04 Februar 2024

Orwell lag falsch

 
Visionen, eher Dystopienüber die Zukunft wurden
schon immer verfasst.

Die uns Geläufigsten dürften wahrscheinlich
Orwell's "1984" und Huxleys "Brave new world" sein.

Orwell mahnte warnend vor einem totalitären
System der Zukunft, Huxley beschrieb satirisch
eher die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit.

Obgleich wir vieles von dem, was Orwell beschrieben hat,
in unserem heutigen Alltag widergespiegelt sehen (oder
dies zu erkennen glauben), bin ich eher "Team Huxley":

Orwell fürchtete jene, die Bücher verbannen würden.
Huxley fürchtete, niemand würde Bücher mehr lesen wollen.

Orwell ging in 1984 davon aus, dass die Bewohner über
Angst bzw. Schmerz gesteuert werden würden.
Huxley ging in BNW davon aus, dass die Bewohner über
Sinnesfreuden und Spaß gesteuert werden würden.

Und das für mich Relevanteste:

Orwell postulierte, dass die Wahrheit von
den Menschen ferngehalten werden würde.

Huxley postulierte, dass die Wahrheit in
einem Meer der Irrelevanz einfach untergehen
und vor lauter Sinnesfreuden gar nicht mehr
wahrgenommen werden würde.

In Summe erlebe ich unsere Zeit
eher als Huxleyzeit denn als Orwellzeit.

4 Kommentare:

  1. Kann es nicht auch eine Mischung aus Orwell und Huxley sein?

    Während Huxley in dem Sinne korrekt ist, dass niemand mehr Bücher lesen wird, da die bildliche Aufbereitung durch Film und fernsehen ja so viel einfacher zu konsumieren ist, hat auch Orwell seine Daseinsberechtigung: Es werden, mangels gelesener Bücher, nicht mehr jene verbrannt, sondern die entsprechenden Medien. Nicht umsonst tönt doch der Wunsch nach "Abschaffung der Systemmedien" durchs braune Geäst.

    Die Steuerung der Bevölkerung funktioniert sowohl über Sinnesfreuden und Spass ("Antalya für nur 250 € inklusive Flug, 14 Tage Vollpension!"), als auch über Angst und Merz ("Die Flüchtlinge nehmen uns ALLES weg, selbst unser Schnitzel und unseren Zahnarzttermin!").

    Huxley hat zwar Recht, dass es immer schwieriger wird, die Wahrheit zwischen all den populistischen, irrelevanten Meldungen herauszulesen, aber auch hier ist Orwell nicht ganz von der Hand zu weisen. So wurden lange Jahre Forschungsergebnisse des Einflusses von fossilen Brennstoffen auf das Klima unter Verschluss gehalten, da es der Dolchstoß für die Erdölindustrie gewesen wäre.

    Ich denke, dass beide Recht haben.

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    1. Ja. Das hört sich völlig schlüssig an - und somit leben wir in der ORLEY-Zeit!

      Also: Zwei Dystopien zugleich, und das in der Zeit EINES Menschenlebens. Wir sind wahrlich gesegnet.
      Verbleibender Trost: Im Mittelalter war‘s noch beschissener.

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    2. Ich füge noch "Brazil" als Dystopie hinzu. Das wird alles so toll <3

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    3. "BRAZIL" hab ich hier grad täglich zuhause, mehr in Kürze^^

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