Stehe mit frisch gewaschenen Händen in der Küche
vor dem geöffneten Küchenschrank und starre
verwirrt in ebenjenen.
Es handelt sich um den Teil der Küche, in dem
sämtliche Schüsseln, Behälter und Mikrowellenteller
von Tupperware lagern, und ich weiß intuitiv nur,
dass ich hier gerade falsch bin.
Erstens lagern hier gar nicht alle Tupper-Sachen.
Nie und nimmer würde mein Bestand, selbst infolge
post-ehelicher Aufteilung auf ein Minimum geschrumpft,
je ausreichen, um ihn in einem Schrank unterzubringen.
Zweitens ist das, was ich suche, nicht in diesem Schrank.
Weil -soviel ist mir jetzt bereits klar- das, was ich suche,
kein Tupper-Element ist.
Leider fällt mir jetzt, nur wenige Sekunden nach Öffnen
des Schrankes, aber auch partout nicht mehr ein,
wonach ich hier tatsächlich und vergeblich
gesucht haben könnte. Tupper ist es jedenfalls nicht.
Schließe die Küchenschranktür wieder und diszipliniere
meine in frustrierte Unruhe fallende Atmung.
Beginne zu verstehen, weshalb demente Menschen mit
zunehmender Progredienz so aggressiv werden.
Sehe mich um.
Bemerke auf der Spüle die zum Abtropfen auf dem Kopf
stehenden (weil frisch gespülten) Einzelteile der Butterdose
aus Keramik.
Da guck an, die nächste Merkwürdigkeit:
Ich habe dafür doch eine Spülmaschine?!
Wieso spüle ich das von Hand?
Aber ah, okay, das erklärt immerhin die nassen Hände.
Wir sind einen Schritt weiter.
Sehe mich weiter um.
Auf dem Herd liegt eine prall gefüllte Brötchentüte
vom Bäcker Nelles.
Stimmt, ich war ja dabei, Frühstück zu machen.
Stimmt, und dann fiel mir auf, dass die Butterdose
fast leer war, und deshalb wollte ich sie vor dem
Frühstücken noch schnell von Hand sauber spülen und
dann - wieder auffüllen.
Mit Butter. Neuer, frischer Butter.
Butter, Rain, BUTTER, nicht TUPPER!!
GottverficktescheißewasistnurmitDeinemGehirn.
Gehe einen Schritt weiter, am Tupperschrank vorbei,
öffne die Kühlschranktür und hole die bereitgelegte Butter
heraus, trockne die Butterdose vollends ab, befülle sie mit
neuer frischer BUTTER und rufe die Liebste dann
ins Obergeschoss hinunter zur Frühstückseinnahme.
Ist das der Anfang vom Untergang oder nur eine kurzzeitige Verwirrung?
AntwortenLöschenRichtig problematisch wird es vermutlich erst, wenn die Erinnerung nicht mehr reicht, um darüber zu schreiben. Darum gehe ich zunächst von einer Verwirrung aus und rate noch nicht zu einem Arztbesuch.
Das ist der Anfang vom Untergang, kein Zweifel.
LöschenAllein schon die bisher in 2024 aufgelaufenen Arztrechnungen lassen daran keinerlei Zweifel ;-).
Du weißt, dass das davon kommen kann, dass du schonmal Corona hattest?
AntwortenLöschenhttps://www.uni-kiel.de/de/unizeit/uz/news/vergesslich
Pass auf dich auf.
Wenn ich mich recht entsinne (falls!), war das VOR Corona keinen Deut besser. Was allein die Exfrau mir anlässlich der Trennung alles wieder in die Erinnerung gerufen hatte, allerhand! Ob verheiratet sein ähnliche Symptome wie Corona hervorruft? Erklären würde es zumindest so einiges.
Löschen"...ins Obergeschoss hinunter..." ist dann der nächste Faux-Pas, den ich erkenne. "Vom Obergeschoss herunter" oder "ins Obergeschoss herauf" hätte ich eher erwartet. Oder ist es etwa ein dialektischer Ausdruck?
AntwortenLöschenNa endlich spricht es mal jemand an. ich warte da schon TAGE drauf.
LöschenNein, die Formulierung stimmt genau so - die Liebste befand sich nämlich zu jenem Zeitpunkt im DACHgeschoss, aus Sicht ebenjenes ist das OBERgeschoss also darunter, sprich „eins tiefer“.
Und um die Erläuterung zu vervollständigen, es gibt hier auch noch ein Erdgeschoss in dieser Wohnung, da befinden sich aber nur die Haustür, unglaublich viele Schuhe - und ein Schrank mit Jacken, Mänteln, Schals und Mützen.
Und einem 10-Ender-Hirschgeweih.
Auch wieder so ne längere Story.