nach, wie man es so als Kind wohl "im Vergleich" hatte.
Ob es Andere auch so gut hatten, ob sie es besser hatten
als man selbst.
Tatsächlich denke ich initiativ über so was nie nach.
Absolut nie.
Aber es ist schon das eine oder andere Mal vorgekommen,
dass ich in Gesprächen über die jeweiligen Kindheitszeiten
so was raus gehört hatte wie "Na, DU hattest es aber auch
nicht gerade leicht!"
Dann ziehe ich immer so leicht die Lippen nach innen
und denke mir: Nö.
Schwer hatten es Andere, da will, da darf ich nicht mitreden.
Eltern können schon grausame Wesen sein.
Ich hab da einen Promi im Kopf, der mir immer wieder
einfällt, wenn es um "schlimme Kindheiten" geht.
Der hat nicht nur seinen Sechsjährigen auf gut deutsch
gesagt mit dem Ledergürtel vor sich her ins Studio
und auf die Bühne geprügelt, um ihn und seine Brüder
mit aller Gewalt zu Weltstars zu machen (und der
ultimative Pop-Star wurde dann ja auch aus ihm).
Der hat es auf dem Trauerzug nach der Beerdigung
dieses einen Sohnes auch noch fertig gebracht, durch das
Megafon eine Ansage zu machen, dass dies zwar ein
schlimmer Tag für die Musikwelt sei, jetzt, durch den
Tod eines seiner Söhne.
Aber schon bald, würde er, Joe Jackson persönlich,
eine neue "Jackson 5" -Band herausbringen. Und man
könnte schon bald mit neuer Musik von ihnen rechnen.
Das hatte dieser auch ansonsten geschmacklich mehr
als grenzwertigen Beisetzungsveranstaltung endgültig
den letzten Rest Pietät geraubt.
Das ist nun fünfzehn Jahre her und ich muss da immer
wieder daran denken.
Wie das wohl ist, wenn man sich als Kind so abstrampeln
um die Liebe seiner Eltern, und dann wird auf Deiner
eigenen Beerdigung schon Dein Ersatz angekündigt.
Ich glaub', bei Lichte betrachtet
hatte ich es also …ganz okay.
.

Das "Abstrampeln" merkt man als Kind so nicht ... Das merkt man erst im späteren Leben, wenn man das in einer Beziehung machen muss!
AntwortenLöschenWenn Du wissen möchtest wie sich eine Beerdigung anfühlt, empfehle ich dir eine Vollnarkose.
Ich merke eine ganze Menge erst jetzt als Späterwachsener.
LöschenUnd wenn das stimmt, dass sich eine Beerdigung wie eine Vollnarkose anfühlt, dann freue ich mich jetzt schon darauf.
Alle Vollnarkosen bisher waren einfach geil.
Da machen Sie aber wieder ein Thema auf .... dieses Kindheitsgefühl ist wohl sehr subjektiv. Im Vergleich mit M. J. - mir wurde dieses "Alles für die Familie" zum Beispiel nicht mitgegeben. Dafür könnte ich andere Geschichten erzählen, etwa davon, dass mein Vater mich eines Tages bei einem der eskalierenden Ehekräche als lebendes Schutzschild vor sich gezogen hat ...
AntwortenLöschenImmer mal wieder bin ich im Zwiespalt, ob es nun zum Guten oder zum Schlechten war, was ich so erlebt habe. Immerhin hat es mich zu einem äußerst unabhängigen Menschen gemacht.
Jaja, ich und meine bisweilen großen Fässer…
LöschenJeder hat so „seine Lektionen“ als Kind abbekommen.
Die Einen haben sie stark und unabhängig werden lassen, die anderen für die Dauer ihres Lebens zu Zehenspitzenwandlern gemacht und der permanenten Verletzlichkeit überlassen - da ist es herausfordernd, auf eine Byron Katie zu hören und mantra-mäßig vor sich hin zu wiederholen „es ist egal, ob zum Guten oder Schlechten, es IST. Und ich muss es SO lieben, wie es IST!“..
Und trotzdem bleibt der Zwiepalt.
Eigene schlimme, persönliche Erlebnisse mit denen anderer Menschen vergleichen zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Wie sehr jemandem seine Kindheit geschadet hat, kann nur ein jeder für sich selber ermessen. Irgendwie neigt der Mensch zu diesen Vergleichen, um sich selber einordnen zu können. Und meiner Erfahrung nach tun Menschen das in den meisten Fällen, um sich nicht eingestehen zu müssen "Ja, das war für MICH schlimm, was ich erlebt habe."
AntwortenLöschenDie eigenen Erlebnisse gewichten sich dann weniger schlimm oder dramatisch oder verletzend, wenn man sie im Vergleich zu jemand anderem stellt, dessen Erlebnisse dramatischer zu sein scheinen. Ich habe selber gut vier Jahre damit zugebracht, verdammt wütend zu sein auf alles, was sich "Familie" schimpft. Genau genommen hat es vier Jahre gedauert, bis ich mir gestatten konnte, die Wut zulassen zu dürfen. Für jede Verletzung, für jedes nicht gesehen werden, für jedes Mal das Gefühl vermittelt zu bekommen, zweite Wahl und nicht gewollt gewesen zu sein.
Ja, anderen ist Schlimmeres widerfahren. Wie immer man "Schlimmeres" auch definieren mag. Nichtsdestotrotz waren meine Erfahrungen in meiner Wahrnehmung schmerzhaft und sie haben Narben, Macken, Ecken und Kanten hinterlassen, die mir bis heute zuweilen das Leben schwerer machen. Ob es da hilfreich ist, diese im Vergleich zu anderen zu relativieren?
Deinen ersten Absatz habe ich soeben das sechste Mal gelesen, nun weiß mein Kopf auch, weshalb er mir intuitiv im Erstkontakt als falsch vorkam:
LöschenAls eventuell beschädigte Kinder können wir genau das eben nicht: Uns selbst einordnen, ob das Erlebte jetzt schlimm oder normal war.
Daher hören wir uns (im Erwachsenenalter) um.
Und bewerten hiernach neu.
Vielleicht hast Du in der gedanklichen Gegenprobe aber auch wieder recht:
Würde ein Kindheits-„Normalo“ diesen Vergleich in seinen Gedanken anstellen? Einer, der eine sorglose und unbeschwerte Kindheit hatte?
Nein, das würde er wohl nicht: Die Gegenprobe geht zugunsten Deiner These aus.
In Deinem letzten Absatz gehe hingegen ich -gefühlt, gedacht- als Argumentensieger vom Platz:
Selbstverständlich ist es hilfreich, sein Erleben in die Wagschale anderer Leben/Kindheiten zu legen.
Selbstverständlich lindert das.
Gegenprobe:
Würde es das erhoffte Lindern nicht zu leisten vermögen, weshalb drängte es uns dann dazu?
Man macht diese Vergleiche, um überhaupt zu erkennen, dass man ein beschädigtes Kind ist. Es bleibt aber irgendwie dadurch unwahr, dass es andere schlechter hatten, weil wir doch unversehrt geblieben sind. Wir leben trotzdem unser Leben und die Außenwirkung suggeriert das. So habe ich das jedenfalls erfahren. Es ist auch die Art, wie man von der Kindheit erzählt. Tut man das abgeklärt neutral, was man unterbewusst macht, erkennt das Umfeld die Tragik oft nicht. Das macht alles noch unwahrer.
AntwortenLöschenOh, ein sehr valider Punkt: Die Art, wie ich selbst davon erzähle.
LöschenDas ist es.
Ich erzähle eben nicht in einer Art davon, die ein Schultertätscheln provoziert, eher im Gegenteil. Auch deshalb, weil mein Gegenüber es ja auch nicht mehr ändern kann und ich den somit auch nicht mit reinziehen brauche.
Allerdings muss ich immer wieder bewusst vor mich hin sagen, dass es wahr ist, dass meine Eltern das Beste gemacht haben, was sie konnten als Menschen.
Ich habe keine Berechtigung, von etwas Anderem auszugehen, es ist also sinnvoll, das zu unterstellen.
Diese beiden Menschen waren nun einmal nicht gut als Eltern - aber auch ich bin sicherlich in Einigem nicht gut, obgleich ich das Beste aus meiner Rolle zu machen versuche.
So funktioniert Leben.
Glaube ich.
Ich habe da Parallelen erkannt und überlegt, wie ich das formuliere. Das Leben geht weiter und es ist, wie es ist. Man hat irgendwann seine eigenen Strategien entwickelt. Bewusst machen muss ich mir das auch. Ich habe keinen Hang zur Verbitterung, vielleicht ist das verständnisvolle, sensible Gemüt hinderlich. Das erweckt eben nach außen diesen unerschütterlichen Eindruck.
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