoffe ich.
Weia ey!
Da sind ihre mehrwöchigen Auslandsaufenthalte auf
Malta, Mallorca und vor Allem Zypern. Sagen wir so,
sie verbindet den Versuch, dort selbständig Fuß zu fassen
mit dem Angenehmen, privaten.
Nur: Was ist eigentlich mit dem fünfzehnjährigen Teeniesohn?
Denn: Der wohnt ja in der Zeit weder bei seinem Vater
noch bei Jeannies Ex-Partner. Sondern: Allein zuhause.
Was ist mit Hund und Katze?
Die werden von Fremden gefüttert und Gassi gegangen.
Oder aber in die Kurzzeitaufbewahrung abgegeben.
Ach so.
Und dann auch wieder auf meinem Handy nach Monaten
Funkpause so ein "Huuhuu, ichbinssagtmalhabtihrnicht
Lust, mal für zwei Wochen meinen Hund aufzunehmen?!?"
Und dann kommen so nach und nach noch...andere
Informationen zu mir. Ganz langsam tun sie das.
Und ganz langsam tröpfelt ein ganz anderes Bild ein
in meinen Kopf als jenes, das dort war.
Es geht im Spätsommer schon los und zieht sich bei dem
einen oder anderen späteren Event, bei dem Nachbarn, Vermieter,
Bekannte zusammenkommen, langsam wie ein roter Faden
durch die Erzählungen, die diese Menschen über Jeannie haben.
Auf einmal -meist nach 3 oder 4 Bier- werden Jene offener und
...direkter, die um die gemeinsame Vergangenheit von mir
mit Jeannie wissen und daher erstmal, sagen wir, zurückhaltend
auftraten und ein paar Monate hatten vergehen lassen.
Aber auf einmal kommen schlimme Geschichten aus der Truhe.
Aus Zeiten, als sie dort noch gewohnt hatte.
Die vielen nächtlichen Schreiereien mit ihrem Sohn.
Die knallenden Türen, die bisweilen anschließend repariert
werden mussten.
der Omi nebenan, die schon zwanzigmal erwähnte,
wie froh sie über uns sei und wie ruhig und still
es mit uns sei und wie angenehm usw.
schlagend im Garten in der Einfahrt gewälzt hatten.
Wie oft das Jugendamt vor dem Haus stand.
Wie oft die Nachbarn gegenüber sich sorgten,
die Polizei riefen, irgendwann aber resignierten.
Wie sehr sie im Dialog mit den (wirklich liebenswerten
und gütigen) Vermietern sehr auf ihren finanziellen Vorteil
bedacht gewesen sei.
Wie oft die Nachbarn sich beschwert hätten, weil die halb
verhungerten Tiere in der Umgebung die Näpfe der Haustiere
leergefressen hätten.
Wie sehr sie unsere (sehr sparsam leben müssende) Nachbarin
gegenüber wegen ihrer nicht-Marken-Kleidung gehänselt hatte.
Eine Geschichte, bei der ich 2x nachgehakt hatte.
Weil ich sie nicht glauben konnte.
Aber 3 Beteiligte hatten stumm mit den Köpfen genickt.
Wie oft alle um sie herum eingespannt worden waren,
wenn sie einmal mehr ihr Leben nicht rechtzeitig und gut
organisiert bekommen hatte.
Sei es ihr Umzug, der vergessene Reisepass, den man ihr
an den Flughafen bringen musste, und noch hundert weitere
Erfahrungen, die an und nur für sich Kleinigkeiten gewesen
sein mögen, die aber das Gesamtbild als Mosaik bildeten,
dass da jemand wirklich umfangreich die Hilfsbereitschaft
von Menschen um sich herum sehr stark und ja, auch
missbräuchlich zu seinem Vorteil zu nutzen wusste.
Der Nachbar ein Haus nebendran, dem sie immer exakt dann
schöne Augen gemacht hatte (und der sich Chancen ausgerechnet
hatte), wenn es mal wieder was zu reparieren/transportieren/
auszubaden gab.
__________________________________________________________
Irgendwann, nach vielen solcher gehörter Geschichten kommt
eines Abends die Liebste zu mir und meint:
"Alles schön und gut und wir können uns da gerne mal wieder
irgendwann auf nen Kaffee und Kuchen treffen. Aber es wäre
jetzt für mich auch okay, wenn wir den Kontakt zu ihr
jetzt nicht weiter vertiefen und verfolgen.
Ja, Du hast ihretwegen jetzt diese schöne Wohnung, und ja,
sie ist ein netter Mensch, wenn wir sie treffen, aber sie ist
zu verpeilt um irgendwas mal zuzusagen oder auszumachen.
Und es kommt auch NIE von ihr mal ne Einladung oder sonst
irgendwas, sondern meist dann, wenn auf den Hund aufgepasst
werden soll oder Post von ihr hierhinkommt.
Du musst da jetzt nicht ewig hinterherlaufen,
nur weil sie mal vor Dir hier gewohnt hat."
Und danach hatte ich mir einen Riesling aufgemacht,
mich schweigend an meinen Schreibtisch gesetzt
und begonnen zu akzeptieren, dass ich eine Meinung über
einen Menschen hatte, die durch das Erleben aller anderen
Menschen um mich herum nicht bestätigt war.
Und weil von ihr aus nie mal was initiativ kam,
ging es damit los, sich ganz langsam zurückzuziehen.
___________________________________________________
Alles Gute für Dich, Jeannie.
Du wirst das nicht wissen, aber Du warst nur ganz kurz
-wie ein Blitzlicht- in einem sehr kritischen Moment
meines Lebens plötzlich da, Ende der Neunziger.
Und ich bin jetzt hier, wo ich wohne, weil Du -wieder!-
für einen ganz kurzen Blitzlichtmoment meines Lebens
plötzlich da warst.
Beides vergesse ich Dir nicht. Keinesfalls.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinterlassen Sie dem Feuervogel an dieser Stelle gerne Ihre Gedanken:
Er freut sich über Ihre achtsame Wortwahl, einen freundlichen Ton und Ihren von Miteinander beseelten Gedankengang.
Und in allen anderen Fällen löscht er kommentarlos.
Falls Sie Probleme haben Ihren Kommentar angemeldet abzugeben: Suchen Sie in Ihren Browsereinstellungen nach "Cookies von Drittanbietern blockieren" und deaktivieren Sie diese Option.
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.