06 April 2022

Vom Telefonat mit der ex-Chefin

 
Sie hatte es schon einmal vorher probiert, auf meinem
Diensthandy durchzukommen.

Aber in jenem Moment war es mir, der ich bei ihr
IMMER mit hoher Priorität ans Telefon rangehe,
einfach völlig unmöglich gewesen, den Anruf anzunehmen.

Ich war nämlich gerade dabei gewesen,
3 Arabern und 1 Kroaten mit Händen und Füßen
zu bedeuten/erklären/herumzufuchteln,
wo sie in meiner neuen Wohnung was wo
und vor Allem WIE hinzustellen hätten.

Denn das war mein Helferteam am Tag
des Umzug gewesen. Im Moment ihres Anrufes.

"Tag des Umzugs" war übrigens auch supergeil gewesen:
Punkt 07:00,00001 Uhr hatte mein Handy geklingelt.

Also eine Femtosekunde, nachdem der NIGHT MODE sich
automatisch deaktiviert hatte, der KEINEN Anruf durchstellt.

Und dann sagte mir Herr Ahmid um 07:00 Uhr,
sie würden heute nicht kommen.
90 min vor Beginn sagt die beauftragte  Firma
Ihnen den Umzug ab, mein Wort drauf:

Da KÖNNEN Sie einfach nur irre lachen und den Obstler aufmachen.

Er erklärt sich mühevoll:
Heute, um 08:30 Uhr, seit Wochen geplant,
am Umzugstag, kämen sie nicht.
Weil: Sturmwarnung.
Zu gefährlich für seine Männer.

Deshalb hätten sie auch erst gar nicht versucht, die für
155 EUR bezahlte Halteverbotszone einzurichten,
falls die Schilder umkippen und Autos beschädigen sollten.

Überlegen Sie kurz selbst:
Sie renovieren seit Wochen TAG UND NACHT.

Um auf diesen.einen.Tag.
geradesoebenirgendiwiedochnoch fertig zu werden.

Und dann kommen die nicht und
verschieben den Umzug?

Alsojetzmalecht:
Ich fange an, jeden zu verstehen,
der DA morgens -halbzehninDeutschland- zur Flasche greift.


Nun also ihr zweiter Anrufversuch;
Es klingelt 0,5x, dann gehe ich ran.

Sie so:
"Woahh...... ich hatte eigentlich damit gerechnet,
dass ich Dich nicht erreiche!"

Ich so:
"Weißt Du doch: Sobald ich Hände frei habe,
gehe ich ran, wenn Du anrufst.
Aber da im Februar ging's echt nicht, das war mein
Umzugstag gewesen.Renovierungsurlaub."


Sie so:
"Und? Bist Du angekommen, in der neuen Wohnung,
im der neuen Funktion bei uns? Hast Du Dich eingefunden
in das neue Thema Krankenversicherung?"


Ich so: "Petra, im Ernst? Nein. Nicht mal ansatzweise."
...
Schweigen.
...
Sie so: "Wieso nicht, was ist los?"

ich so: "Der Umzug lief gut, aber alles davor und danach
war eine fucking Katastrophe.

Ich habe seit Wochen aufgeschlitzte Fingerkuppen von
der ganzen Handwerksarbeit, die Hände brennen wie Sau,
sobald ich drei Buchstaben eintippe oder mir nur die
Hände waschen gehe.

Die Wohnung fühlt sich an, als wenn ich jemand fremdes
AirBnB-Butze angemietet hätte.

An den 12 Krankenversicherungsschulungen konnte ich
zu 80% nicht teilnehmen, weil ich anderweitig Termine hatte,
die Scripts muss ich mir alle erst noch irgendwann reinziehen.

Deine Betriebsrenten-Seniorspezialisten-Ausbildung für mich
hab ich ungefähr 9x abbrechen wollen, mache jetzt aber doch
irgendwie noch nebenbei die IHK-Abschlussprüfung.

Alles, was ich derzeit kann, ist nur "Bälle zurückspielen" und
reaktives Arbeiten. Du weißt, das ist nicht wirklich mein Ding."


Sie so: "ooh....kaaaay, aber Du hast doch noch die RICHTIGE
Entscheidung getroffen, hier im Süden bei uns zu bleiben, ODER?!"

das "ODER" ist einen Tick zu offensiv,
das hat sie nicht bedacht,
das MUSS mir auffallen,
das sollte ihr klar sein:
Sie ist schließlich Führungskraft.

Aus diesem Grund DARF es sie nicht verwundern,
wenn meine Antwort nicht
vollständig ehrlich, sondern AUCH von
taktisch-positionellen Erwägungen
geprägt ist, sorry.


ich so: "Ja klar, aber es wird noch seine Zeit dauern,
bis ich mich in diese neue Rolle und diese neue Umgebung
hineingefunden habe. Ich bin auf einem guten Weg."

Es läuft gut, spiel weiter auf Zeit,
Du hast die besseren Karten,
alter Junge, bleib cool.
Am Ende des Tages ist auch SIE nur:
Eine Führungskraft.


sie so: "Ok, dann bin ich beruhigt.
Kommst Du an dem Dienstag zu meiner Teamrunde,
hast Du da Zeit?"


ich so: "Ja klar, ich habe schon den Eimer mit Gummibären
für Dich besorgt, ich kenne schließlich meine Aufgaben hier!"

sie so: "Echt jetzt?!"

ich so: "Natürlich. Ein Kilo. Wie immer."

sie so: "Aber nicht, dass die Kollegen das für eine
Teamspende halten!!"

ich so: "Ich werde den Eimer mit Deinem Namen beschriften
und ein Bild von DEXTER draufkleben, als kleine Mahnung."


sie so: "Und noch was...wie kommst Du mit...
meinem Nachfolger zurecht? Wie schlimm ist es?"


ich so: "Du? Erstaunlich gut. Er lässt mich in Ruhe,
er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann und zudem
ist sein Auftreten von dem Bewusstsein  beseelt, dass er in
8 Monaten auch wieder weg sein wird - das schafft Ruhe im Boot."

sie so: "Dann bin ich beruhigt. Komm DU weiter an
im neuen Job, in der Wohnung, sortier Dich, das brauchst Du.
Und nächstes Jahr greifen wir wieder gemeinsam an!"


So machen wir das.
Genau so.

Es sei DENN, mir fällt was Geileres irgendwo anders ein.
Für 2023.
Für die nächsten noch -sagen wir- 6 Jahre, die ich hier noch habe.

Bevor sie insitierend werden.
Bevor sie drängelig werden.
Und mich los haben wollen.
Altershalber.

Himmelherrgottnochmal, ich sage immer noch so Zeug wie
"wenn ich mal groß bin, dann..."
.

Und in Wirklichkeit bin ich schon auf der
übernächsten Vorruhestands-Target-Liste.

Ich glaube, ich will wirklich an meine Lyoner-Theke zurück.

 

2 Kommentare:

  1. Wenn ich mal groß bin... heißt hier: ich komme mir immer noch dämlich vor, wenn ich Leute in meinem Alter mit "Sie" ansprechen soll.

    Das mit der Umzugsfirma ist Mist. Wo hast Du denn die anderen Jungs gefunden?

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    Antworten
    1. So ein bisschen ist der Satz ja auch Trotz:
      "Ich WILL aber nicht erwachsen sein!"

      Und was das SIEZEN angeht, ich hab jetzt
      fünf Jahre gebraucht, um mich der "DU"-Kultur
      in unserer Firma anschließen zu können.

      Die Umzugsfirma, das WAREN die Jungs!
      Das Team war von einer gestandenen, schwäbischen
      Umzugsfirma mit urnorddeutschem Namen und Sitz
      in der Landeshauptstadt.

      Dann kamen diese niedlichen fleißigen Araber.
      Und nannten mich den "Mann mit dem Esel" auf arabisch ;-)

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