10 November 2023

bei Henriette in der Kokosnuss

Mitten in einem Konflikttelefonat fragt sie mich
unverhofft, ob ich mit ihr übernächstes Wochenende
zu ihrer kleinen Schwester fahre.
Henriette sei dann auch da.

Das ist der Moment, in dem mir dreierlei klar wird:

  1. der Streit ist beendet, sobald ich ja sage
  2. das wird eine ziemliche Höllenfahrerei werden
  3. es wird Hamster-watching geben, dazu später mehr.
Wenige Tage später steht fest, dass ich es nicht schaffen
werde, wie geplant schon am Vorabend anzureisen, um noch
eine Nacht Ruhe zu bekommen vor der Fahrt nach Norddeutschland.

Auch egal - dann muss die Tour durch 5 Bundesländer eben
alles an einem Tag gefahren werden.

Zum "Glück" wache ich morgens 05.11 Uhr von einem Knall
im Badezimmer auf, den ich sofort als das alle paar Monate
runterkrachende Shampoo-Gitterkörbchen in der Duschkabine
identifiziere, welches mit zwei Saugnäpfen an den Fliesen
befestigt ist und hin und wieder den Halt verliert.

"Wir alle, Duschkörbchen. Wir alle." denke ich
knallaufrecht mit Herzrasen im Bett sitzend.

Chancen muss man ergreifen - da ich ohnehin schon wach bin,
setze ich mich 35 min später ans Steuer, genieße die seltene
staufreie Strecke aus Stuttgart hinaus und fahre 4h nach Köln,
währenddessen es nicht 1 Minute nicht regnet.

Dort angekommen gibt es ein paar Stunden Pause und viel
Kaffee. Trotzdem bin ich froh, dass sich die Liebste ans
Steuer setzen will. Die kurze Nacht und die anstrengende
erste Strecke stecken mir in den Knochen.

Die Fahrt zu ihrer Schwester wird übel:
400 km Stau in ganz NRW.
Und wir werden 3x von den Autobahnen runtergeholt,
um mitten durch die Städte umgeleitet zu werden:
Neuss, Dortmund, Duisburg.

Das Gute an Duisburg ist, dass ich noch kurz
vor meinem Abschied hier eine Stadt finde,
die tatsächlich 
nochmal weitaus
hässlicher ist als Stuttgart.
Mit über 2h Verspätung treffen wir im Nirgendwo im
Norden ein und dann wird erstmal Henriette begrüßt.

Henriette ist der aktuell dort zur Pflege untergebrachte
Hamster einer Freundin, welche sich im Urlaub befindet.



Wunderbares Liebhab-Tier.
Sehr entspannt und gemütlich.
Nagt gerne und regelmäßig an meinen Fingern.
Baut nachts den halben Käfig um.

Wohnt am Liebsten in einer Kokosnuss.
Was sofort zu einer Identifizierung mit
dem Tier bei mir führt.


Als drei Tage später die Freundin zurückkehrt und den Hamster
mitnehmen will, möchte ich ihn nur missmutig herausrücken.

Ein Leben mit Hamster erscheint mir
fortan erstrebenswert.
Muss trotzdem immer wieder an den
"Nagetiere"-sketch 
von
Jochen Malmsheimer dabei denken.


Mit dem Abend und der Dunkelheit kommen die
Gemütlichkeit und das Kaminfeuer ins Haus.

Kerzen und LED-Ketten werden angezündet.
Die Liebste trägt die Leuchtohrringe, die ich ihr
zum Geburtstag geschenkt habe.
Ruhe kehrt ein.





Der nächste Tag beginnt mit Besorgungen für die
Kaninchenschar.
Die 3 Weiber kommen inzwischen sehr gut aus miteinander
und es entstehen tolle Bilder im Garten.


Irgendein Raiffeisenmarkt um die Ecke feiert heute was,
es gibt Angebote - also fahren wir hin, schlendern vorbei
an Bierständen, Hüpfburgen und Pommesbuden und laden
das Auto voll mit Futtersäcken und Stroh.


Die unbefrühstückten Damen gehen eine Spur zu langsam
an den Pommesbuden vorbei - und ich erkenne den Bedarf
sofort und schlage ein Currywurst-Pommes-Frühstück
für alle vor.

Die Gegenwehr beider Schwestern zu diesem Vorschlag
ist falls überhaupt nur mit dem Mikroskop auszumachen.



(ich finde Toastbrot zu CPMK
immer noch ein bisschen...strange^^)



Wir fahren zurück und nach dem Ausladen und Verstauen
der Kaninchenware geht es weiter in den nächsten Ort,
wo ein Restpostenladen ist, den ich liebe.

Schon beim letzten Besuch vor ein paar Monaten bin
ich leicht eskaliert, aber diesmal wird der Einkaufswagen
wirklich voll.

Im Deko-Rausch werden Sterne, Giraffen und Hirsche gekauft,
passende Tischsets dazu, ich muss alle Vernunft zusammenkehren,
um bei den LED-Lichterketten  und -kugeln nicht das
gesamte für den Umzug reservierte Budget rauszukegeln.





(der Witz daran ist natürlich, dass
diese ganzen Sachen immer noch genau so
eingepackt bei mir stehen und auch nicht
mehr ausgepackt, sondern direkt
in die Umzugskartons wandern werden^^)


Noch ein paar Bier- und Pizzolini-Besorgungen
im ALDI nebenan (plus ein paar Bonusblätter für
die Kaninchen), dann geht es wieder zurück und
abends in ein erstaunlich mittelmäßiges Chinarestaurant.


Nach zwei Nächten geht es zurück nach Köln.
Es waren ruhige, gelöste Tage.

Ich habe familiäre Behaglichkeit gespürt,
Dankbarkeit, Freundschaft.
Dazu Kaninchen- und Hamster-Entertainment.

Ich habe nicht gefroren (wie letztes Mal) und es gab
auch zumindest in meiner Gegenwart diesmal
null Geschwurbel bzw. Verschwörungsgebabbel.

Mein Eindruck ist, da löst sich so ganz langsam ein
Mensch aus der Wolke, die ihn jahrelang umgeben hatte.
Einrichtung wurde zwischenzeitlich repariert oder ausgetauscht.
Es steht auch bald wieder eine Vollzeitanstellung im Raum.

Alle Dinge haben angefangen, zum Guten hin zu arbeiten.
Ich freue mich auf Silvester dort.

Und vielleicht kann ich einfädeln,
dass dann auch Henriette wieder
zu Gast ist. ♥



12 Kommentare:

  1. Ich mag diese Kaninchen-Geschichten. 🥰 Ich finde mich da in so vielem wieder und lässt mich sehr schmunzeln, weil ich so ähnliche Situationen aktuell in Beziehung erlebe. Es erfüllt mir auch das Herz, dass es sich bei der Schwester so entwickelt. Das geht mir aus persönlichen Gründen sehr nahe.

    Ich lese das mit Demut und Dankbarkeit.

    Ps wo gibt es bitte solche Ohrringe? 🤯

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    1. Schön, diese Deine Zeilen zu lesen! Ich werde weiter berichten von dem, was dort so vor sich geht.

      Inzwischen habe ich die schriftliche (!) Zusage der Besitzerin, dass ich Henriette Hohlzahn am 30.12. wieder über Silvester abholen kann! Es sind 45 min einfache Strecke, doch das ist mir herzlichst egal - Feiern ist nur in echt MIT Hamster!

      Ich überlege, selbstgedruckte Aufkleber in mein Auto zu machen für diese Fahrt: HamsterTaxi (im Logodesign von „Fake Taxi“ 😄).

      Die Dame, die -inzwischen gemeinsam mit ihrer Tochter- diese Leuchtohrringe (und etliches anderes Leuchtendes) herstellt, heißt Manon Richards und lebt im Osten Kanadas.

      Du findest ihren Onlineshop PAPILLON9 auf etsy dot com.
      Ich warne Dich aber gleich: Einmal dort, kehrst Du arm zurück ;-).

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    2. Diese Preise 😭 vielen Dank, ich muss darüber schlafen. 😒

      Ist doch eine prima Blog-Geschichte mit dem Hamster-Taxi (man sollte nicht alles (im Büro) googlen, Fake Taxi^^).

      Flauschige Nager gehen immer. 😌

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    3. Es ist ja bald WEIHNACHTEN!
      Und Frau hat doch sicherlich wen in der BEKANNTSCHAFT,
      der immer ratsuchend ist, was man ihr SCHENKEN KÖNNTE! ;-)

      Und jetzt sag nur, Du hast allen Ernstes FAKE TAXI googlen müssen?!?!😦

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    4. Nein, kannte ich nicht. Ich bin total behütet, kenne mich in dieser Szene nicht aus. 😎

      Geschenke wurden schon lange allseits abgeschafft.🥲

      Ich bin ein Konsumopfer, ich kenne mich. So ähnlich wie Du im Geschäft...

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    5. Ich recherierte soeben nochmals....

      Das erste Ergebnis heute Mittag enthielt ausschließlich Produktionen der Erwachsenenunterhaltung, da fiel mir fast das Handy aus der Hand, aber ich glaube, das war gar nicht gemeint...🤭

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    6. Dochdoch! Ich will das FAKE TAXI Logo als HAMSTER TAXI umbauen.

      Alternativ nehme ich einfach gleich das Logo von XHAMSTER,
      aber ach, jetzt treibe ich Dich schon wieder in Suchgefilde, in die Du gar nicht reinwolltest....^^

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    7. Du findest ihren Onlineshop PAPILLON9 auf etsy dot com.
      Ich warne Dich aber gleich: Einmal dort, kehrst Du arm zurück ;-)."

      Auf ihrer eigenen Online-Shop-Seite ist es günstiger, selbst wenn $ / € nicht umgerechnet werden. 😬🙄

      📦 ->🚢🚚 in progress

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    8. Ah, ein neues Opfer wurde gefunden!😄
      Hab Spaß mit dem, was Du Dir rausgesucht hast!

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