Was meinen guten Riecher für geschäftliche
Entscheidungen angeht, geschärft in mehr als
zwanzig Jahren als Fachidiot, dazu treffsicher
ergänzt durch meine als legendär zu
bezeichnende Menschenkenntnis:
Alles weg.
Vollkommen verballert.
Themenfachlich wie menschlich.
Aber der Reihe nach.
Anfang des Jahres:
Nicht, dass es noch irgendwie jemals wieder in
den Bereich des Wahrscheinlichen käme, dass
wir angestellte Fachidioten im Vertrieb nochmal
irgend so was wie "ordentliche Boni" erreichen könnten.
Dafür sorgen schon die Zielvorgaben, die in den
Bereich Putinscher Strategieplanungen fallen.
Aber nun sitze ich meinem Chef gegenüber, und
DER will von mir eine Aussage, was ich denn jetzt
als mein "persönliches Ziel" setzen will.
Das ist die neueste Masche seit drei Jahren:
So macht der Saftladen aus "unsere Vorgaben"
ein pseudo-beteiligendes "das sind EURE Ziele,
die habt IHR Euch AUSGESUCHT".
Meine erste Aussage akzeptiert er nicht...
unerreichbaren Ziele ich NICHT erreiche"),
stark und schnell wachsenden Bereich der
"Corporate Employee Benefits" hin.
Also gut - ich wähle "CEB" als mein Sonderziel für 2023.
6 Monate später:
50% des Jahres sind rum, und meine ach so begeisterten
und vielverheißenden Vertriebspartner haben leider, leider
bereits LETZTES Jahr (als es noch nicht zählte) ihr
ganzes, bescheidenes Pulver verballert, sodass ich jetzt
bei sensationellen 8% Jahreszielerreichung stehe.
GENAU mein Ding.
Nicht.
Ich kann ab hier die Füße hochlegen, das wird nix mehr.
Die zweite Fehlentscheidung deluxe basierte
auf einer grundsätzlichen personellen Überlegung:
"Ich habe 42 Schäfchen in meiner Herde,
ich kann nicht auf alle gleichzeitig aufpassen -
um wen kümmere ich mich 2023 am Intensivsten,
wer wird aus meinem support den größten Erfolg ziehen?"
So kam ich auf das 3-Mädels-Team im Allgäu.
Ich mochte die Chefin.
Die Mitarbeiterinnen,
Das Büro, die Stadt., Hotel, Essen, Bier.
Die Arbeitsweise, die perfekte Terminvorbereitung.
Die pünktlichen Termine, die eingeholten Daten, alles.
Den Humor und das Selbstverständnis,
Sie erinnern sich vielleicht noch an meine Zeilen letztes Jahr.
Was sagte mir mein betreuender Vorgänger bei der Übergabe?
Pass da auf, Junge.
Die Chefin kann nix. Und zwar NIX.
Du musst da Alles selber machen.
Die nimmt Dich nur aus, solange Du mitspielst.
Ihre Kunden sind nicht Mittelpunkt.
Ihre Kunden sind Mittel. Punkt.
Und ich so:
Ach was!
Statt dessen:
Dutzende Kundentermine ausgemacht, beraten,
siebenstellige Erfolge, Übernachtungen im
Doppelpack beantragt und genehmigt bekommen,
das Team geschult, Selektionen aus unseren System
rausgezogen, Beratungskonzepte etabliert,
fünfstellige Verdienste in die Agentur gepumpt.
Eineinhalb Jahre später:
Ok, die Chefin kann nix.
Ok, die Chefin nimmt ihre Mitarbeiter aus.
Ok, die Chefin ist Narziss par excellence.
Ok, die Chefin ist Blendwerk par excellence.
Und diese Woche ist dieses Team: Auseinander gebrochen.
Ich bin zwar Tag (und Nacht) dran, die Leute bei uns
zu behalten und versuche (was absolut nicht mein Job ist)
alle bei uns zu behalten, bevor die Konkurrenz sie packt.
Aber der Punkt ist ein anderer.
Mein Kollege, dessen Art und dessen Vorgehensweise
ich absolut null leiden kann, den alle Kollegen
meiden wie die Pest:
Der lag richtig.
Der hatte Recht.
Der war zwar nie mit irgendwem gutmeinend.
Der konnte zwar mit niemandem im Kollegenkreis.
Aber er wird dieses Jahr den vollen Bonus einsacken.
Und ich?
Ich hab nicht zuhören wollen.
Ich hab auf das falsche Thema gesetzt.
Ich hab auf die falsche Mannschaft gesetzt.
Und Zeit investiert, die ich besser anderswo
eingesetzt hätte.
Sieht so aus, als hätte mich das Gespür für Erfolgsthemen
und -menschen verlassen.
Sieht so aus, als hätte ich erst kein Glück gehabt.
Und nun kommt noch Pech hinzu.
Ruhig, Brauner! (Wie wir Pferdeleute zu sagen pflegen :-) )
AntwortenLöschenSie haben das Gespür nicht verloren. Eher ist es so, dass die Welt in rasantem Wandel (zum Schlechteren) ist und "wir Alten" das noch nicht richtig verinnerlicht haben oder verinnerlichen wollen. Ihr Gespür ist noch da, lediglich an Ihrer "Reaktionszeit" müssen Sie arbeiten.
Ich habe mich vom Optimisten zum Zweckpessimisten gewandelt, es macht es mir nun leichter, negative Erfahrungen zu verarbeiten. Und schützt mich hoffentlich davor, ein Zyniker zu werden.
Nehmen Sie die "Niederlage" sportlich, es kommen wieder bessere Zeiten. Oder wie sangen schon Karat und Peter Maffey: "Über sieben Brücken ..."
Kopf hoch!
Was für ein Kommentar, was für ein Schulterklopfer! Bin angetan ♥
LöschenKonnte jede Silbe für mich nachvollziehen.
*Nickend gelesen*
Und an den Maffay-Song muss ich ohnehin oft denken...
Danke für den Dank :-) Ich bin ja ein paar Jährchen älter als Sie und auch schon ein paar Mal auf die sprichwörtliche "Fr*sse" gefallen. Und immer wieder aufgestanden.
LöschenIst es Ihnen nicht auch schon passiert, dass Sie mal etwas "anders" gemacht haben um zu sehen, was passiert, obwohl der übliche Weg immer funktioniert hat?
Schieben Sie es auf Ihr "vegetatives Unterbewusstsein" ... ;-)
Auch diese Erfahrung bringt Sie im Leben ein Stückchen weiter!
(Oops. Ich habe den Peter falsch geschrieben. Asche auf mein Haupt. :-) )
Ja, so ist das, wenn man mit Narzissten zu tun hat(te). Ich dachte auch mal, ich kenne die Menschen, und jetzt bin ich total misstrauisch geworden :/
AntwortenLöschenABER. Das bedeutet NICHTS im Hinblick auf das allgemeine Menschenverstaendnis und den Blick fuers Ganze, lass Dir da nix einreden.
Und insgesamt gelten beide Sprueche von damals auch noch! Es ist ganz viel gut, und es wird ganz viel gut!
(Und ganz ehrlich: Auch als MANN kann man nicht IMMER recht haben ;) )
Ja wenn man denn NICHT MAL ALS MANN Recht behalten kann, als was DENN DANN ?!??! :-(
LöschenSpaß beiseite:
Ich kapier' schon, was da wie und wo herum gelaufen und schief gelaufen ist, indes: Ich mag die Lektion daraus nicht. Ich scheue das Akzeptieren der Konsequenz daraus.
Und dann verurteile ich MICH wiederum dafür, wie BESCHEUERT das Verhalten ist, Realität nicht akzeptieren ZU WOLLEN. Nur weil sie mir nicht GEFÄLLT.
Pippi Langstrumpf ruft mir zu:
"Ich konnte mir die Welt machen, wie sie mir gefällt
- aber ICH war ja auch eine Märchenfigur!"
Byron Katie ruft mir zu:
"Wie oft muss ich Dir noch sagen,
dass der EINZIGE Weg nicht zu verzweifeln
jener ist, das zu LIEBEN, was IST?"
Timothy McVeigh ruft mir zu:
"Also ICH hatte da 'ne Lösung, die wollte aber niemand."
Auch wenn Sie den Kollegen nicht leiden können: Springen Sie über Ihren Schatten und gestehen Sie ihm, dass er leider Recht hatte. Vielleicht gewinnen Sie dadurch seinen Respekt, vielleicht ändert sich Ihr Verhältnis zueinander? (Ein Nebeneffekt kann auch sein, dass Sie mit seiner Hilfe lukrativere Fälle erhalten bzw. sich nicht erneut ins Fettnäpfchen setzen)
AntwortenLöschenUnd was die narzisstische Chefin der Agentur betrifft: So etwas erkennt man leider nie rechtzeitig. Da muss man bereits die Erfahrung gemacht haben und feine Antennen entwickelt. Ging mir mit der Noch-Gattin ebenso. Einmal die Mechanismen, Verhaltensweisen erkannt: Sie werden ein Leben lang darauf indirekt achten und vorgewarnt sein.
Ich hab dem Kollegen genau DAS schon gesagt - wir haben ein wirklich gutes Verhältnis und telefonieren sporadisch miteinander.
LöschenDer einzige, der mit ihm spricht, das bin ich.
Wie im vorherigen Beitrag im anderen Zusammenhang angedeutet: Schwierige Charaktere sind an sich nur selten ein Problem für mich.
WAS ich aber schwierig finde:
Der mit den (zu) feinen Antennen, das bin eigentlich ICH in diesem beruflichen Setup hier (aka Irrenhaus). Die anderen, vor allem dieser Kollege, das sind eher so die Pauschal-Asphaltierer im Trampelpfad der zwischenmenschlichen Vertriebsbetreuungen.
Mich wurmt einfach, dass eine Verhaltensweise, die ich global ablehne,
so uninterpretierbar erfolgreicher ist als meine.
Und die Narzisten-Thematik betreffend:
Auch wieder so ein Ding, ich grinse immer zynisch, wenn ich Tweets lese, in denen das zu später Erkannthaben von Narzisten bejammert wird und dass die ach so gut darin seien, red flags zu verbergen, bis es zu spät sei.
Und nun erfahre ich, dass ich selbst keinen Deut besser bin und keine hellere Kerze aufm Helm mit mir rumtrage als alle anderen, und mit dem "keinen Deut besser/cleverer sein als die anderen" komme ich nur grummelnd zurecht, und das auch keinesfalls freiwillig.