Heute vor 20 Jahren starb Marvin Heemeyer durch die
Kugel aus seiner eigenen .357 Handwaffe im Kopf.
Auch wenn das, wie es heute vor 20 Jahren endete,
ebenso legendär wie unstrittig und prominent ist:
Es gibt im Prinzip zwei Versionen dessen, was in den
12 Jahren davor alles passierte.
Die eine Version erzählt die Geschichte eines Mannes,
der sich mit seinem kleinen Reparaturshop mit Händen und
Füßen gegen korrupte Brüder im lokalen Geschäftsleben
ebenso wehrte wie gegen einen bestechlichen Bürgermeister,
eine auf Schweigekurs gebrachte Lokalpresse und eine Justiz,
die sich mit keinem anlegen wollte nur für einen kleinen
Querulanten.
Die Grundstücke rund um seinen Reparaturshop waren dafür
aufgekauft worden, seine Kunden konnten ihn nicht mehr
erreichen, man wollte ihn aus dem business drängen und dann
den -bereits illegal genehmigten- Großbebauungsplan
für das Gesamtgelände umsetzen.
Die andere Version erzählt von einem Umweltsünder, der jahrelang
trotz mehrfacher Verurteilung sein Grundstück nicht gesetzeskonform
an die Abwasserentsorgung anschließen ließ und statt dessen die
Fäkalien in einen unterirdisch vergrabenen Betonmischer pumpte,
nur um sie von Zeit zu Zeit auf die Bewässerungsbereiche der
"feindlichen" Grundstücke illegal zu entsorgen.
Sie dokumentiert einen von Rechthaberei und Gier zerfressenen
Nörgler, der sich mit Allen und Jedem anlegte, der die Kaufangebote
der Grundstücksplaner immer wieder in die Höhe trieb, bis sie
-beim zehnfachen des von Heemeyer bezahlten Kaufpreises
angekommen- schlussendlich ausstiegen.
Heemeyer überzog alle Instanzen, Körperschaften und handelnden
Personen mit Klagen, Einsprüchen, Petitionen, gründete gar einen
eigenen Lokalradiosender, weil er sich von dem etablierten Medien
nicht genug unterstützt wähnte.
Ab 2001 wurde es einsam um Heemeyer, jeder vorherige Unterstützer
hatte sich abgewandt, die Stadt hatte ihn erfolgreich verurteilt wegen
mehrjähriger Unterlassung, sein Gelände formgerecht an die Kanalisation
anzuschließen, was er als Terrorismus gegen ihn bezeichnete und weshalb
er von seinem "Versager- Anwalt" sein Geld zurück haben wollte.
Schließlich fuhr Heemeyer nach Kalifornien, kaufte dort einen
gebrauchten Komatsu D355A Bulldozer, ließ diesen nach Hause nach
Colorado bringen und schloss wenige Monate später seinen kleinen Laden.
Das Grundstück verkaufte er an eine Müllverwertungsgesellschaft
(für knapp den zehnfachen Kaufpreis, den er selbst bezahlt hatte).
Die Hälfte des Gewerbegebäudes pachtete er sofort zurück, weil
"er noch was fertigstellen" wollte.
Über einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten lebte und arbeitete
Heemeyer neben dem inzwischen innerhalb des Gebäudes umgeparkten
Komatsu Bulldozer.
In dieser Zeit verschweißte Heemeyer den Bulldozer rundherum mit
verstärkten Panzerungsplatten, installierte Klimaanlage, Ventilatoren,
mehrere Kameras.
Die Kameras wiederum schützte er kugelsicher mit 8 Zentimeter
dickem Polycarbonat, erfolgreich, wie sich herausstellen sollte.
An den Videokameras installierte er Druckluftdüsen, um Staub
und Dreck wegzublasen.
Am 04. Juni 2004 begann Heemeyer den legendären Rachefeldzug
gegen seine Gegner in der Stadt.
Er startete mit seinem "Killdozer", brach durch die Hallenwand
des Gebäudes und nahm unaufhaltsam Kurs auf das Stadtzentrum,
um seine zu diesem Zweck angelegte Liste mit 107 Personen, die
"ihm Unrecht getan hatten", abzuarbeiten.
Unterwegs demolierte er in den nächsten gut 2 Stunden
die lokale Bank,
die Elektrizitätsgesellschaft,
eine lokale Baufirma,
einen Printshop,
einen großen Spielwarenladen,
das Lokalnachrichtenbüro,
das Privathaus des ehemaligen Bürgermeisters,
die Zementfabrik,
ein Servicecenter,
das Rathaus sowie etliche weitere Gebäude.
So gut wie alles wurde unternommen, um den Killdozer zu stoppen,
aber egal, was die Lokalpolizei und die Landespolizei auf den Bulldozer
drauf schossen / warfen / in den Weg stellten, es war wirkungslos.
Die Videoaufnahmen auf YT von diesem Tag sind beeindruckend.
Der Gouverneur wurde um den Einsatz der Nationalgarde mit ihren
Apache Helikoptern und Boden-Luft-Raketen gebeten, lehnte aber ab.
Als Heemeyer dabei war, den großen Spielwarenladen eines seiner
vermeintlichen Widersacher zu Kleinholz zu verarbeiten, brach eine
seiner Panzerketten durch die Erdoberfläche in den Keller des Gebäudes,
von dessen Existenz Heemeyer nichts gewusst hatte.
Der Killdozer steckte unbeweglich fest, die Motorkühlung war ausgefallen,
er verlor Öl, als SWAT-Teams rund um das Monstergefährt einen einzelnen
Schuss aus der Fahrerkabine hörten.
So wurde er zum einzigen Toten dieses Tages.
Die Polizei benötigte nach drei erfolglosen Sprengversuchen einen ganzen Tag,
um den toten Heemeyer mit einem Autogenschneidbrenner herauszuholen.
Sein Bruder hat die von Heemeyer während des Herstellungsprozesses
von Killdozer angefertigten Tonaufnahmen veröffentlicht.
Hier.
Aus Angst vor Souvenirjägern und Verehrern wurde der Killdozer in
viele kleine Einzelteile zerlegt und auf verschiedenen Schrottplätzen
anonym entsorgt.


Sachen gibt's...
AntwortenLöschenHöre ich da einen Anflug von Bewunderung raus?^^
LöschenGroßartig konsequent.
LöschenIch warte auf die Verfilmung.
Ein entschlossen handelnder Einzelgänger, der mit Willen und Konsequenz ein unaufhaltbare Zerstörungsmaschine baut und sich an Politik, Wendehälsen, Medien und Kapitalisten rächt und den nichts aufhalten kann, außer sein eigener minimaler Rangierfehler (und eine Kleinigkeit in der Motorkühlung)?
LöschenGlauben Sie mir:
Das ist EXAKT der Stoff, den die Reichen und Mächtigen heute NICHT verfilmt haben wollen.
Das hier sind nicht mehr die Achtziger.
Aber wenn Sie (als Viel-Gucker) an einer russischen Adaption die (mutmaßlich nicht ganz unbeabsichtigt) keine Sau im Westen kennt interessiert sind:
Leviathan (2014).
Faszinierend, dass das Erste, was mir dazu einfaellt, ist: Irgendwie ja auch cool und auf jeden Fall konsequent.
AntwortenLöschenDas ist auch das, was ich bei dieser (gut dokumentierten) Geschichte immer empfinde.
LöschenVielleicht liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den Schilderungen,
aber so oder so: Ich will so ein TREAD ON THEM -T-Shirt!