28 Februar 2025

vom erneuten Anlauf (part 4)

  [ part  1 ] part 2 ] [ part 3 ]


bisheriger Verlust liegt bei etwa 11 Kilo. ]

Zwischendurch gehe ich nochmal zum Internisten, um
mir das Folgerezept für die Wochen 3 und 4 abzuholen.

Im Gespräch mit dem Arzt kommen wir auf Langzeit-
Studien und neuere Studien zu sprechen.

Er sagt, es sei schon erstaunlich mit Semaglutid und Tirzepatid:

Bei fast Allen Langzeitstudien war es doch stets so, dass nach
einigen Jahren bei neuen Medikamenten "doch was rauskäme",
wo man anfänglich optimistisch gewesen sei und im Nachgang
Nebenwirkungen, Kontraindikatiomen usw. feststünden.

Das Gegenteil sei bei diesen Wirkstoffen der Fall:

Je länger die Forschung und je länger die Studien, 
desto zunehmend besser werde die Indikationslage
und die Verträglichkeitsliste.

Es gebe eine eindeutige Indizienlage für eine
positive Wirkung bei:

   - Parkinson
   - bestimmte Herz-Kreislauferkrankungen
   - Gefäßvorerkrankungen
   - bestehende Leberschäden /-narben
   - Nierenerkrankungen
   - Schuppenflechte
   - Arthritis
   - Alzheimer
   - alle Suchterkrankungen

Das erscheint mir (weil noch nie gehört) etwas zu
optimistisch, weshalb ich zurück daheim anfange,
mich etwas tiefer einzulesen und daraufhin feststelle:

Das Alles trifft nach aktueller Erkenntnislage tatsächlich zu.

Quelle 1.
Quelle 2.

Bei den Verbesserungen bei Gefäß- / Herz- / Leber- / Nieren-
erkrankungen könnte man ja noch mit einer gewissen
Erwartbarkeit im Vorfeld argumentieren:

Wer Gewicht abbaut, reduziert körperweit die Fettablagerung,
mithin also auch in diesen Organen und den Gefäßen. 

Das erklärt aber 2 Phänomene nicht:

1)  Bei dem Personenkreis, der abgenommen hat, trat dieser
     messbare Effekt bereits ein, NOCH BEVOR ein Gewichts-
     verlust überhaupt stattgefunden hatte.

2) noch irritierender:
    Ca. 15% aller Probanden nehmen mit der Spritze GAR
    NICHT ab, aber auch bei DENEN gehen die Risiken für
    Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich zurück.

Die positiven Effekte bei den Nicht-Abnehmern sind auch 
im Rahmen einer Nieren-Studie dokumentiert worden.

Quelle 3.

Beim Punkt "Suchterkrankungen" wurde ich hellhörig.

Und das war mir erst gar nicht aufgefallen:
Nicht nur hatte ich seit Wochen so gut wie keinen Alkohol
mehr getrunken. Ich hatte auch seit Wochen nicht mehr
auch nur an Alkohol gedacht.

Ok, das war neu. Und unerwartet.

Aber ja, ich hatte seit Tagen nichts Süßes mehr geholt,
einfach weil ich keinerlei Bedarf mehr an diesen
Dingen hatte, die allesamt das Belohungszentrum ansprechen.

So nach und nach vervollständigte sich mein Bild, wie all
dies miteinander zusammenhängt:

Bei Missbrauchsverhalten (sei es Nikotin, Alkohol, Zucker
oder Fett) verändert sich das Gehirn in ähnlicher Weise. 

Erreiche ich eine Reduzierung auf einer der Ebenen,
erreiche ich auch eine Reduzierung auf allen Anderen,
weil die gleichen Stellschrauben im Gehirn adressiert werden.

Außerdem kennt die Medizin auch den umgekehrten Weg:

Menschen, die medikamentiert werden gegen ihre Alkohol-
Erkrankung, berichten ebenso auch von reduziertem Appetit
und zeigen Gewichtsverlust.

Weil die wesentlichen Teile meiner erneuten Gewichtszunahme
auf Alkoholkonsum und die damit verbundenen Fressattacken
zurückzuführen waren, könnte es für mich einen dauerhaften
Erfolg geben:

Vielleicht sind alkoholsüchte Laborratten jetzt nicht der ideale
Vergleichspartner, aber:

Die Dopamin-Ausschüttung durch Alkohol im Belohnungszentrum
konnte bei diesen Tieren nicht nur ohne Toleranzwirkung
nachgewiesen werden (der Effekt der Reduzierung der belohnenden
Wirkung von Alkohol wird also nicht schwächer mit der Zeit).

Sondern der Alkoholkonsum blieb bei diesen Tieren
auch nach Beendigung der mehrwöchigen Semaglutid-Gabe
dauerhaft reduziert.


Sollte sich das beim Menschen bewahrheiten und sollten die
Halbwertzeiten dieser Medikamente weiter erhöht werden können,
wäre das ein Gamechanger in der Suchterkrankungs- und
Adipositasbehandlung.

Für mich persönlich halte ich bisher fest:

1) die Gründe für mein Ernährungs-Fehlverhalten der
    letzten Jahre sind nicht mehr akut - das ist eine Chance.

2) weil die Art, wie und wodurch ich zugenommen habe,
    sehr gut von dieser Art Medikamenten adressiert wird und das
    gleich auf mehreren Ebenen, funktioniert das Abnehmen für
    mich auf diese Art wirklich leicht.

3) ich habe beginnende Arteriosklerose, eine leichte Fettleber und
    zu hohe Cholesterinwerte und bin deshalb gespannt, wie / ob
    sich die entsprechenden Messwerte und Ultraschalldiagnosen
    verändern werden.


* Fortsetzung folgt *


2 Kommentare:

  1. Da Du oben zwei mal den gleichen Tagesspiegel-Artikel verlinkt hast, steuere ich noch diese beiden Studien bzgl. Sucht / Alkohol aus der National Library of Medicine bei:

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38017205/
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39743126/

    Leider kann ich, selbst mit Suchtverhalten kämpfend und daher aktuell auch mit Tirzepatid experimentierend, den Alkohol-Effekt bei mir nicht als dauerhaft erkennen - allerdings wiederum für die Anfangsphase absolut bestätigen.

    Es half verblüffend gut im Entzug.
    Die Gelüste kommen aber mittlerweile mit Macht zurück, wenn die Abstinenz nicht konsequent gehalten wird.

    Aber selbst wenn es nur das wäre - es wäre so eine Erleichterung für so viele Menschen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh danke für den Hinweis!
      Mist, mir war tatsächlich 2x der gleiche link rein gerutscht, und nun -da ich den beabsichtigten link nicht mehr finde- habe ich einen themenverwandten an seiner Statt eingebaut.

      Auch ich habe in der Bekanntschaft eine Tirzepatid-Einnahme mit 50/50- Absicht Gewicht/Alkoholreduzierung und soweit ich das wahrnehme aus der Ferne, hat auch dort eine bisher so nicht erreichte positive Wirkung eingesetzt.

      Was Du zur Rückkehr der Gelüste sagtest:
      Eigentlich sollte die Dopamin- und Co.-Ausschüttung der Belohnungszentren gedämpft BLEIBEN, so lange die Spritzen ebenfalls Teil des Lebens bleiben.

      Das wäre einerseits teuer.
      Andererseits: Es gäbe einer Menge Menschen auch ein Stück Gesundheit und Lebensqualität zurück.
      Sofern es denn dauerhaft funktioniert.

      Schwierig, alles.
      So oder so: Ich drücke Dir SEHR die Daumen!

      Löschen

Hinterlassen Sie dem Feuervogel an dieser Stelle gerne Ihre Gedanken:
Er freut sich über Ihre achtsame Wortwahl, einen freundlichen Ton und Ihren von Miteinander beseelten Gedankengang.
Und in allen anderen Fällen löscht er kommentarlos.
Falls Sie Probleme haben Ihren Kommentar angemeldet abzugeben: Suchen Sie in Ihren Browsereinstellungen nach "Cookies von Drittanbietern blockieren" und deaktivieren Sie diese Option.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.