Wie durch Zufall stieß ich auf einer so gut wie nie
von mir benutzen Jobplattform (Schrittstein) auf eine
Jobausschreibung in meinem eigenen Konzern.
Daraufhin stöberte ich nach dieser Stellenausschreibung
in unserer Intranetjobbörse.
Und fand sie tatsächlich.
Und bewarb mich sofort.
Weil wirklich alles in dieser Ausschreibung nach
mir und meinem Namen rief, so mein Eindruck.
Weil unser Laden ja hin und wieder doch schnell und agil
und whatnot sein kann (wenn er was will nämlich), erhielt
ich sehr bald nach der automatisierten Systemnachricht
auch eine persönliche, verbunden mit einem wirklich
sehr kurzfristigen Onlineterminvorschlag.
Und so fand ich mich keine 40 Stunden nach der ersten
Sichtung dieses Jobs in einem Interview mit dem Leiter
der Abteilung und einem Personaler wieder.
Nun wird sich bei uns ja grundsätzlich geduzt.
Ein Umstand, an den sich sogar ein Oldschoolsoldier
wie ich mit einiger Verzögerung hatte gewöhnen können.
Noch zwei weitere Umstände stellten sich als etwas
heraus, an das ich mich sehr rasch zu gewöhnen hatte:
- beide Gesprächspartner hatten den gleichen Vornamen
- beide waren erheblich jünger als ich
An jüngere Chefs und Chefinnen habe ich mich schon gewöhnt,
bei uns sind oft die Leiter die jüngsten in einer Abteilung.
Aber eine Differenz von zwanzig Jahren?
Neu für mich.
Da ich unterwegs nach Hause war, fuhr ich auf der A8 auf
einen Parkplatz, montierte das Handy an der Frontscheibe
und stellte den Hintergrund im Call unscharf.
Das Gespräch ging eine volle Stunde.
Im Prinzip sollte einen die grundlegende Struktur solcher
Gespräche nicht überraschen, da sie schematisch ablaufen
und trotz aller Situationsdynamik vorhersehbar choreografiert
sind.
Auch wurden Testsituationen simuliert.
Beispielsweise wollte man wissen, wie ich in einem Seminar
mit einem großmäuligen Allesbesserwisser (den es ja doch
immer gäbe) umgehen würde und der die Gruppe zu sprengen
drohte.
Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass wenn es zu einer fachlichen
Auseinandersetzung vor der gesamten Gruppe komme, der Trainer
aus meiner Sicht bereits vorher einen Fehler gemacht hätte:
Erstes Ziel noch vor Beginn des Seminars sei es, Meinungsbildner
und Lautstärke-Regler zu identifizieren und von vorneherein
entweder konstruktiv für die eigene Sache einzubinden oder
-falls das nicht möglich sei- sie zumindest zum Schweigen zu bringen.
Eine Kompetenzgerangel vor der Gruppe sei in jedem Fall zu
vermeiden und könne ggf. abseits des Seminars (bspw. in einer
Pause) geregelt werden.
Und dann ergänzte ich, dass ich jetzt etwas aus der frischen
Überlegung heraus hätte antworten müssen, weil mir so etwas
normalerweise nicht passieren würde.
Das löste kurz Verduztheit aus.
Der Abteilungsleiter fragte (für meinen Geschmack eine Spur
zu grinsend), worauf sich diese selbstbewusste Aussage gründe.
Ich erzählte von meinem allerersten Workshop mit 23 Jahren.
Wie ich ein undankbares Thema zu einem denkbar undankbaren
Termin vor einer Gruppe von 40 Personen hatte halten müssen,
die mit uninteressiert noch höflich hätten beschrieben werden
können. Und von denen ausnahmslos jeder im Raum älter war
als ich.
Und wie es trotzdem gelungen war.
Das sei eine gute Schule gewesen, von der ich noch oft hätte
profitieren können.
Ich bin nicht sicher, ob sie mir das abgekauft haben.
Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit im Gesprächsablauf
wurde ich dann an zwei Stellen doch noch überrascht.
Die erste war die Frage, was ich in den letzten 5 Jahren
im Nachhinein anders machen würde.
Und einen Moment lang verlor ich meine gebotene
Contenance und es antwortete aus mir heraus.
"Ich hätte mich schon früher scheiden lassen sollen."
Da war kurz Ruhe im Call - gefolgt von, dass die Frage auf
etwas Anderes hatte abzielen sollen.
Kurzes gemeinsames Lachen, trotzdem unnötiger Punktabzug
in der Haltungsnote, ärgerlich.
Die zweite war, weshalb ich mich nicht schon früher auf
eine Trainerstelle beworben hätte.
Wahrnehmung auf mein Alter an - was sich
meiner Einschätzung nach in Kürze als einer
der nicht offiziell genannten Absagegründe
herausstellen könnte.
Schnitzer bereits alerter.
Und antwortete, dass ich mich die letzten Jahre in
mehrerer Hinsicht in einer "Region Beta" befunden hätte,
ob sie damit vertraut seien.
Beide verneinten.
Ich erläuterte, dass der Wunsch zur Veränderung durchaus
früher schon bestanden hätte, die Lebensumstände noch
in der Verheiratetseinrolle aber eine Trainertätigkeit in
NRW dies zu einer Wochenendehe hätte werden lassen.
Was ich damals nicht in Kauf zu nehmen bereit gewesen wäre,
was aber nun -in veränderter persönlicher Lebenssituation und
nach Verlassen meiner Beta-Region - anders sei.
Danach endete der Vorstellungstermin bald.
Soweit ich das einschätzen kann, gab es nach mir nur noch
einen weiteren Vorstellungstermin, und das gleich im Anschluss.
Eventuell war meiner auch sogar der letzte.
Denn anderntags ging der Abteilungsleiter nochmal in Elternzeit.
Was der Grund für den rasch angesetzten Vorstellungstermin war.
Meiner Einschätzung nach bekomme ich in einigen Tagen wie
von denen angekündigt wieder Bescheid, und zwar eine Absage.
Vermutete Gedankengänge bei denen könnten sein:
- ich bin mutmaßlich einer der ältesten Bewerber
- ich habe nicht den Stallgeruch dieses speziellen Vertriebszweiges
- ich komme zu wenig teamorientiert rüber
- ich wirke zu selbstbewusst
- und last but not least:
die Ex-Frau arbeitet ebenfalls unter deren Vorstand
etwas frech erscheinen lässt, auch wenn
man sich so gut wie nie über den Weg
laufen würde, strukturbedingt.
Trotz aller Eignung, die nachzuweisen ich aber wohl
nicht die Möglichkeit bekommen werde.
Es war trotzdem ein gutes Gefühl, den Schritt nach draußen gewagt
und ein Bewerbungsgespräch geführt zu haben.
Sie rechnen mit einer Absage? Ehrlich? Ganz fest? Dann herzlichen Glückwunsch zum neuen Job. :-) Es kommt nämlich immer anders als man denkt.
AntwortenLöschenIhr Wort in Gottes Ohr! :-)
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