nicht wenigen peinlichen Momente zu erinnern.
Damit meine ich: An jeden. An sie alle.
Die zweite Klasse, Grundschule. Legendärer Tag.
An dem ich zu Unrecht für etwas beschuldigt und
vor versammelter Klasse von einer fremden Lehrerin
bloßgestellt wurde, die sich missachtet gefühlt hatte.
Mit genau einem Menschen in der ganzen Schule,
der mir glaubte: Meiner Klassenlehrerin.
Dann die Sache mit der Haustürklingel am allerersten
erzwungenen Mama-Wochenende nach der Scheidung
meiner Eltern. Da war ich vielleicht elf.
Bei der Großmutter, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Und die oben aus dem offenen Fenster im ersten Stock
lehnend sah, wie ich ängstlich neben die Türklingel meinen
Daumen in die Hauswand presste, damit es nicht klingelt.
Damit es nicht klingelt, ich vielleicht entkommen könnte,
und damit die nächsten Stunden doch noch irgendwie
umgehen zu können, welche aber natürlich das Ausbleiben
der Türglocke und damit meinen Trick identifiziert hatte
und von oben unterkühlt und herrisch zu mir hinunter rief,
dass sie es bemerkt hätte, was ich da versuche.
Und so weiter.
Noch dutzende solcher Erinnerungen hab ich im Kopf in einer
"nicht wegwerfen, wird noch dringend gebraucht!" -Schublade.
Weiß der Geier, weshalb sie da liegen.
Wozu sie noch gut sein sollen.
Das Gute am Älterwerden (und davon gibt's gar nicht so viel)
ist, dass immer weniger neuer solcher Momente hinzukommen
in diese Schublade.
Schön zu spüren, dass Einem immer mehr immer gleichgültiger wird.
Aber auch schlimm zu erleben, dass immer weniger Spaß macht.
Neulich aber war wieder so ein Moment, der sich einen sicheren,
dauerhaften Platz in dieser Schublade gesichert hat.
Eine Frau, die ich leider nur ein einziges Mal (und da auch
nicht so richtig) geküsst hatte, was zudem auch noch zehnplus
Jahre her war, erzählte öffentlich von einer sexuellen Phantasie,
von ihrer Begierde für einen Mann.
Und weiß der Teufel was mich da geritten hat, aber plötzlich
fühlte ich mich damit gemeint, angesprochen, adressiert.
Geheimer Wunsch, wie ich vermute, ewig nicht mehr
ihr gegenüber auszusprechen getraut, kaum steuerbar,
alle Vernunftsicherungen wegschwemmend wie eine Flut.
Aber so ist das, wenn man sich plötzlich und unerwartet wertvoll
und begehrt fühlt: Man macht Unsinn.
In meinem Fall bestand der darin, sie direkt anzutexten
und sie in ähnlicher Art und Weise zu adressieren.
Und dann tatsächlich Tage (!) zu brauchen um zu kapieren,
dass es gar nicht um mich ging, nie hätte gehen können,
einer Fiktion aus einer längst vergangenen Zeit aufgesessen
zu sein.
Den Effekt, den das Ganze nun, Monate später, hat,
den mag ich:
Dieser -wie ich hoffe letzte- Anfall von Selbstüberschätzung,
von Übermut und Fehleinschätzung der eigenen Person,
der eigenen Attraktivität und Strahlkraft,
er hat mich vorsichtiger, demütiger werden lassen.
Es vergeht fast kein Tag, wo ich nicht an ihn denke,
wo die Kräfte dieser neu erlebten, neu verschalteten Sicherung
in meinem Kopf nicht greifen, wirken, steuern würden.
Ich spüre, wie diese Sicherung Gedanken in ihrer Entstehung
bereits absorbiert. Hätte es sie nur in vielen Jahren zuvor
schon gegeben, was wäre mir alles erspart geblieben.
Aber das Gefühl, was es auslöste:
Das ist, was ich ganz und gar nicht mag.
Noch dutzende solcher Erinnerungen hab ich im Kopf in einer
"nicht wegwerfen, wird noch dringend gebraucht!" -Schublade.
Weiß der Geier, weshalb sie da liegen.
Wozu sie noch gut sein sollen.
Das Gute am Älterwerden (und davon gibt's gar nicht so viel)
ist, dass immer weniger neuer solcher Momente hinzukommen
in diese Schublade.
Schön zu spüren, dass Einem immer mehr immer gleichgültiger wird.
Aber auch schlimm zu erleben, dass immer weniger Spaß macht.
Neulich aber war wieder so ein Moment, der sich einen sicheren,
dauerhaften Platz in dieser Schublade gesichert hat.
Eine Frau, die ich leider nur ein einziges Mal (und da auch
nicht so richtig) geküsst hatte, was zudem auch noch zehnplus
Jahre her war, erzählte öffentlich von einer sexuellen Phantasie,
von ihrer Begierde für einen Mann.
Und weiß der Teufel was mich da geritten hat, aber plötzlich
fühlte ich mich damit gemeint, angesprochen, adressiert.
Geheimer Wunsch, wie ich vermute, ewig nicht mehr
ihr gegenüber auszusprechen getraut, kaum steuerbar,
alle Vernunftsicherungen wegschwemmend wie eine Flut.
Aber so ist das, wenn man sich plötzlich und unerwartet wertvoll
und begehrt fühlt: Man macht Unsinn.
In meinem Fall bestand der darin, sie direkt anzutexten
und sie in ähnlicher Art und Weise zu adressieren.
Und dann tatsächlich Tage (!) zu brauchen um zu kapieren,
dass es gar nicht um mich ging, nie hätte gehen können,
einer Fiktion aus einer längst vergangenen Zeit aufgesessen
zu sein.
Den Effekt, den das Ganze nun, Monate später, hat,
den mag ich:
Dieser -wie ich hoffe letzte- Anfall von Selbstüberschätzung,
von Übermut und Fehleinschätzung der eigenen Person,
der eigenen Attraktivität und Strahlkraft,
er hat mich vorsichtiger, demütiger werden lassen.
Es vergeht fast kein Tag, wo ich nicht an ihn denke,
wo die Kräfte dieser neu erlebten, neu verschalteten Sicherung
in meinem Kopf nicht greifen, wirken, steuern würden.
Ich spüre, wie diese Sicherung Gedanken in ihrer Entstehung
bereits absorbiert. Hätte es sie nur in vielen Jahren zuvor
schon gegeben, was wäre mir alles erspart geblieben.
Aber das Gefühl, was es auslöste:
Das ist, was ich ganz und gar nicht mag.

Man(n) vergisst fast alles, aber niemals diese Momente, weiß der Teufel, wieso unser Gehirn so gepolt ist. Und willkommen im Club, wer hat nicht schon mal an einer Selbstüberschätzung seine Grenzen kennengelernt. WolfE
AntwortenLöschenDas würde ich sogar als die purste Quelle meines Grenzenkennenlernens bezeichnen. Kein Kompliment an mich selbst, aber eine Erkenntnis, die wertvoll ist.
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