Es gibt ein paar Dinge, an denen man ohne Weiteres und
mit Fug und Recht verzweifeln könnte im Leben.
Das Eine ist der himmelschreiende Mangel an Gerechtigkeit
auf dieser Welt.
Sei es, dass es uns selbst widerfährt, oder sei es, dass wir
Ungerechtigkeiten an Anderen mit bekommen, für den offenen
Auges durch sein Leben gehenden Menschen kann es heute
fast keinen einzigen Tag geben, an denen er nicht davon erfährt,
sofern es ihm nicht gar selbst widerfährt.
Nahezu jeden Tag nötigt Sie jemand im Straßenverkehr,
sehen Sie beim Discounter einen alten Menschen, der im Müll
nach Verwertbarem sucht, Menschen die unmittelbar neben Kindern
an der Fußgängerampel bei rot drüber rennen,
wird ein Kassenmitarbeiter von einem Kunden angeblafft,
hören Sie in den Nachrichten von Krieg, Hunger, Tod,
erfahren Sie im Job von einer Beförderung, die niemand begreift
oder das Verhalten eines Chefs, der sich alles zu erlauben können scheint,
sehen Sie wie Großkapitalkonzerne sich die Taschen voll machen und
ihre gewählten Volksvertreter sehen zu, usw. usw.
Das Andere ist, dass wir es nahezu nie noch zu Lebzeiten
mitbekommen, dass Ungerechte auch ihre ausstehende Strafe
dafür erfahren.
Es passiert eben nicht, dass der frisch zu Unrecht Beförderte
schon bald seine Inkompetenz eindrucksvoll demonstriert und dafür
zurück versetzt wird.
Es passiert eben nicht, dass der Sportwagen-Arsch, der Sie gerade noch
beiseite gedrängelt hat, 700m weiter vom Blitzer erwischt wird.
Es passiert eben nicht, dass der Vorstand eines gaunerhaften Großkonzerns
abgeholt, vor den Richter geführt und zu einer Haft verurteilt wird.
Es passiert eben nicht, dass Karma, wie wir es manchmal nennen,
in einem nennenswerten Ausmaß auf diejenigen zurückfällt, die uns
schaden und die uns ungerecht behandelt zurücklassen.
Aber vor allem - und das grämt uns vermutlich am Meisten- passiert es
eben nicht, dass WIR, die wir uns mutmaßlich und vorgeblich besser,
fairer, anständiger handeln, dafür anerkannt, fair behandelt und
wertgeschätzt werden.
Und wir kriegen auch zumindest gefühlt keine verwertbaren Karmapunkte.
Dafür sind wir permanent erschöpft, überarbeitet, haben zu viel im Kopf
und gleich noch mehr davon auf der to-do-Liste.
All das hat großes Potenzial, uns als unfair zu erscheinen.
Selbstverständlich dürfen wir so empfinden.
Mir zumindest geht das durchaus öfter so.
Wieso sich selbst weiterhin fair verhalten?
Wenn doch Unfairness nachweisbar fast nie sanktioniert wird?
Es gibt bei diesem Empfinden nur einen Haken, eigentlich zwei:
Erstens, das Leben schert sich nicht um das, was wir als fair oder
als nicht empfinden, und die anderen unfairen Menschen tun es
auch nicht.
Zweitens, es ist bei nahem Hinsehen nicht das Geschehen an sich,
die Ungerechtigkeit, die uns schmerzt, sondern es sind unsere eigenen
Gedanken darüber - weil wir das, was ist, daran messen, wie es aus
unserer Sicht eigentlich besser sein sollte.
Das führt zu einer bemerkenswerten Konsequenz:
Das, was tatsächlich stattfindet und "ist", wird von uns bewertet anhand
eines Maßstabs, der tatsächlich nicht real ist, weil er nicht stattfindet,
und aus der Abwesenheit dieses nicht realen Geschehens leiten wir
unseren (noch so berechtigten) Gram ab.
Das ist bei Lichte betrachtet nicht sehr clever.^^
Da wir das, was "ist" nicht ändern können (lassen Sie das aber nie die
Friday For Future Aktivisten hören!), sollten wir uns nur damit befassen,
was wir ändern können, um besser damit zurecht zu kommen:
Sich mit dem Leben im Geiste anzulegen, kann eine ziemlich schmerzhafte
Erfahrung werden - schon aus diesem Grund sollten wir also eine friedliche
Koexistenz (wenigstens die) mit ihm versuchen, hinzubekommen.
Da unsere Gedanken uns Schritt für Schritt umzuformen vermögen,
und ich selbst spüre das seit einiger Zeit an mir selbst, sollten wir bald
damit anfangen, denn es wird ein bisschen Zeit brauchen, das Schiff
umzusteuern.
Im Prinzip ist es schon eine wertvolle Erkenntnis zu begreifen, dass
eine Menge Leute das gute Recht hätte, Sie zu betrachten und dann ihr
eigenes Leben danach als nicht mehr fair zu bewerten und unglücklich
zu sein.
Wenn Sie das hier lesen können, steht zu 99% fest, dass Sie eine Bleibe,
Licht und Strom, höchstwahrscheinlich warmes Wasser, sicher aber einen
Computer oder ein Smartphone oder so etwas besitzen und zudem eine
Schulbildung haben genießen dürfen, die es Ihnen ermöglicht, diesen
Zeilen bis hierher gefolgt zu sein.
Sie hatten außerdem die Zeit, es zu lesen.
Weil -trotz aller to do's, Verpflichtungen, Rollen, in denen Sie
festzustecken glauben- immerhin die Zeit dafür da war,
das hier zu lesen.
Wenn Sie das mal zusammenfassen:
Hätten denn mehr als 90% aller Menschen auf diesem Planeten nicht
wirklich alles Recht, neidisch auf Sie , auf uns, zu sein?
Unser Leben als "das ist nicht fair!" zu betrachten, verglichen mit ihrem?
Selbstverständlich haben es viele besser und leichter als wir:
Aber eine wirklich gewaltige, himmelschreiend ungerecht viel größere
Zahl von Menschen hat es schlechter als Sie, als wir.
Und damit ist klar: Jeder, der diese Zeilen liest oder schreibt, ist selbst
Profiteur von der fehlenden Fairnesss, die er in dieser Welt beklagt.
Bei der Gelegenheit könnten wir auch nochmal an die dreißig Jahre
alten Schlussworte aus dem Aerosmith-song "Amazing" denken:
Vielleicht nehmen wir uns alle doch noch mal ein bisschen vor,
die eine oder gute Tat zusätzlich abzuliefern.
Für die große Mehrheit derer, die es weniger fair haben als wir.
Bald ist ja Weihnachten.
Vielleicht machen wir da einfach mal was draus, was meinen Sie?
alten Schlussworte aus dem Aerosmith-song "Amazing" denken:
"wherever you are, remember:
the light at the end of the tunnel - maybe you.
Good night."
the light at the end of the tunnel - maybe you.
Good night."
Vielleicht nehmen wir uns alle doch noch mal ein bisschen vor,
die eine oder gute Tat zusätzlich abzuliefern.
Für die große Mehrheit derer, die es weniger fair haben als wir.
Bald ist ja Weihnachten.
Vielleicht machen wir da einfach mal was draus, was meinen Sie?
Erwischt. Sie haben Recht. Und das sollte man/frau sich mal regelmäßig bewusst machen. Danke!
AntwortenLöschenDiese "schrittweise Veränderung" von mir oben im Text hatte ich zwar nicht weiter ausgeführt - aber das war sie: Das regelmäßige "sich neben sich stellen" und dann erstaunt anschauen können, wie relativ gesehen gut man es doch hat.
LöschenDas nimmt so Einiges an Aggression, Fristration, Sarkasmus aus dem eigenen Lebensalltag heraus.
Es führt allerdings auch dazu, dass man eine ganze Reihe von Mitmenschen und Diskussionen nicht mehr versteht bzw. nicht mehr für sinnvoll hält.
Wo kann ich unterschreiben?
AntwortenLöschenLG
Mechthilda
Hast Du damit schon, vielen Dank! :-)
LöschenKlingt so, als habe hier jemand die Stelle bekommen, die Du gern gehabt hättest - und dass Dich das grad mächtig fuchst 🤭
AntwortenLöschenIch persönlich denke ja, dass Karma nichts ist, das unser (verletztes) Empfinden befriedigen soll. Ich persönlich glaube daran, dass das, was wir selber geben, auch zu einem zurückkommt. Dass wir das, WIE wir denken, anziehen. Menschen und Situationen - im Positiven als auch im Negativen.
Das ist etwas, das ich mir immer wieder bewusst mache.
Vom Leben und von den Menschen erwarte ich nichts, das habe ich mir abgewöhnt, tatsächlich. Menschen verhalten sich scheiße, ja. Man selbst ist aber auch nicht immer der Gute 🙃
Auch das sollte man sich immer wieder mal vor Augen führen. Das erdet 😉
Wer heute nicht „dran“ war, ist es „morgen“. Alles zu seiner Zeit - das hat mich mein Leben gelehrt.
Oh neinein, das kam falsch an, es hat NIEMAND die Stelle bekommen, die ich gerne für nächstes Jahr gehabt hätte, es GIBT diese Stelle einfach nicht, nicht vor 2024.
LöschenDie Aussage mit " zu oft werden die Falschen befördert" bezog sich auf aktuelle Erlebnisse einer (mitlesenden) Freundin und (ja) auch auf sehr viele Menschen, die ich in Vorgesetztenrollen gesehen habe und mich regelmäßig fragte: WIE !?
Ich teile Deinen Punkt, dass Karma nichts sein sollte, das uns befriedigt - das ist eine Rolle, die ihm besser nicht zustehen sollte - was allein WIR zu entscheiden haben, ob das so ist.
Grundsätzlich mag ich auch den Gedanken, dass sich "am langen Ende" ohnehin alles ausgleichen wird.
Manche Tage machen es Einem aber nicht gerade leicht, darauf ZU WARTEN. Und offen gesagt fallen mir Beispiele aus meiner Nähe ein, bei denen ich denke "Das sollte besser aber bald mal eine riesige Karma-Rückerstattung bei dem Menschen geben!"