Frühsommer 1995
Ich sitze seit etwa 9 Monaten in meiner 36qm-
1-Zimmer-Bude gegenüber des Bahnhofs von Asperg.
Den Umzug aus der gemeinsamen 4-Zi.-Wohnung
nach der Trennung von meiner ersten Freundin
habe ich binnen 4 Stunden komplett allein abgewickelt:
Erstens bin ich niemand, der Andere um etwas bittet.
Zweitens besitze ich da noch nicht viel.
Drittens ist niemand mehr hier, den ich kenne und
um etwas bitten könnte:
Mit Ende unserer Ausbildungszeit sind nahezu alle,
die ich kannte, vor Kurzem weggezogen.
Viertens war ich da schon seit Monaten allein in der
alten Wohnung, die Ex war für die letzten Monate unserer
Ausbildung in eine Mädels-WG mit eingezogen.
Wie ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, sollte
mit diesem Umzug eine mehrjährige Phase als
Singlemann beginnen, die von wenig privaten Sozial-
(und vor allem Sex-)kontakten geprägt ist.
Die dafür aber ein umfangreiches Angebot an vielen
einsamen Abenden nach der Arbeit sowie einen stets
blühenden Strauß an Lambrusco-reichen Nächten bietet.
Wenn ich heute Fotos von mir aus dieser Zeit anschaue:
Unverständlich, dass ich so gar niemanden für mich
zu begeistern vermochte. Geradezu unglaubhaft.
Aber so ist das manchmal im Leben:
Hätte man wirklich gewollt, hätte man auch gemacht.
In diesen Jahren werde ich tausende Stunden vor MTV
und VIVA im Fernsehen verbringen.
Ich werde jedes Musikvideo ansehen,
das in den 90ern jemals rauskam.
Ich werde wissen, welcher Produzent diese Videos
gedreht hat (denn das wird damals noch zusätzlich zu
Künstler, Songname und Albumname mit eingeblendet).
Und ich werde so zum Fachmann für Musik der 90er.
Nachts gegen Mitternacht gibt es da eine kleine Miniserie,
eine Comicserie, die mich eigenartig fasziniert: THE MAXX.
dann ist Schluss.
Es geht um den Landstreicher MAXX,
ein "Obdachloser, der in einer Kiste lebt", ein merkwürdiges
lila Superheldenkostüm trägt.
Und dazu überdimensionale braune Stiefel.

Die Serie folgt den Abenteuern des Titelhelden in 2 Welten:
Der realen Welt und einer alternativen Realität, die als
Outback bezeichnet wird und die es nur in seiner Phantasie gibt.
Oder gibt es sie doch? Aber nur ER kann sie sehen?
Im Outback ist THE MAXX der mächtige Beschützer einer
Dschungelkönigin, bei der es sich in der realen Welt um
seine freiberufliche Sozialarbeiterin Julie Winters handelt.
In der realen Welt ist Julie diejenige, die THE MAXX mehrmals
rettet, in der sie ihm aus der Klemme hilft und das eine oder
andere Mal gegen Kaution aus dem Gefängnis rausholt.
In der Outback-Welt ist THE MAXX hingegen IHR Retter,
der sie gegen die Angriffe der Isz verteidigt (schwarze
rennende Blobs) und gegen den bösen Mr. Gone.
Schwierig wird die Lage für den MAXX, als Mr. Gone ihm
in BEIDEN Welten begegnet, im Outback und der Realwelt.
Nun muss er ihn auf mehreren Ebenen bekämpfen.
Wie sich herausstellt, wurde Julie als Teenager von einem
Mitfahrer vergewaltigt.
Als Bewältigungsmechanismus flüchtete sie in eine Welt, die
sie aus den Erzählungen eines Onkels (= Mr. Gone) kannte,
nämlich das australische - Outback.
Dort ist sie eine Königin des Dschungels, die ihr Leben im
Griff hat und alles kontrolliert.
Eines Abends überfährt sie mit ihrem Auto einen Obdachlosen,
den sie in Panik hinter Mülltonnen schleift und dort mit einem
Lampenschirm abdeckt, welcher zuvor mit ihrem "Outback"
in Verbindung stand.
Damit reißt sie unbewusst die Barriere zwischen realer Welt
und Ihrer Bewältigungswelt ein:
Der Lampenschirm verschmilzt mit dem Obdachlosen
und wird zu seiner Maske.
Der Obdachlose wird zu THE MAXX.
Die Serie ist noch im InternetArchiv zu finden und gehörte
zur MTV's ODDITIES -Reihe.
Enjoy :-).
Daher der Begriff Asperger-Syndrom.
AntwortenLöschenSie haben zwar Recht, ahnen aber nicht,
Löschenwie oft ich mir DEN schon habe anhören müssen.
Ich erinnere mich tatsaechlich dunkel an MTV Oddities! Eieiei, harte Kifferzeiten waren das damals, naechtelang haben wir vor der Glotze gehangen, gerne auch mal in den naechtlichen Werbeschleifen aus 0190er Nummern und Mr. Mixer gefangen, bis irgendeinem das Licht aufging, dass wir wieder drauf reingefallen sind und da wie immer auch heute kein Film mehr weitergehen wird bis zum naechsten Morgen :-D
AntwortenLöschenDas eigentlich bemerkenswerte an dem Post ist aber, dass das Zeiten waren, in denen man sich vom Ausbildungsgehalt eine Vierzimmerwohnung leisten konnte. Voellig abwegig mittlerweile.
Von ZWEI Ausbildungsgehältern, um genau zu sein.
LöschenIch meine, jeder von uns hätte ca. 1.600 DM bekommen, kann mich aber nicht mehr genau an die Miete erinnern, dunkel tauchen glaube ich 850 oder 900 DM im Hirn auf.
Verrückte Welt.