17 Dezember 2024

vom Kleeblatt im Schnee

Aufgewacht aus einem erneut wilden Traum.

Viele Menschen waren in meinem Wohnzimmer
gewesen, ich saß im Kreise von Unbekannten und
Bekannten.

Wie fast in jedem meiner Träume war auch die
Ex-Frau mit dabei. Wie ebenfalls in fast jedem meiner
Träume unterhalten wir uns ganz normal.

Ich frage sie, wie sie in ihrer neuen Funktion im Job
zurecht komme, ob es viel Fahrstrecken zu bewältigen gäbe.
Sie antwortet nicht.

Da beugt sich unser Ex-Vertriebsvorstand aus seinem Sessel
vor und fragt, ob er einen Espresso haben könnte.
Ich lasse durchzählen, wer noch alles einen Espresso haben
möchte und dann gehe ich in die Küche.

Dort steht die Exfrau schweigend neben mir und starrt mich an.
In diesem Moment geht der Handywecker der Liebsten an.

Frau Schachtldaifal schrieb heute nebenan, dasss Glück darin
bestehen könne, sich Neuem zu öffnen, mutig voran zu schreiten.

Also denn:
Überlassen wir es den Träumen, sich an Altem abzuarbeiten.

Wir können es ohnehin nicht vermeiden, daher: Nutzen wir
die Aufarbeitung von Altem, sobald unsere Augen zu sind.

Und sobald sie offen sind, lassen Sie uns nach vorne schauen,
in die Gegenwart und Zukunft. Und voranschreiten.

Und sollten Sie auf diese Art und Weise "Glück herzustellen"
als etwas anstrengend empfinden (so wie ich zur Zeit es tue):

     Seien Sie dankbar.
     Seien Sie sich bewusst, wie GUT Sie es haben.


Und dafür reicht bisweilen der Blick aus dem Fenster:

Vorgestern schaue ich aus meinem Dachfenster und
gegenüber steht der Rettungswagen vom Roten Kreuz.

Der Mann, der dort lebt, ist exakt mein Jahrgang.

Er lebt allein, bzw. genauer: Bei seiner 80+ Mutter.
Die IHN pflegt bzw. versorgt.

Er war wohl mal in einer Beziehung.
Aber das war einmal.
Nun ist er allein mit seiner Mutter.

Seit sie ihm ziemlich großflächig den Tumor aus dem Kopf
rauslasern mussten und dabei nicht zimperlich sein durften,
ist er langsam geworden im Denken, Sprechen, Handeln.

Und dann sind sie wieder am Start, die epileptischen Anfälle,
die seine alte Mutter immer seltener allein zu bewältigen vermag.
Daher der Rettungswagen.

Wie oft wohl noch, bis der orange-weiße Wagen gar nicht mehr kommt?
Wer noch bangt dieser Tage um einen Angehörigen,
eine Mutter, einen lieben Freund?

Also, falls nicht:
Seien Sie gewiss - Sie haben es gut.

Schnee und Kälte gibt es immer im Leben.
Aber übersehen Sie nicht das Kleeblatt dazwischen.



2 Kommentare:

  1. Danke dafür.
    Wir sind viel zu wenig demütig in unserem Leben. Und es gibt immer mehr Menschen, die das Wort "Demut" überhaupt nicht kennen ...

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    1. Und das spürt man immer mehr.
      Auch ich hab das früher nicht in dem gebotenen Umfang auf meinem Radar gehabt. Als mir die ersten Male Arroganz vorgeworfen wurde, kam ich ans Nachdenken.

      Und außerdem würde ich behaupten, dass ein "Mehr" an Demut tatsächlich zu einem zufriedeneren Leben führt.

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