Als Seriengucker kann ich mich wahrlich
nicht bezeichnen, zumal ich die gefühlt
wenige freie Zeit lieber vor dem PC als
dem TV verbringe.
Aber da ist ja jetzt die Frau hier bei mir im Haus.
Die will schon hin und wieder mal was gucken.
Und ich gebe zu, dass ich nicht allzu widerwillig
da mitmache.
Das bringt mich zu (m)einer Kurzzusammenfassung
der letzten Serienjahre:
THE STRAIN (abgedreht)
Note 4- / ca. 40 min pro Episode in 4 Staffeln
Eine sensationelle erste Staffel, muss man unbedingt
gesehen haben, wenn der Magen das Thema Vampirzombies verträgt,
unter der Bedingung, keinesfalls danach weiterzuschauen, weil
die Serie auf 3 Staffeln ausgelegt war, Regisseur Guillermo del Toro
aber nach der ersten im Prinzip weg war und das sieht man leider.
Plot in a nutshell:
Eine durch Würmer übertragene Vampirseuche breitet sich von
New York über die Menschheit aus und wir verlieren. Gott sei Dank
kämpft ein kleine Gruppe teils jüdischer Widerständler gegen
den Altnazivampir (sensationell gespielt von Richard Sammel,
der einem Christoph Waltz in nichts nachsteht).
Absolut albernes, hastig zurechtgebogenes Finale mit stark
überzogenen herbeibemühten Gesichtsparallelen (die
Menschheit wird in Konzentrationslager als Arbeitssklaven
weggesperrt) und zum Ende hin lächerlicher Freeware-CGI,
der man das nahe Budget-Ende in jeder Einstellung ansieht
und mit 2 Atombomben auf New York jedwede Glaubwürdigkeit
aufgibt.
Alle Darsteller außer 2 sterben, aber
nach einem Jahr: Alles wieder sonnig und grün und bewohnt.
Sehr sehenswert ist die Staffel 1, aber bitte spätestens
zum Ende der 2. Staffel freiwillig abbrechen.
GAME OF THRONES (abgedreht)
Note 3- / 50+ min pro Episode in 8 Staffeln
Die potenziell beste Serie der Welt, die spürbar unter dem
zunehmend lustlosen Produzententeam "D&D" litt und
bis zur 4. Staffel uneingeschränkt zu empfehlen war, danach
aber mangels Fortschreibung der Romanvorlage in die
rohe und ideenärmer werdende Gewaltdarstellungen abglitt,
die jede Lust auf einen rewatch wegätzte.
Plot in a nutshell:
(nicht nötig - kennt jeder, ist halt Fantasy)
Figuren, Darsteller, CGI = phantastisch, aber ein unglaublich
schlechtes, zu Recht verschrienes Finale, was dazu führte,
dass die Anzahl der Serienwiederholungsgucker weltweit
sogar in Coronazeiten zwangsweise zuhause null betrug.
Ab der 3. oder 4. Staffel verschwanden die Porno-Elemente
und jedwede Freude aus der Serie und die letzten 20 Episoden
hat man im Prinzip nur noch geschaut, weil man nach Jahren
endlich noch sehen wollte, wie es mit dieser unnötigen
Gewaltorgie zu Ende ging und wie die Macher es in den letzten
5 Serienstunden schaffen, noch mal eben ein paar dutzend
Chartaktere zu entsorgen.
Zum Autor der Romanvorlage A SONG OF FIRE AND ICE
habe ich ohnehin eine explizite Meinung und ich gehe nicht
davon aus, dass er überhaut noch in der Lage wäre, diesen
Roman fertigzustellen, was inzwischen aber ohnehin niemanden
mehr interessiert, etliche Jahre nach Serienende.
Eine der wenigen Serien, die ich anzusehen, aber mittendrin
abzubrechen empfehle (zum Ende der Staffel 4).
THE CONSULTANT
Note 3+ / 35 min pro Episode in 1 Staffel
Plot in a nutshell:
Ein sehr guter, aber nicht überragender Christoph Waltz
übernimmt die Leitung in einer durch von ihm initiierten
Selbstmord des CEO führungslos gewordenen Spieleentwicklerfirma.
Nach und nach kommen einige Mitarbeiter dahinter, was
mit ihm und dem Storyverlauf nicht stimmen kann, während
sie unter seinen Marotten und dem Fehlen jedweden authentischen
Sozialverhaltens seinerseits leiden.
Brauchbare, aber austauschbare Hauptdarsteller, ausgenommen
der genannte Deutsche, eine interessante Geschichte mit
unangenehm vielen nicht zu Ende erzählten Geschichtsfäden
und Logikbrüchen und einem offenen Ende, das ratlos und
unbefriedigt zurücklässt.
Kann man mal reingucken und nach Folge 1 immer noch entscheiden.
SQUID GAME
Note 1- / 30+ min pro Episode in 1 Staffel
Plot in a nutshell:
Per Visitenkarte anonym angelockte Teilnehmer in finanziellen Nöten
konkurrieren in Kinderspielen um einen Geldpreis, finden aber erst
währenddessen heraus, dass die Einsätze tödlich sind, ohne aussteigen
zu können. Der Geldpreis steigt mit jedem weiteren Toten.
Phantastische Regie, Kameraführung, Rollenbesetzung,
erholsamer Ausgleich koreanischer Provenienz zu dem Überangebot
an Streamingdienst-Massenproduktionsware, trotz verzeihlicher
gelegentlicher Überstrapazierung des Hergangs.
Zu recht gefeiert, unbedingt sehenswert, keine Episode ist schlecht.
LOVE DEATH & ROBOTS
Note 2- / zwischen 6 (sechs) und 21 min pro Episode in 3 Staffeln
Plot in a nutshell:
Animationsserie unterschiedlicher Filmemacher aus der ganzen Welt,
die in futuristischen Utopien oder Dystopien spielen, im Weltraum,
alternativen Realitäten oder auf fremden Planeten.
Die Themen sind Gewalt, Sex, Roboter oder künstlichen Intelligenzen.
Sehr interessant, einmal wieder Animationen auf dem aktuellen
technischen Fertigungsvermögen zu sehen, die NICHT nach
Manga & Co. aussehen.
Die eine oder andere Folge ist unnötig splatterig, weshalb die
Liebste nicht mehr weiter mit schauen möchte.
Aber mir liegt die Kombination aus SF, Animation und Kürze sehr.
Empfehlung für den, der animierte Dystopien abkann.
YELLOWSTONE (abgedreht)
Note 1- / 40+ min pro Episode in 5 Staffeln
Eine der besten Serien überhaupt, sofern man bereit ist, sich auf
die Themen Montana / Kevin Costner / Cowboyleben einzulassen.
Nicht nur schafft es der Cast, neben Kevin Costner zu bestehen,
manche Hauptdarsteller überholen Costner gar in nicht mal
wenigen Szenen.
Plot in a nutshell:
Wittwer John Dutton gehört seit Generationen die größte Rinderfarm
der USA. Konflikte zwischen seinen erwachsenen Kindern, mit Indianern,
skrupellosen Finanzhaien und im Team seiner angestellten Cowboys
resultieren in Hass, Mord, Alkoholsucht on top zu anderen kleineren
Auseinandersetzungen (Touristen, Motorradgang,...)
Die Serie ist fertig abgedreht und kann ab Dezember 2024 daher
problemlos "gebinged" werden, die letzte Staffel war gesplittet,
da Costner als bekanntermaßen launiger Hauptdarsteller
kurzfristig ausstieg.
Die Figuren sind so hervorragend besetzt worden
wie seit Game of thrones nicht mehr.
Die Geschichten wirken nahezu nie unglaubwürdig.
Die Kinder der Hauptfigur, allen voran die Tochter Beth
wären allein schon ein spin-off wert.
Man kauft Costner den wortkargen Kauzkopf sofort ab.
Absolut bingenswert, vor allem jetzt unmittelbar nach Serienende.
1883 (abgedreht)
Note 3- / 43+ min pro Episode in 1 Staffel (abgedreht)
Kurzserie in 1 Staffel, die als erstes Spin-Off zu
YELLOWSTINE raus kam.
Plot in a nutshell:
In der Vorgeschichte zu YELLOWSTONE kommen die
Vorfahren der Duttons und eine hoffnungslose Schar
polnischer Aussiedler in den USA an und machen sich
auf den Trail nach Westen.
Erwartetermaßen sterben fast alle dabei.
Handwerklich brauchbar gemachte Serie, die stark von den
Hauptdarstellern Isabell Mey und Sam Elliot lebt.
Sehr viele und intensive Gewaltszenen, die sich mit den
romantischen Erlebnissen der Teenagerin-Hauptfigur abwechseln,
aber auch toll und berührend erzählte Hintergründe aus der
Vergangenheit der Hauptfiguren.
Extrem nervig sind die aus dem Off immer wieder erzählten
Gedanken der weiblichen jungen Hauptfigur, deren deutsche
Synchronstimme absolut vergeblich und lächerlich versucht,
einen Hauch von Verruchtheit und emotionaler Tiefe in die
bisweilen lachhaften Gedankensprechs reinzudrücken.
Lieber nicht mit anfangen.
1923
Note 4+ / 47+ min pro Episode in 2 Staffeln
Kurzserie in 2 Staffel, die als zweites Spin-Off zu
YELLOWSTINE raus kam.
Plot in a nutshell:
Dürre, Heuschrecken und feindliche Auseinandersetzungen
haben die Familie Dutton kurz vor den Ruin getrieben,
Die letzte Hoffnung von Mutter Dutton ruht auf Neffe Spencer,
der aber erst monatelang aus Afrika in die USA anreisen muss.
Helen Mirren und Harrison Ford sind extrem prominente Besetzungen,
wobei man Harrison Ford den knurrigen Farmer Dutton keinesfalls
so glaubwürdig abkauft wie einem Kevin Costner in der Hauptserie.
Seine Dialoge sind einfach fürchterlich, die deutsche Synchronstimme
verschlimmert diese tatsächlich noch ganz erheblich.
Man freut sich über jede Szene, in der Harrison Ford NICHT auftaucht.
Auch der sensationell spielende GoT-Star Banner Creighton rettet
diese Serie nicht.
Weil ich aber noch sehen will, wie Neffe Spencer Dutton den Laden
aufmischt sobald er in Montana ist und ob es mit seiner Liebe zu
Alexandra noch was wird, werde ich auch die zweite = letzte Staffel gucken.
Übrigens ist auch hier wieder die extrem ätzende deutsche Off-Stimme
am Werk, die auch in 1883 schon ruinös zu Gange war,
dem Herrn sei Dank aber nicht mehr so häufig.
Nicht mit anfangen.
FALLOUT
Note 2+ / 45+ min pro Episode in 1+ Staffeln
Postapokalyptische Serie, die in einer alternativen Zeitlinie nach den
50er-Jahren spielt und sich an die FALLOUT-PC-Game-Serie anlehnt.
Plot in a nutshell:
Nach Verödung und Verseuchung der Erdoberfläche infolge des
Atomkriegs in den 50er Jahren leben die verbliebenen Menschen
seit Generationen in abgeschlossenen, durchnummerierten Bunker-
Ortschaften (vaults ) unter der Erde und kämpfen um überlebens-
notwendige Ressourcen.
Nach 200 Jahren beschließt die junge Frau Lucy, ihren Vault 33
illegal zu verlassen und an die Erdoberfläche zu reisen, um ihren
verlorenen Vater dort wiederzufinden.
Sie betritt eine wüste Ödnis und findet die Ruinen eines Los Angeles,
das aus dem Mad-Max-Traum eines Terry Gilliam hätten entspringen können.
Teils skurile, teils an Comics erinnernde Dialoge und Storyverläufe,
immer wieder an BRAZIL und TWELVE MONKYES erinnernde
retrofuturistische Elemente, sehr sehenswerte Darsteller (Ella Purnwell,
Kyle MacLachlan) erzeugen hohen Suchtfaktor, sobald man sich
auf diese Art Serie erst einmal eingelassen hat.
Ich habe die Staffel innerhalb 24h komplett gesuchtet und harre
nun ungeduldig der Fortsetzung.
Hohe Empfehlung.
MANIFEST
Note 5 / 42 min pro Episode in 4 Staffeln
Plot in a nutshell:
Als die Passagiere eines Jamaika-Fluges in New York aussteigen,
sind seit dem Start der Maschine nicht wenige Stunden, sondern
5 1/2 Jahre vergangen und keiner weiß, warum - alle waren seit
Jahren für tot erklärt worden und müssen sich nun in einer Welt
zurecht finden, die sich von ihnen bereits verabschiedet hat.
Die Zurückgekehrten erleben zudem plötzlich Stimmen und Visionen,
welche auf Ereignisse aus der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft
hinweisen, was die ganze Situation weiter verkompliziert.
Der unspektakulär besetzte Cast startet gut in das interessante
Gedankenspiel hinter dem Drehbuch, einzig die weibliche Hauptfigur
(Melissa Roxburgh) kann hin und wieder positiv punkten.
Alsbald verirren sich Regisseur und Serienschreiber in aberwitzige,
völlig abwegige (und dazu schlecht animierte) Teilplots, deren
Tiefpunkt für mich erreicht war, als man die grimmiger werdende
Macht des Schicksals erfolgreich beruhigt, in dem man -Achtung-
in den lodernden Spalt tobender Lava, der sich mitten auf einem
U.S.-Highway über Nacht aufgetan hat, ein vom Vatikan per Paket
heimlich zugesendetes Holzstück der Arche Noah (!!) wirft,
woraufhin dieser sich schließt und den Protagonisten wieder etwas
zusätzliche Zeit verschafft.
Wäre die finale Folge nicht doch noch so freundlich und versöhnlich
verlaufen, wäre das Ding nah an einer Schulnote 6 gewesen.
Keinesfalls mit anfangen.
RAY DONOVAN (abgedreht)
Note 2+ / 44 min pro Episode in 7 Staffeln + Abschlussfilm (120 min)
Plot in a nutshell:
Als eine Mischung aus Privatdetektiv, Auftragskiller und Mann
fürs Grobe verdient Ray Donovan in L.A. sehr gutes Geld.
Trotz funktionaler Ehe mit Kindern plagen ihn Traumata,
er trinkt extrem viel Alkohol, geht bei jeder Gelegenheit fremd,
wäscht Geld in seinem Boxclub, in welchem auch seine Brüder
Bunchy und Terry zu finden sind.
Als der wegen des Mordes an seiner Frau einsitzende Vater
freikommen soll, beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen.
Die Serie lebt von einer guten Story, die glaubwürdig immer
weitere Fäden hervorbringt und extrem gut besetzten Charakteren.
Nicht nur Jon Voight und Susan Sarandon spielen großartig,
auch die Brüder der Hauptfigur sind treffsicher besetzt.
Die Geschichte von 3 kleinen Jungs, die vom Gemeindepriester
missbraucht wurden, die den Selbstmord ihrer Schwester und
den Mord an ihrer Mutter nie verkraftet haben, wird zunehmend
intensiver und packender erzählt, auch wenn nicht jede der Episoden
das Prädikat "sehenswert" bekommt, Jon Voight bisweilen ins
Klamaukhafte abdriftet und ausgerechnet die Hauptfigur Ray Donovan
bisweilen unverständlich misogyn und rätselhaft abweisend
daherkommt, ohne dass die Handlung das hergegeben hätte.
Dass der Hauptdarsteller und an der Produktion beteiligte Liev Schreiber
im Verlauf der Serie sichtlich an Gewicht zugelegt hatte,
fand ich irritierend, hat aber bald nicht mehr gestört.
Statt einer achten Staffel gab es einen finalen Film in
Kinolänge (120 min), der auf exzellente Weise alle Fäden auflöst
und dessen letzte Minuten zum Sehenswertesten gehört,
an das ich mich erinnern kann.
Unbedingt sehenswert, lässt sich auch perfekt durch-bingen.
THE BLACKLIST (abgedreht)
Note 1 / 44 min pro Episode in 10 Staffeln
Plot in a nutshell:
Just an dem Tag, an dem eine junge, unerfahrene FBI-Agentin
ihren ersten Arbeitstag antritt, spaziert einer der meistgesuchtesten
Verbrecher und ehemalige Regierungsagent Raymond Reddington
in die FBI-Zentrale und stellt sich widerstandslos.
"Red" erklärt sich im Verhör bereit, als Kronzeuge bei der Aufklärung
einer sehr großen Serie unentdeckter und unaufgeklärter Schwerverbrechen
mitzuwirken unter der Bedingung, dass ihm Immunität gewährt werde
und er exklusiv nur mit dieser junge Agentin die Aufklärung betreibe.
Im Laufe der nächsten 10 Jahre, in denen die Serie lief, wird immer
mehr klar, wie die Menschen zusammenhängen, was sie verbindet,
auf was es hinausläuft.
James Spader spielt die Hauptfigur "Red" fulminant und mit einer
ordentlichen Portion Charme und geradezu falsetthafter Nonchalance,
die den Zuschauer bisweilen etwas fordert.
Die Serie ist mit Nominierungen und Auszeichnungen plakatiert
worden und lief völlig zu Recht fast schon biblische zehn Jahre.
Nahezu jede einzelne Episode ist sehenswert, Logikbrüche bzw.
stark gefaltete Zeitlinien (Reisedauern über den Atlantik!) stören
nicht den Erlebnisgenuss.
Die Rezensionen deutscher Provinzjournaille auf Wikipedia
zu dieser Serie sind an Lächerlichkeit fast nicht zu überbieten,
es handelt sich unzweifelhaft um meine Liebslingsserie bisher.
Prädikat "unbedingt ansehen".
Ich selbst habe die 10 Jahre runtime in 4 Monaten durchgebinged
und fand es exzellent investierte Feierabendzeit.
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Er freut sich über Ihre achtsame Wortwahl, einen freundlichen Ton und Ihren von Miteinander beseelten Gedankengang.
Und in allen anderen Fällen löscht er kommentarlos.
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