31 Oktober 2022

vom neuen Lebensjahr

[ bin noch da, nur gab es
unglaublich zahlreiche Dinge, die relevanter
oder auch dringlicher waren als neue Blogbeiträge.

Und jetzt bitte bloß nicht motzen, 
auch ich hatte mir dieses "Erwachsensein" leichter vorgestellt!]

Es hatte durchaus auch früher schon den einen oder anderen
ungewöhnlichen Geburtstag gegeben.

Der 15. beispielsweise, es gibt noch ein (einziges) Foto davon.

Daheim bei meinen Eltern, keine Party oder so was, Himmel, nein.
Das war nicht machbar, damals, nicht nach Abwägung aller damit
verbundenen Risiken, bei mir daheim.

Der 25., auch so ein Ding.

Kurz zuvor von der ersten richtigen Freundin getrennt und nun:
Allein in der riesigen 3,5-Zimmer-Butze sitzend, 
nahezu alle Freunde und Bekannte soeben frisch von da weg gezogen,
weil unsere Ausbildung gerade beendet war und Rückkehr in die
Heimatorte weitestgehend vollzogen wurde.
Ich aber war da geblieben.

Der 27., wo wir zu dritt unsere Oktober-Geburtstage feierten.

Gegen 23 Uhr bereits die mehr oder weniger einzigen waren
und am nächsten Morgen dem fassungslosen Getränkemarktverkäufer
ca. 96% aller auf Komission besorgten Biervorräte wieder
zurückgegeben werden mussten.

Der 30., an dem ich einen roten Porsche geschenkt bekommen hatte.

Allerdings: Als Quader. Frisch aus der Metallpresse, auf 1,50 x 1,50m
vom Schrottplatz. 'War gar nicht mal so leicht, das Ding am nächsten
Morgen wieder (illegal) im Schrebergartengebiet nebenan zu entsorgen.

Der 40., den ich (freiwillig und nach Zustimmung) weitestgehend im
Möbelhaus mit der Freundin, später Gattin verbracht hatte.

Zum 50er hatte es zuhause Tagliata di Manzo und Parmesan-Bandnudeln
gegeben, außerdem Schokomuffins. Aber auch hier wieder war mir nicht
nach Feiern und Freunden gewesen, Bekannte und angeheiratete Familie
kamen waren da, mein Kopf war woanders gewesen.

Offen gesagt hatte ich mir auch dieses Jahr wieder gar keinen Kopf und
keinerlei Wünsche gemacht für eine Feier.

Fast hatte ich es sogar aus den Augen verloren, bis ich in den Nachrichten
vom kurz vorher stattfindenden Geburtstag von Gitarrist Jason Hook las
(gleich alt wie ich, an einem seiner Gitarrensoli bin ich mal schier verzweifelt).

Bis dahin hatte plangemäß festgestanden, dass ich den Tag würde allein
verbringen dürfen, doch dann kam es ganz anders:

Tatsächlich verbrachte ich fast den gesamten Tag mit einer bis dahin
völlig unbekannten schwarzen Frau aus Südafrika.

Jean hatte mich Wochen zuvor über eine Community kontaktiert, die sich
im Wesentlichen mit dem Zusammenbringen von Expats aus aller Herren Länder
befasst. Man trifft sich zu zentral oder lokal organisierten events, lernt sich
kennen, spricht englisch und knüpft neue Bande.

Wie es sich herausstellte, hatte sie etliche Mitglieder hier in und um die
Provinzhauptstadt angeschrieben, und die Schnittmenge aus
"Menschen, die überhaupt geantwortet hatten" und "Menschen, die dann Zeit hatten",
betrug nach Ihrer Aussage genau: 1.
Nämlich mich.

Bereits im Chat-Vorfeld hatten sich -wie ich feststellte- ein paar
Planungsfehler eingeschlichen - beispielsweise ist der Übernachtungsort
Stuttgart denkbar ungeeignet, wenn man eigentlich in Deutschland
aufs Oktoberfest will :-). 

Da sich außerdem ihr (einziger) Bekannter in diesem Land plötzlich
auf alle ihre Nachrichten hin tot stellte und nicht mehr zu erreichen war,
beschloss ich, sie ein wenig herumzuführen, etwas Gastfreundschaft an
den Tag zu legen und schwäbische Küche vorzustellen.

Es wurde ein ganz und gar wunderbarer, freundlicher und ruhiger Tag,
voller herzlicher Gespräche und Lächeln.

Ich sandte ihr eine Google Maps-Karte mit points of interests, die sie
allein und zu Fuß/per Bahn würde besuchen können und wir vereinbarten,
uns anderntags erneutzu treffen, ich verschob dafür ein paar geschäftliche
Termine, und uns außerdem drei Tage später dann mit meiner Freundin
zusammen nochmals zu treffen und Ausflüge zu machen.

Trotz des schlechteren Wetters wurde auch letzterer ein Tag, an den ich noch
lange zurückdenken werde - und auf diese Art und Weise kam auch ich 
nach 15+ Jahren endlich mal ins Mercedes Museum nach Stuttgart ;-).
(long story short:
ganz nett, aber wahrlich kein Muss.)
Schön, einmal unerwartet einen neuen Menschen kennengelernt
zu haben, ich konnte einiges Neue mitnehmen über Südafrika und
Afrika im Allgemeinen.

Außerdem habe ich ein neues englisches Wort gelernt, ihre Freundinnen
daheim wollten Fotos aus Deutschland sehen und nannten mich "hunk" ;-). 


Alles Gute, Jean.
Auf ein Wiedersehen, hier oder in South Africa :-).

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