Auf der Gebrauchsanweisung lese ich zweierlei:
A)
dass man die Fettfilter der Dunstabzugshaube
regelmäßig spülen soll und zwar NICHT in der
Spülmaschine
und
B) dass man den Aktivkohlefilter dahinter
alle 6 Monate austauschen soll.
Staune kurz.
Sehe auf meine goldbraunöligen Hände,
die gerade eben die Alu-Metallfilter aus ihrer
Verankerung gelöst haben.
Schaue sodann mit Kopfbewegung in Zeitlupe
hoch zu dem Aktivkohlefilter dahinter.
Löse ihn ebenfalls aus seiner Verankerung und
bemerke dann den goldbraunen tropfenden Rand,
den er auf dem Metallgehäuse hinterlässt.
Schließe die Augen, halte die öltropfenden Hände
über die Spüle und atme langsam aus,
dabei den Kiefer weit aufsperrend, weil das an
manchen Tagen gegen das situationsstressbedingte
Pfeiffen in den Ohren hilft.
Heute ist, wie sich herausstellt, nicht so ein Tag.
Rufe so sanftstimmig wie es mir noch möglich ist,
(wie es scheint aber laut und unmissverständlich)
die Freundin aus dem Dachgeschoss herbei.
Diese trifft Sekunden später bei mir in der Küche ein,
ein weiterer Beleg dafür, dass das mit der Sanftstimmigkeit
nicht so ganz geklappt haben könnte.
Sie sieht mich und meine honigfarben schmierigen Hände,
starrt auf die triefenden Filter in der Spüle und greift wortlos
in die Schublade mit dem Orangen-Fettreiniger, um mich
und die Arbeitsplatte damit großflächig abzubeizen.
Mit sauberen Händen und übergezogenen Latexhandschuhen
kehre ich kurz darauf an den Tatort zurück, nun auch
mit Lesebrille.
Begutachte die Metallfilter.
Sehen aus wie befüllte Honigwaben.
Der schwarze Kohlefilter trieft immer noch in den Ausguss.
Beginne mit zugekniffenen Augen nah an den Filtern
küchenforensisch zu analysieren.
Jeannie hat hier drei Jahre gewohnt.
In dieser Zeit ist der Kohlefilter null mal
getauscht worden, das ist klar.
Die Metallfilter wurden zwar gesäubert,
aber mutmaßlich immer in der Spülmaschine.
Das sieht man erstens an der weißen Schicht
auf dem Aluminium.
Und zweitens haben die Halteclipser aus Plastik
fast keine Funktion mehr.
Folgerichtig bekomme ich sie daher 20 min später,
leider erst NACH erfolgter gründlicher Handreinigung,
nicht wieder eingebaut, wie mir lautstark fluchend klar wird.
Powered by "Impuls + Erkenntnis" fliegen alle Filter
sodann schnurstracks in den Müll.
Wo ich sie zwei Stunden später -erneut fluchend- wieder
rausfische, weil mir bei der Internetsuche nach Ersatz
erstmals klar geworden ist, dass es mehr verschiedene
Filterformen und -abmessungen gibt als Automodelle
auf dem deutschen Markt und deshalb genaues
Nachmessen erfolgskritisch ist.
Schön auch, dass uns freie Marktwirtschaft und Kapitalismus
ein so reichhaltiges Angebot an Aktivkohlefiltern und Metall-
fettfiltern beschert haben - leider finde ich in zweistündiger
Suche aber nur GENAU EINEN Händler, der diese Dinger
überhaupt noch anbietet.
Daher darf jener auch ohne Inbetrachtziehen der finanziellen
Konsequenzen für den Käufer und seine Erben absolut
JEDEN Preis aufrufen.
Und so bin ich kurz darauf hundert Euro ärmer, habe dafür
aber wieder einsetzbare und ihren Dienst verrichtende Fettfilter.
21 März 2024
Fettfilter
8 Kommentare:
Hinterlassen Sie dem Feuervogel an dieser Stelle gerne Ihre Gedanken:
Er freut sich über Ihre achtsame Wortwahl, einen freundlichen Ton und Ihren von Miteinander beseelten Gedankengang.
Und in allen anderen Fällen löscht er kommentarlos.
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AntwortenLöschenSeien Sie froh, überhaupt noch einen Händler gefunden zu haben ...
Unsere Wegwerfgesellschaft arbeitet schließlich hart daran, dass Geräte und Maschinen älteren Datums aufgrund nicht mehr nachproduzierter Ersatzteile im Müll landen müssen. Sustainable. Not.
Das stimmt.
LöschenUnd es bedeutet in der Konsequenz, dass ich am Besten
jetzt gleich das ganze Set NOCHMAL BESTELLE, damit ich wenigstens EINEN weiteren Satz auf Reserve habe - verdammt, die nächste ungeplante Ausgabe! :-(
Sie sind ja noch in Stufe 1 der Dunstabzugshaubengeheimnisse, Herr Aschevogel. Stufe 2 konnte ich bereits hier in der Mietwohnung mit Einbauküche (ca. 1996) bewundern. Der in der Dunstabzugshaube befindliche Rotorlüfter zieht erfolgreich die Luft rechts und links in große Öffnungen durch den Filter an und gibt das Ganze dann durch einen Kanal an die Umwelt draußen durch eine Wandöffnung ab.
AntwortenLöschenIndes sind Fettpartikel nun mal nicht leichter als Luft und tendieren dazu, nach erfolgreicher Überwindung des Metallfilters (einen Kohlefilter gibt es gar nicht) und Eintritt in das Rotorgehäuse dort ihren Lebensabend zu verbringen und sich am Boden des ansonsten geschlossenen Gehäuses zu versammeln. Nun ist solch ein Gehäuse zweiteilig aufgebaut, die Gehäusehälften hängen quasi wie zwei aneinandergeschraubte, liegende Konservendosen im Dunstabzugsgehäuse. Und die Kopfseiten, die aneinanderliegen, sind nur zu 99,995% dicht. Das führt dazu, dass ein steter Tropfen, wie bei einer prostatafunktionsbedingten Störung, auf den Metallfilter tropft. Und sich von dort, der Schwerkraft folgend, durch das Metallgitter, einen Weg bahnt. Um dann, so alle 2, 3 Monate, auf der Ceranplatte einen kleinen Fleck zu verursachen.
Natürlich lässt sich der gesamte Lüftermotor nicht ohne Zugangssprengung aus dem Abzugsgehäuse entfernen. Versteckte und über die Jahre durch Altfett zugewachsene Schrauben verhindern dies. Es ist quasi ein ewiger Quell der Freude, der allerdings nur spärlich fließt.
(Falls Sie demnächst also wieder die Rinderbesamungshandschuhe anhaben sollten...)
Doc P., dank Ihnen lerne ich wiederkehrend:
LöschenSchlimmer geht immer. ;-)
Zwar habe ich den Individualvergleich mit der prostatabedingten Rückhaltefähigkeitsstörung noch nicht selbst erfahren dürfen (bzw. müssen, höhö), aber ich erfasse den dem Vergleich zugrundeliegenden Sachverhalt.
Kann man in dem sichtbaren Zwischenraum unterhalb der zwei Kopfseiten nicht irgendeinen wegwerfbaren Tropfauffang installieren?
Da wir vorhin bereits im Beckenbereich der menschlichen Fehlfunktionen waren, ließe sich da nicht eine komplette Packung Tampons reinstopfen? Ich hörte z.T Erstaunliches von deren Auffangvermögen.
Ich warte gespannt auf Ihre Antwort!
Tampons wären eine gute Idee, jedoch befinden sich mangels weiblicher Besucher in diesem Haushalt keine derartigen Vorräte in Griffweite. Und um jetzt bei der Nachbarin..., nun, verwerfen wir den Gedanken lieber.
LöschenIndes hat sich Küchenkrepp, liebevoll gefaltet und wie, um bei Ihrer Grundidee zu bleiben, eine kleberückseitenbefreite Slipeinlage darunter in den Spalt (oder heißt es "die Spalte"?) gequetscht, doch ziemlich bewährt. Es mangelt jedoch an einer Füllstandsanzeige, man muss sich also von Zeit zu Zeit selbst daran erinnern, dort mal nachzuschauen.
Im biologischen Bereich regelt(sic!) sich das dann offenbar durch ein erhöhtes Feuchtegefühl selbst, so hörte ich.
"Es mangelt jedoch an einer Füllstandsanzeige, man muss sich also von Zeit zu Zeit selbst daran erinnern, dort mal nachzuschauen."
LöschenEin Satz, wie für die Ewigkeit, ich werde ihn meiner Partnerin ausdrucken.
Oder besser noch, ich lasse ihn mir auf alle meine Unterhosen sticken.
Lösungsorientiert? Kann ich.
Das ist EIN Grund, warum ich keine Dunstabzugshaube habe. Ich bin altmodisch, ich mache das Küchenfenster auf ...
AntwortenLöschenWeitere Gründe gegen so ein Lärmdings sind - eben, Krach. Und die Tatsache, dass ich mir da fünf Mal am Tag den Kopf anrenne. (Getestet, mehrfach.)
Ich bin auch altmodisch.
LöschenSo auch die kleine Öffnung in der Wand bei der Küche, in welche leider ein nur 45 x 45 cm großen Fensterchen reinpasste - es ist immer geöffnet, wenn ich koche, aber das genügt nicht. Die Abzugshaube muss mit laufen, GsD ist es eine, die einen Schlauch nach draußen hat.
Der Lärm des Teils geht mir allerdings ebenfalls gehörig auf den Zeiger. Gerade mir als lärmempfindlichen Menschen.