11 August 2023

Omnia melius ante


[ langweiliger rant heute.
musste aber (noch)mal raus. ]



Die Gemeinsamkeit zwischen einem Menschen,
der Tag für Tag zunehmend mit einem bittergesichtigen
"Früher war alles besser!" vor sich hingrummelt und
jemandem, der mit der headline "omnia melius ante" 
das inhaltsgleiche verbloggt, besteht in der Eigenschaft
als alternder Sack, dem man es immer weniger Recht
zu machen vermag.

Der Unterscheid zwischen beiden besteht darin,
dass letzterer etwas intellektueller und daher irgendwie
zuhörenswerter rüberkommt - ein Eindruck, den er durch
eigenes Tun und Schreiben allerdings regelmäßig
schon bald zu korrigieren vermag.

Heute also: Musik.

Es war glaube ich Gary Rossington (oder ein anderer
Musiker von Lynyrd Skynyrd), der anlässlich der Aufnahme
in die Rock & Roll Hall Of Fame im Interview zu aktueller,
neuer Musik etwa sagte:

"Musik ist tot. Es gibt sie nicht mehr.
Heute gibt es nur noch Töne und Beats."


Das fand ich damals einen Affront.
Einen Pessimismus ohnegleichen.
Unbegründet, ignorant, geringschätzend.
Altherrengegrummel halt, von Menschen mit ihrer
eigene Glanzzeit lange hinter sich, fernab des Zeniths.

Heute muss ich sagen: Es ist wahr geworden. Vollinhaltlich.
Machen Sie mal das Radio an. Ist schon fast egal, wo.
Unerträglich.
Lächerlich inhaltsgleich (was auch nicht schwer ist), 
vorhersehbar, anspruchslos, künstlich.
Nicht eine einzige echte Stimme mehr, dafür nerviges 
Gegurgel bzw. Gewinsel.

Und alles teilgecovered: Sie hören 10 songs, dann sind
sicher 9 davon auf einer hookline eines alten oder
uralten Hits basierend und irgendein Mist digital
drumherum vermörtelt.

Thema, Dynamik, Aufbau, Story, Spannungsbogen?
Fehlt alles.
Lassen Sie das Zeug mal durch einen Normaliserer
laufen, da sehen Sie: Durchgängig die gleiche Lautheit,
absolut alles wurde auf 99,8 dB (oder mehr) hochgelevelled
und kurz vor der Übersteuerung wieder geclipped.

Loudness war - lost.
Da füllt sich jeder Audiophile lieber 'ne Tube
Reparaturspachtel in die Ohren.

Leider finde mich eben auch in aktuellen Produktionen
seit Jahren/Jahrzehnten aktiver Künstler nicht mehr wieder.
Auch nicht bei jenen, die ich mal sehr mochte!

Metallica?
Mal abgesehen davon, dass ich Pickel kriege, wenn Lars Ulrich
das Maul aufmacht und ich James Hetfield den Rauswurf von
Jason Newsted immer noch nicht verziehen habe, haben die in
den letzten 30 Jahren mit viel Wohlwollen 10 gute Songs gemacht,
aber eben auch keine sehr guten.

Und James auf der Bühne 1988 oder 2023 - ehrlich,
den Vergleich wollen Sie nicht mal als Metallica-Fan ertragen.

Volbeat?
Poulsen ist ein unglaublicher Live-Performer, einer der besten
Sänger überhaupt.

Aber seit die nach 2008 nur noch Mädchen-Metal machen
(oder eher gar keinen mehr), hab ich die Lust dran verloren.

2018 kam dann ein Doppel-Live-Album raus:
Auf dieser LETS BOOGIE! waren 26 Stücke.

Meine private Playlist im Auto von Volbeat umfasst 23 Stücke.
Schnittmenge zwischen dem was ich mag und dem was die spielten:
Null Lieder.

Blind Guardian?
Was für Helden das mal waren. Echt jedem zu empfehlen.

Und dann, irgendwann um die Millenniumswende herum
drifteten sie ab und verloren sich hinter dichten Nebelschwaden
aus tönenden Komplexitätsgebilden im Stil des Films INCEPTION,
sodass auch der eigene Drummer kopfschüttelnd ausstieg
und seit 2005 gab's da vielleicht drei Songs, die man einmal im
Halbjahr gerne hört.

Manowar?
Unakzeptabel, lächerlich, Persiflagen ihrerselbst.

Das waren tatsächlich mal die selbsternannten "Kings of Metal",
großartige Stücke
aber Joey DeMaios unerträgliches Ego-Gehabe, vor allem auch
auf den Live-Konzerten und die seit 2002 nicht mehr existente
Kreativität verbieten eigentlich, sich damit noch zu befassen.

Slipknot?
Die Art des Rauswurfs des besten Drummer der Welt damals
war der letzte Tag, an dem ich Fan war.
Auch wenn der beste Song der Band erst danach entstand.

Ich will nicht in Abrede stellen, was Corey Taylor als Sänger
musikalisch für die Entwicklung der Band geleistet hat,
aber sobald er den Mund aufmacht, muss man die Ohren zuhalten.
Und neue Musik von denen gefällt mir zu 95% auch nicht mehr.


Megadeth?
Machen zumindest noch interessante neue Musik, spannend
bisweilen, aber Dave Mustaines Art mit Menschen umzugehen
(Dave Ellefson, aber auch alle anderen) ist zum Kotzen und
singen konnte der noch nie wirklich.
Ok, ausgenommen vielleicht 1994.
Trotzdem, die alten Stücke sind unerreicht.

Iron Maiden?
Ok, die gehen echt noch! Das letzte Album war besser als
der Vorgänger, die Setlist der Tour dieses Jahr fand ich sehr
versöhnlich und Bruces Stimme ist so gut wie seit 2000 nicht mehr.
Hab' ich jetzt aber fast vierzzig Jahre lang schon gehört.

Slayer?
Aufgelöst.

Motörhead?
Alle tot.

TypeO'Negative?
Aufgelöst durch Tod.

Und so weiter.

Die letzte Metallicascheibe ging mir so auf die Nerven,
dass ich allen Ernstes mal eine Am4z0n-Renzension dazu
verfasst hatte. Sie war nicht sehr freundlich.^^

Dann las ich die Rezensionen, die es darunter bereits gab.

Einer schrieb etwas, das mich seither beschäftigt.
Er wandte sich an alle, die dem Album mäßige oder schlchte
Kritiken gäben und appellierte an sie sinngemäß etwa so:

"Lasst Eure Lieblingsband nicht dafür büßen,
dass IHR nicht mehr in der Lage seid,
den gleichen Enthusiasmus für die Musik
aufzubringen wie vor dreißig Jahren!"


Der Satz saß.
Der sitzt immer noch.

Egal, trotzdem:
Früher war alles besser.

1 Kommentar:

  1. Vom Alter her bin ich weiter entfernt, höre solche Musik, weniger die o. g. Bands, und wesentlich härter doch seit gut 30 Jahren und Manowar war eigentlich die Einsteiger-Band in dieses Leben. Davon habe ich am meisten Merchandise. Scott Columbus ist ebenfalls tot. 😢 Einmal habe ich es in 2007 auf ein Live-Konzert geschafft. Es war wie man es kennt. Der Zauber der früheren Musik hat gefehlt. Mit Warriors of the World hat diese Ära für mich geendet. Ich habe mir immer jemanden gewünscht, der diese Liebe und das Gefühl vom Hören her etc. teilt. Bisher vergeblich, momentan wird es in der Beziehung als Krach und aggressiv verurteilt, von dem man verschont bleiben sollte.. Das sitzt.

    Pete Steel fehlt immer noch. 😔

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